Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 90 (18.2.1921)
- Date
- 1921-02-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3947615-6435932-6437192--0992-3948514- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Erscheint jede» Sscüag. Besagt* yreiZ 2.50 SL at—rt. Za degietze, varch stattliche Pastr»trr ater darch dra Boteaaettag ia Baaa. vom rhein - -»*- Alt. --- pH» pcmgcnc. «a WWW «asaßt LKO ZeSea. PaßschESata BrteaVeriag Baaa^ ELaNr. 74747 ^ääisolrss VolLsdlstt Qexausqeytbtn von Habbiner Or. ffmiT @o^n, Bonn. Sdjiiftlfttnng nnb (ßefch2ftrst«ll,: Bonn, StiSa^i 52. 90 I 3&onn, 18. Jebruar 1921. — 10 Jl6ar 6681 0OO0OGOQOOGOOOGOOGGOOOOOOOGXDOGOGOOOOOOQO — 2o 57::'?*h'. 2LS dcr Religwsilär der Tal das ^ercmo^:al;r'<^ Gcz<n diese lrrsmrrung empör: sich die Ta:ie">:7-.z. sie sonder: sich ab und schaisl jene ^cbens^Lmc-.n-'chasien. die an Grelle d-es leergemordenen tze'exes .i>:eder d'.e lebendige mn Gon verbindend 2z: :u siben begehrien. Bubcr ..Trei Reden über das Indenium" 2. ^0—sil. Es ist in de: Za: r:ck>ng, was Marlin Kuber, dieser vusge,zeichnete Särrisisreller und glühende Jude, geschrieben hat: Aus der Religiosität der Tar entstand das Zeremonialgesetz. Ob aber die Selbstverständlichkeit, mit der er das ZeremonialgeseZ als eine Erstarrung bezeichnet, gegen die man sich „empören" muß. berechtigt ist. das ist nicht nur eine Frage, sondern d : e >iernrrage der religiösen Krisis, in der mir leben. Uro ''o lauter sie: Har die religiöse Uebung mir de: :el:giö''en Ta: überhaupt nichts zu tun? £der sühn eine Brücke ron der Uebung zur Tai? £der in sie gar selbst schcn Za:. d:e Uebung? — Im Anfang war d:e Ta:. Denn irgend ein Won fürs Judentum (velrung dar. io ist es dies. Tie Heiligung des Lebens durch. d:e Ta: ist bei Angelpunkt unserer Religion, das A und £ der göttlichen Lsfenbarung für uns. Tas ist Thora und anderes ist es nichts. Aber die Erkenntnis von der berltgenden Ta: m noch lange nicht die Tat selber. Man mag sich, an der Erhabenheit des Gedankens berauschen, mag u.nerbörre Dorre finden, um die anderen fortzmeißen zur gleichen Erkenntnis und zum gleichen Entschluß sogar, mag mir prophetischer Gebärde Erneuerung künden in der erlöienden Ta:, der Ehrliche wird durch den Rausch die Wirklichkeit sehen und die Wirklichkeit zeigt uns einen Abgrund zwilchen Erkenntnis und Tar, einen Abgrund, aus besten dunklen Tiefen der brodelnde Zweifel steigt und die zischende Ver^veiflung, aber aus dem auch die brausende Sehnsucht ihre Flügel hebt mit der Frage der Inbrunst: „Wie r u r man?" Nicht der, d-e: uns das erhabene Wort von der Tar auf eine Fahne schreib: und diest Fahne hochhält, daß sie im Winde braust, ba: das Recht, sich einen religiösen Erneuerer zu nennen, sondern nur der haue das Recht dazu* der uns eben ganz schlick-: und simpel sagen könnte, wie man eigentlich rur. Jeder andere nämlich, und sei seine Sprache noch so machtvoll^und prophetisch, bleibt in der Kritik und Analyse haften, ist auch Martin Buber zwar bewundernswert in seinem Wollen, aber ohnmächtig in seinem Programm geblieben, das im Grunde trotz des großen Rufens in der Wüste nichts als eine Analyse war. Ja, wie „tut" man? Das sage uns oder schweig! — Ich sehe nur einen Weg, um zur heiligenden Tat des Lebens zu Klangen, die unser Judentum ist: Das ist die religiöse Uebung. Verhaftet «nd.verstrickt in die Zweckhafrigkeit des Lebens, gekettet an Handel und Gewerbe und damit an die Frage nach dem „Tachlis" jeden Dings durch sahrhundertlange Gewöhnung, ist der Jude in der Tat mehr als jeder andere der Gefahr ausgesetzt, de» Wertmesier der Ewigkeit auszuschalten, und rechnerisch nach Hellern und Pfennigen alles Tun und selbst das idealste zu bewerten. Er ist immer nahe daran, ein reiner Kveckmensch zu werden, und wäre es auch in der Tat geworden, wenn das göttliche Gesetz nicht gewesen wäre, das ihm nicht nur zurief: „Du sollst tun!" sondern auch: „Du soM üben!" — weil Gottes Weisheit erkamue, daß man woyl hier und da und dort und noch einmal eine heilige Tat tun könne, aber die Heiligung des Lebens nur möglich wird durch die Uebung der religiösen Forni. Wehe dem fteilich, der die religiöse Uebung allem schon für die religiöse Tat zu nehmen sich unterfängt. Aber ein Tun ist sie immerhin, ^a, durch ihre AlltägüPeit, durch den Rhythmus ihrer täglichen, sabbatticheu, jährlichen Wiederkehr, schafft sie etwas, was die Einzeltat relüsiöser Unbedingtheit allein nicht zu schaffen mag: Die Einbettung des Menschen in den Geist des UntMngten, Eiligen, Göttlichen. Das Aroma jeder Religion liegt in ihren Formen, ihrer-Uebung, ihrem Tun. Die rttigiöse Uebung ist ebenso unbedingt wie die Tat Ktzter klub«ck>m-theit. Es läßt sich schlechterdings kein irdischer Aoeck hercusklauben aus einem Schabbeslicht und seinem Kiddufch. Wer nur nach den Zwecken zu fragen pflegt, die.heraus* springen, muß da freilich sagen: „Es ist kein Tachlis dabei!" Aber gerade das wollte und will ja die göttliche Vorsehung: Tie religiöse Uebung soll den Menschar, soll den zweclverhasteten Juden erziehen, zweckfteie, gelderlöstr Taren zu tun, sich — einzubetten in den mjüdischen Gemeinschaftsgeist der Heiligung des Lebens, aus welchem allein die reine Tat letzten Menschentums und auch letzter Unbedängthcir erblühen kann. Tie religiöse Uebung ist nichts als die Bestellung des heiligen Ackers. Auf ungepflügtem Felde wird schwerlich etwas wachsen. Wer aber den Duft der braunen Scholk liebt und den Bauer, der im Abendschein darüber geht, 8er wird den Juden lieben, der treu seine Scholle Mißt nnb dem Schöpfer das Weitere überläßt. Freilich PfÜigea und nicht säen ist gar nichts: Aus ftägtr Gewohnheit am Alten haften und sinnlos üben, was sinnvoll und bewnßt^alKm zum Leben sich gestalten kann, ist weniger aS aber, alles Ueben wahres Sinn-Bild, wahrstes dem mag wohl die wiederkehrende Form wie wir sagen, .zweite Natur" werde», der zen wird ihm doch lebendig bleibe» als liebendes Sinnen, als Duft des weht, und aus dem Sinubttd, das Sinnen war, wird ihm zuletzt ei» selbst. — die Heiligung des Lebens m dmch Me tat . Vati Sofa.