Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 98 (15.4.1921)
- Date
- 1921-04-15
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3947615-6435932-6437203--1067-3948581- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
116 sollen, wo sie sich wieder vereinen können. Und wo a nderskönnte d i e s s e i n, als i n P a l ä sr i n a. mir welchem die Juden seir 3000 Jahren enc> und innig verknüpft s i n d? Rack unserer An- .sicht dient dies zum Wohle der Welt, zum Wohle der Juden und zum Wohle des britischen Reichs, und es ist auch zum Wohle der Araber, die in Palästina ansässig und. und dies liegt in unseren Intentionen. Sie sollen nicht verdrängt iverden, noch sollen sie leiden, sondern sie sollen Anteil an den Vorteilen und dem Fortschritt des Zionismus baben." nachdenklicher Fall. Von A r h o 1 b 3 >v e i g. Es gehen UNS folgende Zeilen voll dem bekannten jüdiscl-en Dichter und Literaten zu. die für Marlin Bubeis Monatsschrift „Der Jude" werben. Diese Zeitschrift. die denselben Nanren trägt wie einst Gabriel Riesters berühmte Blätter, ist im Laufe der wenigen Iahte ihres Bestehens eine bedeutungsvolle Künderin jüdischer Kulturideale geworden. Wie rnan immer zu den Zielen des ..Juden" stehen mag, must :nan doch anerkennen, dast es ein bedeutender Verlust der jüdischeir Geisteswelr des deutschen Sprachkreises sein würde, wenn ein in Inhalt und Foim so vornehmes Blatt wie dieses seilt Erscheinen einnellen inüstte. Wir schließen uns dem Weckruf Arnold Zweigs gerne an und lverden auf das Topische des Falles in/iner der nächsten Nummern unseres Blattes zurückkommen. Emil E o b lt. „Der Jude" ') wird sein Erscheinen einsrellen. trenn nicht. .Hört zu. Hier ist eine Zeitschrift, deren Fehler uns nicht verborgen sind — aber eine Zeitschrift zugleich, die von keiner deutsch gedruckten irgend übertroffen wird. Streng, gedacht, sachlich und voll Leidenschaft des Geistes, ganz rein in der Gesinnung, manchmal ein wenig feierlicher als gut wäre — aber feierlich aus Verantwortung, einst aus der wahrhaft furchtbaren Lebenslage unserer Sache, streng, lveil die Vermantschung der Ideen und Dirklrchkeiren einen zur Raserei treibenden Grad erreicht ^at in dieser Zeit; eine Zeitschrift, deren Arbeit nicht zur Lelbstdarstellung schreibender Juden, sondern zur Vertiefung jüdischer Ideen, zur Darstellung jüdischer Wirklichkeiten, zur Rettung einiger weniger Wahrheiten im jüdischen Dasein geleistet wird. Diese Stimme ist „Der Jude" — nur er. wenn ihr es nicht ändert. Der Beschluß zur Aufgabe eines in der Luft hängenden und idealistisckunr Unternehmens ist beinahe gefaßt; schon löst sich die Vereinigung der Herausgebenden auf. Und was dann kommt: das werden rrichr wir spüren, die ihn schrieben, sondern eure Kinder und ihr — nur iln. Glaubt ihr, wir schrielunr ihn zur« Vergnügen? Haltet ihr uns für so kindlich, nicht zu spüren, wie tief und weit oie Leere ist, in die unsere Worte fallen? Bilder ihr euch ein. wir wüßten mir unserer Zeit nichts Besteres anzufangen? Glaubt ihr denn — aber ihr tm das nicht — jeder von uns habe nicht auch seine persönliche Aufgabe, die ihm das Herz versengt, wenn er von ihr sich ablvenden muß? Aber 'o denkt doch nur einen Augenblick nach, und ihr erkennt, daß Buber und wir anderen, jeder einzelne von uns. seine eigenste Sendung zu voll zielen nur aufschiebt um der Sache willen, des Volkes willen, der Idee und euretwillen . . . . „Der Jude" geht ein. an eurer Gleichgiltigkeit. Er geht ein, loeil ein Jnselbuch heute 4 Mark kostet und einst eine halbe; geht ein, nxül das österreichisch. das polnische, das russische Geld heute — aber das wißt ihr ja — so wenig wert ist, daß die Leser jener Länder ihn nickt mehr, wie 1) Die Monatsschrift „Ter Jude" erscheint im Jüdischen Vcrlag, Berlin NW. 7, Dorotheenstraße 35. Der Bezugspreis beträgt jährlich 60 3RV halbjährlich 30 M. ' während des Krieges, bezahlen können. Ihr könnt es. deutsche Juden, und ihr solltet, ihr müßt, ihr werdet diese Zcilschrifr lialten. wenn ihr einen Funken Pflichtgefühl vor dem jüdischen Geiste habt. Die Jahrgänge des ..Inden" in eurem Bücherschrank veralten nickt, sie werden stets neuer, denn nur klarer spricht im Verlauf der Jahre das Gültige aus ihnen, und selbst das dann Ungültige wild euch die Zelt der fürchterlichsten Krise unseres Lebens treu aufbeuahren. Ihr werdet diese Hefte aufscklagen können, wann immer ihr wollt, in schlaflosen Rächten — falls eure Tage dum wirklich so aufgeteilt sein sollten zwischen Broiarbeit und sensationeller Etholrmg — auf dem Krankenbett, während langer Fahrt und an Regentagen eurer Ferien. Und immer wird der lebendige Geist und die Hingabe an uw'eie reuende Idee euch ebenso vorgclegt werden wie das Abbild der ganzen jüdischen Wirklichkeit. Es bedarf nur zweii u i' i e n d A b o n n eine n. um ein Werk zu halten, das. entgleitet es unseren Händen, für die Schmach eure, seelischen Verfassung sl,mplomatisch sein wird. Abonniert den „Juden"! Retter eine Zeitschrift — ihr neidet damit weit mehr als nur eine Zeitschrift gercuei haben. n i rrni mm rTTfinrinnnnnnrri im nni; Bon Berg und Tal TrnrmTTTTTTm I rn r» n 1111 rm imun Mölii. A ui a. X*lpviI fand im Sitzungssaal der Synagogen gemeinde Müht Der 11. Gemeindetag des ProviIiz: alverbandes rhe'- ui'cher Tyuagogengemeiiiden statt, sämtliche größere Gemeinden D>.? in'rtanDe-3 und eine stattliche Anzahl von "kleinen Gemeinden i'.anen ihre Vertreter entsandt. Ter Vorsttzende. Herr Geh. 2aru. räisrak Tr. VIpro:, <rö?Tunc den Gemeindelag und gab eine Ueberiichi üler die Arbeit des-Verbandes während und nach dem Kriege. ..Wir ruhten uns als ein G?icd dcp O>eianttheit. ihr wollen wir dienen, und den Interessen der Gesainihoil leiden wir uns e:n- und unierordnen". das »var das Leitmotiv der An-5'ührunacn des Vor str enden: nach diesem Grundsatz hat der P. V. bisher alle reine Au'aal'en erfülli. und diesem Grundsatz will er auch serncrhin treubleiben, Er sprach insbesondere,über dre Arbeiten des Verbandes bezi.alich der zeitgemäßen Blenderung der Gemeindesten ulen und bezgl. derJleinen leistungsschwachen Gemeinden, um lhnc". eine den Verhältnissen entsprechende Besoldung ihrer Beamten zu ermöglichen. Ter P. V. hat zu diesem Zweck eine Noiaknon der kleinen und min.ercu Gemeinden in die Wege geleuek. Tie Aktion hat aber bisher nur 23 (*«n> M. ergeben. Abgesehen von den allgcmeir:-wrrlschanlichen Verhältnissen, habeil gerade die Mitglieder der Großgemeinden r'ür deren Bestand, sür die Erhaltung von Anstalten, humanitären Vereinen, sür die Lösung der Gesamtausgaben der Iudentzeit in den letzten Jahren die allergrößten Lpser gebracht; an die Etnzelmitgliedcr der Kleingemeinden aber werden nur selten selche Anforderungen gestellt, und so ist es eine allgemeine Ansicht, daß die .Kleingemeinden ihren Aufgaben allein gerecht werden müsst n. und sie vermögen es. wenn sie durch weitbiickcnde Führer zur Tpienrilligkeil. zur Hingabe herangcbildet lverden. Nachdem Herr 'Tr. Klein den Gemeinderag im Namen der Tgnagogengemeinde Köln begrüßt halle, erstattete der Tekreiär Herr Neii'.htirdl den Kassenbericht des verflossenen Jahre?, aus dem sich in Einnahmen und Ausgaben nur 4An> M. ergaben: der Vorsitzende bersme. daß ein solcher Betrag leine ausreichende Betätigung auf irgend einem Gebiete ermögliche. Er richtete einen dringenden Appell an die GemciuDevenreter. ihre Gemeinden zu einem größeren Beitrag zu veranlassen. Herr Rabbiner Tr. Emil Eohn-Bonn sprach sodann über die Gesamiorganisation der deutschen Juden. Redner verstand es. durch seine lebhaften klares Aussührungeu seine Zuhörer zu fesseln. und jeder einzelne stand im Banne des Kläl Iisroel. der in der Geiamrorganisalion seinen Ausdruck finden toll. Es wäre müßig. d> .l Referate durch eine nackte Inhaltsangabe gerecht werden zu wollen. Tie historische Einstellung und Entwickelung der deutschen Iudenheit, die Vorbereitung des Entwurfs und die Vorverhandlungen innerhalb und zwischen den Parteien, die Tagung des Gemeindetaaes am 2b. Januar d. I. in Berlin mit den schweren Problemen wie: Ziveckbestimmung. Autonomie der Einzelgemeinde. Ausländcrwahlrecht, die Ergebnisie dieser Tagung, deren Grnndzirg Referent in dem Begriff Klal Iisroel erkannt Hai. alles das stand wieder vor dem geistigen Angc der Zuhörer. Nach einer sehr eingehenden Tiskussion wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: ..Ter Provinzialverband rheinischer Lynagogengemeinden begrüßt freudig die Verwirklichung der Gesamwrganisation der de-n-