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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-07-29 · 113 (29.7.1921) · p. Seite 237

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
113 (29.7.1921)
Date
1921-07-29
Page
Seite 237 (sequence 5)
Language
German
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Hilfe schreien und ruf» . . . Und fie wartete auf &£ was ich über das'Schicksal ihres Kindes mitbeschließen würde ... Lb ich auch einer von seinen Richtern sein werde? Ich stand plötzlich auf und bemerkte, wie sie allen meinen Bewegung» folgte. Ich lief auf und ab. blieb dann neben ihr stehen und sprach laut aus dem Innersten meiner Seele: ...Hörr mal! Ich weiß sicher, ganz gewiß, daß Arwohmel in jene Dell kommen wird, wo alle Reinen und Heiligen sind. Ihr wißt dock, daß ich vieles gelernt habe . . . Und es srehl geschrieben: ..Tie Mensch» sind grausam, aber Gott ist gm und gerecht..." Ich weiß sicher, daß das so geschrieben steht. Das will das sagen, wenn man nun schon einmal Unrecht getan hat in dieser Lelr? .... Hat er einem Menschen auch ein Äuge ausae'chlagcn. lvas besagt denn das i-esonders? . . . Gotr sieht allein das Herz . . . Tas Herz ist die Hauptjache. das weiß ich sicher. Rur Menschen verurteilen, aber nicht Er! kr! Er? . . . Ich hielt inne. Meiu Gesicht mußie wohl sehr streng genesen sein und meine Stimme mußte hart geklungen haben, denn ich erlchrak selbst über die Wirkung meiner Dorre. Eine seltsame Stille herrschte. Tie Mutter meines freundes saß in sich gekehrt und sah merkwürdig verklärt aus. Ich suhlte, daß ihre Gedanken leichter wurden, und wußte, was in ihr vorging. Einen Augenblick später stand sie aus und sagte: ..Gute Rach:. Ich iebe. daß tm ihn doch wirklich gekannt Haft." In der Rächt tag ick im Ben und konnte nicht cinschlasen, vielleicht weil das Lämpchen ausgegangen war und der Wind in böser, schauriger Ahnung an dem Fenster rüttelte. Während ich in die Finsternis starrte, war es mir. als ob die Seele meins Freundes durch den Wind rief: „Ich wollte die Schlechtigkeit röten! Ich wollte die Sünde töten! . . . Tb das einen Zweck bat? . . . Die kannst du so ruhig liegen? . . . Alles ist ^raebens. alles vergebens, es wird niemals Licht werden! . ." . «Teutich von M'agdu Stein/» * Ter deutsche Beamte als Erzieher. Während der deutsch» Tkkupalion in Polen suhlten bekanntlich viele deutsche Beamte sich zu der Ausgabe berufen. erzieherisch auf die Landesbevölkerung einzuwirken. Sie zeigten dabei leider eine reck: geringe Begabung. Einen Juden fuhr der cholerisch veranlagte Schalterbeamte an: „Die oft soll ich es Euch verdammten Juden noch einbläuen: Billets „chain" Warschau gibrs hier nicht!" — er gab dem gutturalen „ch" eine besonders verächtliche Betonung — „hier gibts nur Billets nach Warschau!" „Gutt. gurr!" sagte der Jude, den aufgeregten Beamten mit sanfter Handbewegung beruhigend, „io geben Se mer halt ä Biller nach Warschau, ich werd dann chain Warschau das Srickele zerick gehn!" (Simplizissimus.) O Jüdische Sagen. - 1. Ter juuge Abraham. Ter junge Abraham nahm einen Sleinhammer und zerschlug die Götzen seines Bakers bis auf einen. Diesem drückte er den Hammer in die Hand, lief zum Vater und sprach: „Tein oberster Gon hat alle seine Brüder erschlagen!" Ta erzürnte Tharah und sagte: „Sporte nicht Knabe; wie sollte er dazu fähig sein, da ick ihn doch selbst aus Ton geformt habe?" Abraham aber erwicderre lachend: „Wenn dein oberster Gott nicht zu leisten vermag, was ich mit meiner Knabenhand vermochte, wie kann er es gewesen sein, der dich uitb mich. Himmel und Eiche schuf?" Da verstummte Tharah. — Erste Moral: Bei den alten Juden war die Jugend aufgeklärter als das Alter. Zweite Moral: Den stärksten Götzen kann man nur mit Witz überwinden. Dritte Moral: Mit de» Hammer allem kann «a« nicht philosophieren. 2. Treae. „Pinehas, der Sohn Iair. ein armer, aber redlicher Mann, wohnte in einer €tobt gegen den Mittag. Es kann» Männer zu ihm, die ihm Getteide aufznheben gaben; sie vergaßen es abzuholen und reist» weg. Was tat Pinehas? Er ließ das Getreide alle Jahre sä» und ernten und in die Scheune sammeln. Nach sieben Jahren kam» die Männer wieder und forderten ihr Geneidet Pinehas erkannte sie bald I und sprach zu ihnen: ,^ommr und nehmt die Schätze, die der Herr Euch gesegnet har; da habt Ihr das Eure." So zu lesen bei Herder, der, obwohl nichts weniger i als ein sonderlicher Freund der Juden, jüdische Sag» dek ' Vorzeit mit großer Liebe gesammelt und in sein siebtes l Deutsch übertragen hat. Von den deutsch» Schristgelehrt» unserer Tage würde die eine Hälfte über die Geschichte! mir der Bemerkung hinweggehen, die Treue sei bei d» Juden eine Legende, während die andere unHändlich > beweisen würde, daß Pinehas Sohn Iair. der Sproß eines nach Palästina verschlagenen Germanen stammes gelesen ist. Das Jüd. Echo.! » Herr Bcayer stürzt auf Bahnsteig Ha des Kölner Hauptbahnhofs, um den Zug nach Düsseldorf zu erreich» und fragt atemlos einen dorr stehend» jüdisch» Mann: „Fühlt hier der Zug noch Tüsieldon?", worauf jener ihm mit freundlichem Inreresie erwidert: „Wollen Se verreisen?" — ttkfcrtta1) Else Lasker-Schiler, b«r SBxfetrra&’itT w>s Barcelona, bei Paul Easprer-Herlin. 36 Eines jener kurzen halbdunklen Werke der bekannte» Tichteri», durch die sie sich einen 'Hamen Qrmadn. heilsam, faft irrsinnig n» 2tilc, läßt sie das 2chickfal des Wnndermannes. desie» Herz am 2rf)icf;a( seines Volkes zerbricht mehr ahne», als daß sie es hubrt. '.Huf alle Fälle ein für die Tichrung des jm»sien Tages sehr dezeich' nender und iniereuanrer Berinch. Tie chriiche» Stellen brr knappen Novelle sind von geheimnisvollem Reiz. ed. Scholen, Alejchem, „Mcnach^m Mendel", aas dem Jüdischen ooo Siegfried Schmitz. N. 9öwik. Verlag, Wien-Leipzig 1921. Preis 2~> Mark. 2-V> 2cilen. Ein ganz reizendes Buch von cm »ntäLvigem. immer ader reinem Humor: Ter Briefwechsel eines ofnüdischen Hans im Slick mit seiner Frau in ttasriliwke. die mir Scprnke» mxchrnehmen mnß. wie ihr Mann aus einer Geschäftsreise znerft an die Börse von Ldessa, dann an die von Jehupez jKiew,. schließlich unter allerhand Lpeknlanie» gerät, über den vornehmen Berns einrs Schrifistelers gna Schadchen »vird, und nachdem er nach als Agent sich hernwgetrieben. schließlich nach Amerika geht. Wie er ihr mit seinem trotz aler Rackenschläge nicht unlerzukriegendea ^primismns — eine Art Mister Micawbcr — auswariei. und sie ihm nicht z» knapp den Kops dafür wäscht und ihn doch nicht ändert, ist mahützasr köstlich, als 6$egeschichte sogar rührend geschrieben. Wer den großen. ostjndisLen Hnmoristen kennen lernen will, lese dieses Bnch. Er lese es «wer mnh seiner Frau vor, vorausgesetzt. daß er nicht z« viel Angst dar ihr hat. Tja — ja! E. C. Eine Geschichte des Zionismns. Wer sich bisher über die Geschichte des Zionismus, von ihren Anfängen dts znr jüngste» Gegenwart. informieren wollte, war genötigt, selbst znm Historiker z» »erden. Er fand nur Material, aber nirgends die znstmmenmlende Tarstellung. die ihm über das Werden dieser Bewegnng nNd chren jetzigen Stand sonlausend unterrichmr haue. Da erschien im »origen Jahre Adolf Böhme. .Zionistische Beweg,»a^ lim „Welt-Berlag, Berlin); sie gab in prägnanter Form und rn tiefeindringender BetrachtnngAarr. diese Geschah» bis znm ErGe Herzls. Wie wir jetzt erfahren, wird nach vor de» XIL ZiDnistenkoagreß in Karlsbad der zweite Band dieses Werkes. febensvUs i» Welt-Berlag) der die Gescbichte des Zions»»- bis in OeaanwTt behandelt, vorliegen. Mo» darf mit Mecht ans diese $>axpeu»g ge pannt sein, die ein Monn vom Range Bih»e dicht» nenesten Vchnitt der Geschickte gegeben bat. Ter bereits echchienene e^e Teil äßt vermuten, dag wrr in diesen deide» Bünden na wirklich ^d i e" Geschichte des ZioniswnS in denkscher Sprache varliegen habe». 1J Ale hier besprochene» Bücher sind dnrch den BateaderlaG zu beziehe».

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