Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 97 (8.4.1921)
- Date
- 1921-04-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint jtfcea Freiing. fk|Sfl* preis 3.— $L anstt Z» beziehe, b»rch si»tliche P»stt»trr »per p«rch pe» B»te»»eel«i i» B»«». V0H RHEIN l:L-» deütgeüe. Die Seite .74747. ^üäisoliss Volksdlatt Herausgegeben von Rabbiner Dr. Krnit Ko^N, Bonn. Schriftleitnng und GeschLfts^lle: Bonn, BrüdergaAe 52. N»««rr 97 Morrrr, 8. Apvit 1921. — 29 Weaöar 6681 3. OOGOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOGOOOOGOOO0 Jüdische Feste £, es ist etwas Eigenes um die jüdischen Feste! Gewiß, andere Völker haben auch ihre Feierlage, uuck sie erheben sich an diesen Tagen über den Alltag des Lebens hinaus. Doch ist die An des Ausrubens, das den Andersgläubigen dem harren Zwange der Arbeit um Broi entrückt. eine andere. Ter Christ läßt entweder den von der schweren Mühe der Docke eimanelen Körper am Feiertage ausruhen oder er pilgert in Gottes freie Narur. Für den Juden ist schon der in der Docke gegebene Ruhetag etwas mehr als den anderen Völkern. Mit jedem Festtage kommt in den gläubigen Sohn Israels etwas Geistiges, ei hebt seine Seele in jene lichten Höhen, aus denen sie als Geschöpf des Schöpfers stammt. Eine eigenartige Stimmung ist es. die üt-er ihn Gewalt gewinn:. Letder kennen nicht aüe unsere Volksgenossen diese Stimmung, dieses Glücksgesühl, dieses große, innere, festliche Erlebnis urehr. Ich glaube, daß nur unsere östlichen Brüder nock mit diesem erhabenen Gefübl begnadet find. Tie anderen haben sich zu ihrem Nockteile zu weit vom Judentum, den schönen jüdischen Sinen und Gebräuchen entfernt und dabei so viel Glück und inneren Frieden verloren. Die vorbildlich steht die jüdische Gesetzgebung da, die schon vor fünf Jahrtausenden der Welt die soziale Vohlta: des wöchentlichen Ruhetages gegeben Hai! Man bedenke, welcher heftigen Kämpfe es in den ckiisrlichen Staaten bedurft hat-, um auch nur teilweise die Sonntagsruhe durch gesetzliche Akte einzuführen. Wie weit ist da dos Iudenvolk voraus! Schon einen Abend vorher rüsten sich die Kinder Israels zum Feste, sie genießen die tiefste Befriedigung schon in den festlichen Vorbereitungen. Und gar die jüdische Frau und die Kinder sind schon wochenlang mit ibren Gedanken und Wünschen auf die Feiertage eingestellt. Für das Pesiachfesr. das für den noch jüdisch denkenden und fühlenden 'Juden das schönste Familienfest ist und das möglichst aüe Kinder und Verwandten am gastlichen Tische Greint, beginnt die Hausfrau schon nach Purüm die Vorarbeiten. Sie richtet um diese Zeit schon die Lade her. die die Mazzoth aufnehmen soll, sie setzt in großen Gläsern die roten Rüben an, die den schmackhaften Barscht liefern. Tas Bereiten des üblichen Rosinenweines führt alle Mitglieder der Familie für einige Abende zu heiterer Geselligkeit zusammen. Tabei wird jede Rosine auf ihre Reinheit geprüft und von den kleinen Stengelchen befteit. Welche Veränderung muß das ganze jüdische Haus in der letzten Woche vor Passah mitmachen! Alles wird auf den Glanz hergerichtet, selbst das Kochgeschirr gewechselt oder ganz nach dem Prinzip der modernen Medizin mit heißem Basier ausgekocht und geglüht. Diese jüngste Durchführung der StsMsation (Abtötung der rnfektüjen . Keime) hat der Jude schon Jahrtausende vorher in dieser primitiven Art dorausgeahnt. Hat man doch die Tatsache.- dmß die geringste jüdische Sterblichkeitsrate mit dem Frühling zuiammenfällt, auf welche Zeit bei der übrigen BevölArung bas Marimum fällt, mit den Vorbereitungen zum Paffahicste erklärt, die in einer Sterilisation der Wohnung und seines Zubehörs bestehen. Reinlichkeit, Ruhe, gute Err.ährung setzen um dieie Zeit die Krankheits- und Sterckeiälle herab. Und dann die Sederabende! Die reich fühlt sich nickt da der ärmste Jude! Zeigt mir ein gleich schönes Fei: bei anderen Völkern! Um alle die festlicken Stimmungen und erhebenden Gciühle sind wir moderne Juden durch unsere unselige Anpasiung an die Umgebung gekommen. Viel inneres Glück, viel Freude baben wir eingebüßt. Die schal und öde crickeinen uns. wenn wir aufrichtig gegen uns sind, die ckrifUicken Feierrage, die wir mir unserer Umgebung mitfeiern müsien. zu denen wir aber keine inneren Beziehungen traben. Denn wir vielleicht auck keine christlichen Feste reicrn, wir haben leider auck keine jüdischen Feste, die so 'ckön wären und so glücklich machen könnten. Juden, wahret euch eure Feste! Ihr werdet ewig :.:n: und wob bleiben! Wochenschau Tatsache« «rd Srge-mffe t r Deutschland. Berli». Eine für das Fortkommen der ausländische«, be* Inders der ostjüdische, Arbeiter wesen^iche EntschcÄang hat Ar-eirsminisrerivm in Berlin gerrvfsen. Danach können 1. in *T rirn inner 100 000 Einwohnern grundsätzlich Arbeitgeber nnswäriiHL und ausländische Arbeiter »h»e Befr»g«»g des ArbTNsnachweises oder anderer polizeilicher Stellen einstelleu. 2. Für E ncn über 100 000 Einwohner gilt dasselbe, es sei bam, daß die Zahl der unxrstützleu ArbeilÄosev mehr als IX Prvz. der gesonnen Einwohnerschaft bilden. Ties sind im ganze« kaum zehn Szäbx im ganzen Reich. Tie Entfcheilb«ag ist mit dem 1. Aprü in Kraft getreten. Berlin. Bon den amerikanische» jüdische» OrganHativnen erhallen wir die Miueiinag, daß idwfabjt Agpnte» Einwanderer, die noch den Bereinigte« Staate» wolle», 'dene» aber Schoierigkiten seitens der Paßbehörde gsmncht iurrbe^ verleitet werden, statt ««die ko^Me Beseitigungder Schßvierigle»- re» zu warten, nach Mexik» pchren. Bv» dort ans pülen diese Einwanderer versuche», aber die Landgrenze «ach den Veremigtn Staue, j» fltfcwgnL Die mnstwAnhe» Emigranten, die von dich» Agfnten i, uCnttMt IXIltfl fOHk Wttntm iWKif ll HC Lage gchmcht. Die LaddgxeWDk vorSeM, sich noch den Bereüugie»