Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 90 (18.2.1921)
- Date
- 1921-02-18
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Haltung «nd den freien Angang der heiügm Stätten aller Reli- «me» z« sorgen vttd vnrd darin von emer Kmmmssion unterflktzt werden, deren Borsitzender vom Bölkerdundrat ernannt wird. (3tM BeE». In einem Interview mit einem Mitarbeiter des ^Haarez" (Jerusalem) äußerte sich der dort weilende englische Minister der öffentlichen Arbeiten, Sir Alfred Mond, über die Stellung des Zionismus in England bei einem eventuellen Regierungswechsel, daß gerade die Linkparteien so die Arbeiterpartei mW ihre Führer, dem Zionismus besonders wohlwollend gegenüberständen. Antiziomstisch leien nur diejenigen llonßervotiven, welche der englischen Hochkirche besonders nahestättden und deren Sprachrohr die „Mormng Post" sei. Dieser Kreis habe jedoch keinen Politiken Einfluß mehr. Die Stiusuung des englischen Volkes sei prozionistisch. Mit Staunen und Genugtuung habe er seststellen können, daß Engtauber aller Kreise dem jüdischen Volke ihre Hilfe angeboten hätten. Die englische Regierung habe mit dem Mandat den Schutz des Zionismus übernommen, unb sie werde ihr Versprechen halten. (Z. K.) L»»ßO». Der Minimalbeitrag für den Keren hajeffod ist mit Zustimmung der Hauptbüros des Keren hajessod bisher Lmwern festgesetzt worden: in Encüand auf 5 ' c_/T-- r .* _ _r 4 aa _#_ a , # tu Pfund ©teil-, in der Schweiz auf 100 Franken, i. Deutschnoch tsf 1000 M., in der Tjchechoslowa^i auf 1000 Kr., in Jugoslawien auf 2000 jugosl. Kr., in Italien auf 200 Lire. Betreffs der Festsetzung des Minimalbeitrages in den anderen Ländern sind noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen worden. Ae,,pteu. Kairo. Die letzte Volkszählung ergab die Zahl der Juden in Aegypten auf 59 581 Seelen, was 5 Prozent der Gesamtbevölkerunq ausmacht. Der Hauptwohnsitz der Juden in diesem Laude ist Kairo mit 29 207 und Äleradnrien mit 24 858 Seelen. Zürich. Der schweizerische Uhrem'abrikant Rialsohn beabsichtigt, die Uhrensabrikation in Palästina einzsuühren. Rialsohn will zunächst in Jerusalem Werkstätten für die Zusammen, setzunq der einzelnen Uhrenteile einrichten, die aus der Schweiz nach Palästina importiert werden sollen. Sobald dort ausreichettde elektrische Straft vorhanden sein wird, was in ca. einem Icchre zu erwarten ist, soll eine größere Fabrik errichtet werden, die alle Teile in Palästina selbst Herstellen wird. Rialsohn fand im Jerusalemer Krmstgewerbeinstitut .Sezalel" mehrere Kunstgewerbler, die imstande sind, Emaille- und Gravierungsarbeiten im palästinensischen Geschmack auzuführen. Die Einführung der Ichrenindustrie in Palästina ist besonders zu begrüßen, da diese Fabrikation keine großen Voraussetzungen stellt und andererseits sich der jüdischen Psyche gut anpaßt. ftarfi». In Haifa traf aus Batum der kaukasische Fabrikant Machlis ein, der «ine Schiffsladung Bambusrohr mit sich führte. Machlis beabsichtigt, in Hiafa die Fabrikation von Bambusrohrmöbeln zu betreiben. Geeignete Arbeiter haben sich unter den neuen Einwanderern bereits gefunden. Zugleich sollen Bvmbusrohrpflanzunqen angelegt werden. Rach Feststellung von Professor Marburg ist Palästina für den Anbau geeignte. Die Fabrikation soll sich auf Möbel, wie auch auf Stöcke, Griffe, kunstgewerbliche Gegenstände, Kinderspielzeug usto. erstrecken. Auch die Errichtung von Häusern ans Bambusrohr' kommt in Betracht. <Z. K.) Berk». DaS Departement für Handel und Industrie der palästi»ensischen Regierung hat das bisher besuchende Einfuhrverbot für deutsche Anilinfarben soeben ausgchoben. (Z. K.j Jenchcke«. Wie wir dem „Doar Hafom" entnehmen, befinden sich in dem Verzeichnis über die Ernennungen in die »fische Zivilverwalttmg vom 16. Juli ISA) bis 14. 1921, das im ganzen 289 Personen umfaßt, 151 Eng- Araber mW 27 Irweu. Die EmKhruug des HebrÄsche» als eine der offj- Ünas setzt sich aSmShlich refllos durch, lt hat nmuuchr begonnen, alle rchw. auch in Hchräisch druk- 8 auf Wunsch der muselmauische» «w christliche» Araber eine hebräisch^rabffche Schule gerivwet. (Z. K.) Berli«. Dte Zionist Commission tu Jerusalem unterhält dort seit kurzem ein landwirtschaftliches Mffem». Es ist dies eine Sammlung der im Larwe wachsenden Kulturpflanzen und sonstiger Gewächse in einer Anzcchl von mehr als 3600 Arten. Alle ausgestellten Exemplare trage» hebräische Namen. Ln diese Sammlung schließt sich eine zoologische an. die sämttiche Bögel des Landes (einige hundert Arten), sowie die meisten Reptilien und Fischarien vor Augen fäjrt. Es ist ferner der Anfang einer mineralogifch^eologrschen Samuürmg vorhanden. Berli». Ter Fußballklub der palästinensischen Turnerschaft „Maccabi" hat unter den neuen Einwaickerern bereits wertvolle Kräfte erworben. ES werden regelmäßig Fußballspiele veranstaltet, obwohl es noch an geeigneten Sportplätzen fehlt. In der letzten Zeit hat der Klub u^hrere Matches mit Fußballspielern aus den in der Nähe Jaffa, qaruifomereiwen englichen Regimentern ausgefoc^en. Am 22. Januar farw ein Match mit dem Fußballklub des in Sarona liegenden erustischen Regiments statt. Das Spie endete mir 3:0 zugunsten des „Maccabi". 3rfef aas Warschau. Ter 6. Te-'ember 1920 war einer der wichtigsten historischen Tage für die polnische Judenheit gewesen. An diesem Tage.geruhte endlich die polnische Regierung nach langem, schwerem und erbittertem Kampfe seitens unserer jüdischen Seim-Deputierten den Ergänzungstraktat, den sogenannten „Versailler Traktat wegen der nationalen Minderheitsrechte" in ihrem offiziellen Regierungsorgan ..Tziennik Uftaw" zu veröffentlichen und somit es als Geien im polnischen Reiche zu proklamieren. Obgleich dieser Traktat seit dem Abschluß des Versailler Friedensvertrags zur bindenden Pflicht aller beteiligten Völker geworden, so war doch jener Tag. an dem uns offiziell die Mitteilung wurde, daß auch wir Juden von der gewordenen völkerrechtlichen Selbstverständlichkeit lverden genießen dürfen, .ein großer Freudentag. Freuen wir Juden uns doch immer mit allen lächerlichen Selbstr^rsrändlichkeiten: Wir freuen uns tagtäglich wie ein frommer Jude amSimckas-Thora mit unseren Bärten, daß sie nock'. immer nicht mitsamt Kinn und Backen — oftmals auch mitsamt dem Kopf — den Soldaten und sonstigen lustigen ..Iudenbarrschneiderrr" zur Beute fielen. Wir find ja so maßlos glücklich, wenn wir von einer kurzstreckigen Bahnfahrr nur mit einigen gebrochenen Rippen, nur mit zwei blauen Augen und einem ausgelaufenen Gesicht, mit geleertem Beutel und schuhleraubten Füßen heimkehren und nickt von Soldaten, zum lAaudium der christlichen mitfahrenden Herren und Tomen aus dem fahrenden Zuge hinousgeworfen worden find, wodurch wir noch mit einem unangenehmen Sckädelbruch und verstümmelten Gliedmaßen hinüber in das lickte Jenseits transportiert lverden konnten. Aber wozu denn all diese Freuden aufzählen, die doch nur wir polnische Juden allein richtig genießen können. Wer sie noch nicht mitgenoffen hat, würde sich doch keinen rechten Begriff von ihnen machen. Eines aber dürfen wir mir großer Sicherheit seststellen, daß kein Volk auf Erden so reich ist an Freuden wie wir glücklichen polnischen Juden. — Ich habe nun von dem großen Freudentag des 6. Dezember berichten wollen. Ja, das war schon einmal ein „Jomtes"! Kleinigkeit! Dre Anerkennung der nationalen Minderheitsrechte soll von nun an Gesetz werden! Wer würde da noch wagen, ein vom polnischen Staate sanktioniertes Gesetz unbestraft zu verletzen! O, wie freuten wir uns, daß wir von jenem Tag an möglicherweise etwas ärmer an polnisch-jüdischen Freuden werden könnten! Israel im Golus darf sich doch nicht ganz dem Freudentaumel hingeben, .Zeschurun konnte noch fett werden und seinen Gott vergessen." — nach fernem hfftorisch« Tag