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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-06-03 · 105 (3.6.1921) · p. Seite 171

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
105 (3.6.1921)
Date
1921-06-03
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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Slrfet Lunstantinopel. Auf einer Versammlung am l. Mai, der der Chacham Baschi präsidierte, wurde über die Reorganisation der türkischen Iudenheit beraten. Es ist geplant, die Versammlung in eine gesetzgebende Körperschaft umzuwandeln, mit einem permanenten Rate, der als Lberbebördc die jüdischen Gemeinden in der Türkei umfassen soll. ItLÜr«. London. Ter ehemalige Premierminister i?mgi Luzatli ist zum italienischen Senator ernannt worden. Es gibt nunmehr 20 jüdische Senatoren. (I. Ehr.) Amerika Rem-Bark (,\ E B.) Trotz zahlrcicber Telegramme, die an den Präsidenten der Vcreinigten Staaten mit dem Ersuchen abgesandt wurden, die Einwanderungsbill zurückzoziehen, Unterzeichnete Präsident Harding das vom Kongreß und Senat angenommene Gcjctzesprojekt betreffs der Einschränkung der Einwanderung. Time Tatsache rief große Enrrüstlmg bei der jüdischen Bevölkerung Amerikas hervor. Lo»do>. (I. C. B.j Ter Tireklor des Keren Hajcsiod. Zlaropolkski begibt sich auf den Ruf Tr. Weirmanns diese Woche nach Amerika, um an der Keren Hajenod-Aklion teilzunehmen. Raidilich ist in derselben Aufgabe bereits in Ncw-fwrk einaetroncn. London, Je.oish Ehronicle meldet: Tie Zionistische Srgani'ulion ist amtlich benachrichtig: worden, tust die Unterbindung der Einwanderung nach Palästina nur eine zeitweilige Maßnahme sei. Tie Regierung wünscht, dahin verstanden zu sein, daß ihr Entschluß, das Mandat über Palästina im Einblick auf die Errichtung des jüdisch-nationalen Heims zu übernehmen, nicht durch gewaltsame Versuche gewisser Elemente unter der palästinensischen Bevölkerung crschüttert sei oder erschüttert werden würde. Loado». Jabolinsky verönentlicht in der Times ein längeres Schreiben, worin er nachweisk. doß cs in Palästina nur iebr wcnigp jüdische Kommunisten gebe und dost cs sich um einen von den Arabern vorbereiteten Uebersall bandelt. Jabotinsko ichläg: vor. zahlreiche Juden in die englische Garnison einzurciben. was, da die Juden sich mit kleinerem Sold begnügen würden, für England ein Ersparnis von 200 00s» Pfund bedeuten würde und geeignet wäre, das Sicherheitsgesühl der Juden wieder auszurichten. London. Der in der ^Times" verössentlichte Brief Jabotinskvs. in dem er die Schaffung einer jüdischen Legion zur Verteidigung Palästinas fordert, Hot eine ganze Reihe von Zuschriften an die „Times" zur Folge gehabt. Unter anderem äußert sich zu dieser Frage Colonel Patlerion. cdemaliger Kommandant der „Iudeans" ljüdische Legion), die einen großen Anteil an der Eroberung Palästinas gehabt halte. Er ist gegen die gemischte Legion, die niemals ein wirklicher Schutz Palästinas fein kann. Tagegcn schlägt er vor. im Ostjordanland eine rein arabische Miliz zu gründen, während im Westjordanland die »Judeans" wieder einzuführen seien, die allein die Ordnung im Lande aurrechterhalten könnten. .Lord Justus Percy meine, daß die Juden sich nicht der Legion anschließen werden. Ich kann ihm versichern, daß dieie Furcht unbegründet ist. Ich habe die Rekrutierung der Juden während des Krieges in Palästina vopgenommen und bin bei der Aushebung der besten Kolonistensöhne auf keine Schwierigkeiten gestoßen. Ich würde auch jetzt keine Schwierigkeiten haben, ein Bataillon von 5000 jüdischen Soldaten aufzustellen, wenn dies der Wunsch der Mandatarmacht sein sollte. Es ist der Allgemeinheit kaum bekannt, daß die jüdischen Truppen es waren, die in Palästina ein Jahr lang nach Beendigung der Feindseligkeiten die Ordnung auirechterhalten haben. Sie waren in kleinen Gruppen über das ganze Land zerstreut, in arabischen Dörfern und Beduinenlagern und niemals ist es zu Reibungen zwischen den .Vettern" gekommen." London. Sowohl die .Morning Post" wie der Londoner Korrespondent des Pariser .Matin" beschimpfen die jüdischen Minister, die die Milderungen im Ultimatum gegen Teutschland .verschuldet" Hütten. Besonders scharf werden Alfred Mond und Sasioon hergenommen. Auch Montague soll in dieser Beziehung .schädlichen" Einfluß auf Lloyd George ausgeübt haben. London. In der Unterhansdedatte über die Verhandlungen mit Deutschland wurden von antisemitischer Seite starke Angriffe gegen die angeblich jüdischen Ratgeber des Ministerpräsidenten gerichtet, die schuld daran seien, daß Llotzd George sariwährend zugunsten Deutschlands eiutrete »ud de» Dentsche» i» Gegensatz zu den alliierten Mächten über Gebühr entgegenkomme. Lloyd George erwiderte darauf in seiner bekannten witzigen und schlagfertigen Manier folgendes: .Unsere-Gegner behaupten, daß jüdische Beamte uns in unseren Beziehungen zu Teutichland bestimmten und zugunsten der Deutschen uns beeinflußten. Es gibt Leute, denen die Judenfurcht das Gehirn vollkommen umnebelt. Diese Leute fingen am Sonntag jüdische Psalmen und in der Woche fordern sie zu Pogromen gegen die Juden auf. (Heiterkeit.) liniere Gegner haben angedeutet, daß einige von den Raparationswechieln, die wir empfangen haben, durch die Hände .jüdischer Bankiers" gegangen feien. Tie Wahrheit ist, daß zwei von diesen Bankiers Engländer sind, der eine ein Irländer und selbstverständlich sind auch Schottländer darunter! (Großes Gelächter, weil die Schottländer durch ihren Geiz berühmt sind.» Man richtet eine scharfe Kritik insbesondere gegen Sir Alfred Mond, weil er ebcnsgüs zu unseren Mitarbeitern gehört und dem armen jüdischen- Stau»me angebört. Vielleicht werden sich die Angreifer wundern, wenn ich Ihnen sage, daß Sir Alfred Mond von allen Kabinettsmitgliedern die höchster: Rcrarationciorderungen aeüelll und uns versichert ha:, daß Deutschland fähig sei. ihnen zu entsprechen. Sir Alfred Mond versteht von lrieschästs- und Handelsangclegenbcilcn jedenfalls bedeutend mehr, als seine Kritiker und als diejenigen, die sich cinredcn, ne hätten Kenntnis von Dingen, denen sie auch nicht den sünitcn Teil der Zeit gewidmet haben, wie Sir Alircd Mond." Aegypten. Kairo. (I. E. B.) In den hiesigen zionistischen Kreisen herrscht große Erbitterung gegen die ügnvtischen Behörden, die allen jüdischen Vorstellungen und Bitten zum Trotz, den aus 15S Mann bestehenden Ebaluzim-Transport, der wegen der Unmöglichkeit einer Landung in Palästina vorübergehend in Alerandrien b'ciben wollte, zur Rückkehr nach Konnantinope! gezwungen l»aben. Tie meinen Eholuzim dic'es Transportes befinden sich 'ecl's Monate aui ihrer mühseligen Reiie aus Rußland über Rumänien und sind bar aller Mittel, um euch nur einen Tag ihr kümmerliches Taiein sorririst^n zu können. Kairo. Im Zusammenhang mit den Ercignisicn in Jana ist cs interessant zu erfahren, daß es in Alerandrien und in Kairo zu äußerst schweren Ausschreitungengegen Europäer gekommen ist.' Europäische Ouartiere wurden ausgeplündert. mehrere Europäer ermordet, darunter auch englische Soldaten Einige Euoväer wurden von den Arabern lebendig verbrannt. Tas englische Militär mußte einschreiten und von der Wane Gebrauch mallen. Paris. Rach einer Blätiermeldung aus Alernndr'en sind dort während der Unruhen Personen getötet word-.n. darunter drei Italiener, ein Franzoie und!4 Grieclvn. Syrien. Paris. Nach einer Havasmeldung aus Konnantinopel teilte die Anarchische Tepeichenagcntur unter dem 21. Mai mir. daß ernste Unruhen in Syrien ausgeorochen sind. Französische Kontingente sind gegen die aufständischen Stämmen in den Bezirken Tunijri—Chovur und Tjcbel—Esra ausgeichickl morden. Im Gebiet von Tclat soll der Bahnhof von Em'irdji in Brand gesteckt worden 'ein. Paüsti« Jerusalem. Wie die palästinensischen .Zeitungen Mitteilen, wurde die unzuverlässige arabische Polizei in Jana nach Verkündigung des Kriegszustandes entwaffnet. Jaffa. Tie palästinensische Regierung hat in Jaffa sieben ara- . bliche Schciks verhaftet, die nach Jerusalem überrübn wurden. Sie werden als politische Verbrecher behandelt. Tie Araber in Jaffa haben gegen die Verhaftung protestiert. Auch Abraham Scvapira. der berühmte Verteidiger ^etach-Tilwahs, wurde verhaftet. Sämtliche Kolonisten haben bei der Regierung energischen Protest dagegen erhoben und seine sofortige Freilaffung gefordert, j Jernsale». Am 19. Mai hielt der Waad Haleumi in Jerusalem eine Sitzung ob, an der sämtliche Mitglieder teilruchmen. Es i wurde eine Resolution angenommen, die dem Oberkommisiar die! Enttäuschung des palästinensischen Judentums zum Ausdruck bringt und gegen das La?dnngsverbot schärfsten Pdotest erhebt. Die! Resolution erklärt weiter, daß die Inden Palästinas überrascht find, * eine solche Antwort auf den Pogrom in Jaffa zu erhalten, der von! arabischen Banden angestistet wurde, die die Inden in der Stadt und den Kolonien angegriffen haben. Statt die Angreifer zu bestrafen, hat Sir Herbert Samuel die Jude» bestraft, indem er sie in de» Auge, der Belt, besonders aber i» den Augen der Araber, zp Verbrechern gestempelt hat. In der Sefolatim »ird ibcifef darauf

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