Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 79 (3.12.1920)
- Date
- 1920-12-03
- Page
- Seite 461 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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„Ja. warum denn?" „Hat noch irgend jemand so viele Onkel und Tcmt»«-. wie wir?" ' „Vielleicht jo ... vielleicht auch nicht!" Nach zwwi Minuten: „Mottl, schläfst du?" „Ja. tvarum denn?" „Wenn du schläfst, lric kannst du denn mit mir sprechen?" „Wenn du fragst, muß ich doch antworten. Nach drei Minuten: „Mottl, schläfst du?" „Tsss... trrr... chil chil chul... tSSS..." Mottl schnarscht, Pfeift mit der Nase, ich aber setze mich im Bett auf: Ziehe meinen Nudel heraus, rolle ihn glatt und betrachte ihn. < »..Lolch ein Zettel sieht aus," denke ich. „wie Papier, n ie ganz geivöhnliches Papier, aber ivas kann man sich nicht alles dafür kaufen: Spielsachen. ncdcrnicsier. Lineale. Nüsse. Konfekt, Nosinen. Datteln und alles mögliche!" Ich verstecke den Nudel unter dem Mißen und sage das Abendgebet... Plötzlich tritt Breine mit ciixbr Platte voll mit Nudeln ein... Breine geht nicht, sie schwebt in her Lust und singt: „lind die Lichter, die wir anstecken.. ivährcnd Mottl die Nudel verschlingt, als wären es löschen. „Mottl!" schreie ich aus ganzer Mehle, „was fällt dir ein, um (Voltes willen! Mottl! Was machst du denn? Das sind doch Nudel!" ... ' > Ich erwache: „Pfui. psui. pfui, was für ein Traum!" Und ich schlafe wieder ein. * IM in nächsten Morgen standk» wir früh aus. Wir beteten und slühstückten in Eile. Man zog uns unsere Wintermäntel mit Katzenfell gefüttert, an und band »»S große, warme Tücher über die Mützen um den Kopf. Wir machten uns auf den Weg. ui» Ehanukagcld einzujammeln. Der erste Besuch galt dem Onkel Mojsche-Aron. Onkel Mojsche-Aron ist leidend, er hat unausgesetzt mir dem Mage» zu tun. Wann auch immer man zu ihm tommt: man trifft ihu am Waschtisch. Er wäscht die Hände >:nd brummt „Äscher Jozar", — daS Gel»ct. das, man nach gewissen Verrichtungen zu sagen pflegt. '„Enten Morgen, Onkel!" rufen mir, ich und mein Bruder Mottl. Tante Pesscl kommt uns entgegen, eine kleine |yniu mit einer schwarzen und einer weiße» Augenbraue. Tante Pesscl nimmt uns die Mäntel und die Tüche? ab und wischt uns mit ihrer schürze die Nasen. , „schnäuzt euch!" sagt Tante Pesiel, „tüchtig, ordentlich! Gebt alles her! Noch! Noch! So ist's gut!" Onkel Mojsche-Aron steht am Waschtisch, angetan mit einem alten katzenfellgefiittcrten Kaftan, auf dem Kopf ein wattiertes Käppchen, in den Ohren Watte. Er wäscht die Hände, runzelt das Gesicht, blinzelt mit den Augen und verrichtet fromm sein Gebet. Ich und Mottl sitzen, als hätten wir den Mund voll Wasser. Wir zittern immer vor Angst und Kälte, wenn wir hierherkommen. Tante Pesscl sitzt sich neben uns. faltet die Hände auf der Brust und fängt an. uns auszufragen: „Wie geht es dem Vater?" „Ganz gut." „Wie geht es der Mutter?" „Ganz gut." „Habt ihr Gänse geschlachtet?" „Ja." '..Und Schmalz ausgelassen?" ~ ^.Ja." „Pfannkuchen gebacken?" „War Onkel Benja bei euch?" „Haben sie Schach gespielt?" ..Ja." Und so weiter. Tante Pesiel wischt uns noch einmal die Nasen und wendet sich an den Onkel: „Mojsche-Aron! Man muß ihnen Ehanukageld geben." „Der Onkel hört nicht. Er reibt sich die Hände und spricht sein Gebet zu Ende. Tante Pesiel versucht. ihn noch einmal zu mahne». „Mojsche-Aron! Ehanukageld für die Kinder!" „Wie? Was?" fragt der Onkel, indem er die Watte aus einem Ohr ins andere legt. „Ehanukageld für die Kinder!" schreit ihm Tante Pesscl ins Ohr. „Ei. mein Bauch, mein Bauch!" jagt Onkel Mojsche- Aron und faßt sich mit beiden Händen an den Bauch. „Ehanukageld wollt ihr? Wozu brauchen Kinder (Veld? '-Was trollt ihr mit dem Geld ansangen? Ihr rverdei's veigonden? Wie? Wieviel Ehanukageld habt ihr vom Vater bekommen?" „Ich einen Nubel." jage ich. „er einen halben." lFoilsetzung jolgl.l Der Perrinxbn'e. Berlin. '\iibifdKi Nalionaliond» r. V. Poslscheälonlo ')'rrl n ">W 7 Nr. 2^ -17. Boy bfii INI Jahre 1!IJ0 nm,pihviit<\i'iib<'ii I Willii'iiu, fiiio bi» zum Jii. I loo!>l!chi!i '»(. ritiI)11 lmbni. Bonn. jüdischer Jugendbund. I. Borsitzeudei. Slkgmnnd Schmitz, Halschiergasse t. Samslag, d,i> I I. Jo,(anher, x' , W)r, im Hole! i.'cpr): vhaiti>rrt-.<>ciinnl>ont.v Lwr hilicn, im» Webncl pi [priibai und solch,» tiu Hol, I Vcoi) nbj\n<Kbfii. . Jüdischer Jugendbund Uameraden. (Gruppenleiter: 1' u h m i q Wiiii,!, iKentiipneftr. 10. Bors. de» EllernbeiratS: Olga Lohn, Melleiiheimerallee <>7, Samslag, teil I. Ii'^i'iiiIh'1. fiilli der Hellnuachnilllag jiiv die nflo (Gruppe ans. ^iiv dir beibeu andrren Wnippon finbel um I Uhr uachmillag» Heimnachmillag stall. Sonnlag. beit 7>. Trjrmb,r: Halblagessahn zur 2ieg, Bo»u..Bergheini, Moudors, Nheindors, Bon». '.H»treten */;•!) Uhr iiDriirfetirotiipe. JUlidi. Jüdischer Jugendverein. Vorsitzender: Hugo Boß. Sonnlag, de» 7>. Dezember: l5ha»nkaseicr und Ball. Köln. Jüdischer Turnverein., Vorsitzender: Referendar In tiu» Waus ni a n », Brüsselcrstr. 21. Am 2(1, Dezember (2. Weihuachtslag) sindet unser diesjährige- Mallbäerscst im große» Saale der Lcsegcscllschasi statt. Diejenigen Mitglieder, die nicht über komplcllen Turnanzug verfügen, wollen sich sofort bei Turnbruder Bergcrhausen und Falk und bei Turnschwester Berlchcn Meyer melden, da der Verein ihnen die nötigen Turnklcidcr zur Vcrsügnug stellen wird. Neuenakr. Jüdischer Jugendbund de- Rhein» und AhrlaleS. SamSiag, beit 11. Tezemder: (5hain,kaseicr und Ball. Remagen. Am 5. Tezembcr findet hier ein Chaunka-Ball stchl. 5Iegdurg. Jüdischer Jugendbund sGabriel Siiesser). Vorsitzender Max H r y m a n n. . Am Sonntag, den 5. Dezember: Chanuka-Feier und Ball. Ictz-Boslar. Am ll. Dezember Jubelfest dcS 75jährigen Bestehender Synagoge mit Fest-Ball. Zülpidi. Am 4. Tezembcr findet hier ein lthannka-Ball stall. “/ Gottesdienst. Bon n. Freitag, den 3. Dezember: AbendgiWieSdienst 4 Uhr. Samslag, den 4. Dezember: Morgcngollesdienst 0 Uhr.« Minchah 3.30 Uhr. SabdalanSgaug 5.1', Uhr. ' Sonniag, den 5. Dezember, abend» 4 Uhr: vhanuka-ihollesdienst und Predig!. WerklagSgolleSdienst morgen» 7'/, Uhr, abend» ü Uhr. Aahrzeiten. Bonn. Sonnlag, den 5. Dezember: Lepehnc: DonnerSlaq, den!t. Dezember: Leopold Abraham; Tamslag, de» II. Dezember: Louis David. Nebst Vorabend.