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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-12-03 · 79 (3.12.1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
79 (3.12.1920)
Date
1920-12-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHER BOTE Ifrf^ciai jtkea Jteiug. Brza,»- krcil2.50 9R.-a»aatl. La keziehea karch (Amtliche PaftAmter akrr karch kea Vateaverlag ia v»aa. V0I^ RHEIN Jüdisches Volksblatt Bajtigcatrcil: 1.60 K( Ar kit ater» gesp. Petitzeile. Die gaage Kette umfaßt 380 ZeUea. Paftschecklaata «ateaaerlag Baaa «,1a «r. 74747 Herausgegeben von Rabbiner Or. Arnit Aohn» Bonn. Schristleitung und GeschLkisstelle: Bonn, Brüdergaffe 52. Pommer 79 Monn, 3. Dezember 1SS0. — 22 Aisten? 8681 | 2. Jahrgang. G G G G G d An unsere Sonner Leser!>Z Vom 5.—12. Dezember wird in den Häusern unserer Stadt für die „De u t s che Kinde r h i I fe" gesammelt. Der 12. Dezember gilt als besonderer Opfertag. Viele Kinder hungern! Nicht Worte, nur Taten helfen! Jeder gebe, was'er kann! Vorstand und Rabbiner der Synagogengemeinde Bonn. Rabbiner Tr. Emil Cohn. Louis David, Max Herschel. Jakob K o o P m a n n. HAGAGGAKGEOGEGGO G Gt O G G G Für die ostjüdiseben Flüchtlinge. Hamm a. d. Sieg: Iüd. Jugendbund 80 M. Insgesamt eingegangcn: 780.— M. a a I r i Chanulrah 5681. a a *aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa* Der helle Wahnsinn. Man berichtenaber den Beamten deS Königs und seinem Kriegsvolke, dak Leute, tvelche das Gebot des Königs gebrochen, in die Wüste hinabgezogen wären und sich daselbst in den Höhlen aufhicllen. Ta eilten sie ihnen nach, lagerten wider sie und bereiteten sich znm . Angriffe wider sie an> Tabbathtagc. Lie riefe» ihnen zu:' „Es sei genug! Kommt heraus und lut nach dem Worte des.Königs, so sollt ihr leben!" Jene aber anlworteten: „Wir kommen nicht hina»s/wir tun nicht nack Mm Worte des Königs und wollen auch den 2abbaty nicht entivcihcn!" Ta sie nun alsbald angegrisfe» tourden, verhielten sie sich ruhig, schleuderten keinen Llein und vcrscylossen auch die Hohle» nicht. — Also starben sie mit ihren Weibern und Kinder», bei lausend Menschen. AIS Matthatia und seine Freunde das erführe», trauerten sie und sprachen: „Wenn wir alle tun, wie unsre Brüder getan haben, — so werden sie »ns bald von der Erde vertilgen." Taher beschlossen sie am selbigen Tage: „Wenn icmand am Sabbathtage wider uns kommt, — so wollen wir gegen ihn kämpfen, dah wir nicht alle umkommen —!" 1. Makkabäer 2, 31—11. Ist es nicht eine fast verrückte Gefchichtc, die hier erzählt ist? Ja, ist nicht fast jede Erzählung der Makkabäerzeit die Erzählung einet Wahnsinnstat? Matthatias. der umstarrt von syrischen Speercn den Juden erschlug und das Götterbild zertrümmerte, der 90jährige Eleasar, der sich zur Marter führen ließ, weil er nicht etwas scheinen wollte, was von ihm zu verlangen man längst verzichtet Halle-, die Mutter Hanna, die nach Hingabe aller ihrer Kinder selbst den Jüngsten nicht retten wollte, der ebenfalls durch eine Scheintat wohl hätte gerettet werden können: — jede dieser Taren luar mit dem Rüge des Alltagsae sehen nicht» anderes als Heller Wahnsinn. Aber dieser Wahnsinn hat damals Israel gerettet und noch viel Höheres. Mattatias und seine Söhne hatten wohl recht, als sie damals beschlossen, auch am Sabbath zu kämpfen, aber die Tat der Tausend, die sich wehrlos hinschlack)en licsten, schuf ihnen Zehntausend, die ihrer Fahne folgten. So gewaltig ist nur der Geist, mcnn er die vielen umbraust. — Vom Erhabenen zum Läck-erlichen, heisst es. sei nur ein Schritt. Aber auch -vom Läck-crlick-en zum Erhalieneu nur einer. Man must wissen, dast alles Groge ein bischen verrückt ist. Das Grostc ist ja immer das Anormale. und es ist nur eine Sitte des Jahrmarkts, über Abnormitäten zu lachen. Man sollte aber die Kinder erziehen, nicht darüber zu lack-en, sondern vom Staunen recht bald zum Nachdenken Überzüge Herr. Klein und läppisch und doch so alltäglich ist es, dast »lau Absonderlichkeiten, geistige und jeelischeAbwege, geringschätzig als Verrücktheiten abtut. So ist cs, so ivar es immer. Die gewaltigsten Propheten, die wir hatten, wurden so abgetan: „Ihr kennt ja den Verrückten und seine Reden!" So ist cs uns lvörtlich überliefert, und jo hat die bürgerlick)e Olejellschast nie ausgehört zu handeln. Kaum redet einer in etwas höheren Tönen, kaum ist einer ein bisck)en begeistert, kaum zeigt sich Leidenschaft, Inbrunst, Hingabe, Unbediilgthcit, gleich kommt die wohlerzogene Vernünftigkeit Wr braven und gesetzten Bürgersleute und verhängt die entehrende Strafe der Verrücktheit über den Schuldigen. Ach, wenn nur vom Erhabenen zum Lächerlichen ein Schritt wäre, so wäre cs schon gut. Aber dast schon vor diesem Schritt dem Erhabenen der Stempel des Läck-erlick-en von einer niederträchtigen und eutarieten Gesellschaft aufgezwungen ivird, das ist schlimm! Ja, das allein ist schlimm! Der Sinn für menschlickte Giöste sollte das Endziel aller Erziehung sein! Vor allem aller jüdisckM Erziehung. Denn, wie wir einmal uiuer den Völkern lebe», hcistl Jude scin schon von Natur nichts anderes als A n d c r s j e i ». Wahrhaft, d. h. geistig und seelisch Judesein wäre danach gleichbedeutend mit der sittlickM Bestätigung dieses Zustandes. mit dem freien Mule zum Anderssein, dem Mute sogar, absonderlich zu jck)einen, im wörtlichenSinne — „verrückt", nämlich den Normen der llmn'elt „entrückt" zu lelen lliid zu handeln. Schl den armen. jüdisckren Auswanderer im Zwischendeck, der nnter allerhand fremdem Volk der ausgehenden Sonne zu — Tefjllen legt. Trotz Befremden. Spott, Verachtung aller Mitreisenden, tut er das in euren A ugcn vielleicht Verrückie, einfach mcil es sein res, inneles und höheres Gesetz ist. Wollt ihr einen um ihn machen, ihr anderen/ ihr zcitgemästen, moder/ drüber hinaus gekommenen und, ach, deshalb so pistl lich lierührtcn Juden? Menscksen! Unmenschen! n:ensck)«n!. Habt ihl denn gar-keine Augen? >ier ist

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