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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-06-10 · 106 (10.6.1921) · p. Seite 178

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
106 (10.6.1921)
Date
1921-06-10
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
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- 178 — H ter Zeit leider auch zahlreiche Ausländer interniert worden, die fr^er einmal wegen zeitweKger Arbeitslosigkeit ausgewiese» wnrde», ohne die Mogllchkeit za haben, der Answeffnog nachzukommen, da chnen die Rückkehr in die Heimat wegen der bekannten Anstande im Osten Europas zur Zeit nicht möglich war. Es handelt sich also hier nicht nur um kriminelle Elemente, sondern -um großen Teil um durchaus arbeitswillige und arbeitsfreudige Ausländer, die ' zum Teü inzwischen längst wieder Arbeit gefunden hatten und nun von ihrer Arbeüsstelle weg interniert wurden. Unter den so Internierten befindet sich eine größere Anzahl ostjüdischer Flüchtlinge und Arbeiter. Das Arbeiterfürforgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands hat von Anfang an sehr energische Vorstellungen gegen diese Politik erhoben und die zuständigen Stellen, insbesondere die Ministerien, wiederholt auf die : Unzweckmäßigkeit dieser Praxis aufmerksam gemacht. j Nun haben sich im Lager Stargard in der letzten Zeit die Verhältnisse ganz außerordenllich verschlechtert. Die Behandlung der Internierten von Seiten der Wachmannj schäften spricht allen menschlichen Empfindungen Hohn. . Das Arbnterfurforgeamt hat die Fälle untersucht und fest-? gestellt, daß zahlreiche Internierte unbarmherzig geschlagen und mißhandelt wurden. Die Internierten werden mit den gemeinsten Ausdrücken beschünpft. Infolge der Mißhandlungen sowie der i außerordenllich schlechten Unterbringung und der Mangel- ' hasten Verpflegung ist die Zahl der im Lazarett liegenden Kranken eine außerordenllich hohe. Der Verkehr der! Internierten mit der Außenwelt unterliegt schweren Be-! schränkungen. Der Briestxrkehr wird zensuriert. Die Klagen der Gefangenen werden nicht genügend beachtet. Vor einigen Tagen ist im Lager Stargard eine mit NJ Mann belegte Baracke abgebrannt. Da absolut keine Löschmittel zur Verfügung standen, die Wachmannschaften efsenbar entgegen'ihrer Pflicht, nicht rechtzeillg einfpraogen, brannte die ganze Baracke nieder. Mehrere Lnterniette erlitten Brandwunden, darunter einer sehr schwere. Die Kleider der Internierten, deren Wertsachen und chre Papiere sind verbrannt. Da die Baracke verschlossen war, sprangen die Internierten zum Fenster heraus. Sie wurden daraufhin von den Wachmannschaften beschimpft und .zum Teil mit Kolbenschlägen mißhandelt. Am folgenden Tage beim Appell wurde den Internierten angedroht, daß sie, falls nochmals eine Baracke in Brand geraten würde, nicht mehr herausfpriagen dürsten, sie sollten ruhig verbrennen. Das Arbeiterfürforgeamt hat sofort an Ort und Stelle die Vorkommnisie aachgeprüft und dann beim Ministerium schärflten Einspruch erhoben. Das Ministerium des Innern tellt uns mit, daß es sofort eine strenge Untersuchung der Vorfälle eingeleitet hat. Eia höherer Beamter des Ministeriums ist nach Stargard entsandt worden. Es muß anerkannt'werden, daß das Ministerium demnach schnell cingreift. Wir erwarten nunmehr die unverzügliche Abstellung dieser unglaublichen Mißstände. Berlin. Das Geaeralkomitee des U. O. Bne-Brich, Großloge für Deutschland, hat in einer Sitzung vom 22. Mai beschlossen, mit der Zionistsichea Organisation zusammenzuarbeitea, um Palästina als bevorzugtes Immigrationsland auszngestalten. Der Orden erklärt den Auchau Palästinas in diese» Sinne als eia großes allgemein jüdisches Hüfswer^ fordert ober" eine paritatsiche Zusammensetzung der Leitung des Auchamverkes und Garantien für die ausschlieWche Verwendung der gesammelten Gelder in PalWna. Die deutsche» Logen sollen sich an dieser Aktion betrüigen, ohne Beeinträchtigung chrer Mitarbeit der» Viedermchba» de» deutschen Vaterlandes und chrer Fürsorge für das nolleSbenbe deutsche Iudentnm und die in Densichtand weitooden judsiche» MichÜmge. A«burg. Während nnnrer wieder von R^tor und llnwi iftkäkdi \m\tikm betout wirb, bk Einigkeit der Marburger Bevölkerung müsie unter allen Umständen gewahrt werden, ist es gerade immer wieder die Studentenschaft, wenigstens die farbe.ttragende, die nichts. unterlW, um durch immer neue „Taten" die Einigkeit und Ruhe m der Bevölkerung zu untergraben. In diesen Tagen gelangten an eine ganze Reche hiesiger, vorwiegend jüdischer Einwohner Schreiben von Geschäftsleuten, Gast- und Kaffeehausbesitzern, in welchen jene gebeten wurden, von einem weiteren Besuch ihrer Geschäftsräume Abstand zu nehmen. Als man sich wegen dieser eigenartigen Schreiben näher erkundigte, erfuhr man, daß die Geschäftsleute zu dieser Haltung durch die Studentenschaft gezwungen worden sind, teilweise sogar unter lebhaftem Widerstreben, da ihnen von seiten der Studenten einfach mit dem Boykott gedroht worden ist. Die Mehrzahl der hiesigen Geschäftsleute, die aber auf den Besuch der Studenten angewiesen sind, sah sich daher durch diese terrorisllsch-bolschewistischen Maßnahmen „akademisch gebildeter" Kreise gezwungen, langjährigen, alten Kunden die Tür zu weisen, um nicht ihre eigene Existenz aufs Spiel zu sehen. Österreich. Wien. Zufolge der verfügten provisorischen Sperre der paläsllnensischen Häfen werden etwa 800 Palästinawanderer, welche mit dem Schifte „Carniolia" von Triest abreisen sollten, in Wien zurückgehalten. Der Präsident des Zionistischen Landeskomitees, Ingenieur Robert Strikter, erschien beim englischen Gesandten in Wien, Herrn Lindley, und ersuchte ihn, bei seiner Regierung für die in Wien weilenden Paläsllnafahrer ungestörte Weiterreise und die Erlaubnis zur Landung in Palästina zu erwirken. Gesandter Lindley versprach in zuvorkommender Weise, bei seiner Regierung bahinzielende Schritte zu unternehmen. Pole«. Warschau. (I. C. B.) Das amerikanische Konsulat begann schon dieser Tage mit der Erteilung der Visa für . die Emigranten aus Polen nach Amerika, deren Kopfzahl für das laufende Jahr nicht 36 000 übersteigen darf. Das Konsulat wird alle 36000 Päsie im Verlaufe von fünf Monaten, und zwar bis zum 31. Oktober d. I., visieren. Warschay. (I. B. C.) In polnischen Kreisen verlautet, daß die polnische Regierung sich entschlossen habe, sich an den amerikanischen Botschafter, Mr. Gibson, mit der Auflage zu wenden, ob er nicht geneigt wäre, bei seiner Regierung dahin zu intervenieren, daß die Einwanderungsvorschristen für die jüdischen Heimlosen aus der Ukraine, die sich in Polen in großer Zahl und in sehr kritischer Lage befinden, gemildert werden. Warsthan. (I. C. B.) Die hiesige jüdische Gemeinde hat unter gewiften Bedingungen eine halbe Million Mark für die Akllon Israel Belkinds zur Ueberführung von 200 jüdischen Kriegswaisen nach Paläsllna zur Verfügung gestellt. Warschau. (I. E. B.) Der englische Gesandte empfing eine zionistische Abordnung, die ihm ein ausführliches Memorandum über die ungeheuren Schäden der Einwanderungssperre in Palästina überreichte. Der Gesandte versprach, die Forderungen der Juden nach unverzüglicher Aufhebung des Einwanderungsverbotes bei seiner Regierung in London wärmslens zu befürworten. - Warschau. In Bialystok tritt ein Mann auf, der sich für Elijcchu hanawi ausgibt und die Nähe des Messias prophezeit. Es ist chm bereits gelungen, ein Gefolge von vielen Tausend Anhängern zu gewinnen. Lii«»c«. tZ. C. B.j Der litauische. Mimstorrat behandelte a«f seiner letzlen Sitzung die Legalisierung des jüdischen NatümalrateS Kr Litauen als staatliche Einrichtung. Dos Gesetz! nmrde bereitvom Parlament in erster Sitzung angenommen.

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