Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 73 (22.10.1920)
- Date
- 1920-10-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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BOTE Erscheint je»»» Kreit»,. prri« 2.60 M. »»»«II Z» triirtze» »»rch fii»tliche P»ßit»trr »»er »»rch »e» v»tr>ckrrl«> t» v»»». VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt 8»}ri|cs»nU: 1.60V! fiir»lt»irr- Nsp. PrtitirUr. Dir |i«|( Seite >»f»tt 360 Zetir». P,stscheckt»»t, B*U»»«t(»| Bi»», S,l»«r. 74747. Herau»g»g»ben von Rabbiner Or. Krnik Kohn, Bonn. Schristleitung und GeschLftistelle: Bonn, Brüdergaffe 52.' Kummer 73 ZSonn. 22. Hktober 1020. — 10 WavchescHwan 6681 2. Iahrgmig. . Chanuka - Preisausschreiben. wDaa .jüdische Kind“. Die Einsender der besten Kinderbilder (Photographien) erhalten 2 Preise: 1. Kreis — 100 Mark, 2. Kreis — 50 Mark. Einsendungsfrist: 15. Üioitembcr 1920. Boteiiverlag Bonn, Brüdergasse 52. oDaDDaDoammooDDDiaDDaaDaDDODDODDDODDoaD Mocheuabschnitt v v aaaaaaooaaaDDoaaoKiDaaaaaaaaDoaDaaaDoaDD Oie ewigen Sterne. Nach diese» Begebenheiten erging an Abram daö Wärt des Ewigen: „Fürchte dich'nicht, Abram! Ich bin dein Schilds dein Lohn wird sehr groß sein!" — Ta sprach Abram: „Herr, mein Gott!' Was kannst d» mir gebe»? Ich geh« ja kinderlos dahin, und meines Hanses'Berwaller ist Elieser ans Damaskus." — Da sprach Gott zn ihm: „Nicht dieser Ivird dich beerbe», sondern beerbe» wird dich, der hervorgehen wird ans dir." Und führte ihn hinaus nnd sprach: „Schau doch gen Himmel und zähle die Sterne! Kannst du sie zählen? So viel sollen deine Nachkommen sein!" — ' . Und Abram glanble dem Herrn, und dieser rechnete es ihm als Frömmigkeit an. l. Mose, 16.. 1—6. Ein stiller »lummer befiel Abraham um Mitternacht: „Was kann Gott mir geben? Ich bin kinderlos." — Ta ließ ihn Gott in die Sternennacht hinaustreten, und unter dem funkelnden Himmel gewann er seinen Glauben wieder. Wenn mgn die Geschichte so einfach liest, könnte man meinen, Gott habe ihm den einsamen Nachthiinmel nur um der Zahl der Sterne willen gezeigt und um ihm einen Begriff zu geben, wie zahlreich seine Nachkommenschaft sein würde. Ebenso gut hätte er ihn bei Tage eine Hand voll Sand nach ihren Körnern können auszählen lassen, wie lsier bei Nacht die Sterne. Es ist aber Zanders. Schon unsere Altvordern spürten die wrrndersaihe Poesie dieses nächtlichen.Vorgangs. Tie einen meinten, es sei ihm in jener Stacht — als sein Name Abram in Abraham geloandelt wurde — ein neues, glücklicheres Horoskop gestellt worden, die andern deuteten noch tiefer ilnd sagten, Gott habe ihn damals bis in den Himmel steigen lassen und ihm Welt und Sterne und alles von oben gezeigt. Der Glaube an die Sterne und die Poesie der Stacht streiten sich also, dieser stillen, einsamen Mär aus Väterzeiten Sinn und Deutung zu geben. — Man spricht wohl heute noch, daß der oder jener unter einem guten, reinen Glückssterne geboren sei, abxr der Glaiche an die Macht der Steine ist fast erloschen. Dass es aber einen solchen Glauben einmal gegeben hat, ist dem' nicht unverständlich, der sich schon einmal mit vollem Gefühl in eine Sternennacht versenkte. Von Sternenkunde z»; Sternenglauben ist kein lecitcr Weg. Es gibt keine Wissen- - schaff, die den Menschen jo klein und so groß machen, so zwischeit Stolz und Temnt hin und her reißen kann, wie , die Sternenkunde. Wen» um» hört, daß dieser oder jener s Stern nicht viele Meilen, sondern Tausende von Lichtjahren entfernt sei, nenn man von Berechnungen hört, in denen die Unendlichkeit beinahe auf eine mathematische Formel gebracht wird, so l»ebt man vor der titanischen-Macht des Menschengeistes, der das vollbracht, und fürchtet gleichzeitig für deu eigenen Verstand. Ter Mensch unter dem Sternenhimmel ist ein Gott und ein Wurm. Am Sternenhiinmel kann inan aber auch die Tiefe eines Gemütes messen. Er ist ein Maß stab für die großen Dichter aller Zeiten geworden. Sie alle haben die Sternenv.acht besungen, und haben sie es nicht, so scheiden sie aus dem Kreise der ganz Großen aus: > Einig, »»verrück!/ znsaninienivandernd, * Lenchle» ewig sie herab, die Sterbe; Sternenglanz n»d Mondes tlberschimmer, Schaitenliese, Wasserstnrz nnd Rauschen' Sind »»endlich, endlich unser Glück nur. Sp sang der alte Goethe, und lvie viele haben es ihm vor- Und nachgesungen: Von der „strahlenden Unsterblichkeit", die Gottfried Keller „durch die Lüste wandeln" sah, bis zu jenem Neueren, der den lekränzten Weinbeclher in zauberiK’fteriuei' Maiennacht zu in Himmel hob dem Tode entgegen: Einst tvandr' ich den Weg zum dunklen Tal Mil den H»»derI1ansende» andern: "- Tie droben mit ihrem ewigen Strahl, Ti« tverde» dann ohne mich tvandern. Was toissen die Meuscte» von Sternennacht? Bon. Ewigkeiten und Sternen,nacht? Ans meinet» Grabe stammt jede Nacht: Er trank de» ewigen Sternen! — Wie es aber die Dichter sangen, so müssen'S auch die Menschen empfunden haben, uird so wird auch für sie der Sternenhimmel zum (bricht. Man braucht nicht ein Jinmanael Kant zu sein,- der nichts sehen wollte als den gestirnten Himmel fiter sich und das moralische Gesetz in sich: Aber »nein nie im Leben in einer Sternennacht sich die Ewigkeit offenbarte, loer nie mit hohem Atem einsam durch den Majestätisck-en Saal.mit imudelnd mit den Sternen lvandelte, nie Zusainmenhang fühlte mit dem All und Einen. loenn die. Sonne anderen Zonen schien, — nun,-der ist wahrlich ein armer Mensch. Ter nxmdelt offenen Auges an Gott vorüber. ohne des ewigen Weifte* einen Hauch zn verspüren. Ter Jude hat es initiier verspürt. Lb sein Pater Abraham in den Nachthimmel schaute, ob Joseph seinen Sternentraum träunite, ob der stellende Mose jenen Slei» aufsteigen sah in Ja kopier dem Sternensohn Barkochba später zu Häupten seiner meteorischen Bahn leuchtete, — nichts neben dem Sonnenball rief dem jüdischen Auge so das Donnerwort „Schöpfung!" z>r Uue die ewigen Sterne droben. Hier war Größe, Ewigkeit, Gott. Und nenn es Menschen gab voll Schöpferkraft. Fromme voll Leidenschaft, ^wdeu voll Weisheit und Größe, so hieß es immer lvieder. d« „die Weisen leuchten wie des Himmels Glanz und, die den Ewigen fürchten, wie die Sterne für und für." j E in i l E o h n.