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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-07-29 · 113 (29.7.1921) · p. Seite 236

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
113 (29.7.1921)
Date
1921-07-29
Page
Seite 236 (sequence 4)
Language
German
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..... Von Berg und Tal ftTmimmiiiiiiminmiii m ■ 1 nf Diffeldirs. Äoi 17. Juli fanden hier die leichtachletischrn Wettkämpfe des Bezirksoerbaadcs der jüd. Zugeodvereine Westdeutschlands. unter starker Beteiligung der sportsscudigen Jugend, statt. An den Kämpfen nahmen rund 120 Hungens und Mädels von den Vereinen Bonn. Krefeld. Türen. Tursburg. Elberfeld. Euskirchen. Jülich. Köln. Neuwied teil, eine stattliche Anzahl, wenn man bedenkt, daß dies die erste derartige Bcransraltung im ganzen Berbandc war. Mit Genugtuung konnte der Vorsitzende des Bczirksocrbandcs, Rabb. Tr. Klein-Tüffeldors in feiner Ansprache bei der Preisverteilunq feslstellen. daß alle mit Feuereifer bei der Tache gewesen seien. Rach dem Urteil der Unparteiischen sei ein vorzüglicher Tport gezeigt worden, und der Bezrrk-5oerband könne stolz sein auf seinen Nachwuchs. Genannt seien einige besondere Leistungen: Jugendklasse 19^*3 '7*4: 1""-Meter<'aui: Herz Q. Z. V. B.-Timeldoril 11.9 Tek.; ^och'pung: Harroch: >Z. Z. V. B.-Tüsse!dors« \J»ö Meier. Ten Preis für die beste Gesamtleistung boltc sich der Z. Z. V. B.-Tüsscldors von auswärtigen Vereinen Z. V. Ncuwrcd.Zm Fauslballwettsoicl siegte der Kölner Verein über Ercstld. Bonn und Tüsscldori. Es n-ar eine Freude. die jungen, nrancn Gestalten im »ricdlichen Lettkampf sich mesien zu sehen, und man gewann den Eindruck, daß hier ein jüdisches Geschlecht hcranwächn. das aufrecht und stark durch die Welt geben und mit >rra»: seinen «Gegnern gegenüberireten wird. Mir Tankbarkeir werden die auswärtigen Gäste der Gastlichkeit der Tüsseldorter Famisten gedenken, insbesondere der Tüstcldors-lkpge. die 2b junge teure bewirrcre. Ter Bezirksocrband wird dieser wohlqelungenen Veranstaltung wertere folgen lassen, um seiner Jugend immer wieder Gelegenheit zu geben, 'ihre Kran zu teloähren. Zu wünschen wäre nur. daß eine größer Zahl unserer Glaubensgenotten bei diesen Veranstaltungen erschiene, als es diesmal der Fall war. um zu sehen, daß wir uns unsrer Zugend durchaus nicht zu schämen brauchen. Zn der nächsten Nummer bringen wir einige Bilder von den Venkämpstn. Üre»z»«ch. Für d'e Brüder Zulrus und Hermann Baruch und rür die Reisekosten zu den Tcutschmeisterschasiskämpsen nach Plauen von Herrn Zahnarzt Barme :n '-'.öln 50 bei der Redaktion des Jüdischen Boten eingeganacn. B»»». Tie Zionistlsche Ortsgruppe Bonn st'ierie am vergangenen Tonnrag wieder den Todestag Theodor Herzls. Eine Tonaie von Händl erönneie die Veranstaltung. Es ''olgie der Vorirag des Bialik'lchen Gedichtes: Zu Hilst' dem Volk! Tie Festrede hie: Herr Tr. Emil Eohn. Er führte im wesentlichen folgendes aus: Vir feiern in Theodor Herzt den größten Politiker der jüdischen Geschichte. Beschönigung mit Politik zwingt zu materialistischer Veltaunassung, zu Zniellektualismus und hochmütiger Ueberhebung über den Gegner. Theodor Herz! aber ist gerade durch seine idealistische Veltaussaffung und sc,ne persönliche Temut vor dem Volke und seiner Tradition ein wahrer Führer des Volkes gewesen. Und in dieser Führerschaft, mehr als in »einen außenpolitischen Erwlgen. liegt seine Bedeutung. Verden die Zionisten jene nachzuahmen suchen, so braucht uns um unser Ziel nicht bange zu sein. Taraus sang Herr Ben Barscl ergreifend das ..El mole rachamim." Eia Musikstück von Händl und die ..Haukwah"" beendeten die Feier. B»>». Zu friedlich-fröhlichem Veukampst fanden sich Hoko-ch- Vicn und Eichc-Bonn vergangenen Freitag. 7 Uhr. in der Bce:- hovenhalle zusammen. Ter Verlaus der Kampfe war glatt und interessant. Es fehlte nicht an spannenden Momenten. Besonders hcroorzuheben ist die vornehme Kampfweifc. die für Roheiten keinen Platz ließ. Hokoah mußte sich der schwereren Eiche beugen, obschon sie an Technik und Eleganz zum mindesten den gleichen Rang behaupten konnte. Besonders gefielen von der Viener Mannschaft Kohon und Hübsch. Es war dies das erste Mal. daß eine jüdische Mannschaft aas diesem Gebiete öffentlich in Teutschland die Matte betrat. Und dieses Faktum ist viel wesentlicher als etwaige Erwägungen über ^ieg oder Niederlage. Berveist es doch, daß derZude sich aus allen Gerieten menschlichen Treibens, geistigen wie körperlichen mit Ehre behaupten kann. Die Mutter. Bon Lalamon Tembitzcr. An dem Tage, wo ich nach langer Pause wieder in meinem Städtchen angekommen, ging die Tür andauernd auf und zu. Es kamen Männer mit schwarzen Bärten, hießen mich willkommen, fragten mich, wie es mir gegangen sei und ob ich diesem oder jenem in der weit« Belt begegnet toöceJ Sie alle harten Blutsverwandte, die irgendwo in der Belt herumirrten und ihnen Geld zum Leben schickten. Tenn Galizien ist ein armes Land und die L«te haben so bange Augen und schleppen sich vorsichtig und langsam auf der dürren, ausgetrockner« Erde herum. Sie wagen nicht zu klagen über ihr zweckloses Verwelken und über ihr ewiges Warten auf bessere Zeilen . . . Allein in Sommernächten, trenn sie die Augen aufheben zu dem besäien Sternenhimmels wagen ne es manchmal, von ander« weiten Ländern zu lräumen. wo man nch nicht zu schämen braucht, mit dem Hauiierkaften herumzugehen, und wo Menschen leben, die zw esien und zu irinken und keine Sorg« für Frau und Kind« baben. Tie Tür ging aus und zu und Nacbbarsfrauen kamen und ietzlen nch nieder? Sip schünelien mil den Köpf« und 'euszren: Ja. ja. da draußen in der weilen Welt kann man es doch zu erwas bringen! Ich fühlte die Blicke von jungen Mädchen. Töchtern der '.stachbarsfrauen. die meine Kleidung bescbauien. den Verl meiner Uhrkene obschätzen wolli«. die aus meiner Veste hing. und fick innerlich fragten, ob sie echt sei oder nicht. Es wurde dunkler und dunkler. Man sieckre das kleine A'achilämpchen an. dos Schauen längs der Dände warf und das Slübchen noch irüdseliger machte. Bon allen Nachbarsiraucn blieb nur eine zurück, eine blonde, kränkliche Frau in minieren Jahren mir ireißen Haaren und ängstlichen, hilsloien Augen. Sie baue sicherlich gewariei. bis die anderen weg waren. und an ihrem Schweigen merkte ick. daß sie mir etwas zu tagen baue . . . anderes als die ander« . . . Allerdings war ihr Verhältnis zu mir auch ein anderes: denn ne war die Mutter meines Jugendfreundes Awrohmel. der ein trauriges Ende genommen baue. Plötzlich begann sie: Tu bau sicher gehört, tvas mil meinem Arwohmel geicheben ist . . . C, wer hätte das denken können ... Tu treißt doch, wie still und verschlossen er immer gewesen ist. wie er hinaus zu den Volk« geschaur und die Srerne gezählt bat. Ich. seine Mutter, hätte niemals gedacht, daß so etwas in ihm steckte . . . Als sie ihn zum Sodaien machten, bebre mein Herz. Ich fürchtete, daß er sich etwas anrun könnte. . . Tenn ich kannte »eine schwache Seite ja gut. . . Er konnte es nicht vertragen, daß einer über den anderen zu beieblen und zu bestimmen barte. Tu erinnerst dich doch an seine rerrückten Träume von ..Menichheirsverbrüderung" und wie er dte Lüge röten wollte . . . Tarum sagte ich zu ihm: ..Jeder Mensch muß alles erleben, sehen und schweig«, trenn ihm auch Unrecht geschieht . . . Tas weiß jeder . . . dagegen in nichts zu tun. Sei also vorsichtig und mach' keine Tummbeiten!" . . . Kaum einen Monat spärer empfing ich die schreckliche i*iQcf>richr, daß sie ihn gefangen genommen und kurz daraus zum Tode verurteilt hart«, weil er seinem Vorgesetzten ein Auge ausgeicblagen und sich geweigert harte, einen Bet'ebl auszusübren. Mein Gort, wer hätte das denk« können . . ." Sie schwieg. Es herrschte eine unangenehme Stille in den Zimmercben und es schien, als ob die Seele des Arwohmel herumirrie. mir ihren Flügeln an die Balken schlüge und wimmerte und treinte wie ein neugeborenes Kind, immer dasselbe wiederholend: ..Ja. ja . . . ich wollte die Lüge töten. Varum begreift ihr denn das nicht?" Nack langem Schweigen wandte sie ihren hilflos« Äick mir zu und sagte: ..Vas kann man denn tun? Ter Mensch wählt sein eigenes Schickial nicht. Er ist eine Sache nur . . . Denkst du. daß er in der anderen Velt Ruhe haben wird? . . . O. trenn ich das nur wüßte!" Ihre Augen sagten eigentlich mehr als diese Borre. Ter ganze Mutterschmerz, so alt wie die Belt, die schlafelosen Nächte einer Frau, die vor der Zeit alt und grau geword« ist. war« deutlich auf ihrem Gesich^zu sehen, und obwohl sie dann schwieg, Höne ich doch ihre ganze Seele um

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