Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 72 (15.10.1920)
- Date
- 1920-10-15
- Page
- Seite 401 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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m, daß er zu allem, was er steht, absolut schweigen" will. Kein- Wort darf er reden.. Ich habe eS versprochen und wurde zum Geinem geführt. Als ich dg. eingetreten uxnr, sah ich allerlei seltsame Vorgänge intb merklvürdige Strafen. Da stand ein Rosche (Bösewicht). Der mutzte ein Fatz voll gietzen) und diese Strafe dort-erst auf. wenn das Fatz voll ist. Er schöpft und schöpft. Al>er der Sinn ist ihm verwirrt, und er bemerkt nicht, datz der Zapfen am Boden liegt, und wie viel er auch eingietzt, mindestens elnmso viel läuft zum offenen > Spundloch wieder hinaus. Mir schlvebte auf der Zunge: „Narr, heb doch den Zapfen auf und steck ihn hmein!" Aber man darf nicht reden. Ich nahin mich also in Acht und hielt mein Versprechen. Der Rosche mag da nun schon anhundert Jahre am. Fasse stehen und schöpfen, mrd er steht nun iveiter da und gietzt ein. Tann sah ich einen Rosck>e. der verurteilt ist. einen Klotz. mit einem Beile zu zerkleinern.. Er hackt und hackt. Al»er der Sinn ist ihm verwirrt. und er merkt nicht, datz er immer mit der Breitseite des Beiles hackt. Er mag schon hundert Jahre stehen und hacken und sieht den Fehler nicht. Mir schivebt wieder auf der Zunge: „Du SciMt (Tor), dreh das Bil um!" Aber man darf nicht rden. Da steht ei» dritter und ist tlcnrrtcilt. auf einer Lonke (Wiese) das Gras abzujchneiden. bis.es ganz abgeschnitten ist. Er schneidet und schneidet, sickrer schon ül>er hundert Jahr, und merkt nicht, datz hinser ihm. wo er geschnitten hat, das Gras wieder wächst. Und er schneidet und schneidet. und es ivächst wieder. Da konnte ich nicht länger de» Mund halten, und trotz des strengsten Verbotes kam es unwillig über meine Lippen: „Du Narr, wenn es doch wieder ivächst, warunr schneidest du?" H. L. Rätsel. Lh»e Sattel in der Wüste . Trägt eK ohne Trotz und Tücke» ,v - Seinen freien ReiterSmann: Leicht flefottelt on der Hüfte Hebt es feinen stolzen Rücken ^Himmelwärts in Hanaan. Lösung des PreiKrätfelS au» dir. 71-.. Galiläa — Wolilei.^ * Ten Preis erhielt Hermo»» Singer, (Jlberfelb. Wilhelm ft ratze 25. Der Uereinsbole . Berlin. Jüdischer. Nationalfond» r. B. Postscheckkonto Berlin NW. 7 Nr. 28 2175 Bon den im Jahre 1920 aufzubringenden 1 Millionen sind bi» zum 8. Oft. 1 l73M1.1l) M. eingezahlt worden. y Bonn. „Die Sa«»,ade«". Bo »ätzend»: ftrau dlechtS- Jugeuddtreiu aMvalt Tr. Cohn. Sonntag deti 17. Oktober. Gruppe t*—12 Jahre: Wande-rnng zur Arndtruhe. Führung: Irl. Marianne Simon. Treffpunkt:!t Uhr Argelanderftratze. BennSberganfgang. — ttzrnppe >2 k'i Jahre: Fahrt ins Siebengebirge. Halbtagestour. Treffpunkt 7.1't Uhr Meckeuheimerftratze.' — Samstag den 23. Cfiotter: SimchaS Thora-Feier. 3 Uhr Friedrichsrnltz-. Alle Gruppen. Ende f. Uhr. — Sonntag den 21. Oktober. Gruppe' 12—l>> Jahre! Wanderung Sinzig-Neuenahr. Tagestour. Treffpunkt bahn Hof. 7.3>> Uhr Hanpt- Hottes tesdienst. >5. Tki.: Aden y Bonn. Freitag den 15. Tkt.: Abendgottesdienst 5 Uhr. Samstag de» tt>. Cft.: MvrgeiigotteSdienft!• Uhr. Minchah l Uhr. Sabbütänsgang t>.20 Uhr. Werkiagsgottesdienft morgens 7'/, Uhr. abends t> Uhr. * Kollegen eine starke Stütze und erfreut sich der Jubilar auch bei allen Mitbürgern des besten Rufes. Möge er noch viele Jahre zum Wöhle der Gemeinde, der Stadt und der Allgemeinheit tätig sein. Krefeld. Nach einer Zwischenzeit von kauni 4 Wochen Hot unsere Gemeinde ein zweites Vorstandsmitglied verloren. In Holland, wo er Stärkung suchte, erlag Herr Emanrrel Goldstein einem Leiden. Auch er hat unserer Religionsgemeinschaft kvie auch der bürgerlichen Gemeinde treue und wertvolle Dienste geleistet. Seit Jahrzehnten kvar er an beknerkenstverter Stelle in der Armenpflege tätig. Die Biederkeit und Gediegenheit seines Wesens erwarben ihm in weiten Kreisen der Bürgersä-aft Schätzung und Freundschaft, Dierdorf, Bez. Koblenz. Am 1. Sukkoth-Dage beging unser langjähriger Vorsteher Herr Abraham Hirschberg seinen 75. Geburtstag. — In der letzten Versammlung unseres Jugendvereins sprach Herr C<md. med. Hermann Si-, mon aus Altenkirchen über das Thenia „Jüdische Gegenwartsfragen". An den interessanten Vortrag kriüpfte sich eine rege Aussprache. Tetz-Boslar. Am II. Dezember ds. Js.,feiert die israelitische Geineinde Tetz-Boslar das 75jährige Bestehen der Synagoge. Bei einer Zusammenkunft aller Mitglieder der Gemeinde wurde einstimmig beschlosten, dieses Fest in würdiger Weise Freitags abends und. Sä/abbes morgens in der Synagoge, nachmittags im geschmückten Saale des Herrn Kaspar Ester zu Boslar durch Konzert, Vorträge und abends durch Ball zu feiern. Gleichzeitig werden zivei Mitglieder der Gemeinde, und zivar unser Vorsteher Herr Jakob Hertz und Herr Samuel Nathus, das Fest der siltcnt€u Hochzeit feiern. Datz unsere Gemeinde bei solcher Festlichkeit «tlvas bietet, wird wohl niancl-em noch in der Erinnerung sein, welcher vor 25 Jahren das Fest des fünfzigjährigen Bestehens der Synagoge hier mit uns gefeiert hat. Wir werden später noch Näheres durch. Annonce in dieser Zeitung bekannt geben. Die Kotentasche. Zwei Geschichten vom Tubnoer Maggid. 2. Zu der Zeit, wo Nikolai I. die Juden bedrückte und sie unter schtveren Strafen zwang, sich Bart und Schläfcnlockcn abschnciden zu lassen, kam der Dubitoer Maggid in ein Städtchen, um dort „Maggides zu sogen" (zu predigen). Es war bereits bekannt, tvie sehr er dagegen eiferte, datz sich die vielfach durch die Bedrückungcu und Matzregeln bereits mürbe gemachten Juden dazu herbeilietzen, das Verbot der Bibel zu übertreten, und Bart und Schläfenlocken ihrer Ruhe opferten. Man war es hier schon müde, den Plackereien der Regierung Widerstand entgcgenzusetzen. Der Maggid kam zum Vorstande und trug ihm die Bitte,vor, ain nächsten Schabbes zu Minchc in Schul sprechen zu dürfen. Der war dazu bereit. Aber er machte es ihm zur strengen Pflicht, nicht gegen das Abschneiden des Bartes zu eifern und überhaupt mit keinem Wortechavon zu sprcciien. Um nunauf die Kanzel gelassen zu iverden, sagte Reb Jeinkew das zu. Der Schabbes kam, und zu Miuche tvar die Schul gedrängt mit MensclM voll, die dcil berühinten Volksredner hören wollten. Er sprach sehr erbaulich. Daiin erzählte er im Verlaufe dieser Rede, datz ft auch einmal au das Himmelstyr gekommen wäre. Als er sich als Dubnocr Maggid legitimierte, tvurde er sofort eingelassen, um sich den bkin Eiden (Paradies) zu beschauen. . „Dann aber", so fuhr er nach der Schilderung des Paradieses fort, „hatte ich auch den Wunsch, das Geinem (Hölle) mir anzusehcn. Mein Wunsch wurde vom, Oberaufscher dem himniliscl)en Besdiu (Gerichtshöfe) genieldet, das allein über solche lesondercn Wünsche zu befinden hat. Das entschied: Es ist der Dubnoer Maggid. Nun: Er darf sich sogar das Geinem anseihen. Nur mutz er vorher fest Jahrzeiten. Bonn. Mittwoch de» 2<t. Cft. nebst Borabend: Schanchvt Levy; PH. Lob. ) V ■