Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 75 (29.10.1920)
- Date
- 1920-10-29
- Page
- Seite 425 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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«in» näherzukommen. Hirsch Blaser ließ sich da» nicht Mi. m«l siuen. "Was heißt?" rief er mit einem gewissen schlauen Lächeln, „was heißt, jetzt noch arbeiten? Am Abend soll der Mensch ruhen und das Vieh, und soll keines sich mehr ab« Plagen und abreißen. Leider Gott's, der Jüd kennt gar kein Maß; da drauf kann man sich verkästen. Er muß immer mehr tun als jeder andere. Der Schlüssel, den Ihr da macht oder das Schloß, die hoben vielleicht nicht Zeit, die können nicht warten?" Der Meister fuhr ruhig in der Arbeit fort. „Der Schlüssel," sagte er lachend hierauf, „oder das Schloß, die haben oft weniger Zeit und können zuweilen weniger warten, als der Mensch selbst. Sich selbst braucht der Mensch oft gar nicht, aber so einen Schlüstel braucht er; cs sind Diebe in der Welt, und die haben lange Finger. Das muß der Handwerker am besten wisten." . „Ganz fglsch ist das nicht, was du da sagt," meinte Hirsch Blaser, ,/ti ist sogar «in klein Körnchen Wahrheit drin. Frag aber anders: Wer hat denn den Juden dazu bestellt, daß er die Schlüstel und die Schlöster macht? Ist er Gottes Polizei und muß , die Diebe mit ihren langen FingeAr abhalten?" ./Soll ich - leben! ein gut und gescheit Wort." lachte Trenderl auf. „Was heißt ein gut Wort?" rief Blaser eifrig, „ein wahr Wort, als-wenn's einer von den Propheten.gesagt hätte! Du hast nie etwas Gescheiteres gehört. Hätte man dir das Wort nur geschrieben und gesiegelt gegeben, wie sie dich nach Wien geschickt haben! Du möchtest dann anderswo stehen und brauchtest keine Schlüssel und Schlöster zu machen." „War das nicht damals." meinte der Schlöster. „luo Ihr mir meinen ehrlichen Namen Trenderl aufgebracht habt? Nun, Rebb Hirsch! Hat das Trenderl noch keine Ruh' gefunden? Kollert sich das noch immer in der weiten Welt herum? Seht mich doch jetzt an! Bin ich nicht doch etwas gewmden?" Hirsch Blaser schaute sich minutenlang in der rußgeschwärzten Werkstätte um, achselzuckcnd sagte er: „Und was ist aus dir geworden? Ein reicher Mann etwa, der von stinem Kapitale lebt und^Zinsen und Zinsen liegen läßt? Bis dato sch' ich dich noch immer Schlüstel machen und seh' den Hammer in deiner Hand." > «Ein Schlostermeister bin ich geworden!" rief Trender! mit einigem Stolz, ,-ein Schlostermeister, den die Zunft ausgenommen und der sein ehrliches Auskommen hat. Ein heiseres Gelächter Hirsch Blasers, das fast unheimlich klang, erfolgte auf diesen so natürlichen Ausruf des SchlosterS. Ein unbeschreiblicher Hohn schwebte um die dünnen Lippen deS gescheiten Jubels. Ein guter Maler hätte daran seine Freude gefunden. „Ein Schlostermeister!" rief er, „und dazu waS für einer! Macht die besten Schlüstel in der ganzen Welt, und wo er ein Schloß hin arbeitet, da kann gar kein Dieb darüber! Merkwürdig, ganz merkwürdig! Und in der Zunft lasten si^ihn auch sitzen, und wenn Paul und Peter, oder Honza und Waclaw am Zechtage sich betrinken wollen, kann er auch dabei sein, kann sein Glas anstoßen mit Peter und Paul, mit Honza und Waclaw! Warum nicht? Ist er nicht ein Schlostermeister wie sie? Sein täglich Auskommen hat ^er'auch. das heißt solange die alten Schlöster und Schlüstel nicht neu bleiben wollen. Und was weiter? ftagt man sich, und wenn das Jüdenkind ein Schlöster geworden ist oder ein Maurer oder ein Zimmermann? Glücklich ist er dann geworden?" lZartsetzun, Kon Krrg und Gal. Wiesbaden. Am ersten Tage des Hüttcnfestes feierte Herr Oberkantor A. Nußbaum sein 25jähriges Ortsjubiläum. Dieser Tag gestaltete sich zu einem Ehrentag für den Jubilar und für die ganze Gemeinde. Am Vortage versammelle sich in der Frühe eine Deputation des „Vereins ist. Lehrer im ehtm. Herzogtum Na sau" im Hause des <&« feierten und überreichte eine Adeste unter Ansprache seines Ortskollegcn Capell. Der Verein hatte einen Nußbaum- Fonds zur Unterstützung von jüdischen Lehrer-Witwen und -Waisen, begründet und so den Namen seines Führers dauernd mit dem Verein verknüpft. Am Vorabend brachte der" Synagogen-Gesangveiein ein Ständchen. Die herzliche Ansprache des Vizepräsidenten Herrn Leopold Cohn feierte den Jubilar als Begründer und Förderer unseres Gottesdienstes und die Verdienste um den Cynagogengesang überhaupt. Am Jubiläumstage selbst wurde Herr Nußbaum durch eine wirkliche Ansprache im Gottesdienste durch den Rabbiner Herrn D. Lazarus und Gesänge des Kantors und Synagogenchors ausgezeichnet. Hierauf erschienen im Hause des Gefeierten die verschiedensten Deputationen, darunter der Vorstand der Kultusgemeindc, der durch seinen ersten Vorsitzenden Herrn Justizrat D. Seligsohn den Tank und di« Glüätvünsche aussprcchen ließ. Der Vorstand überreichte eine größere Gabe. Außerdem überreichte der Synagogen-^ I Gesangverein wie der Jugendverein wertvolle Geschenke, s Viele Briefe und Telegramme und Blumenspenden; zeugten von der Wertschätzung, die der Jubilar in den Krei-! sen seiner. Freunden und Berufsgenosten genießt.! Am Tag des Schulbeginns, am 17. Oktober, fand > schließlich noch eine Schulfeier statt. Die Schüler überreich- . ten unter Gesängen und Gedichten ein wunderschönes, kunst- ' voll ausgestattetes Buch. Herr Rabbiner D. Lazarus rich- > tete zu Herzen gehende Worte an die Kinder Und den Lch-! rer, der in vielen Generationen schon SchMer vor sich gesehen und sie in die geheiligten Lehren der Religion eingeführt habe. So möge denn unser Nußbaum in diesen Beweisen der Verehrung'»»!» Liebe eine Praftquelle erblicken zu fernerem Fortarbeiten auf der von ihm eingeschlagenen Bahn. Bonn. Ta es sich als unmöglich herausgestellt, für den Chanuka-Ball die Nachtcrlaubnis zu erlangcir. hat sich der Jugendbund entschlosten, an Stelle des Chanuka-Balles eine Reihe von kleineren Tanzsestlichkeitcn im Laufe des Winterhalbjahres zu veranstalten. Die Veranstaltungen werden im Jüdischen Boten bekannt gemacht und kommen l«sondere Einladungen somit in Fortfall. Als erstes findet am 6. November in den. geschmackvollen Räumen deS Bonner ^Eisklubs, Reuterstr. 30, ein Tanz-Tee von 5—11 Uhr statt. — Gleichzeitig machen wir auf den Vortrag deS Herrn Tr. Dcis, Andernach, über: „Ter deutsche Jude am. Anfang deS 20. Jahrhundert-" am Montag, den 8. Nov., aufmerksam. Siehe Inseratenteil. Die Kotentasche. »Ara-Öl". Vor den bekannten Zionsfrcund und Bonner Rabbiner Jsak Rülf kanj, als er noch in Memel den Rabbiner-, Posten bekleidete, ein «ussischer Jude und bat ihn um Rat, ob er sich taufen lasten könne, ireil er dadurch eine sehr hohe Karriere zu erreichen Aussicht habe, wobei er betonte, daß er auch nach seiner Taufe noch immer Lin treuer Sohn Israels bleiben würde. Ter Rabbiner erwiderte: „Tie Eigentümlichkeit dieses Jsra-Ol ist. daß es keinesfalls Waster an sich nimmt, außer wenn es schon phnehin trüb n»>d verdorben ist." * , Ter junge Friedländer in Berlin.hat sich taufen laste». Da fragt ihn ein Beamter: „Sie Habens doch bei Ihren« Geschäft nicht nötig. Warurn sind Sic eigentlich übergetreten?" „Tas will ich Ihnen sagen." erwidert Heir Friedländer» „Ich Hab meinem Onkel Cohn ivollen eine Freude bereiten: denn es war schon immer sein Wunsch, zu haben christlichen Verkehr." Jakob Kinnbacken aus Galizien ist vor einigen Jahre» ‘ Nach NewZjork apsgewandkls und wurde als tüchtiger Hand-