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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-06-10 · 106 (10.6.1921) · p. Seite 181

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
106 (10.6.1921)
Date
1921-06-10
Page
Seite 181 (sequence 5)
Language
German
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Wechsel in ihrem Leben dem Meister nach, der^ ernst und still die Türe seine? alten Hause? hrnrcr sich geschletten haue. Tann stürmte Gabriel voraus, ihm folgte kopsschüirolnd Uriel, Raffael brach sich erst noch einen grünen Zweig vom Busch, den er mit einiger Umständlichkeit an seinem Hure befestigte. und bcaann dann ebenso, wie die anderen, 'eine Prebelahrt in? Leben hinein. Zaum Muiag war c? geworden, da lr^nc l'öobrtci, der Aelteste, schon herm un». betrat srürmisch tc? Meister? Gemach. ..Meister", rie' er. ..Meister! Ich bäte da? Leben nich^ gekernin. aber mm kenne ich c? Tic Welt war mir oer'chtosicn. aber nun sind mir ibrc Tore au'oc.pimtce::! Meister, die Menschen sind gut." Ter Meister lies die stüimstcbe 'üituc'c über sich ergeben. Tann begann er zu träger: und nach man.nigsaaren versuchen, hinter die Wahrheit zu konmen, km? bc: den sich überstürzentc:'. Äcußcrungen de? jünger? nicht ranz ein stich war. crstchr er schließlich die Eriebnisie Gabriel?. Gabriel war aw den Mar::- platz der Tradt gegangen und haue dort einstrch zu reden angesangen. Leute hatten sich um ibn nFammcl:. d:c 'einen Werter, lauschten, und da mn den Worlc::;rni der Werre Lerdcn'cha': gekommen war. w ha ren Hörer sich Hörer a-.'c!!: u.t schließlich war eure un überleb bar- Mi.n'ch.'.imen e der seiner Rete erlegen. „Tic haben gewcinr. Meister, ste baren alle \yv.2 c herben mir die Hände aeküßt. sic l aben rn-ch o:r der: 2d i.l.-:i: ..Utt die Menschen zur Menrchhe:: rurirck. :ch 'chlua den Haß mi: d.r Ru:c der Menschenliebe, dar ewigegroßen, berrltchcn Menschenliebe. Meister' Tcriclben Menschenliebe, die du uu? aelehr:!" „Wohl". iag:e der Meister, ..'ich oerriehe dich und bcwu::- dcre die Kran deiner Rede. d:c d.e Mef cben bezwang, woran ich nicht zwei'!«. 2:e werden nochlange von dir roden. Gabriel." I u : tiunV" 'rogic tc . ‘l Geister. >ii" ric' : fr in :ic in’i oce hin?:;: :u t er Men'ck' v: oir i:r t r e'er Mr.co eine ~A - vl *!or, te. cilttnul t r ’.tnOU' zur Gü:c' -.l’itn'dk'’! n\ :cb: itni? Kewi:r z'Rcn'ä I'chieil! " '00 :cst tu v V W » r Me stcr. tu tenu r i<r.:. iro? ich i« l)t V Ick ric; „Tie haben mir die? den Tchulrern gcliagcn!" t * * 4 * . Ul 1 .1!V,v l*.'»' ,iii» ..11. >V « I utti «tktuf »» »4 „Tu bist begeistert. w:e dn bereister-, b.rst. Rübe dich au?. Gabriel!" sprach der Meister. Gabriel ging. Liber als er rur Türe b.iuau? wollte, ö'"- nere sie sich leise und herein irai Uriel. Er kam nicht allein. Eine Anzahl Iünglüoe und Männer in ärmlicher Kleidung solgrcn ihm und hielten sich in scheuer Ennernung. ..Nun, Uriel?" nagte der Meister. Uriel lächelte und tcr Meister bemerkte, daß er glücklich, wenn auch ein bißchen müde au?sah. Er begann zu reden und sinne Trimme war voll kontier Enisaguaa. „Ich ging über den Markt, Meister, und durch alle (Marsen. Ich sah in die Heimstätten dcr Menschen hinein und lauschte ihren Reden unter dem Toie. Aber wohin ich kam, trat mir die Tclbstsucht entgegen, ich sah. wie die Großen die Kleinen drückren und sah im Auge aller den Haß gegen alle. Tie Großen waren klein und noch kleiner die Kleinen. Keiner traute keinem, und alle wucherten mi: allem. Nicht nur ihr Geld wollten sie, sondern auch ihr Wort, ,hrc Miene, ihr Lächeln, ihr Ja und Nein sollte ihnen Zinsen tragen. Ich wollte red-n, aber ich vermochte cs nicht. Tie Lippen waren mir wie versiegelt. Wahrlich. Meister, ich bin nicht geschahen. um zur Buße^u rufen, aber ein Leben in Liebe zu leben, dazu bin ich geschonen. Ich suchte nach Augen, die mein Auge suchten, und ich fand die Augen der buchenden, und der Tehnenden Atem mischte sich mir meinem. Meister, laß mich diese lieblose Welt verlassen und mit den freunden, die ich sand, die Einsamkeit suchen. Dir wollen die Liebe verwirklichen im Dillen und das Menschliche im Frieden der Wälder." Uriel ichßoieg. „Bo bleibt Ranael?" fragte der Meister. Tie Lonne sank, Rapael kam nicht. Gabriel wollte hinaus, ihn zu suchen, Uriel drängte es, mit seinen Jüngern Abschied zu nehmen. Ter Meister hielt Heide zurück: ,^Variel!" sagte er, ^er ist stets der Langsamsten einer gewesen, ich wußte, daß er der Letzt« von euch sein würde. Tarn» habt Gfefarib, denn Geduld ist Liebe, und um Liebe willen Hobe ich euch gesandt." Als aber die Täussnerung gekommen war «Ud Xtffarl immer noch ausblieb, machte sich der Meister selber auf, ihn zu suchen. Tie Lchüler schlossen sich ihm an. Und auch Urieis Junger folgten ihm nach. Li« wanderten durch die dunkelte» Sasseiz nnd fanden ihn schließlich an einem Brunnen bei eine» Mädchen stehen, dem er lächelnde Worte sagte. „Raffael!" rief der Meister. Ter Angerissene suhr herum »u d stand rot übergossen vor seinem Meister, während das Mädchen scheu entwich. „Hast du die Zeit vergessen? Was bleibst du so kaug?" „L. Meister." sprach Raffael, und seine Augen glänzten. -,o Meister, wie schön ist die Welt, in die du mich sandtest." „Ist sie wirtlich so schön?" fragte der Meister. .Wohlan, -cren wir uns out den Brun neu raut und erzähle dv uns. wes tu eilebr." „Ich l)otc wich? erlebt, Meister." ,.Tu zogst doch aber au?, um zu erleben. Ranael?' ..Meister, ich haue keine ^eu. ölst) . v«-vM -vOn u ijui/i :u) o O«it t O , n; uti . p. »i . > - 004 i i:v; ..Ja Meister, ich ging in die Ttadr hinab, und wie ich ::g, dachte ich: Warst lange'nicht bei deinen alten (rlierr, a-'ael. Tag il;tun ..Guten Morgen", ehe du dein Tagewerk rst! Wie ich aber in die Hüne trat, roar die Mutter krank »ad t.r Alte müht-e sich, ihr am Heid eine Tuppe zu.kochen. ,Laß mich Alter, sagte ich unt nahm ihm die Mühe ab und kochte die Toppe. Tann plauderte ich eiuiac Zen. schließlich ging ich »ei- :\? Wege? und kachle nach, tvie sich woh! die arge Welt bessern . he. Meister e? ist viel Trörung in dcr Welt. Lieb, als ich h ging, kam ich an einem Tandl>iusiu vorbei, am dem Kinder spielten. Tie Kinder stritten sich, kenn sie ipiel.en im Lande >N:chcnbocken nnd stritten sich um die hölzernen Formen, mi: tencu sic spielten. Ta mußte ich denn Frieden stinen und deu Größeren sagen, daß sie den Kleinen das Borrecht ließen." „lind kann? Tragze der Meister ernst. „E? ist wirklich viel Ltörung in der Welt," sagte Ranael. ..tu glaubst nicht, wie viel! Als ich nämlich weitergiug «ad aut k-cn Markt kam, — ich dachte nämlich, am dem Markte ließe sich am besten zu den Leuten reden — fca sah ich. wie einer alten Hockerrrau der Korb mit den Aepseln umgeralleu war. Da mußte ich doch helfen, dasL bsl einsammeln, über das die Ganeububen schon hergesallen waren." ,,Ta? ist dieselbe Frau, Meister, die all die schlimmen Jahre, als die Leute nichts zu essen Hanen, mir ihren Lkpfelu wucherte, und dem armen Volke nocb nicbr den Blick darum gönnte!" riet Gabriel dazlvischen. ..Tic Frau jammerte aber, das weiß ich genau," eiwiderre Ranael. „was sollte ich tun? — Tami: war es aber schon wiet:r Mittag geworden. Ich halte meinen Alten oersprocheu, eiu-;rc! wieder zuhause zu essen, mtd so aß ich zuhause und verborgte tic kranke Mutter." ..Ranael, Raffael!" sagte mir ernstem Koprichürielu der Meister. ..Nein, Meister, ich weiß, was du sagen willst. Aber es nt nicht so. ich hatte wirklich keine Zeit. Auch am Nachmittag — :ch Hane mir fest vorgenommcn, auf dem Markte mein Heil «i: den Leuten zu versuchen — wurde ich aufgehatre». Ich Höne rlönlich aus einem Hause lautes Geschrei und sich durch das vneitje Fenster, wie ein Arbeitsmann seine Frau sihlug. Nechr nnbarml^erzig schlug, Meister. Es tat mir wch um dos Weib, wiewohl sie cs an dem si^ckdigen Gehorsw» wohl mochte haben fehlen lassen. Ta lehnte ich mich i»s Fenster, rat. als we»in ich nichts gesehen und gehört hätte, nfe 'ragte den Mann, ob er mir wkchl einen guieu Schuster sagen kennte. Zuerst wandte er sich grimmig nach mir um, aber als ich io ganz ahnungslos tat und sachte ein Wort zum oudere» tügre, das Weib auch die Gelegenheit benutzt haue, um ans der Trübe zu lauten, beruhigte er sich sichtlich. Als ich das sa^ dar ich ihn sown, nur gegen eine Belohnung den Deg za -eigen, um? er auch tat. Auf dem Wege kam ich vom Reden ins Scherzen, als er aber lachte, schickte ich ihn nach Hause, den» ich wußte, nun würde er seiner Frau nichts mehr tun." .Laß mich gehen, Meister!" Uriel erhob sich vom Brnnnenrand: „Laß uns gehen! Er redet und redet und kommt nicht zum Ende!" >Ltill, Uriel! Noch eine letzte Frage an ihn, dann gehe auch ich!" Ter Meister erhob sich imb schaute Rastael ml eine« Blicke in die Augerr, von dem man nicht wußte, war er streng oder, was war er? „Raffael, sagte er, „du lueiufi, daß eS Störungen gebe im Leben. Rechnest du zu diese» SAirnnaen «nch daß mau am Abend schäkernd mit einem Mädchen a» Brunne» siehe» muß?"

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