Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 76 (12.11.1920)
- Date
- 1920-11-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHER BOTE Cbf4«tat je»,, gtcltef. 8c|s#l* (Krtl 2.60 «. ■Nid. ZU fe|ic*ea kahl fidaUichr Psftßattrr »ktx karch k«a Batcaanlag ta Baaa. VOM RHEIN Jüdisohes Volksblatt •ajciieakrtif: 1.60 flR.fftrki* ater« gef». Phttzrile. Dir >«azr Stil« a»faßt 860 Zrtlra. P,ftscheckk»N«» BitcaanUt 8aa 74747. $etau*g*0«fc«n von Rabbiner Dr. @mit Kohn, Bonn. Schristleitung und GeschLstsstelle: Bonn, Brüdergaffe 52. Kimmer 76 Worin. IS. 'Flovembev 1SL0. — 1 Aisten? 5681 8. Iahrsang. Chanuka-Preisausschreiben. »Das jüdiaolie Kind**. ' Die Einsender ^er besten Kinderbilder (Photographien) erhcllten 2 Preise: 1. Wreis 10O Wcrrk, ^L. Wreis — 50 Mark. Ernfendungsftist: 15. November 1920. . Botenverlag Bond, Brüdergasse 82. aoaaaaucniaaaaaooaaaaoaaoDoaaaoaaaoaaaaa o a a d g W-chr«adschnttt nninn g L. ' ' 8 ocmooaaoaaoaaiiDaaKioaaaDODaoaaaaoDDaaDDa Die tfidifige frau. Und Rebekka sprach zu ihrem Sohn« Jakob: „Ich Kobe gehört, was dein Bater zu deinem Bruder Esau sprach.... Nun hör', mein Jung«, was ich^ir sage: , Geh zu den Herdeit.nnd nimm zwei schöne Ziegcnböckchen, die will ich deinem Vater schmackhaft bereiten, wie «rS liebt. Dann bring« fi« deinem Vater zu essen, daß er dich l«ane, bevor «r stirbt!" ' Da sprach Jakob zu seiner Mutter Rebekka: „M«in Bruder Esau ist «in behaarter Mann, ich''aber 'bin glatb Vielleicht wird Bater mich belast«», dann wäre ich «in Betrüger in seinen Augen, und mir wird Fluch werden und kein Segen?" Da sprach zu ihm seine Mutter: „Über mich komme dein Fluch, mein Sohn! Nur hör' auf mich und bring' mir das alles!" 1. Mose 27,6—13. Da sprach Rebekka zu ihm: „Esau, dein Bruder, sinnt, dich zu erschlagen. Nun hör', mein Junge, was ich dir sag«: Flieh zu meinem Bruder Laban nach Haran!" ' 1. Mose, 27,42—43. Zu Jlak aber sprach Rebekka: „Mein Leben ist mir vergällt vurch die Töchter Hets! Wenn Jakob sglrich Esau) ein« Frau von den Töchtern HetS nimmt wie ' diese von den Töchtern deS Lanoes, waS soll mir dann noch daS Leben?" I. Mos« 27,43. Eine prachtvoll derbe und frische Frau, diese Rebekka. Der Mannest alt, blind und kindisch beinah, da handelt sie. selbst, weil es zu handeln gilt: „Hör', mein Junge, nxiS ich dir sage!" Dreimal muß sie das dem Träumer Jakob sagen, eh' er geht. Sie treibt da eine energische, weitausschauende Familienpolitik, die am Anfang gewagt und nicht einwandfrei erscheint, am Ende sich großartig bestätigt. Größer aber als die äußere ist die innere Bestätigung, die sic findet. Wie schnöde war eigentlich das Spiel, das sic mit dem blinden Gatten und dem töricht rauhen Esau trieb! Und doch segnet Jsak wenige Tage danach deti Abschied nehmenden Jakob aus-freiem Herzen mit demselben Segen, der kurz zuvor noch gestohlen werden mußte; und sogar der mordfiuncndc Esau nimmt nachhinkend zu den bei Vater und Mutter mißliebigen hetitischen Weibern noch Jsmacls, des Oheims, Tochter Machalath zur Frau. Das ist i hr Werk, RebekkvS'. So überzeugend wirkt diese mit ihrem ,,$ör’, mein Junge!" und den dazugehörigen, beim Träuiner Jakob so wohlangebrachtcn Püffen mütterlickier Energie blutlvarm umrissenc Gestalt.- „Steige eine Stufe hinauf und nimn» dir einen Freund! Steige eine Stufe hinab und nimm dir eine Frau!" sagt der Talmud. Was den ersten Teil des Wortes betrifft, so entspricht er dem Dichterwort: ' „Gesell' dich einem bessern zu, Daß mit ihm deine oestcn Kräfte ringen: Wer selbst nicht besser ist atS du, Der kann dich auch nicht »veiler bringen!" Der zweite ist nicht von so allgemeiner Wahrheit, Aber ein wahrer Kern steckt doch darin: Ein rechter Mann vermag eine tiefer stehende Frau immer emporzuzichen, nie -wird er hinabsinken zu ihr. Damit ist aber auch von der Fähigkeit der Frau emporzu'st eigen etwas Gutes gesagt. -Kleide eine Frau gut, cs wird ihr hundertmal leichter >r>erden.-auf dem Parkettboden eines Salons mit Ehren zu l>estehen als im gleichen Falle einem Manne. Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Tie Anpassungsfähigkeit der Frau befähigt sie im allgemeineil, aus sich alles zu machen, vorausgesetzt, daß sie will. ‘ Tie talmudische Regel, früher wohl befolgt, hat heul bei uys Juden erheblich an Gültigkeit verloren. In den mittleren Kaufmanns- und Handelskreiseil zumal erleben wir es meist, daß das jüdische Mädckw'n zwar nicht immer unter ihrem Stand, aber doch sehr häufig unter ihrer Bit düng heiratet. Überaus zahlreich sind l>ci ,uns die Ehen, in denen alles Bildungsstrebcn l>ci der Frau liegt. Tas kommt daher, daß für den jungen Kanfmanir die Frage der Mitgift eine erheblick-c Rolle spielt und oft für ihn gleichl>edeutend>ist mit der Möglichkeit, sich selbständig zu machen. Dazu kommt, daß unsele Töchter, vor allem die vom Lande und aus den kleinen Städten, in die Pensionen der Großstadt und woniöglich des Auslands geschickt lverdcn, ivo sie eine Bildung ethalten, die lucit über den Bildnngsgrad.des elterlichen Hauses hinaltSgcht.' -Tas jüdisck>e Mädchen' ist fast immer gebildet, der jüdisck-c Mann geht meist in den Interessen seines kleinen oder großen Krames auf. Tas bischen Jnstheatergehn wird man alS erhebliches Bildnngs streben wohl nicht ansprechen wollen. Wir sind geneigt, die hohe Ausbildung der Frau in Musik, Literatur, Sprackwn und das dadurch in ihr erzeugte Bildungsffrebcn für eine nicht iestlos erfrenlickie Erscheinung zu halten. Aber sie wird gemildert durch die Tatsache, dai; der schlichte jiibijdK Mann gern und bewundernd zu »einer gebildeten Frau! cmporzuschauen bereit ist. Und Hai die Frau noch neben! ihrer Bildung einen gesunden Verstand was zimr nicht ffnmer der Fall zu sein braucht, da Bildung und gesunder Verstand zweierlei sind — so hindert nichts mt dem Glück einer El»e. die zwischen einem einfachen. s»1»li»ht in seinem Berufe ausgehenden Mann und einer Hochgebilde tcn, klugen Frau geschloffen ist. Wir kennen diese Flauen, die überlegen die Geschicke ihres Hauses leiten und dabei klug genug sind, den Mann die Ül»erlegenheit nicht spüren zv lassen,'und vor allem gütig genug, ihn zu achten und zu lieben, weil sic in ihrem gesunden Verstände spüren, daß es noch höhere Werte gibt als ihre Bildung. Und wir kennen auch jene gebildeten, geisteshungngen Frauen, die sich als