Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 96 (1.4.1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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101 * Nie Botentasche Die Kabbalisten. Von I. L. P e r e z. lSchlu^.1 Als Gesickl und Hände warm geworden sind, legi er seine Slirn in Fairen, spitzt die dünnen blauen Lippen und beginnt zu blasen. Ter Schule: srarrr ihn un^rw-andl an. Toch als die zitternden Lippen des Greises dem ersten Löffel Grütze entgegeneilen, packt ihn etwas am Herzen: er bedeck: sein Gesicht mit den Händen und schrumpft gleichsam ein. » Nach einer Veile kam ein anderer Bursche. ebenfallt-I mir einer Schöffel Grütze und einem Slück Brot, und sagte: „Reb Iojffef schickt d-em Schüler sein Frühstück!" Toch der Schüler zog die Hände vom Gesicht nick: fort. Ter Rosch-Ieickiwo legte leinen Löffel weg und ging an den Schüler heran. Einige Zeit betrachtete er ihn mit Srvlz und Liebe, dann berührte er ieine Schüller: ..Man har dir Esten gebracht!" weckte er ihn mit freundlicher stimme. Ter Schüler nahm ieine Hände langsam und unwillig vom Gesickr w-eg. Trs Gesickr war noch blasier geworden und die Augen kennten ncck unheimlicher. ..Ich weist. Rebbe!" antwortete er. ..Toch ick werde heute nicht esten." „Ten vierten Tag fasten?" fragte der Rofch-Iesckiwo erstaunt. „Und ohne mich?" fügte er envas beleidigt hinzu. „Es ist ein eigener Fasttag", antwortete der Schüler. ..Ich safte heure zur Büste . . ." „Vas redest du? Vie kommst du zur Büste?" „Gewist, Rebbe! Ick must büsten . . .. weil ich vor einem Augenblick, als Ibr zu essen begannt, gegen das Gebot „Last dick nickt gelüsten" sündigte!" * In der folgenden Nack: rveckre der Schüler den Lehrer. Tie beiden schlieren einander gegenüber auf Bänken in der Lehrstube. „Rebbe, Rebbe!" rief der Schüler mir schwacher Stimme. „Vas ist?" Ter Roick-Ieschiwo erwachte und erschrak. „Ich war soeben auf dem höchsten Gipfel . . ." „View?" krag: der Roich-Ieickiwo. noch etwas verschlafen „Es har in mir gesungen!" „Wieso? Dieio?" „Das weist ich selbst nickt, Rebbe", antwortete der Schüler kaum hörbar. „Ich konnte nicht einschlafen und vertiefte mich in euren Borrrag ... Ich wollte um jeden Preis jene Melodie kennen lernen . . . Und vor grostem Kummer, dast ick es nicht konnte, fing ich zu weinen an ... Alles weinte in mir. alle meine Glieder weinten vor dem Schöpfer der Velr! Und dabei machte ich die Gebetübungen, die Ihr mich gelehrr habt, doch seltsam: nicht mit dem Munde, sondern tief im Innern! Und plötzlich wurde es so hell. Ich hielt die Augen geschloffen, und doch war es um mich hell, sehr bell, blendend hell . . .stecht so!" sagte der Alte, sich vorbeugend. „Und vor dieser Helle wurde mir so gut, so leicht. .. Es war mir, als ob ich keine Schwere mehr hätte, als ob mein Lieb jedes Gewicht verloren hätte und fliegen könnte." .Hecht so!" „Dann wurde es mir jo luftig, so lebendig zumute... Mein Gesicht blieb unbeweglich, meine Lippen rührten sich nicht, und doch lachte ich . . . Lachte so gut, so herzlich, so fröhlich . „So, so! Ganz recht: in höchster Freude.. _ »Dann summte etwas in mir, wie der Anfang einer AüWr..." .. Ter Rosch-Jeschiwo sprang von seiner $kutf auf und war mir einem Satz beim Schiller. „Und weiter?" „Und weiter fühlte ich, wie es in mir zu fingen anfing .. „Vas hast du dabei gefühlt? Was? Was? Sag!.. „Ich fühlte, daß alle meine Sinne geschloffen und verstopft sind, und in mir inwendig etwas fingt... . Ganz wie ii »ich aehört: ohne Worte und ohne Töne, so . . ." „Vie? Vie?" „Nein, ich kann es nicht . . . Früher konnte ich es ncck. . . Tann wurde aus dem Singen. . ." „Vas wurde aus d-em Singen? Was?" ..Eine Arr Musik . . . Gleich als ob ich in um eine iHeiae bäne. oder als ob in meinem Innersten der Spielmann Iojne säße und eines der Stücke spielte, die er beim Rabbi an der Tafel spielt! Es klang aber noch viel schöner, edler, rrauriaci! Und alles ohne Töne, ganz ohne Töne, rein geisrig . . ." ..Vobldff! Wohl dir! Wohl dir!" ..Und nun ist alles w-eg!" sagt der Schüler sehr trau- ..Meine Sinne sind wieder erwacht, und ich bin so müde, io mrckibar müde, dast ich. . ." . Rebbe!" schrei: er plötzlich auf, sich an die Brust greifend. .Hebbe. sprecht mir das Sterbegebet vor! Man ist mcck bolen gekommen! Sie brauchen dort oben einen neuen Edorjungen! Ein Engel mit weißen Flügeln . Rebbe! Redbe! Tckma Istroel!') Schma . . ." Tas ganze Städtchen wünschte sich einen solchen Tod. Teck dem Rw'ch-Ieschiwo war es zu wenig. „Nock einige Fasttage", seufzte er, „und er wäre noch aaw; anders aestorben: durch einen Kuß von Gottes Munde!" * Tie sieben mageren Jahre. Bei einer ganzen Anzahl biblischer Geschichten, die man sters als Märchen und Sagen angesehen hatte, ist es durch glückliche Funde in Aegiypten und Babylonien gelungen. die geschichtliche Grundlage nachzuweisen, und dasselbe schein: nun auch mit der Erzählung von Pharaos Traum der Fall zu sein. Die Geschichte von den sieben strren und den sieben mageren Jahren erfährt eine überraschende Beleuchnmgc durch einen Hieroglyphenfund, den man vor einiger Zeit gemacht hat. Die Hieroglyphen erhalten einen historischen Bericht, über die sieben Hungerjahre. die Joseph, der Bibel zufolge, aus Pharaos Traum geweissacst batte. . Bisher hatte man keinen glaubwürdigen Berickr über die Mißernten »und die ihnen gefolgte Hungersnot. außer dem. was die Bibel darüber erzählt. Wohl Hane man Ueberreste von Getreidespeichern gefunden, , über deren Herkunft man nichts wußte; das war aber auch alles. Aus den Inschriften, die Professor Brugsch jetzt hat ent- Ziffern können, geht jedoch Dar hervor, daß die biblische Erzählung ein treuer Bericht dessen ist, was sich wirklich ereignet hat. Die Hieroglyphen erzählen. Vast der Nil sieben Jahre hintereinander das Land nicht überschwemmt hatte, so dich die Ernte vollständig fehlschlug, wodmch große Hungersnot und allgemeines Leiden im Lande entstand. Auch Me Zeitangabe der Bibel stimmt mit dem Hicrog^yphenLericht überein. Mau hatte bisher angenommen, daß die sieben Miß- Woche und Hungerjahve etwa rat 1700 v. Ehr. zu Ende gegangen seien, aber diese Annahme wurde von verschiedenen. Seiten stark in Zweifel gezogen. Jetzt erhält nnm Ddtffen aus den ägyptische» Jnschöften die BefiL^mg- Bibel ist Joseph etwa im Jahve 1729 v« len gekommen. Dann sich er ebckge Zeit im GefangnU, er tte beiden Häslinge des Pharnn^de»