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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-06-17 · 107 (17.6.1921) · p. Seite 188

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
107 (17.6.1921)
Date
1921-06-17
Page
Seite 188 (sequence 4)
Language
German
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188 h Juden und 10 Christen. Ter Feier wohnten auch der Oberkommissar und ändere hohe Beamte der palästinensischen Regierung sowie Vertreter der Bevölkerung bei. Jaffa. Am 14. Mai wurden die Vertreter der Kolonien von Judäa vonr Lberkommisiar enipsangen. An der" Teputation beteiligten sich Meyrowitsch aus Rischon-le- Zion und Eisenbcrg aus Rechobath. Ter Oberkommisiar hörte sie aufmerksam an und versicherte ihnen, daß die Regierung alle Maßnahmen zur Verteidigung der-Kolonicn gc troffen hat und daß die traurigen Ereignine nicht nu‘"‘ w'.cderkehren werden. Ter Schutz der Kolonien ist einer besonderen Kommission anvertraut worden, die alle erforderlichen Schritte unternehmen wird. Sie Diener SWattloa für die ottainischen progromopfer. Wie die „Wiener Morgenzeitung" berichtet, har der Aufruf, tvelcher jüngst von den Vertretern aller jüdischen Gruppen Wiens und hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten zur Hilfeleistung für die jüdischen Opfer des ukrainischen Martpriums erlasien wurde, überaus günstige Erfolge gezeitigt. Tie Masienaktion ist noch im Fluß. Wenn bis jetzt mehr als viereinhalb Millionen Kronen eingelaufen sind, wo das Hilfswerk kaum erw begonnen bat. muß dieses Anfangsresultat als überaus erfreulich bezeichne: werden. Tas Komitee bar sich zur Aufgabe gesetzt, einen Betrag von zehn bis zwölf Millionen österreichischen Kronen zustande zu bringen. Es iw zu boffen. daß dieics Ziel in kurzer Frist erreicht sein wird, abgeieben von den jetzt sehr ansehnlichen Spenden an Kleidern und Wäsche. Ta das Geld in Polen zur Verwendung gelangt, alio einem Wert von rund znxmzig Millionen polnischen Mark entspricht, wird der österreichischen Judenschaft mir diesen Mitteln die Errichtung je eines Emigrantenbeimes in Lemberg und Moiuno sowie einiger Werkstätten in Wolbunien ermöglicht, was den Spendern gewiß eine Genug- :uung sein wird. Es wird die Öffentlichkeit interessieren und gewiß zu; eifrigstem Sammelfleiß anregen, daß das Hilfskomite'' einen weiteren Hilfszweck in seine Tätigkeit einbezogen bat: Viele Pogromopfer haben von ihren Angehörigen in Amerika nachweislich Geldmittel für die Emigration über-! wiesen erhallen, aber den Betrag noch nicht in Händen, j Tas Komitee wird nun — natürlich nach strengster Prüj fung des Sachverhaltes — diesen ukrainischen Juden aus; den Sammlungsergebnisien Tarlebenssummen vorstrecken! und diese Tarlehen von den später einlaufenden schon unterwegs befindlichen amerikanischen Hilfsmitteln in Abzug , bringen. Es erübrigt sich, zu betonen, welch großer Segen diese Tarlehnsaktion für die Betroffenen wäre, die sich augenblicklich in wrzweifelier Ror befinden, io daß vielfach > zu befürchten ist, die aus Amerika avisierten Beträge könn- , ten zu spät einlangen. Für die ukrainischen Juden, die j nicht gewohnt sind. Almosen und Geschenke entgegen.zunehmen. vielmehr in vorbildlicher Weise bedrängten Brüi tern in früheren Jahren ausgiebige Hilfe geleistet baten, ist Hiifeleistuna in Form von Tarleben auch viel willko.nmener. Tiese Aktion lvird selbstverständlich nur im Einverständnisie mir den von den Emigranten gewählten und mit Sachwaltung ihrer Angelegenheiten betrauten Vertretern erfolgen, wie überhaupt die Leitung der Wiener Hilfsaktion nichts unternehmen wird, ohne das Einvernehmen mit diesen Vertretern der schlvergeprünen ukrainischen Judenschaft gepflogen zu haben. Eine unglaubliche Wirkung hat der Hilferuf der Wiener Judenschaft überall ausqelöst. Es laufen aus den entserntesten Ländern bei dem Wiener Hilfskomitee ansehnliche Geldspenden, .zahlreiche Adoptionsanbietungen und andere sehr erfreuliche Angebote der Versorgung von Pogromwaisen ein. So hat das Waisenhaus der Kultusgemeinde in Fürth mitgeteilt, daß es eine größere Anzahl von Kindern übernehmen will und auch eine ansehnliche Zahl von Privarfamilien der genannten Stadl will Pogromwaisen adoptieren. Sehr zahlreich sind Spenden und Bersoraungsanbietungen auch aus der Tschecho-Slowakei beim Wiener Komitee eingelaufen. Aus Preßburg allein liegen zwanwg Kinderversorgungsangebote por. Wer ein ukrainisches Waisenkind zur Versorgung und Erziehung übernimmt, erspart der jüdischen Welthilfsaktion einen Betrag von rund einer halben Million polnischer Mark (dieser Betrag ist für eine zehnjährige Erhaltungs¬ und Erziehungsperiode eines Kindes erforderlich), j Tie Veranstalter erhoffen sich von den kommenden j Wock.cn überraschende Resultate und sind überzeugt, daß! die rühmliche Hilfsbereitschaft der jüdischen Bevölkerung j diew Hoffnung nicht täuschen wird. Alk deotschkn Gerichte nnfr die deutschen Zoten, «Ein Berliner Gerichtsurteil zu Arthur Schnitzlers „Reigen".) -!lon Zicchr-anwall I >r. vr r n ft (r m i 1 2 cf) tu i t B c r Berlin. " Tie Stellung der deutschen Gerichte zu dew jüdischen Problemen zu erörtern, dürwe nicht ohne Interesse sein. Insbesondere muß anerkannt norden, daß sich die deutschen Richter grundsätzlich stets bemüht baden, zu jüdischen Fragen durchaus objektiv Stellung zu nehmen. Ter Anniemitismus vollends bat nicht Eingang in die deul'cben Reckwsfragen gefunden. In den Handelsprozesien. in denen ich jüdische Parteien vertreten habe, iw mir kein einziges Mal der Fall vorgekommen, daß auch nur im enrwrntewen der Verdacht aufgewiegen wäre, daß die religiöse Zugehörigkeit der einen oder der anderen Partei auch nur indirekt einen Einfluß auf die Richter ausgeübt hätte. Wie mir. ist es zweifellos ter großen Masse der deutschen Rechtsanwälte ergangen. Taß selbstverständlich auch AusnabweiäUe bie und da Vorkommen, soll nickt bestritten werden. Aber es gehört eben zu den äußersten Seltenheiten. und wo sick wirklich eiw Richter eine antisemitische Entgleisung zuschulden kommen ließ, bat auf Beschwerde die Justizverwaltung stets eingegriffen. Reuerdings bat nun ein Berliner strickt ein Urteil gefällt, das für die österreichischen Juden vielleicht noch interesianrer ''ein dürfte, als für ihre deutschen Bekenntnisgenosien. Es bandelt sich um die Aufführung des „Reigen", der in Österreich weil mehr als in Teurschland Anlaß zu politischen Konflikten gegeben har. In Berlin hatte sich das Gericht aber auch mit dem ..Reigen" zu beschäftigen.' und zwar aus Anlaß einer Zivilklage. Tas Berliner TMarer. in dem der ..Reigen" aufgeiübrr wird, iw nämlich nur unter der Bedingung verpacktet worden, daß sittlich anstößige Stücke nickt zur Aufführung gelangen dürfen. Aus dieiem Grunde klagte die Verpäckrerin des Theaters «die übrigens dem preußischen Staate untersteht) gegen die Tbearerdirektion auf Unrerlasiung der weiteren Auf- 'ührung. Tas (s^erickr bat die Klage abgewiesen und sich in der Begründung iebr eingehend über die künstlerische deutung des ..Reigen" geäußert. Tas Gericht führt hierbei u. a. aus: „Tas Buck bietet eine Fülle von Geist und Feinheit. Kühne, knappe Sätze ^rgliedern alle Tiefen der geistigen Veriasiung und des Empfindunaslebens. Teils derb, selbst roh, glatt und gemein, teils zart und empfindsam, teils launig, neckisch, keck prickelnd, lüstern, ausgelasien und verführerisch in der Ausmalung, erfährt der immer sich gleich bleibende Gegenstand ^bn untereinander verschiedenste Abwandlungen. Zwei von dem Gerichte besichtigte Aufführungen erzielten folgenden Eindruck: Alles was frech, schlüpfrig oder zotig wirken könnte, wird vermieden. Tie körperliche Per-

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