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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-12-17 · 81 (17.12.1920) · p. Seite 477

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
81 (17.12.1920)
Date
1920-12-17
Page
Seite 477 (sequence 5)
Language
German
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k» WWWWl^WME IWWch «kEBekpmF k, An»- ikDnm.' Daß U» Dichvtng «ine« Nichtig«« che«atisch der Miche« »efchich«« »ntnmmnen^st. ist noch nicht v«»»«i, dafür, daß st« üdische» «eiste« ist' Temgegenüber man aber nicht geleugaet wer- »en. daß diese Ausstellung «in dankenswerte» Unternehmen ist, chon allein deshalb? weil st« nur Wertigeaufweist. Und jene anong« gerügten Mängel find angesicht» de» «esamteindruck» der Ausstellung so geringfügig.» daß st« ihrem Wert« und ihrer Wirkung keine» Abbruch tun känpen. Die Literatur de« Judentumist von den Büchern de« alten Testament« an lt- T. Frühdrucke) bi» zu den Dichtungen eine« Iwan Gell und der LaSker-Echüler fast vollzählig vertreten. Abhandlungen, Essay« kulturellen, historischen, politischen Inhalt« vervollständigen di« literarische Abteilung der Ausstellung noch bi» in da» kleinste Spezialgebiet. Erwähnenswert sind die ausgestellten LuxuSdruck«, darunter Radel-Steinhardt un> Radei-Budko iGurlitt- Berlagl. Die graphische Abteilung erstreckt sich von Künstlern gemäßigter Richtung iwi« ^Struck, Liebcrüiann, Lesier Ury) überBudko, Eingesten bi» »u Steinhardt, Pechstein. H»hn«n und Karl Jakob irsch. Gemälde zeigen Bruno Steinberg-Tüsseidorf und W. Th. Kadenstein-Köln. «iS einziger Bildhauer stellt Leopold Fleisch- Hacker-Tüsieldorf, der -besonderal» Grabmalkünstler bekannt ge- .worden ist, ein Porträt: Schuarja Lewin und Abbildungen nach seinen Werken au«. -v. Zusammensastznd darf gesagt' werden, daß die. Ausstellung — abgesehen von den eingangs vorgebrachlen Einwänden — dgnk der rührigen Tätigkeit ihrer Organisatoren: Opcrnsäiwer Walter Woog, der den literarischen Teil besorgt«, und Maler W. Th. Katzenstein, wirklich daS geworden ist, was sie versprach: «in Ereignis im jüdischen Knnstleben. Die Leitung der „Heimgestaltung" gab der Ausstellung durch eine feinsinnige Ausstattung den entsprechenden Rahmen. Bhm. Köln. Tie am 24..Oktober von Köln abgereist« Chaluzgrupp« teilt mit, daß st« am 21. Nobsmber in Jaffa gut angekommen ist. Für fünf Tage wurden die Angehörigen der Grupp« zum Ausruhen in Hotel» untergrbracht. Gleichzeitig mit.der Kölner Gruppe kamen auf drei Schiffen weitere 478 Chaluzim an. Bonn. Am Mittwoch den 8. Dezember fand hier im Dreikaisersaal unser Ehanukakinderfest statt, da» di« ganze Gemeind« vereint« und selbst a»S w«it«r Ferne Gäste herangezogen hatte. Der Saal faßt« viel« Hunderte, die dem schönen Programm lauschten. Rach «in«m Prolog wurden von 30 Knaben bi? Lichter entzündet, dann folgte «in Chanukareigen „Ta» Oelkrüglein", ihm die Haydnsche Kindersymphonie. auSgeführ» von 24 Kindern und dirigiert von Frau Rabbin«r Eohn, und nach einigen G«dichlvorträqen bildete den Beschluß die Ausführung eine» lustigen Schattenspiel» „AntiochuS, der Bösewich«" oder „ES kommt immer ander«, al« man denkt", desien Ausführung die Gymnasiasten der oberen Klassen übernommen hatten. Biele hundert Kinder wurden darauf.mit Schokolade und Kuchen bewirtet. Tastest verlief sehr schön, dank der Hingabe dtr Mitspielenden, vor ollem aber der Damen de» JrauenvereinS untT ChanukakomiteeS, die am Abend selbst die Bewirtung der Kinder übernommen und durch eine erfolgreich« Sammlung die Bescherung einer Anzahl bedürftiger Kinder mit Stiefeln und Kleidungsstücken ermöglicht hakten. Auch den Spendern herzlicher Dank. Reuenehr. Der Jüd. Jugendbund Reuenahr-Ahrtveiler feierte am II. d. M. sein diesjährige- Ehanukafest im Hotel zum Siern in Neuenahr? Da» Fest leitete der Schüler E. Gottschalk mit Entzünden der Ehanukalichter sehr feierlich ein. Daran schloß sich die Begrüßung der Gäste in einem gut vörgetragenen. von Frl. Joh. Gottschalk verfaßten Prolog, deridie Bedeutung des Abendin.sinnigen Worten schilderte. Äl-dann folgten Klavier- und Biolinvorträg«, di« von den Herren M. Lichtendorf und W. Dresel meisterhast auSgcsührt wurden. Hierauf wechselten in bunter Reihenfolge humoristische Vorträge mit Tanz ab. Da« Fest war sehr gut vorbereitet und gebührt, dem Borstand, besonder» den Damen Frl. Joh. Gottschalk und Irl. M. Boos, für ihre Mühe dielen Dank. Bon Neuenahr und auSwärtigeu Fremden war daS Fest sehr zahlreich besucht, nur Ahrweiler hätte stärker vertreten sein dürfen. . Im .Ganzen dürft« der Abend alS ein gut gelungener bezeichnet werden. Ha«« a. d. Sieg. Wie alljährlich, so beging auch dje-mal wieder unser Jugendbund am vergangenen SamStag abend fein« Ehanukafeier. Wenn sie auch nicht über den eng«, Kreis der hiesigen und auswärtigen Gemeindemitglieder hinauSqing, so darf ihr Verlauf doch als wohlgelungen, ja als vortrefflich bezeichnet werden. Reine Feststimmung durchwob den Saal, der mit einer festlichen Tafel geschmückt war, alS beim Schein der Ehanukalichtchen mit dem gemeinschaftlichen Moau» zur jesohuosi-Gesang die Feier eröffnet wurde. Deklamatorische, gelangliche und musikalische Vorträge wechselten einander ab. Ein jeder der Tarbictenden gab sein Beste« zur Verschönerung de« Abend«, der allen unvergeßlich sein wird. I - / Mülheich-Rnhr. Hier fand am 7. Dezember ein reizendes Chanuka-Kinderfest statt, desien wohlgelungene Aufführungen von Herrn Lehrer Kaiser vorbereitet waren und von der versammelten Gemeinde mit großem Beifall ausgenommen wurden. Ein« Bewirtung der Kinder beschloß daS schöne Fest, daS den innigen Zusammenhang in unserer Gemeind« auf» Reue bewie«. Allen Mitwirlenden gebührt der schönst« Dank. yv jvisvwmf* Chmnikgeld. Bo» Schal o» Aleche«. (Fortsetzung.) AlS wir ankamen, trafen wir Asiilik. den mittleren, auf Mendel, dem älteren, reitend an. während Ftojke und Abraham, die beiden jüngeren. Mendel antrieben?der «in« mit dem Aermcl einer wattierten Jacke, der andere mit dem Einband eines Gebetbuchs. Solomon. dessen Alter ich nicht schätzen kann, musizierte auf einem Kamm, und David, ein vierjähriger Bursche, hatte die Schuhe auf die Hände gezogen und schlug den Takt. Sender schleppte eine Katze am Nackenfell. Das Tierchen streckte die Zunge heraus. schloß die Augen, reckte die Füßchen, als ob es klagen lvollte: „So wird man hier behandelt! O, Qualen! Qljakn!" . . . Esther, das ältere Mädchen, hatte den Einfall. Haßke, die ^jüngere Schwester, zu kämmen und ihr einen Zopf zu flechten; aber Haßke. deren krquses Haar schon -lange nicht mehr gekämmt worden war. wehrte sich aus aller Kraft und brüllte mit heiserer Stimme. Dies alles stört aber Tante Ente nicht, ruhig am Tisch zu sitzen, ein Kind an der Brust, das andere auf den, Schoß zu halten. Zichoricnkaffee zu trinken und das Haus zu bestellen. „Sieh einmal, wie du ißt, die Würmer sollen dich, fressen! Esther. Rebeckchen. Haßke. wo treibt ihr euch denn herum? Habt ihr euch zum Teufel geschert?! Wisch ihm die Nase, vorwärts! Wasch mir eine Untertasse ab. ich muß ohne Untertasie trinken! Wisch ihmeine aus! Tüchtig! Mein Herzchen, mein Liebling, meine Freude!" Seit frühem Morgen wird in dicsein Hause unaufhörlich gegesicn, die, Münder schließen sich überhaupt nicht! Tante Ente schreit, di« Kinder schreien, alle schreien. — Plötzlich erscheint Onkel Beinus. der aus der Synagoge kommt. Mit einemmal wird cs still. „Guten Morgen, Onkel Beinus!" brüllen wir, ich und mein Bruder Mottl. „Was wollt ihr hier. Bengels? Wahrscheinlich kommt ihr nach Chanukageld?" sagt Onkel Beinus und gibt jedem von uns ein silbernes Zehnkopekcnstück. Die Kinder gucken uns an. aus allen Winkeln, wie ljerumkrappelnde Käfer; sie blinzeln uns zu und schneiden Grimassen sie wollen uns augenscheinlich zum Lachen bringen. Wir machen, daß wir wieder fortkommen, so schnell wir können. » Bon hier aus gehen wir zu unserer Schwester Eidel. Cidel hat von Kindheit an die Gewohnheit, zu weinen und zu klagen. Sie weint über ihr eigenes und über fremdes Unglück. Als sie die Braut des Scholoin Seidel wurde, klagte sie noch mehr. Nicht etwa, weil der Bräutigam ihr nicht gefiel. Sie kannte ihn kaum. Aber eine Braut muß traurig sein. Tie Aussteuer wird genäht — Eidel weint. Die Aussteuer wird abgeliefert — Eidel weint . . . Hochzeitsvorbereitungen tocrden getroffen, nu?: — Eidel weint . . . Am Polterabend wird getanzt. Lieder werden gesungen. 77sie aber schließt sich in ihr Zimmer ein und vergießt Tränen. Ich erinnere mich ihrer Hochzeit. Der Musikant Schajka spielte auf der Geige und der Lustigmacher Boruch stieg auf den Tisch, legte die Hände auf den Bauch, senkte den Kopf und sang nach eines schönen, schwermütigen Melodie: Mein Bräutchen, deine Tränen X Lasse stießen. - Bittere Zähren sollst, mein Herzchen, Tu vergießen! Daß stets Gott, der Allerbarmer, Deiner denke! Fried«, Liebe, Glück und Eintracht - Er euch schenke! Nicht von Eisen sind wir Menschen, \. Staub sind all«. \ ' Und das Leben, ach, ist bitter > 1 ' ' Wie die Galle! v

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