Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-05-06 · 101 (6.5.1921) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
101 (6.5.1921)
Date
1921-05-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3947615-6435932-6437207--1091-3948602
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I v-: jede, Feeit,,. »e|,|« « ID T 1T^T\T «,zei,e»»rei-: S.- M.strdirvter- PrettZ.-äNde-iehe» IC 111^1 ,efp. Pettt-eUe. Die p»ze Seite »sr* ftetU* P»stä»ter .der T raf^t360Zeile». P,stscheckr,«to M fcca B,taa*rU« i» JÜdiSCheS Volksblatt V,te»»erl-I v.«, E-l,«r. 74747. tzerausgegeben von Rabbiner Di*. Krnik Kohn, Bonn. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergaffe 52. tyamn 101 1 Wonn. 6. Wai 1921. — 28 Wissarr 5681 S. Jatzrgmig. Bmjan Haare; Mit folgendem Bericht machen wir unsere Leser auf die kürzlich neu begründete Föderation „Binjan Haarezaufmerksam, der sich die prominentesten Führer des Zionismus in allen Ländern angeschlossen haben, und die — der Name sagt es — den Ausbau Palästinas nicht mehr als zionistisches Parteiprogramm, sondern über alle Gegensätze hinweg als Programm des ganzen Judentums, gleich ob nationaler oder religiöser Prägung, durchgesührt sehen will. Palästina als Lynihese zwischen Lst und West, <Acsetzesrreue und Liberalismus, Nationalismus und Religion ist das Ziel des „Binjan Haarez". Emil E o h n. Am Dienstag, den 5. April, fand in Berlin eine außerordentlich stark besuchte Versammlung, veranstaltet von der neuen zionistischen Föderation „Binjan Haarez" (Aufbau des Landes) statt. Lange vor Beginn bis auf den letzten Platz gefüllt, mußten die Türen des großen Saales im Lehrrivereinshaus geschloffen werden, so daß zahlreiche Besucher mnkehren mußten, ein sichtbares Zeichen, wie groß das Interesse der weitesten Kreise des Judentums für den Aufbau Erez Israels ist. Nach Eröffnungswonen des Herrn Rechtsanwalt Dr. Kollenscher sprach als erster Redner Herr Profeffor Dr. Carl Lewin. Von dem diplomatischen (Erfolge ausgehend, den die jüdischen Führer in San Remo errungen haben, rief er alle Juden, ohne Unterschied der Partei und der religiösen Ueberzeugung aus, sich an dem Aufbau des jüdischen Landes zu^ beteiligen. Die Tore des heiligen Landes ständen weit offen; die lange Wartezeit des Golus, die unendliche Kette von Blutopfern, Verfolgungen und Wanderungen seien vorbei, mit staunendem Auge sehen lvir die Stunde der Erfüllung. Ter Gedanke der jüdischen Heimstätte sei aufgebaut aus der Uebereinstrmmung auch aller nichtjüdischen Parteien, denen es zur Gewißheit geworden sei, daß die jüdische Frage, die Frage eines im polnisch-russischen Anfiedlungsrayon zusammengepreßten und damit zur Verelendung und Demoralisation verurteilten Volkes, nicht anders gelöst werden könne, als durch die Besiedelung des jüdischen Landes. Ter Redner wandte sich dann gegen die noch immer verbreitete Meinung, daß die Zionsidee antisemitische Strömungen Hervorrufen könire. Warnend erinnerte er daran, wie es gerade jene nationale und religiöse Arioleranz gewesen sei, jenes chauvinistische Dunkel, das Deutschland an den Rand des Abgrunds gebracht habe, er erinnert auch an die stierliche, nunmehr völkerrechtlich, verbriefte Erklärung der Menschenrechte, nach der kein Bürger eines Landes wegen seiner Abstammung oder Religion mehr irgendwie benachteiligt werden darf, ein Gebot, welches auch einem malten, jüdischen Gesetze entspricht. Schließlich ging Herr Profeffor Lewin noch dmauf ein, daß ein großer Teil des Mischen Lölkes auch fernerhin in der Diaspora leben würde. Diese, fordere er auf, geboeu ber jüdischen tem* J muug zu leben, aber auch als tätig Mitschaffende an dem Kullurkreise des Landes mitzuwirken, dessen Bürger sie seien. In dem Gedanken der Besiedelung Erez Israels seien alle Juden stets einig genasen, in diesem Zeichen sollten sie auch setzt alle Gegensätze wrgeffen und zusammen arbeiten. Als nächster Redner folgte Herr Rechtsanwalt Dr. Klee. Cr wandte sich gegen die zerstörenden Kräfte auch im Judentum, er rief die jüdische Jugend auf, sich von kommunisnscher und sozialistischer Assimilation fernzuhalten und dein treu zu bleiben, lvas Jahrhunderte lang der Stolz und die Freude aller Juden gewesen sei, der Schönheit des jüdischen Hauses, der Reinheit und Innigkeit des jüdischen Familienlebens, den gewaltigen ethischen Forderungen der jüdischen Religion. Im ähnlichen Sinne sprach auch der nächste Redner, Herr Rabbiner Dr. Warschauer. Die Idee des jüdischen Polkstumes und des Wiederaufbaus des jüdischen Landes sei schon lange vor Herzl in den Herzen vieler Juden lebendig gewesen, sie sei mit jedem Juden geboren. Er erinnert dann an den leider noch immer klaffenden Gegensatz zwischen Ost und West, an den drohenden traurigen Zerfall des Judentumes; wie gerade auch durch die kaltherzige Zurückweisung der Lstjuden seitens vieler Westjuden, die Ostjuden selbst sich immer mehr der jüdischen Selbstentfremdung, der Mischehe und dem Renegatentum zuwendeten. Der Aufbau der alten Heimstätte, in der Israel groß und glücklich gewesen sei, jene uralte jüdische Parole, solle Ost und West in friedlicher Arbeit vereinigen. „Binjan Haarez" sei aber auch eine Forderung der jüdischen Religion. Nicht nur eine der Orthdorie, sondern auch erst recht eine Forderung des religiös-liberalen Judentums, deffen Ideen er auch selbst vertrete. Gerade wer von einer lebendigen Fortentwitttung der jüdischen Religion eine neue' Befruchtung der philosophischen und religiösen Ueberzeugung der ganzen Welt erwarte, müsse sich mit allen Kräften an dem. Aufbau Palästinas beteiligen, damit noch einmal die-Lehre von Zion ausgehen möge und das Wort Gottes von Jerusalem. Binjan Haarez bedeutet auch „Binjan beß hamikdosch". — Stürmischer langanhaltender Beifall der mehr als zweitausendköpfigen Menge lohnte dem Redner seine warmherzigen, von tiefinnerer Ueberzeugung getragenen Worte. Ter letzte Referent, Herr Profeffor Dr. Citron, beleuchtet dann in klaren, scharf pointierten Worten die politische Situation der Palästinaidee. Noch sei der Maudatsentwurf, der das jüdische Bolk-in seine alten, historischen Reste wieder einsetze, nicht besiegelt und Tatsache geworden. England habe sein Wort gehalten und würde es auch ferner halten, aber nur, wenn die Juden selbst der großen Stunde würdig seien und mit Anspannung aller moralischen und' wirtschaftlichen KräfteUn Palästina ein Gemeinwesen schaffen würden, das ihrer selbst würdig sei, würdig ckber auch, der Ehrfurcht und Liebe, die jede christliche und muselmännische Nation für Erez Israel hetze. < sich für das Land der BÄer interessieren: mosen und Wohltätigkeit könne die 4 *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.