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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-02-18 · 90 (18.2.1921) · p. Seite 50

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
90 (18.2.1921)
Date
1921-02-18
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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Tatsache« und Ergebnisse Deutschland. Berlin. Im Rahmen einer großen Veranstaltung des Gro-- berliner Jüdischen Jugendbundes, die von zahlreichen prominenten Persönlichkeiten des Berliner jüdischenLcbens besucht war, nahm der Vorsitzende der neutralen jüdischen Jugendverbände leutfcblcuM. Rechtsanwalt Dr. Alfrd Apfel, Berlin, Gelegenheit, sich eingdend mit den Problemen der jüdischen Jugendbewegung zu beichämgen. Don besonderem Jnterete^ waren die programmatischen Erklärungen zur Palästinafrage, die Dr. Apfel als Vorsitzender des etwa 19 Mitglieder umfassenden Verbandes abgab. Rach einleitenden Bemerkungen führte Dr. Apfel aus, das; die deutschen Juden nunaiear eine klare Stellung dazu einnehmen müssen, ob sie an dem Äu'dan Palästinas praktisch Mitarbeiten wollen. Theoretische Somrak-:eerklärungen genügen heute nicht mehr. Die überwältigende Mehrheit der deutschen Juden ist geneigt, Palästina als eine Frage :*r Gesamtjudenheit anzusehen. Es wäre unwürdig, die Stellung vordem Erfolge oder Mißerfolge der neuen nationalen Heimstätte abhängig zu machen. In diesem Augenblick, wo in dem Dirken Nr zionistischen Organisation ein l»edetttsainer Abschnitt crrc:chl ist. : selbst der Gegner anerkennen, daß selten eine Partei in iwei Jad:- zehnten, trotz aller Dolchstöße von hinten und auden e : Reihen, unter den schwierigste:: Umständen jemals einen >o großen , politischen Erfolg errungen hat, wie die Zionisten. Die Bedeutung dieses Erfolges wird auch nicht geschmälert, wenn im endgüUj^:- Mandatsvertrag nicht alle zionistschen Hoffnungen reifen. Tie Zir- > nisten erkennen, daß sie allein die neue Heimstätte nicht 1 können. In einer Zeit, wo selbst guf fundierte Staaten Mühe baden. : sich aufrecht zu erhalten, wo die erbiterlsten Gegensätze zwischen kar.- > taltstischen und antikapitalistischen Anschauungen ausgekämpr'c werj den, wird der Versuch gemacht, ein neues Geineinwesen;u errichten. > Die.hierfür erforderlichen großen Mittel sind ohne die Hil'e | der N i äst z i o n i st e n nicht a u f z u b r i n g e n. Dir steden vor der Frage, wie weit die n i ch t z i 0 n i st i s ch e n Juden sich an der praktischen Palästinaarbeit, insbesondere an der Ausbringung der Geldmittel für Palästina beteiligen 'ollen. In Amerika und England haben sich die führenden Persönlichkeiten des nichtzionistischen Judentums an die Spitze der praktischen Paläftinaarbeit gestellt. Bei .der Gründungstagung der Gesamtorganisation der deutschen Juden ist fast einmütig der Wille der deutschen Juden zum Ausdruck gekommen, den Aufbau Palästinas als ae'ar..:- jüdifche Frage von Herzens« und Verstandeswegen auszukanen. Be: dieser Sachlage ist es dann aber auch selbstverständlich, daß das deutsche Judentum in großzügiger Weise bei der Aufbringung dor Geldmittel mirtwirkt. Es ist aus vielen Gründen erforderlich, daß die nichtzionistischen Juden so schleunig wie m ö g l i <±, au± wenn irgend möglich in vollevt Einklang mit der zionistiiäien Parteiletung Deutschlands, den bisherigen theoretischen Sympathieerklä-! rungen für Palästina entscheidende Be.fchlüsic praktischer Ra- | t u r folgen'lasten. Bei aller Anerkennung des zionistischen Standjj Punktes, bei den voiN^zionistischer Seite eignleiteten Sammlungen , zum Keren chajestod (Palästina-Grundfonds) zunächst die Lpferroilligkeit der eigenen Parteifreunde zu beweisen, muß doch die jetzt kan einheitliche Stimmung sofort ausgenutzt werden. Tie Ecnlerrung einer großzügigen gesamtjüdischen, praktischen Palüftinaarbeir Nr deutschen Juden mutz schon jetzt erfolgen. Breslau. Die Zentralstelle für die technische Durchführung der oberschlefischen Abstimmung, Breslau, beabsichtigt, in dem Bestreben, allen abstimmungsberechtigten Oberschlesiern die Teilnahme an der Abstimmung zu ermöglichen, für die jüdischen Abstimmungsberechitgten auf der Reise und während des Aufenthalts im Abstimmung^- gebiet auf Wunsch rituelle Verpflegung zu beschaffen. Ties geschieht von ihr in Gemeinschaft mit der Freien Bereinigung für d:e Juteresten deorthodoxen Judentums, die auch während des Weltkrieges die jüdischen Soldaten und Kriegsgefangenen in vorbildlicher Welse mit ritueller Verpflegung versorgt hat. Um ein Bild zu ge« winnen über die Anzahl der Abstimmungsberechtigten, die auf rituelle Verpflegung reflektieren, werden solche Abstimmungsberechtigte gebeten, baldigst ihre Adreste und ihren Abstimmungsort der Zentralstelle» Breslau, Kaiser Wilhelmplatz 20 — Telephon: Ring 10 228 — oder der genannten Bereinigung Frankfurt a. ©u Schsttzrnstr. 14, oder einem der beiden Vorsitzenden der Schlesischen Atzteiüylg dieser Bereinigutth, Kaufmann Aron Kober, Breslau. MnlgHprtz &, und Bankier Loewtz, Breslau, Goethstr. 38, zu melden. Stamm». In der 2. Hälfte de» Haimar hielt der Jüdische Rationolrat feine 5. Session ab. Von natinoalistifcher Seite wurde dem Rat z»m Vorwurf gemacht daß er sich nicht energisch genug gegen die in der Regierung, besonders unter den Bauern, bemerkbare aiiriiemilische Tendenz tvende. Bon orthodoxer.Seite wurde dem Rational rat vorgeworsen, daß er die religiöse Entfaltung benachteilige. Trotzdem wurde seine Tätigkeit von allen Seiten anerkannt Tie Wahlen zum Präsidium blieben unveräuderl. ES wurden 2 Zionisten. 2 Zeire Zion, 2 Orthodoxe und 2 vom orthodoxen Jugenddund, l Dcniokrat, I Vertreter der Handwerker gewählt. PräsiNnt wurde wiederum der ehemalige Staatssekretär Dr. Rosenbaum. Pale». Warschau. Die Mitglieder des jüdischen Abgeordnetenklubs interpellierten beim Ministerpräsidenten über die Ausführung des Minoritätenvcrtragcs. Es sei von irgend einer gesetzgeberischen Jninolirw seitens der Regierung in Richtung der Ausführung des Minerilätenvertrages bisher nichts zu bemerken. Sie fragen, wann die Regierung gedenke, ein Gesetz zwecks Realisierung dieser Bestimmungen einzubringen und zwar betreffs: i. Erweiterte Kompetenz der Gemeinden, 2 Organisierung des jüdischen Schulwesens. 3. Erleichterung im Gebrauch der Sprache der nationalen Minoritäten vor Gericht. 4. Befragung der juridischen Kommission des Landtages wegen Aushebung der allen Einschränkungen der jüdischen Bevölkerung in dem eb.emals russischen und österreichisclien Gebiet. Warschau. Finanzminister Steckowski lud die jüdischen Kleinhändler zu einer Konferenz ein, um sich über ihre Lage zu informieren. Tic erschienenen jüdischen Vertreter erklärten, daß ihre wirtschaftliche Loge nur im engen Zusamenhang mit einer radikalen Lö'ung der Jndenirage in Polen verbestert werden kann. Tie Deputation forderte die Abänderung des Eonntagsrubegesetzes, damit die jüdischen Kleinhändler nicht gezwungen werden, zwei Tage in der Woche zu feiern, sowie die Zulassung von Vertretern der jüdischen Kleinhändler in sämtlichen Steuerkommissionen. Wilna. Die polnische Regierung veranlaßte General Zeliaowski. die Landtagswahlen auf unbestimmte Zeit zu verlegen. Als Grund wird angegeben, daß sich zurzeit nicht die gesamte Bevölkerung an den Wahlen beteiligen könnte. — Besonders im Interesse Nr Juden, die noch keine klare Stellung zu den Berhälknisien nehr-rn konnten, ist diese Verlegung sehr zu begrüßen. Budapest. Dieser Tage sprach nach Mitteilung der Jüdischen ^.'rrcspondenz aus Ungarn, die Budapester Direktion des Amerikanischen Hilfsausschusses beim Ministerpräsidenten Grafen Paul Telcki vor, um besten Aufmerksamkeit auf die unhaltbare Lage der internierten Galizier zu lenken. Hofrat Franz Szekech führte bei dieser Gelegenheit im Namen der Pester Jsr. Relgiousgemeinde alle Klagen der in den Jnterniertcnlagern gehaltenen Galizier an und erden dringende, rasche Abstellung der Mißstände. Die Mitglieder der Texulation verwiesen bei dieser Gelegenheit auch auf die maßlosen Übertreibungen der antisemitischen Presse, die von 90000 bis jKiOOO sich in Ungarn aushaltenden Galizianern spricht. In Birlliä'eir konnten die Behörden selbst bei der strengsten Turchtührung der Ausweisungsverodnung im ganzen Lande nur einige hundert jüdöclx Fan'.ilien auftreiben, aus die die Verordnung Anwendung finden konnte. Ter Ministerpräsident erklärte in »einer Erwiderung, daß er leine Kenntnis von den geschilderten Zuständen im Jnterniencnlagcr Piliscsaba gehabt habe, sich jedoch Bericht erstatten lasten und Wandel schaffen werde. Er anerkenne, daß die Internierung leinen Strafcharakter besitzen dürfe, da sie.ausschließlich eine durch die große Wohnungsnot in Budapest hervorgerufene Verfügung wäre Wenn im Jnterniertenlager die Juden übermäßig strenge P?Hanl»elt wurden, io könne dies nur eine Folge des Mißverstand nistes des Geistes der betreffenden Verordnung sein. Der Ministerpräsident erklärte mit aller Entschiedenheit, daß eine Internierung nur jenen ausländischen Juden gegenüber Platz greifen könne, die nach dem 1. Januar 1914 nach Ungarn eingewanderr n»d und es gebe keinerlei geheime Verordnung,- die auf die Ausweisung der vor 1914 angesiedelren Juden angewendet werden könnte. Nu«ü»ir». GfcnnMtg. (I. L- B.) Die rumänische Regierung hat die Frage der Staatszugehörigkeit in den neurumänischen Provinzen im

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