Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 86 (21.1.1921)
- Date
- 1921-01-21
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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*8H»He» ujäT tegau» fern Äie»»Snkom; seirl Jüdisch Mk HMMW», MCI <9 utin von ganzem ifftXfül. .. Uw fOIt 0m «s Her Reihe nach: der BaaiSchachris war ein stster Eichackaum rmd der Baal-Musiaf ein brummiger Gckenbama. Der Wind bkes kräftig das Tekho-Scheworim- Truho, und die ganze Gemeinde erhob ein KKtgegeschrei. Ei» aüer, dicker Ftchtenbanm versuchte bei Warmüchnu- Kaurim, sich bückend bis zur Erde herabzrtlaffen... und konnte sich kaum noch wieder aufrichten... Und ein Krächzen entstand; ein ehrliches Krächzen ging durch Le» ganze» Wald, von Eck zu Eck. Der Nachmittag rückte heran und die Stimmung begann allmchlich, nachzulassen. So ist einmal die Natur des Waldes... Das junge Volk schickte sich anscheinend an, zu Taschtich zu schreiten, und die Alten standen und unterhielte» sich Ein närrischer Erlenbaum erzählte stolz von seinem Großvater und stimm Vater seligen Angedenkens. Sein Großvater, als er verschieden war, wurde sorgfältig zersägt und aus seinem Holz machten sie einen Thron für die Königin von Saba, und aus seinem Vater schnitten sie Mastdöume für die Schiffe des Königs Hiram. „Solch ein Glückt Solch ein Glück!" nickten ihm die Zuhörer begeistert zu. Lud der Erlenbaum fuhr fort: „Sollte mir am heutigen Rosch-Hoschanah beschicken sein, dies Jahr von der Welt zu gehen, so wünsche ich mir keinen besseren Tod..." Eia frommer Kastanienbaum versteifte sich: „Wenn schon der Tod, so wünsche ich allerdings lieber. Laß man aus mir einen Rabbinerstuhl für einen großen Rabbi mache und aus meinen Zweigen Deutgriffeln schnitze, womit man den Kindern in den Schulen auf das heilige Aleph-Bech deute» solle." ,F8eltfremd!" dachte sich ein langer, dürrer Faulbamn... Eine junge, einsame und unfruchtbare Linde ließ die Auge» hängen und flüsterte verschämt: „Wenn schon stersCK so soll man aus meinem Leib Kinderwiegen machen. Die Nachmittagsstunden waren vorbei. Das junge Geschlecht am Bach hatte inzwischen sein Taschlich begonnen; es schüttelte seine welken Blätter ab, die ins Wasser fielen. Sine junge Birke trieb indessen einen Flirt mit einem leichtsinnige» Westwind... sie tändelten und plauderten vertraulich und wurden nun minutrnweise durch die Stimme deS greifen Tannenbaumes gestört, der noch immer abseits stand und müde und schläfrig seine TTHilim sang, die er von vorne angefangen hatte: .Lamah ragschu goym ulumim jehegu rit Warum toben so die Völker und trachten die Nattlme» BöstL" Die Heiligkeit des Jaum-Hadin war nun ganz entschwunden und das junge Volk nahm sein gewohntes Rausche» wieder auf... Plötzlich über ereignete sich etwas Hit* gewöPckicheS. Ein alter Rabe war krächzend und kreischend angeflogen gekommen... „Ein Wchrsager, ein Wahrsager ist erschienen!" Ihr wenigen Minuten wußte es der ganze Wald, daß ein Wahrsager gekommen ist. Die junge Birke war die erste: .Linderchen wollen wir uns «cht Karten legen und wahrsagen lassen?" Die ganze Gemeinde lachte; jeder stellte sich so, als, ob er an solche Narrheiten nicht glaube; im Herzen aber zog und zog es mächtig dahin zum krachenden. schwarzen Propheten... Die Birke natürlich war wiederum die erste gewesen. Sie reichte ei» Zweiglein dem Raben, der an den Linien asgnlese» fcgts»: J&tMt du hier diese mittlere Stute?" sagte er krachzaB »>ch Äeischend, ^ße geht hinauf und oben ist fie spitz; da drM» zicht stch eine audere Lime über die Spitze hinweg «ns'sLlt an de» Seile» in zwei Gaden herab. Wisse! senar »ock das Jahr hau» ist, wirst du unten» Beil fallen Hatz»»» eine» Galgen uwchen und an dem-Gehn» wkt ei» anner^ nnWübiger Mensch hängt». Elaige IKnnüen wirH er dart zappeis» mch dam st». ben. Eine arme Witwe «it Hungrigen Waise» werden ihn. beweinen." „Genug! Genug!" Die Birke zog mit Todesschauer ihr Zweiglein zurück und wandte sich hastig ab. Ein junger Eichenbaum, ein halber Zsteigeist, streckte mit gezwungenem Lächeln mutig einen Zweig ans. Der Rabe besah ihn sich und begann nachfinnend seine Prophezeiungen. .Sevor noch dreimal drei Tage ins Land ziehen, wird eine Axt dein Haupt zerschmettern und aus deinem Holze wird man von der einen Hälfte eine Tragbahre und eine Leichenbahre machen und von der anderen einen Sarg. Ein Schrecken wirst du sein für fille, die dich sehen, ein Abscheu für alle Menschen." Der Eichenbamn rückte hurtig seitwärts ab. Plötzlich aber ließ sich der greise, fromme Tannenbaum räuspernd und schaukelnd vernehmen: der Wind schien ihm etwas zugeflüstert zu haben. Er ließ von seinem THilim und streitte dem Raben einen Ast entgegen. , Lei ne dreimal drei Morwte werden vorbei sein und aus der Hälfte deines Holzes wird man eine Bank machen. Weißt du aber, was für eine? Eine Bank für Angeklagte wirst du im Gerichtssaal stehen, und fitzen wird auf dir ein unglücklicher Mensch. Eine schmähliche falsche Beschuldigung hatte ihn dorthin gebracht; er trinke Blut von kstinen Kindern... Aus der anderen Hälfte deines Holzes wird man einen schönen Richterftuhl Herstellen... rmd auf diesem wird derjenige fitzen, der das Urteil über den Unglücklichen auf der Bank fällen wird. Der Tannenbcrum verhüllte das Angesicht in seine Zweige und wollte nicht weiter hören.- Und gerauscht hatte wieder der Wald und gerauscht, gelärmt hatte er und geplappert, und wohin der Wind weht, dorthin hatten sich die Bäume geneigt... ciiiiiiixiniiiinimimiiiinmmiij . Von Berg und Tal ■ I rniTTiiiiniiiinTmmiiiiinmmn Srnra. Ein Student der hiesige» Universität, der seine frei« Zeit mit eifriger deutschvölkischer uad nationaler Propaganda aosfüllt. ftefct zurzeit als Angeklagter vor dem Richter der UniversitätSgerichtSyofes, weil er ei« antisemitisches Flugblatt verteilt hatte, in dem die benschen Jungfrauen eindringlich^ vor dem intimen Verkehr mit Inden gewarnt werden. Strafantrag wegen Beleidigung hatte eine Studentin eingereichl, der dieses Flugblatt wie vielen andere» von de» betreffende» Studenten znge stellt worden war. DaS Urteil d«S UniverfitätSrichterS steht noch aus. Erestld. Am Foeitag, 14. Januar, wurde Herr'Moritz Herzog ' zu Grabe getragen. Eine ganz ungewöhnlich große Trauer gemeinde * bezeigte ihre Anteilnahme. Ter Entschlafen« war der jinwpe und letzte von drei Brüdern, die hier ein altes, angesehenes Geschlecht uad seine Ueberliefernng vertraten. Reckkinahanst». Eine» Höhepunkt erreichte die Arbeit des diesigen jüdischn» Jugendvereins in der Gründung eines Heims, das Abend für Abend der hiesigen jüdischen Juaead zugänglich ist. ES ist besonder» für diejenigen jungen Leute gedacht, die hier keine Angehörigen besitzen. Eine reiche Bibliothek, Schachspiele, Schreibzeno nsw. Piche» zur Verfügung, wofür die hiesige» Gemeindemitoli»er in dankenswerter Weise namhafte Geldspenden hergegeben haben. Am 4. Januar fand die feierljche Eröffnung dieser schonen Einrichtung statt. Rach einem Prologe hielt der Zweite Vorsitzende eine berzliche Begrüßungsansprache. Tann folgte ans eine» Tätigkeitsbericht seitens des Schriftführers eine sinnreiche EinweihvngSrede von unser» geschätzten Lehrer Herrn S. Tannenban«. Der Erste Gemeindevorsteher sowie der Vorsitzende der Orjßgnppe des Centralvereins, die ebenfalls erschiene» waren, wünschte» der gute» Sache Blühen. Wachst» «ab Gedeihen. 3k 3afcatoNtt* ta kt WialWI 9nh Nummer 84 vom 7. Januar b. I. brachte der .Züdifche Bote" einen Bericht über die Judendebatte in Nc luuversmu Bonn, jgttnu wrro iuu» allgemeinen vo* hudytnny» nt über zvee Rekmer L» DiÄWonSabends