Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 81 (17.12.1920)
- Date
- 1920-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V Erscheint jtfcta grtitef. prri» 2.60 91. mm*U. Z, teiirtzr» k»rch stmtliche P»ßt«trr ,tzrr d»rch 6r» v,tr»»rrl«> t> >,»». VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt ■■ititraintU: 1.50IR.fiskle»tcc< »rsp. PettlseUr. Sie |n)i Seit» »»faß« 300 L»Ur».^9«ftsch«N,»t« 0»aa, muRj. 74747. ^eraw»g,g«b«n von Rabbiner Dr. @miC ^ohrr. Bonn. Schriftleitung und GeschLftostelle: Bonn, Brüdergaffe 52. P»»er 81 Monn. 17. Aezernbev 1920. — K Vebeth 6681 S. Iahrga«g. ganonaDaDaoaaaaaaioaoDaaaaaaaaaaoaaDODDa o . ° o ' a g W-chrnadschnM an 5 5 o o n aaDOoaaaDaaaoaoaaoaaaaaaaaaoaaDaaaaaaoD v Rndcrs als andere. Da brachte Josef seinen Later Jakob nnd stellte ihn dem Pharao vor. Und Jakob segnete den Pharao. Da sprach Pharao zu Jakob: „Wie alt'bist'du?" Und Jakob antwortete dem Pharao: „Die Jahre meines '' Erdenwallens sind ISO. Wenig und trübe waren die Jahre meines Lebens und reichten nicht an die LebenS- ' jahr« meiner Väter in den Tagen ihres. Erdenwollen^" — Dann segnete Jaktzb den Pharao und ging hinaus vor Pharao. 1. Mose, 47, 7—10. > WaS ist daS für ein Mensch, bei dessen Anbliss einem Könige die Stimme verschlägt, daß er nichts hervorbringr als die eine Frage: „Wie alt bist dw?" Und was ist daS - für eine seltsame Antwort, die so wenig erzählt und so alles sagt? So ganz aus der Tiefe von den Lebensjahren spricht, die eines Erdenwallens Pilgerfahrt bedeuten, — wenig und trübe? Im Innersten ergriffen spüren wir die Gewalt dieser Szene zwischen dem Greise und dem Könige, spüren das tiefe Schweigen, das der Frage des Königs vorangcht, und das noch tiefere, das der Antwort des Greises folgt und dem Gespräch ein Ende bereitet. Denn wer dürfte vor dem Könige reden, wenn der König nicht fragt? Darum hob Jakob seine Hände segnend über Pharao und ging hinaus. — v \ „Dieser Mensch ist anders als andere!" mochte der egyptische Großkönig, der da steif geputzt, mit geflochtenem Haar und salbölduftcndem Bart auf seinem Throne saß, zu sich selber sagen, als er den greisen Hirten vor sich hintreten sah und in seltsamen, ihm'fremden Lauten mit erhobenen V Armen einen Segen über sich sprechen hörte: „Dieser Mensch ist anders als andere. Es geht von ihm ein Adel aus. den ich mir nicht zu erklären vermag, desien tiefe Vcrlvandtschaft mit mir aber ganz rätselvoll zu mir herübcriveht. Hier macht sich eine Souveränität geltend, die ich nicht kenne und der ich mich doch unterwerfen muß, denn sic ist gewaltig. Wahrlich, dieser Mensch ist anders, als alle andern, hie je vor meinen Thron getreten sind!" Ja, so sprach er, denn anders ist diese seltsame Audienz mit der Kargheit ihrer königlichen Frage und dem jähen ‘ Schluß nicht zu begreifen. Pharao hat Recht gehabt: Es war wirklich eine Souveränität, die Souveränität des G e i st'e s nämlich, die ihn damals unterwarf, und ihn erschauernd das kaum begonnene Gespräch beenden ließ. Die- -* ser Greis, der das erste Wort — das Wort des göttlichen Segens — vor ihm wagte, und auf die entlassende Geste deS Königs auch des letzten noch sich unterfing, brachte ihn i auS der Fassung und ließ ihn, zum ersten Male in seinem Lebt» vielleicht, aber gründlich fühlen, daß es noch Höheres gab als seine Majestät: die Majestät des ewigen Geistes, — Gott!- \ Die Geschichte ist eine von denen, die unS Juden immer wieder fühlen lasten, daß wir eigentlich nie über unjere Stammväter hinausgekommen sind. Sie rührt an das Geheimnis allen Judeseins. Jeder von uns ist ein anderer. Und anders zu sein als die anderen ist das heilige Amt der Erwählten, ihr Stolz und ihre Größe, ihr Märly- *mm und ihr Kainpf. r ' Freilich anders als die anderen sind auch die Narren, über die. man lacht, und wenn's nur darum ginge, ein Narr auf eigene Hand zu sein, es wäre wahrhaftig nicht der Rede wertz, ein Jude zu heißen. Ter alte Mann vor dem'Pharao aber war anders durch den göttlickM Geist, der ihn trieb, und durch eben jene Souveränität, die ex dadurch für sich in Anspruch nahm. Er hatte nicht nur den Mut, anders zu sprechen und anders zu handeln, als irgcndeilier, sondern es war ihin zu einer Selbstverständlichkeit seiner adligen Natur geworden und durchaus nichts Großes für ihn. so zu tun und so z'u reden, wie er tat und wie er redete? Darum ist er das Ur- und Vorbild allen Judentums. Als bei der Eimveihung der Kölner Hohenzollernbrückc der sel. Dr. Frank dem Kaiser begegnete, soll er ganz einfach die Hände über ihn gebreitet und gesprochen!>nbeii: „Gelobt seift du. Ewiger, unser Gott. König der Welt, der arksgeteilt hat von seiner Majestät an Menschen von Fleisch ’ und Blut!" Ganz einfach, ja. So nämlich, wie cs sich für einen Juden, einen Cohn Jakobs, ziemt. Es wird erzählt, daß das Eindruck gemacht habe, und mit Stolz erzählt es seine Gemeinde noch heute von ihm. Aber nicht darauf kommt es an. So etwas will nicht erzählt, sondern durch adliges, gottgeadcltcs Tun und Spreä)cn immer wieder und von jedem einzelnen bestätigt iverdcn. Sich unter den andern bewegen als ein von Gott Bctvegtcr. göttlichem Gesetze folgend, heilige Sinnbilder übend, und darum gehoben üt»er die andern, aber das alles, als wäre das und gerade das das Einfache, Selbstverständliche und gerade darum auch daS einzig Notlvcndige, und alles andere im Grunde Unnatur, das ist es, was den, Juden macht. Schämst du dich, zu benschen, wenn ein anderer dabei ist? Dein Sabbathlicht aus den Tisch, deine Ehanukakerze ans Fenster, deine Sukke auf den Hof stellen, weil es andere sel)cn. Mil cS auffallt» könnte? Jude, blick' linch innen und nicht» nach außen! Tenn der Blick nach innen, das allein ist der Mut zum Andcrsiein. Mit diesem Blick nach innen erschien Jakob vor dem Pharao, er ist unsere Lehre, er ist die Erwählung, er ist die Heiligung, er allein rettet das Judentum und die zertrümmerte Welt. Emil E o h n. Wochen fcbau. Tatsachen und Ergebnisse. Bplin. Die K. C.-Blätter (Organ der Tendenzverbindungen dcutjck>cr Studenten jüdischen Glaubens) veröffentlichen einen Brief des berühmten jüdischen Gelehrten Prof. Einstein, mit dem dieser eine Einladung des „ffentralvcrcinS" zu einer Sitzung beantwortet hat. Er ist datiert vom 3. 4. 20 und hat folgenden Wortlaut: