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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-07-08 · 110 (8.7.1921) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
110 (8.7.1921)
Date
1921-07-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Erschei,» jede, Kreit,, Ve,»,»- peeis 3 — M. «»»«U. Z» de-iehea d»rch si»tlich« P,stü»1rr »der d,rch de« V«te»»erl,, i, v»„. VOdI RHEIN Jüdisches Volksblatt S»zeige«peri»: 2.— M. für dt» »tci« ,esp. PetitzeUe. Die ,«,zr Seite ««f»ßt 360 Zette». P,stsche«N»,to v»te»derl,, v»«», Lßl» Nr. 74747. Heraudgegeben voa Tiabbiner ve. S»ü ilstza. Lova. 2töro: Srüdergaffe 52. / Geschäftsstelle Köln: MaurliiuswüN 52. Tel. A 644. I in 110 SlöCn, 8. Juki 1921. — 2 Farnus 5681 S Ilchr-img. An unsere Leser! Mil dieser Nummer siedelt der ..Iüdi'ck-e Bow" von Bonn nach Köln über, um dort in der rheinischen Hauptstadt künftig für die jüdische Sacbe ya wirken. , % Ins drine Jahr nun 'cho.r begletie: d-:r ..Indische Boie^ hier im Westen alle Ersclieinungen des jüdischen Selens von seiner Warie au-, aewü?: uuo ermutigt von einer großen Zahl von Freunden und Lesern und unbeirrt dem Ziele folgend, das er üch erkoren: Fern allem Parieigeiriede und überhaupt keiner abgestempeltn Meinung geschworen. dien: er allein und ausschließlich dem Gedanken der religiösen Erneuerung im I u d e n t u m, und gliederl sich als jüdiiäies Blair in die große Zeitbewegung ein. die sich als Überwindung des Rationalismus und Materialismus und als Rückkehr zum religiösen Positivismus kennzeichnet. Darüber hinaus schließt er sich denjenigen Kräften im deuischen Judentum an. die an der Einbeusfroni des Judentums und an der Überbrückung der Parteigegensätze arbeiren. und will schließlich im besten Sinuc ein jüdisckies Familienblatt sein. Die Verlegung nach der Metropole des Rheinlands u>ar längst eine Notwendigkeit geworden. Ein Blatt,' das ebemo sehr in die Tiere wie in die Weite wirken will, ledarf der regsamsten und lebendigsten Stelle, um dort seine Tribüne auszuschlagen. Diegeschieh: biermil. und die Erweiterung des Blattes nach Inhalt und Umfang wird unminelbare Folge sein. Wir rufen unsere Freunde und Leser zur Mitarbeit in unserem Geiste auf! Der Jüdische Bote vom Rhein. 0OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO I Die Last der Völker I 8 § OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOQCDOOOOOOOü Die letzte Woche führte den Schreiber dreier Zeilen durch zwei Kundgebungen sehr bedeutsamer und eindrucksvoller An: Eine Frawziskus- und eine Danreieier. Die Franziskusfeier wurde getragen durch die wahrtrair hinreißende Beredsamkeit des Franziskanerpalers Matheus Schneider-Birth, der eine der glänzendsten Ericüeinungen des provinzialen Lrdens sein soll. Alte Legenden vom Frawziskus. hingebungsvoll vorgerragen. und die meisterlich gespielten musikalischen Paraphrasen Liizrs über des heiligen Franziskus Vogelpredigr und Vogenwandel rrugen ' das Ihre bei, den Eindruck zu verliefen und zu beseelen. Die Danrefeier des nächsten Tages, von der Universitär angeregt. wuchs sich zu einer gleich machtvollen Kundgebung aus. Da dörre man die berühmte Misia Papae Marcelli von Palästina und wurde nach einer schönen Gedenkrede m Rezitationen durch Hölle, Fegfeuer und Paradies der Göttlichen Komödie des großen Aorennners geführt. Als ich die beiden Feiern verließ und den rmleugbar riefen Eindruck feststellen mußte, den sie hinterlaffen. bewegte mich tief der etwas schurerzlicbe Gedanke, daß wir Juden doch noch in einer ganz anderen Veise die Saft der Völker zu tragen haben, als es gemeinhin verstanden wird. Vas ist der Antisemitismus, das ,Mschus", die Verfolgung und der Haß neben dieser Last positiver, geistiger, durch ihre Genialität ihr Feuer, Ihre Leidenschaft erdrückender Mächte, die dauernd auf uns wuchten, au uns zerren, uns erobern wollen; und die man nicht verachten kau», da sie groß, die man nicht schelten kann, da sie rein find, von denen man nur eines sagen kann, daß sie nicht — jüdisch sind; wobei der freie Blick ins Leben hinein anerkennen muß, daß das allein noch kein Tadel ist. Das ist in der Tat ein schmerzlicher Gedbnke, angstvoll aber n«ird er durch die rveitere Erwägung, daß es nicht immer ein Volljude ist, der so etwas erlebt, sondern daß täglich Hunderte von jungen jüdischen Menschen, unerfüllt und sehnsuchtsvoll in ihrem jugendlichen. Suchen, der Gewalt solcher Eindrücke hemmungslos ausgeliefert find. Ich rnöchte die Schubertschen Ave Marias nicht zählen, denen unsere jungen Mädchen täglich ihre Ergriffenheit leihen, und die Erschütteruitgen nicht ausmessen, die Fausts Osterglocken oder Parsifals heiliger Gral unseren jüdischen Gebildeten bereiten. Das ist die wahre Last der Völker, die wir zu tragen haben, und die heute besonders schwer zu tragen ist, weil keine Zeit je mit so machtvollem Schwünge den Wurf ihrer ewigen Saat in die Welt geschleudert wie unsere, und keine so von Elend und Jammer durchgepsiügte und aufgelockerte Gemüter vorgefunden hat. 'Heute wartet jede Menschenseele auf den Messias. Auch die jüdische war» ret, und riesengroß stehen die Mächte de^Zeit vor ihr auf und bieten sich ihr an und' sind keine jüdischen, sondern fremde Mächte. Ja, es wird große Tragfähigkeit von der jüdischen Seele verlangt. Stein, es ist nicht wahr! Es ist kein Unglück, daß wir die Last der Völker und Kulturen zu tragen haben, sondern! ein Schicksal ist es. Ja, mehr npch als das: ein religiöses Mysterium. Wir sind einmal die Brücke, die einzige, die sich über die Jahrtausende spannt. Daß. wir sind, verdanken wir eben jenen Mynaden von Belastungsproben," an denen sich unsere Tragfähigkit erwiese über mÄrvllten' die Kkriegsvagen Assurs rmd BabÄons ebenso, wie die Geistrsblntenpracht von Hellas tthfi Bagdad mtf »ns nieder

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