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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-01-14 · 85 (14.1.1921) · p. Seite 12

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
85 (14.1.1921)
Date
1921-01-14
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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tttSet, und. dvL ist die L darum scheu wir die /M d« erste Stelle. Die neue Schule gehört iu die Üßi BerhöÜuLffe hinein, sie ist schon lange gefordert und nW jcht kommen, La sie durch die Verfassung bestimmt ist, uüd lhre Grundlagen durch Landesgesetze festgelegt sW: Die Einheitsschule mit der Arbeitsschule. Dir Schulen sind' vorhanden, aber ihre UmformwW echnKert dafür vorgebildetr Lehrer. Daher fordern E SchvlbchöiÄen bis hinauf zum Minister für Wissenschaft, xunst und' Volksbildung dringend' eine Fortbildung der Lehrer auf dem Gebiet des Gartenbaues und der Handfertigkeit. Die ersteve Fortbildung gibt einzig und allein rn deutschen Landen das Simonsche Semi - nar in Peine; für die Fortbildung in Handfertigkeit sind' auch andere Ausbildüngsmoglichkeiten vorhanden. Keine der bestehenden Einrichtungen ist aber so wie das Seminar in Peine auf die wirkliche Lehrerbildung eingestellt, außerdem aber erwachsen allen Teilnehmern aus dem Besuch der anderen Fortbild'ungsinstitute weit höhere Kosten, als sie das Simonsche Seminar erfordert. Christliche Lehrer melden sich in größer Zahl, für Freistellen sowohl wie auch als zahlende Teilnehmer; wo aber bleiben die jüdischen Lchver, für die wir die Einrichtung in erster Linie geschaffen haben? Nur sehr wenige scheinen das Verlangen zu haben, sich für die Arbeit in der neuen Schule dis nötigen Grundlagen zu schaffen, um ersprießliche Arbeit leisten zu können. Wenn geklagt ivird', daß die Zahl der jüdischen Schulen beständig geringer wird, so sehen wir doch andererseits in verschiedenen Städten vielklassige jüdische SÄcken entstehen und hören von mancher Neugründung jüdischer Schulen. Die Zahl der jüdischen Schulen sei aber so gering wie sie wolle, die jüdische Schule muß in ihrer Leistungsfähigkeit mindestens mit den anderen <mf Weicher Stufe stehen, soll sie ihren alten guten Ruf behalten. Wie aber wird sie diese Forderung in der Folge erstllen können, wenn dem Lehrer das Rüstzeug fehlt, die Schularbeit dm neuen Anforderungen entsprechmd zu gestatten! Dann wird man sich nicht mehr wundern dürfen, wenn der Auflösungsprozeß mit Geschwindschritt vor sich geht, bk jüdischen Schulen noch schneller verschwinden als bisher, die Aussichten der Lehrer auf Anstellung immer ungünstiger werdm, die Erziehung der jüdischen Jugend immer mehr leidet und dem Judentum der schwerste Schaden zugefügt Wird. Alle Arbeit an der Jugend' im späteren Mer in Vereinen kann keine starke Wirkung haben, wenn die Erziehungsarbeit nicht schon die Grundlagen geschaffen hat. Das Semester in Peine, unter Auf-. waud großer Mittel gegründet, einfach, aber den neuzeitigm Fowerungm entsprechend eingerichtet, ausgestattet mit «Dpt praktischen Einrichtungen zur Unterstützung seiner Fortbildüngsarbeit will auch weiter seine Aufgabe erfüllen, in erster Linie den jüdischen Lehrem eine gediegene Fortbildung im Schulgartmbau und in Handfertigkeit zu bieten. Trotz der gewaltig gestiegenen Kosten für den Betrieb werdm dm jüdischen Lehrem sehr weitgehende Beihilsm eingerämnt; denn es gilt einer großen Idee zum Siege, zu verhÄfen, dann muß aber auch erwartet werden, daß flnjett Achter von der getroffenen Einrichtung weitgchend Gebrauch machen. Das ist aber bisher nicht geschehen; n»r wenige kämm. Wo viel erwartet werden mußten. Wenn dieser Zustand bestehen bleibt, wenn stets nur wmige jMsche Lehrer zwischen zahlreichen Christlichen ^Gebrauch machen, so mutz m£ Stifkommen, daß die großen AvstvenjÄMs stehen zu der beabfichtigtm erne Forschung der Ausbildungs- Nw. Daher hat der Vorstand auch W Organisation der Kurse beschossen; ' vMl 1. März bis 1. Juli und vom werven. «nr wennWty Kurse fortgesetzt werdm. W^M festzuftW^sölle» schan jetzt MeldmMn jüdischer WW^fur dm sWts 1931 angenommen werdm, damit # Üfatttji gewinnen, und die Vorbereitungen getroffen werben WÄm. An die jüdischm Lehrer ergeht daher der Zeit nicht außer Acht zu lassen, sich selbst und der Schick durch die Fortbildung zu dienen und dazu beizntragm, daß die Aufgabe des FortbilduNgsseminars rmch wirklich erfüllt werden kann, indem zahlreiche MÜdnngm eingehen. Es wäre sehr zu bedauem, wenn die Stistnng sich entschließen müßte, die auS.der Forderung d» Zeit entstandene und' für die Fortmtwicklung der Schule so überaus wichtige Ausbildungsstätte fallen zu lassen. - SimiimimmiiiimiTrnn'HTimi Von Berg und Tal mrai nii-iM n in ■ j ■ ■ ■ 111 ■■ ■■■■■■■■■■■ Bo»«. Samstag abend 9 Uhr spricht im Hörsaal der Fortbildungsschule Bornheimerstr. 9 im Rahmen des Zyklns „Der deutsche Jude* Herr Rechtsanwalt Siegmund M^er II über „Der Jude in der deutschen Politik der Gegenwart*. Wir verweise» auf das bctr. Inserat unseres Blattes. Bo»u. Wir machen unsere verehrten Leser auf de» Sonntag, den 16. Januar, hier im Saale der Fortbildungsschule Bor»hei»erstraßc stattfindenden Bortrag des Herrn Prosekwr Heinrich Loewe ausmerksam. Locwc ist bekannt als glänzender Redner, der leidenschaftslos mit großer Klarheit und wirklicher Sachkenntnis di« jüdischen Probleme erörtert. Gerade im gegenwärtigen Augenblick, um> in »»eiten nicht-jüdischen Kreisen heftig über die Judenfrage geftrittcn »vird, und andererseits die Juden vor der größten Anfanbe ihrer Geschichte, dem Aufbau Palästinas, stehen, dürfte es willw«- mcn sein, einen solchen Redner $u kören. Die anschließende frei« Aussprache gibt jedem Gelegenheit, seine Meinung zu äußern nnd Fragen an den Redner zu richten. Siehe'Anzeige. Krefeld. Die Verhältnisse, die sich in den lichten KrieoSjahren und in deren Folgezeit herausgebildet hatten, nötigte» auch de» kiesigen, früher recht rührigen Verein für jüdische Geschichte und Nteratur von der Abhaltung von Borträgen abzusehen. In der erste« Januarwoche hat die Bereinigung nun auch diesen Zweig ihrer Tätigkeit wieder in Pflege nehmen können. Der Heidelberger Protest. Theologe Professor Friedrich Niebergall, der jungst in eine« viel bemerkten Aufsatz in der „Kölnischen Zeitung* uns mit so wohltuender „sachlicher GerechtiAeit* behandelt hatte, war der Einladung z» einem Bortrag gefolgt. Professor Niebergall sprach »it der tiefen Gründlichkeit und dem erwärmenden Eifer, der zwingende« Bcredtsamkeit der wahrhaften Gelehrtenuatur über das Sickngnt, das der Prophetismus der europäisch-amerikanischen Sulturwelt Angebracht hat. Zwei auserwählte Böller seien aus der Menschheit herausgehoben worden: die Griechen nnd die Juden. Bei aller Ungleichheit ihrer Veranlagung und Auswirkung eraebe sich doch ei» gewisser Parallelismus im religiösen Streben. Die «»ßgestnilnng des religiösen Gedankens durch Plato, Aristoteles, die Stoa, fei allerdings himmelweit verschieden von der Fassung de- GotteSbcgrists durch die Juden. Schließlich aber habe sich der von den griechischen Denkern und Schwärmern geschaffene MhstiziSmnS in der katholischen Kirche mit dem Ethos der Propheten zu immer «och stärkster Wirkung vereinigt. Luther habe den ProphetlSmuS von der Verbrüderung mit jenem sinnlich übersinnlichen Gewebe griechischer Geisteserzeogung gelöst. Er — der Prophetrsmus — allein sin die Grundlage des Protestantismus, der sein Bekenntnis im Psalmeakiang prophetischer Färbung ausgesprochen habe, in dem bernhnten Lutherlixd: „Ein' feste Burg*. Durch die Reformation ist der Prophetismus dann fortgelragen worden bis zur Gegenwart, bis z» de» Pforten anderer Glaubenswelten. Wären di« Menschen und Völker vor dem Kriege stärker von dem Geist der Propheten erfüll gewesen, so würde der Ausbruch vielleicht nicht erfolgt sein. Lmos sei einst nach einem glücklichen Krieg unter die KrngSgewinnler nnd Wucherer gefahren. Solche reine Eiferer täten unS heute not. Rür durch den fittnchen Geist der Propheten, nur durch soziale Gesinnung, höchste Selbstlosigkeit, durch willige Hingebung an Vaterland und Menschheit sei der »nnere Aufbau zu ermögliche». Als eine besonders grobe Geschmackslosigkeit und Tatsachenverdrehnng faftttbnete Prof. Nieberoall die Versuche Chamberlai«- »ich sieiwer Noch treter, den christlichen Glaubensstifter zum Arier heransmodel» zn wollen. Di« Grunvzüge des Propheti^mus seien samt und sonders in der Gestalt des christlichen GlaubenSstifterS wieder z» mesae», seien die Grundzüge seines Wesens undKillenS. — Schwerlich hat em anderer von den Vorträgen, die in «ine» halbe» Mevschenaltcr im hiesigen Verein für jM Geschichte nnd Literatur gehalten worden sind, gleiche Wirkung ans die Hörer geübt und gleiche Danke«ezeugnngen hervorge rasen.

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