Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 74 (29.10.1920)
- Date
- 1920-10-29
- Page
- Seite 417 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ifSSSSS | ' Crendert J Eine Geschichte auS Böhmen A von Leopold ltoippcrt. fJortfehung.) „Meister, lvas gibt's?" 'fragte der eine der Gesellen. , Trenderl lachte aber noch immer, daß ihm die Tränen aus den Augen über die-rußigen Wangen herablicfen. Ta die Gesellen sahen, daß der Meister keine Antwort geben wollte, oder konnte, griffen sie wieder zur Arbeit, konnten aber ein verwundeindeS Kopfschütttln nicht unterdrücken. Trenderl lachte aber noch lange, ja er lachte noch, als daS heiße Eisen bereits auf dein Amboß lag. und unter seilten kräftigen Streichen di« taugliche Form erhielt. Ihm war nämlich über den ersten Sinn der Worte, die der Doktor zu ihm gesprochen, die eigentliche Bedeutung aufgegangen. Meinte der Doktor nicht etwa, des Schlosicrs Sinnen und Trachten ginge nach Scholein Brandcis' Tochter? nach ihren zehntausend Gulden? Trenderl und Schalem Brandeis! Selbst ein Schalksnarr. und wenn er sich die ~ größte Mühe gab, konnte keinen Reim finden, der die zwei aufeinander reimre! - Darum lachte der Schlosser. und daß der Doktor über eine Sache, „die nicht geflogen und nicht geflogen" rvar. so ernst mit ihm habe sprechen können. Als trenn das nur eine Möglichkeit wäre! Als ob er nicht wüßte, daß Trenderl Schlosier und die Tochter des reichen Brandeis gar nicht füreinander bestimmt seien. Er nahm sich vor, den Herrn Doktor bei nächster Gelegenheit aufzuklären: ihm zu sagen, er wisie, was es heiße, auf dein höchsten Turm der Stcphanskirche einen Blitzableiter aufsetzen, noch mehr wisie er ater, was es heiße, nach des reichen Brandeis Tochter und ihren zehntausend Gulden seine Augen richten! Dieser Vorsatz war übrigens nicht jo ernst gemeint, als es wohl den Anschein hakte. Trenderl Ircir überhaupt an diesem Tage ein Rätsel für die mitarbeitenden Gesellen; er ft>or heute nicht so emsig als sonst, trat öfters, als er gewöhnlich tat, vor die Türe der Werkstättc auf die Gaste, wobei seine Blicke ^vielleicht nur in zufälliger Gedanken-, losigkeit, an den Fenstern des gegenüberliegenden Hauses haften blieben! ' ' Ein zweites Merkmal seiner rätselhaften Stimmunggab sich darin kund, daß er heute inehr als gewöhnlich sang und oft in so rasck)er Aufeinanderfolge, daß die zlvei Gesellen. die sich mit ihren Stiinmen dein Meister anschlossen, diesen Wechsel in Melodie und Tex gar nicht ertrugen und ihn oft mitten im Liede allein ließen. \ , Auf das tiefinnere traurigschöne: £ «traßburg, o Ltratzbnrg Tu wunderschöne Ztadt!" ' ' kam das lustig philösophisckw Handtvcrkslied: — 'slst mir alles eins, 'sist mir alles eins; Lb ich Nicld Hab' oder keins. Oder er sang das herrliche. aus voller Menschenbluft geschöpfte: * ' 0>ibr' denn goar kan Weg Gibt'S denn goar ka» Lieg, ,1amich anhi fuhrt auS dieser Well? Und gleich darauf folgte daslchelinische Spitzlnrbenlied: i „Ich rlvd mein alles Weib Sonnen schön ianzen! Lic nimmt de» Betielsack, ' Ich nimig den Ranzen." — Hätte der Doktor an diesem Tage mehrmals seinen Fuß in die Werkstätte des Schlosiers gesetzt — seine Verwrtnderung über den jo reich lMvorströmenden.(besang des Meisters hätte kein Ziel gehabt. Und doch staunte vorhin Emanliel, daß Trenderl überhaupt nur sang. Hätte aber des Doktors gesamte Wissenschaft in den Grund dieses singenden Gemütes blicken können, ohne etlvas von dem Auge übcrallblickendcr Allmächt zu lwsitzcn? Hätte sie erraten können, was des Schlosiers Seele so stürmisch otif« und ftk bald himmelan jauchzte, bald wieder in Traurigsikii unterging? ... In dem gegenüberliegenden Hause, nach desien Fen. stern sich die Augen TrenderlS in? Laufe des Tages nur zu oft richteten, dürfen wir uns gar nicht «msehen. Wir /nützten erzählen, wie dort jeder gesungene Ton. der aus der Werkstätte heraufdrang, tausend.andere in einem Herzen nachricf, desien Geschichte eigentlich nur nelwirher mit der unseres Schlosiermeisters läuft. ~~ sJortsepung felgt.) V"« Kerg und Gal. Hennef. Auf eine Eingabe des ZentralvereinS deuljckwr Staatsbürger jüdischen Glaubens betreffs Nichtzulasiung jüdijckxr Geschworener in unserem Bezirk lief folgende Antwort ein: Auf Ihre Eingabe von, :10. August teile ich Ihnen mit. daß nach den Berichten der Amtsgerichte Hennef, Eitorf und Königswinter religiöse und kon. fessionellc Gesichtspunkte bei der Auswahl der Schöffen und Geschtnirepen niemals obwaltet haben und eine s»- stematischc Ausschließung oder Zurücksetzung der stwrichtseingcsesienen jüdischen Glaubens nicht statlgefunden hat und nicht beabsichtigt ist. Vielmehr sollen auch Israeliten möglichst berücksichtigt irerden. Der Landgerichtspräsidcnl. Elberfeld. Der Bezirksverband der jüdisckwn Jugendvereine Westdeutschlands hatte seine Tiereine zu einer Deligiertemagung am lß. und 17 .Oktober in Elberfeld cingeladen. Der IN. Oktober tvckr eine Kundgebrriig der jüdischen Iugendvereine in den Räumen des ev. VereinShauses. Dr. Alfred Apfel, der, Verbandsvorsitzende, sprach über die Revolution iti der jüdischen Jugend. Der 17. Oktober brachte die -Hauptarbeit. Zahlreich ivaren bie'Teligrerten und Gäste im Fraucnklub versammelt. Rach den einleitenden Worten Dr. Apfels sprach H. Rindskopf. Tarmstadt. über die neue jüdische Jugend, bester gesagt, er wollte die alte jüdische Jugend wieder haben. Max Goldberg sprach über Serualethik. A. Eahn und Walter Simon jagten, was der jüdischen Jugend not» lur. Der Nachmittag brachte ein Referat voit Dr. Veis, Andernach: Wie lasten sich die Idee» unserer Jugendlichen m die Praxis übertragen. Eine lebhafte Aussprache, an.der sich auch die jüngsten beteiligten, bewies, daß die jüdische Jugend ihre Lehren wieder haben möchte, die ihnenvorenthaltcn sind, sie alle wollten das. was die Schule und leider auch das Elternhaus ihnen nicht geben kann, jüdisches Wissen. Dich Mahnung klang aus: Arbeitet mit an Kleinarbeit, baut die Freitag-Abende aus in den Heim-, abcnden, beschäftigt euch mit jüdischen Dingen. Musterhaft war öie Ltgauisaiion. echt jüdische Gastfreundschaft l-errschte in den Häusern. wo die Deligierte und Gäste zu Tisch geladen iraren und zlim Teil ülvriiachicten. Alle nahmen daS Gefühl mit in ihre Lrtsvereine, daß Elberfeld dei Jügcndbewcgnng viel gegeben hat, und den Weg gezeigt hat. Sache der Vereinsleiter ist cs nun. diesen Weg auszubauen, Pflicht der Gemeinden, den Weg nicht zu erschireren, sondern .zu helfen bei Wiederaufbau des Judentums. In den Vorstand des Bezirksverl'andes wurden gewählt: Rabbiner Dr. Mfcin', Düsseldorf, erster Vorsitzender: Herbert Fclsenihal, Düsseldorf. Gcschäftssützrer; Mieze Metzer, Mölii, Kassiererin:. Pynla Rußbaum, Krefeld: Dr. Veis, Andernach: Rich. Maschs. Köln: Walter Simon. Düsseldorf: A. Norden, Elberfeld. Der Utremsbote. verlln. jüdischer Nationalfonds e. v. Postscheckkonto Berlin NW. 7 Nr. 28 247. Bon di;» im Jahre 1920 aufzubringendcn 4 Millionen find bis zum I!'. Lki. 120. Mv.^v M. eingczahlt worden. Sonn. arr Jngendvereiu „Die Kameraden". B-rsikende: Iran t Dr. Lohn. ‘SoimiAft, den 31. Cfiobfr, erste Sirnppe imiln 12 Jahren!.