Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 99 (22.4.1921)
- Date
- 1921-04-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint jtfrc» Kreit«i Ve-ngA Preis 3.— M. »»»«tl. Zn te-irhe, P»rch siunlliche P,ftt»1er »Per d»»ch de» v»te»»erl«i i» B»»>. VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt >»tei»r»Prris:2.— « für die »irr - §esP. PetttzeUe. Die gimze Sette »»f»ßt3«) Zeile». P^tsche«»»t» V»te»vcrl«ß «»»», LLl» «r. 74747. tzerausgegeben von Rabbiner Dr. Karrt go^tt, Bonn. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergaffe 53. Jbauut 99 ^omt, 22. Aprik 1931. — 15 Wissarr 5681 | 3. Jahrgang. Kölner Ourchwanderer-Hilfswerk Ausweis 1. Mülheim-Ruhr, (^iellickair Vere IW.!. I : r peßach 5681 Traum und Wirklichkeit Lieben Lochen 'ei*’'; i- 7 z:i£tkr., rrn &a er, N)0 die Liehe l zu gehen reg',77: :: >rr 2zcz. 'ollli du an^angen. neben Lochen zn znbl-n.... .'.'^.'7'e t c*. Das heiß: also vom er.. d>2s £*15: also, bas wir das Peßach selb'': m rrc^rVn 3aa: feiern ''ollen: 'M, irie ifr unsere faire S::!I;c!e:: >:rr. Traum unserer allen Tage io fern. Tie 3i6e' liea: mindestens noch vier Monate in t-er Gcrärekarnrner. ebe wir ne zum ersten Schnitt Hervorbolen, ja. ’ogar am Schowuauslage. dem Tage der Erstlinge. da die Ernre erngebrackl iein soll, ichen wir alle Halme noch grün unrerm Maiwind zittern. Das ist unser eigentliches Mizraim. das >inechibaus unserer Religion, die ieir dem ersten Tage der Zerstreuung ein armes Aschenputtel dinier den .Herd be: Mew'chcnweli gestoßen wurde, wo man nicht nur die Rene vom Tisch bekomm:, sondern auch — bie .^riegszerr lebe:e es uns' — sich nähren muß mir den Surrogaten und EBaymiiieln der Herren ko st. und Gon noch danken muß jai die Gabe der Phantasie und Hoffnung, die dem armen änem: veistartet. in den Träumen längst verrauschter Tage seine Zukunft zu erleben. Sen den Tagen der babylonucben Gefangenschaft, die Israel die Lynagoge geschenkt baten rjx den verlorenen Tempel, har dieses Mizraim des religiösen Surrogates mchr aufgehörr. Der Jude, der die Schnelle seines Gotteshauses seitdem überschreitet, verläßt die Welt der Wirklichfeit und berritl das heilige, gelobre Land seiner Patriarchen. sprich über alle Lande und Zonen bin im selben Augenblicke dieses Landes und dreier Parer Sprache, hört die Sichel rauschen am Peßachrage. ahm im Blumenkranz des Wochensestes den Früchrekrcm; der wallfahrenden Menge alwr Zeiten, und in den paar Lstlowim und Esrogim um das Almemor den Jubel der Honannapattnen im „Zestreigen um die Hörner des Altars". Wahrlich, es liegt Größe in dieser Armut, und je ärmer ne mrs in den Winkeln der Zerstreuung erscheint, um so ergriffener sinken wir in die Kniee unseres Herzens vor der schöpferischen Macht unseres nacherlebenden Volksgeiftesr Ein Volk, das so Vergangenheit zu erleben, sich so am dürren Aste emporzuamfen vermag, ein solches Volk ist nicht verloren. Und doch har dieses Volk gewußt, daß es zu tragischer Lächerj I iififcir uerbammt wäre, nenn es den Blick nicht richtete | nur eine Zukunft, die dieses Mizraim überwinden würde. : T arum stellt es nebeißdie Becher der Sederfreude den einen i ul^rzähligen des Propheten Elia, unter all den Phanbasieb-.ckern der einzig zvirkliche. Denn dieser Becher beweist, daß nicht alles unfein Spiel, eine Münchhausemade, ein! Sklar-entraum. eine Milchropsgeschichte, eine Selbstbesrie- - bigung aus der Galecicnbank ist, sondern eine Offenbarung; des göttlichen Willens, im Menschen, vielleicht sogar in dieiei G^rolt die einzige, die je die Welt gekehn. Dieser Becker ist kein Surrogat für Verlorenes, dieser Becher steht,! daß die Drecke sich auftue über dem Sedermahl und die! lwige Hand aus Stemenglanz und Mondesüberschimmer berabgreise und ihn leere bis auf die Neige. - Ist das aber alles auch wahr? Tut sich die Decke aus 1 zur VollMondnacht des 14 Nißau? Hören wir die Sichel! rauschen in der Saar, da wir uns zum Seder setzen? Tom der Sang der ausziehenden Schnürer an unser lauschendes Ohr? Oder' ist das alles nur der leidenschaftliche Aufschwung eines warmblütigen Phantasten, der mehr steht l als da ist. eines aber nicht bemerkt: wie sie alle Phantasie-, I obnungslos- und wunschlos am Sedertische fitzen und auf i das Mahl warten, das kommen soll? Die dem auch sei: man lerne! Lerne erkennen, daß die' Zerstreuung Zerstreuung, daß Golus Golus ist, und daß nicht bloß ' das Volk, sondern auch sein Glaube in ägnprischer Knechtschaft liegt, und aus die verloren gegangene Schechina warrer. Diese Religion harrt auch ihrer Befreiung entgegen, die Inbrunst des Frommen, d^ Einzelnen, mag wohl schon heme die Hecke durchbrechen, hinter der das Dornröschen schläft, ja, die schlummernde Prinzessin mag ihm im Schlafe schon lächeln, wenn er ihr naht. Erwachen wird sie erst, wenn die Surrogate der Zerstreuung neuen religiösen Wirklichkeiten weichen werden. Wer vermag heute die Möglichkeiten zu ahnen, die hier in dem aufkommenden Palästina schlummern. Jedenfalls, wenn irgend etwas den religiösen Juden an das Land der Väter knüpfen kann, so ist es die Hoffnung/ in kommenden Peßachtagen dereinst ein Raufen von dort drüben zu hören, das uns kündet, daß ,ch-ie Sichel wieder angefangen hat zu gehen in der Saat". Wahrlich diese Sichel wird die Garben schneiden, von denen es heißt, daß ihre.Träger in Freuden ernten werden, was sie in Tränen gesät. Emil Cohn. Wochenschau Laisache« un» Ergebnisse 0W00000 0000 o 000000 o 00 000000000000000000 roYoVoWoVoWoVoToVoVoToTo ooocoooooooooooooo Deutschland. Berlin. Der neue „Verband »«ti»»nlde»tscher Juden e. V." hielt vergangenen Montag feine GrüÄmagsversarmnlung ab. Tr. Na umann erklärte tn seinem Referat, durch die. Schaffung einer aktiven Organisation müsse man endlich ein-