Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 88 (4.2.1921)
- Date
- 1921-02-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ls£eittajrrrU: 1LVM.fLrdle»rerßestz. Pettt-eile. Di« |H|e Sette »»strßt SSV Zeile». P»pscheFI»»t* ^üäisvlivs Volksblatt v»t«weri«,««»<m» «r. 74747. \ - ln Rabbiner Dr.. KrnU Kohn, Bonn. Schristleitung und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergaffe 52. Monn, 4. Jeb-rrrav 1VL1. — 26 Schobst 6681 3. ILhrgmlg. Wochenabschnitt 2^22^^ immmiii n ii i 111 Lri i i ittii fTTTrrnr: Sünde weg! von der Lache deS Truges halte dich fern! II. Mose. 23, 7. Es steht nicht da: „Tu sollst nicht betrügen!" auch nicht: „Du sollst dich vom Truge fernhalren!" sondern von der Sache des Truges ist die Rede und gemeint ist jede Sache, die mit Trug irgend etwas zu tun hat: Hände weg von ihr! Ein ängstlich warnendes Wort, ein „Hüte dich wohl!", das dich veranlassen will, einen weiten Bogen zu machen, wo irgendwie die Witterung auf Trug und krumme Dinge deutet. O weiser Gesetzgeber! Diebstahl. Mord, Eehebruch. die hast du verboten, Haft es mit hartem Griffel in steinerne Tafel gegraben: Du sollst nicht stehlen! Vor dem Truge warntest du iyir. Nur? Oder nicht vielmehr — sogar? In der Tat, das Gefährlichste aller Laster ist der Betrug, weil er das mlbestrafteste von allen ist. Wer wird den Richter überzeugen, daß er den Geldbeutel in der Tasche des Genossen — gefunden habe? Wer, daß der Ermordete in jenen Dolch hineingefallen sei? Betrug hingegen ist das vielgestaltigste und vieldeutigste Ding auf Erden, testen Grenzen immer verwischt find und, wenn wirklich einmal festgelegt, immer noch verwischbar bleiben. Wo ist die Grenze zwischen Wahrheit und Trug? Schon daß die menschliche Rede eine so große Rolle beim Betrügen spielt, die menschliche Rede in ihrer Zweideutigkeit, ihrem Tonfall, ihrer Unkontroüierbarkeit, macht es so schwer, den Betrüger zu packen, macht es so leicht, die Wasser der Redlichkeit zu trüben, wenn man eS nur will. Betrug ist deshalb nicht nur ein Verbrechen, sondern eiire entsetzliche Gefahr. Vielmehr als Diebe macht Gelegenheit Betrüger. Denn das Feld der Gelegenheit ist für den Betrüger nicht der eine unbewachte Augenblick wie beim Dieb, sondern das ganze gewaltige Gebiet des Handels und Bmtdels. Dazu ist auch das betrügerische Geschäft ein Geschäft von regulärer Form, wenn auch völlig irregulärem Gehalte. Welch eine Fülle von Borlockmrg ergibt sich'da! Darum warnt der Gesetzgeber so dinngeÄ: Halte dich fern von jeder Sache des Truges! Er verlangt, daß man in Handel und Wandel aufs äußerste penibel rach eher zu streng als zu salopp oder gleichgültig sei. Der Handel hat für das veckchiedene Verhalten die Worte „reell^nnd „Mbreell" gewählt. Schon die Unreellität des Kaufmanns ist eine von den „Sachen des Truges", die man meiden soll. > Pente zumal, in der Züt der unregelmäßigen Geschähe, sollte jeder Kaufmann-mit äußerster' ÄnWichkeit darüber pochen, daß er wicht in eine der Schlinach die da versteckt «» Boden liegen. Sollte sich mit üöem FanatiSmus der SfechMMLwaPtznen gegen dm ' bm hftr Gefahr willen, weil man gefaßt werden könnte, sondern wegen des allgemeinen Unsegens dieser bitter^sen Zeit, die keinen Menschen glücklich gemacht hat, nicht den Kriegsgewinnler und nicht den stechen Schieber, nicht den hochentlohnten Arbeiter und nicht den reichgewordenen Bauern, und die deshalb überwunden werden muß. Höre es, Jude, du armer Manu des Handels, zu dem Jahrhunderte der Unterdrückung dich zwangen! Auf^dir lastet nicht nur die Verantwortung des göttlichen Gesetzes, sondern als dem Sohne verfolgter und gehaßter Minderheit die schwerere Verantwortung der Solidarität: Ganz Israel ist Bürge einer für den andern. Damit ist nicht nur die tragende Bürgschaft gemeint, die das bittere Joch geduldig auf sich nimmt, sondern auch die Bürgschaft des rechtlichen Lebens und Tuns. Weh dem Verräter der guten Sache, der sich unterfängt, einzubrocken, was alle ausfvessen müsien. Emil Cohn. Wochenschau Tatsachen und Ergebnisse öOOOOOO<EXDOOOOOOOO^^ Deutschland. Berlin. Wie bereits gemeldet, erfolgte am 23. Januar die Begründung der nenen (Heiamlorganisaüon der deutschen Juden. 3ub Beri re rer von 669 Bundesgemeinden hatten sich zum 15. tÄemelneeiage des Teutsch-Jsraetttychen Gemeinde-Bundes ver sarnrnek. Der Vorsitzende des D.-J. G.-B„ Professor Dr. Äaisicher, begrüßte tue Delegierten. Es ist oas Schichal.der Juden, von jedem historischen Ereignis in schwererem Maße lbot rosten zu werden, als die übrige Umwelt. Wir glaubten, daß der deutsche Antisemitismus von dem gemeinsam vergossenen Blute jortgespütt werden würde. Das war die »große Täuschung", sie wir erleben mußten. Wir Juden sind wiederum zum Sundenbock der Weltgeschichte gewuchert. Der AntisemikiSmuS ist in wütender Form wieder aufgelebt und Lämpft mit Lügen und Ver!eumdun>gen gegen unser Recht. Scho» a«S diesem Grunde müssen wir uns -usammenfchKeherr zu einer Phalanx, an der alle Wogen zerschellen. Aber unser Leid ist geringe wenn es an den Lüden unserer j üdi scheu Brüder im Osten gemessen wird, die schon im Kriege weit. Schwereres zu feitat hatten als wir. Huuderttausende wurden hinasmordet, Frauen geschäutet, chre Kirwer getötet-, Millvuen m Jammer und km, «chu^daß ffc Margen der Erde emgegrifsen habe^ Jn.heiße» Wttgesühl, und uom^prechttcher Ergrißeuhett tenfe» wir jener Opfer ans unserem Blute. sDie Bersammttmg erhebt sich.) - Tauschte «d Ahettaüsende werte» da- Nanterßhicksat der Juten auf sich nehrne» und in de Fremde ziehe» müssen — in eraem Mochött, in dem die Haupternwanteruugsküter chre Psorteu haben. Der ün-ige Lichtblick in dem Gvm ter Not ' .11 i n <u das unter machüge» Schvtz sich »orbereiktt,