Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 114 (5.8.1921)
- Date
- 1921-08-05
- Page
- Seite 244 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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der in diesen Ländern bereits naturalisierten Juden eintreten London. In der Sitzung der Deputierten der israelitischen Gemeinde in London berichtete.Präsident Baron Stuart Samuel über seine Reise in Palästina. Er sei nur als Privatmann hingefahren, sei aber, entsprechend seiner 'Stellung als Präsident der britischen Juden, sehr ehrenvoll empfangen worden. Hiesige Blätter beklagen sich darüber, daß die britischen Steuerzahler eine große Summe Geldes hergeben müssen, uin ein nationales Heim, für Juden in Palästina herzustellcn. Gerade das Gegenteil sei der Fall. Gegenwärtig stehen 5000 Mann englischer Truppen in Palästina. Dieselbe Zahl wäre notwendig, selbst ivenn kein einziger Jude dort wäre. Und wären die Juden nicht so loyal, dann müßte eine viel größere Truppenzahl dort aufrecht erhalten loerden. Die Juden leisten auch finanziell iveitaus mehr als ihre Pflichtsteuern. Zumal die Juden der ganzen Welt Palästina ihre ganze finanzielle Hilfe angedeihen lassen, die der gesamten Bevölkerung zugute kommt. Man soll 'nur die palästinensische Bevölkerung allein lassen und sie nicht aufhetzen, wie es die „Morning Post" und politische Agenten tun. dann würde sie friedlich miteinander fertig werden. Diese Agitatoren-sollen sich daran erinnern, daß sie mit Menschenleben fpicfciü feeniflc können ahnen, wie steinig und ungastlich der Boden Palästinas ist, und nur durch den Enthusiasmus der jüdischen Zuwanderer so hervorragende Resultate erzielt werden konnten. Und diejenigen begehen ein Verbrechen, die unsere Chaluzim entmutigen und ihren Enthusiasmus uitd ihre glühende nationale Liebe hcrabzumindcrn suchen. Es ist gewiß, daß der Erfolg, sei auch der Weg noch so hart, nicht ausbleiben wird. London. Im Unterhause wurde am Dienstag auf Anfrage mitgeteilt, das; die palästinensische Regierung einschließlich des Eisenbahn- und Postpersonals 2571 Beamte beschäftige. Von diesen sind 1338 Christen. 719 Muselmänner und 514 Juden. Palästina. Berlin. Mehrere Lodzer Kaufleute, die für die palästinensische Wirtschaft reges Interesse bekunden, haben in Jerusalem eine Pcrlrnutterfabrik eröffnet. Das neue Unternehmen wird sich zunächst mir der Herstellung von Knöpfen, später aber vorwiegend mir kunstgewerblichen Arbeiten beschäftigen. Die Maschinen und Arbeitsgeräte der neuen Fabrik stammen aus fast allen eurspäischen Großstaaten. (Ziko). Berlin. Bei der englischen Militärverwaltung in Palästina sind bekanntlich zirka 8000 ägyptische Arbeiter beschäftigt. Seit längerer Zeit iverden Verhandlungen geführt, die auf eine Ablösung der Aegypter durch jüdische Arbeiter hinzielen. Die Militärverwaltung hat jetzt die probelveise Anstellung von 200 Juden genehmigt und will, ivenn der Versuch gelingt, lveitere jüdische Kräfte heranziehen. (Ziko.) Jaffa. Der Scheich, der den Ueberfall auf Petach- Tikwah angeführt hatte, ivurde zum Tode verurteilt. iimmnmTrrimiini ■ minmni Bon Berg und Tal k^iiiiiiiiiiiinnimii iti irmn ■ ■ ■ * n n Renenahr. Am Donnerstag den 21. Juni, abends &30 Uhr, fand in Neuenahr im Gartensaale des Nheinischeu Hofes eine Veranstaltung des hiesigen Iugendbundes zmn Besten der deutschen „Jüdischen Kinderhilse" und der ^llkraüre-Hllfe" statt, die von den Mitglieder^des Jugendbnndes und seitens der jüdischen Kurgäste sehr zahlreich besticht war. Nach dem Klaviervortrag einer Beethovensche» Sonate durch Frl. Fleischmann ergriff der Leiter des .Zdceffes „Mttelrhein", Herr Dr. Alfted Veis aus Andernach das Wort zu einem Vortrag über die Rottage ünserer jüdischen Kinder. Ausgehend von dem Elend der heutigen Zeit wies der Redner besonders auf die traurige Lage der Pogromwaisen in der Ukraine hin, deren Not auch von seiten der deutschen Jugend gelindert werden muß. Denn es gilt, diese Kinder nicht nur am Leben zu erhalten, sondern in ihnen auch einen Stamm groß zu ziehen, aus dem der Westen dereins neue jüdische Kräfte erhält. Aber auch in Deuffchland gilt es, zahlreichen jüdischen Kindern zu helfen, ihnen einen Ferienaufenthalt in gesunder Lust zu ermöglichen und die unterernährten Grvßstadttinder zu gesunden und kräftigen Menschen zu machen. Manches Auge stillte sich mit Tränen, als Dr. Veis dieses Elend in lebenden Farben schilderte und reiche Anerkennung wurde seinen Worten gezollt, die in dem Satz gipfelten: Nicht aus Rachmones, sondern aus dem Gefühl echt jüdischer Nächstenliebe und Gerechtigkeit (Zedoko) heraus wollen wir an diesen armen Kindern unsere Pflicht als Juden und Menschen tun. Dem Vortrag folgte noch ein ernster musikalischer und rezitatorischer Teil, der von Frl. Fleischmann, Herrn Werner Dresel aus Neuenahr, sowie der Konzertsängerin Frl. Straßburger aus Koblenz und dem Mitglied des Kurcheaters, Herrn Schauspieler Heuser, in anerkennenswerter Weise bestritten wurde. Reicher Beifall der Anwesenden lohnte alle diejenigen, die sich in den Dienst dieser guten Sache gestellt hatten. Herzlicher Dank gebührt dem Iugendbund Neuenahr dafür, daß er in dieser Weise für die jüdische Kinderhilfe eingetteten ist. Möge dieses Vorbild in anderen Iugendvereinen reiche Nachahmung stnden. Der bettächtliche Reinertrag stießt teils der „Jüdischen Kinderhilfe" in Deutschland, teils dem Ukraine-Fonds zu. Esten. Dem Streben der jüdischen Jugend, Hebräisch zu lernen, wird jetzt in Esten die Möglichkeit gegeben werden. Nach dem Vorbilde anderer Städte, wie Dortmund, wird hier Mitte August eine hebräische Sprachschule eröffnet werden. Dank dem Bemühen des Herrn Salo Feiner gelang es, einen Lehrer zu bekommen, der nicht nur im Neuhebräischen, sondern auch in der Literatur des Altertums und des Mittelalters bewandert ist. Auch hat sich schon eine ausreichende Zahl Schüler gemeldet. Einige Meldungen können indes noch berücksichttgt werden, die sofort an Salo Feiner, Witten'ngstr. 26, zu richten sind. C. Oie Botentasche Lieber Bote! In deiner Botemajche bringst du in Nummer 111 ein lustiges Stückchen mir der Ueberschrift: „Er nimmt nur Papiergeld". Laß micb dir ein kleines wahres Geschichtcben erzählen, das einem Juden passierte, der nur an zwei Fronten kämpfte und erst nach Hause kam. als er für sein Leben lang an Leib und Gut geschädigt war. Es war zirka 16 Kilometer östlich Mlawa, unsere Kolnpagnie sollte gelöbnr werden, wir hatten aber nur zur Löhnung von unserem Zahlmeister als kleinstes Geld Hundert-Markfcheine erhalten. Mein Feldwebel, ein sehr iretter und guter Vorgesetzter und Mensch, bat mich daher:. „E. fahren Sie mit unserem Ponny nach Mlawa und sehen Sie zu, daß Sie für die paar Tausend Mark Silber bekomnren. Selbstverständlich war dieser Auftrag ein Vergnügen für mich, im Kommisjargon willkommener Druckpunkt, weil für mich damit ein Dig der Abwechselung geschaffen war, dem langweiligen, öden, polnischen Dorfe den Rüöen zu kehren, wenn es auch nur für ein paar Stunden sein sollte. Mlawa war mir bekannt durch die Zichack-B^vegungen der Hindenburgischen Armeen, zu denen auch mein Truppenteil zählte, und ich hatte mich auch schon ein wenig angefteundet in Mlawa. In Mlawa angekommen, ging ich sofortan die Erledigung meines mir anvertrauten Auftrages. Es lag nichts