Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 92 (4.3.1921)
- Date
- 1921-03-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Erschein jede» Kreil«, 8t|i|#: fteil 2.50 M. ausctt. Z» be-irhe, »nrch sinnliche P»sii»trr »der dnrch de» v«tr»»erl«, i» B»«». VOM Jüdisches Volksblatt ts&eifaqprcif: 1.50 MpkdieHreri»fy. Petttzette. Die §•»§< Kette »»feßt 360 Zette». PostschrHdrtt» v»1e»derl«D S»»», ESlNNr. 74747 ^erausgegeben von Rabbiner Dr. Kmik Bonn. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdep^gsie 52. A«««rr 92 Worin, 4. März 1921. — 24 Jldar 5681 O0O0O00O0000OOOOOOOO0OOOOOOOOOOOOOOOOOOO Die maskierte Wett Ten „fabelhaftcucn Lchuß ins- Volkshe^z" f)ai ein moderner Dichter bo? Mino penanm. Seine japenbe Spannung, das gierige Tempo ''einer iurrenden Rolle, doppelt gierig in der Geldgier ieiner Venvcr. die ihre drei Vorstellungen haben müsien. 'eieaucl-. aus Mosten der^ stillen Spaziergänger, die im Film rennend cr>d)einen inüpen. — all das har zwar nicht das Vvlksherz al'er ba~ Hirn des Volkes so stark getroffen. daß es die Welt nur noch mit Minoaugen iehen kann. Bücher lesen kann es nicht mehr, denn was in Bückeripannung neben dem tollen Sprung von Film zu Hilm, von Crr zu Sn, von Jahr zu Jahr, den nmn im Mino erleb:? Ter blödsinnigen Welt im Film entspricht die blödsinnige 'Dell vor dem Film. Das Grausigste aber am Mino m die oerlaiiue ..Gesellschaft", die es uns vor Augen sübrr. Jede ..große Tragödie in 6 Akten", die wir dort erlebten, sühn uns in den flimmernden Salon voll elegantester Toiletten. wo seder zweite Herr ein Attache, jeder drine ein Mnminalkommijiar, jeder vierte natürlich ein Verbrecher isi. vorausgesetzt, daß nicht der Attache schon einer war. Und doch sind alles nur Schauspieler. und zwar meist gewisienlose, die ihre Probe schwänzen, weil sie „filmen" müsien. Tie Bäne fallen ab, die Schminke schwinder. die Tamen und Herren gehen nach Haus. Aber der Film rvanderr durch die Welt und zeigt dem Arbeiter, dem Handwerker, dem Tippfräulein und all den vielen maulwurjsäugigen Lüstlingen der Flimmerkiste die — bürgerliäie Gesellschaft, wie man sagt, daß sie sei. Und der Bürger selbst mietet sich eine Loge und blickt mit verblödeten Augen in diesen Zerrspiegel der Welt, der in Wirklichkeit nur ein Schuß mit vergiftetem Pfeile ins Volksherz ist. Ten Gesunden schauderrs. Troydem erlebt man Minostimmung auch draußen in der wirklichen Welt. Wenn man heute unter die elegante Welt eines sonmäglichen Hotels sich zu mischen wagt und bei süß herüberklingerter Musik durch die zwischen den Tischen tanzenden Paar^ in den Seal und seine Menschen blickt, überkomml einen plötzlich ein Grauen vor der Unwirklichkeit dieser Welt. Nicht nur, weil man an das Elend draußen im Volke denkt, sondern jeder Blick lehn uns, daß lauter verlarvre Menschen da versammelt sind, ein gänzlich undefinierbares Publikum. Wie nach schwerem Regen die Würmer aus dem Boden kriechen, so kommen einem all die Menschen don wie Würnier vor, jeder einzelne von dunkler Herkunft, plötzlich seinen Winkel, seine Kaschemme verlassend und sich zusammenfindend zu gemeinsamem Prasien und Tanzen. Weher sind sie? Man sah sie doch früher nicht? Wo kommen all die Wünner her? Und ein weiterer Schrecken überfällt einen. Man ftagt sich: Bin ich nicht auch eins von den Würmern,- selbst wenn muh nur die Neugier hierher treibt? Helfe ich.dänn selbst nnht mit, das ML zv schaffen, das so grauenvoll den ganzen Jammer der zerrütteten Welt uns spiegelt? Nichme id) nicht dann auch zu meinem Teil die Larve vor, die alles io entsetzlich macht? Eine Welt, in. der es unterdrückende und unterdrückte .Klassen gibt, ist wahrlich schlimm. . Eine Welt aber, die alle Klassen durcheinander wirbelt und dann allen die Larve einer einzigen großen Lüge vor die Stirne ichnallr, die ist idneeflid), und diese Welt des Kinos sehen wir beure. Hüte dick). Jude, vor dieser Welt! Sie ist gefährlich für dick). Nichr nur meil du den Blicken der Mehrheit ausgesetzr bist, die immer unfreundlich bleiben, sondern auch und vor allen Tingen, loeil du als Jude mit andern Juden eine Gesellschaft bildest, die ihr eigenes Gepräge hat. Eine Minderheit darf sich itidn verlarven, sondern muß sich klar vor aller Welt — auch gesellschaftlich — bekennen. Masken nagen nur Verbrecher, man hat auch Zuchthäuslern schon Masken vorgebunden, um sie vor Schmach zu schützen. Ja, selbst n i ch t verlarvt, sich unter Larven hinsetzen, ist auch schon unedel. Welcher adlige Mensch wird sich vnter Menschen setzen, die er nicht kennt? Fremd dürfe. mir die Menschen sein, aber ihr Gesicht muß definierbar, ihr Kreis deutlich, ihre Geste klar, ihr Auge frei sein, mit — Würmern speise ich nicht an einem Tisch. Tas Kennzeichen wahten Adels und damit auch wahicu Judentums ist jene wundersame Mischung von Offenheit und Zurückhaltung, Wahrheit und Ehrfurcht, Freiheit und Stolz, wie nur der Geist sie dem Menschen zu verleihen neiß. Tiefes Adels Banner folge der Jude in einer Zeit, wo der Pöbel, bei ungebildete und gebildete, sich auf den verlassenen Thronen der Welt breitmacht uüd räkelt... Emil Cohn. ~ Wochenschau Tatsachen und Ergebnisse [oVooWooVoVoooo'ooVoWooooVooooooeoVooooc ,o,o.o;oTolo.oIoroToroToTo"oIoroToToToo.oooTo'oTco,ooo.o.oO-0.o,o.o.o.o.o Deutschland. ~ . Berlin. Am 1. Februar fand in den Spichernsälen am Nürnberger Platz in Berlin eine Versammlung des Zentra1vei> eins deutscher Staatsbürger jündischen MaicketS ftatt.. In Vieser Versammlung ergriff auch der Vertretet deS Zentrums Pr. Alfons Stel zer, Herausgeber der Wochenschrift >Ehristtich^A» litik, das Wort. Er sagte: Ich danke dem Z meiner Partei Gelegenheit gab, «t aller_ Standpunkt zum WttisenätiSmrtS darMegen. Jchpj mitte'rlen, daß meiaeÄnsichten mtb Ausführungen tnjK von meiner Parteileitung unterstrichen träte». W an die besten Traditionen ddS Zentrumankttupstn ir Windihorst und Grober'—, das vor» jeder für die "'^ ' tigung aller StaatÄLrger eingetHeteu ist, wenn * meine Partei jeden AuttfemitiSW^räk ligiöhen Gründe»' like» haben'rächt wir mcht mit jedem Särffte HandiwHtzud^