Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 102 (13.5.1921)
- Date
- 1921-05-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3947615-6435932-6437209--1100-3948610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Erscheint jede» Kreit»- vrz»G» preis 3.— M. «»»«tl. Z, beziehe» d»rch fLmtliche P»stt»ter »der d»rch de» L»tr»»«rl«r i» v,»». V0H RHEIN Jüdisches Volksblatt «estz. «r.74747. Herausgegeben von Rabbiner Or. Kmrt Hohn, Bonn. Schriftleitung und GeschLflssteLe: Bo», BrTdergoffe 52. Idmmrr 102 j Zllonn, 13. Wcri 1SL1. — 5 Jfjar 5681 ] 3. Itchrrru^ Kölner Ourchwanderer-Hilfswerk Ausweis 3. Beuel. Aron 10 M., Sib. Behr IO M.. Behr u. Weil iO M., Mai Bier 20 M., Siegm. Cahn 10 M.. Josef Dahl IO M.. Herm. F-rank 10 M., Mar Frank IO M.. Mar Goldreich 250 M., Grüneberg 10 M.. H. Herz IO M., Wwe. .Herz IO M., Moses Herz 200 M.. Wwe. Heumann IO M.. Ph. Heumann 10 M., Julius Hiricb 10O M., Wwe. Kaufmann 50 M., Kaufmann u. Herz 2OO M.. Marcus Levp 5 M.. N. N. 50 M.. N. N. 20 M.. C. Kober 10 M.. Kofchland 50 M., Carl Levp 20 M.. Frau Roienihal IO M., Wwe. Rosenthal IO M., Salomon 20 M.. Schubach 10 M., Wwe. Sommer 10 M., Weidenbaum 10 M.. Weidenbaum 10 M., Dr. Weiß 200 M., Wolff IO M. Dierdorf. Lehrer Ginsberg: Sammlung in der Gemeinde 189 M. Düsseldorf. A. Brock 20 M.. I. Löwensrein 10O M. Wittenberg. Mar Levp 100 M. Insgesamt eingegangen: 3324.— Mart. Entgiftung o^oao:o:o.oIoIoIo:o:o.oio:o.o:o.o:o:o;o:oao:o:o:o;o;o;o:o:oaoIo:o.o:o.° :o:o:o:oToToToToToTo:o:o:o:o:o:o:o:o:o:o:oTo:o:o:o:o:o:o:oToVo:o!o:o:o:o!o^ro] Unter all den Beispielen erschütterten Perirauens, an denen die Nachkriegszeit io überaus reich ist. ist keines so eigenartig wie das Beispiel der Presie und des .ganzen öffentlichen Treibens, so wie es sich in Don und Schrift, in Politik unp Agitation zu spiegeln pflegt. Jedermann weiß und spricht es nach, daß die Zeitungen Hetzen und lügen, und. doch erliegt jeder der täglichen Kost seines Parteiblatts oder Generalanzeigers, d. h. er niachl sich Hetze und Lüge zu eigen und gibt sie auf seine Weise weiter. Auch unsere Presie ist auf diese Weise vergiftet, und die jüdische Oeffentlichkeit, die heute wahrlich in mehr als einem Sinne an einer geschichtlichen Wende steht — die Probleme des Antisemitismus, der Ostjuden und Palästinas beweisen es — hat darunter zu leiden, daß der Haß der Parteien bei uns noch immer unausrottbar scheint wie Brennesieln im Feld. Woher stammt denn nun aber dieser Haß? — Wenn man die letzten 20—25 Jahre überblickend sich rückwärts tastet durch all die Parreikämpfe, die wir hinter uns haben und Vergangenes mit Gegenwärtigem vergleichend, einen Blick wirft auf die jüdische Presie und Versammlung unserer Zeit, so macht man bcüd die Bemerkung, daß es kernen gröheren Wiederkäuer gibt als die politische Agitation, und daßauf keinem Gebiete so ausschließlich mit Klischees gearkoiter wird wie im Kampf der Parteien. Daß z. B. der Zionismus , „Wasier auf die Mühle« der Arttijemiten" giE fiat frifr tif diesem Avrtlant so in den GeNlütktn'der wwÄUW»URlr irrtt den' oeftstchiiästen l^genbeweisen bis heute nlcht herauszufchtagen war; ebensolvenig, wie die zionistischen Hirne von dem Gespenst der bösen „Assimilanten" befreit weiden konnten. Da haben wir zlvei solcher Schlagworte, die wie Blutegel an der Schläfe unserer öffentlichen Meinung fitzen und manchmal i den besten Idealismus, das Feuer der Jugend und die > .Kraft des Mannes, aus unseren Reihen weggesogen haben.! Daß sich diese Klischees als die schmierige Scheidemünze denkfauler Lärmmacher und hohler Eirelkeitsjäg^r wie eine Krankheit forterben, sollte ernsteren Lemen wahrlich zu denken geben. Man überlege nur. durch was für Mäuler d«se Schlagworte alle gelaufen find, angefangen vom Parteisekretär der jetveiligen Richtung, der ^stistemlich mit zynischem Gleichmut die Prägungen vornimmt, bis zum Äudenten und jungen Kaufmann, der gern einmal „in Politik machen" will. „Wasser auf die Mühlen" — hu! .Äsfimilantenpack!" — Brr! Es wäre wirklich zum Lachen, wenn es nicht gar so traurig wäre. Traurig ist zunächst einmal die Erkenntnis, mit wie wenig Verstand sich die Menschen leiten und imkiten lasten. Der Ruhm eines großen Bolksredners oder- Publizisten ist ein sehr, sehr billiger Ruhm. Das weiß der 8uge Redner oder Schreiber selbst am besten. Tie Masse klascht jedem Redner Beifall, ob er dafür oder dagegen spricht. Unter 100 Zuhörern wissen nicht 10 zwischen Gediegenheit und Schwätzertum zu unterscheiden. Das haben alle großen Redner der Weltgeschichte an sich erfahren und bezeugt. Wenn es nur mit dieser binerrn Erfahmng abgetan wäre! Ta kommen nun aber die Agitatoren mit ihren Schlagworren und Klischees und schaffen diese sog. öffentl i ch e M e i n u n g. die gar keine Meinung, aber, was viel Schlimmeres bedeutet, eine Stimmung ist, eine Stiminung, die weder widerlegt, noch erfolgreich ausgeglichen werden kann. Das ist das Gift, das die Gefahr der Sache: Jeder politische Agitator weiß, daß er weiter kommt, wenn er Stimmungen, als wenn er Ueberzeuguugen schafft. Polilik verdirbt den Charakter, aber, nur deshalb, weil sie ein Masienartikel ist. und die Masse bester auf Stimmungen als auf Meinungen reagiert. Wir wenden uns an die Anständigen, d. h. die Bernünftigen und Respektvollen aller Richtrmge», und rufen sie in ernsten Zeiten auf. zu der Entgiftung der jüdischen Öffentlichkeit beizunagen. Vas kcum mau tun? Man gebe die alten Klischees und Schlußworte, wohin «au kommt und wo nur immer Gelegenheit zu« Red» und zum Schreibe» ist. der verdienten Lächerlichkeit Preis! Ma» erziehe sich und die anderen, in politische» Dinge» tat Medrung z» haben, nicht einer Stimnmng zn Wien! Die Biliunss der Meinung aber hängt allein vom Wiste» ab. je.'wehr jüdisches Wissen einer hat. um so kung der Phrase wrd des ö Das Wichtigste aber ist die ~ mmg, wofernPe wahrhaft dis «MMü uckd s-iA« Wad er fich der der andern Aller» nungist!