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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-10-03 · 71 (3.10.1920) · p. Seite 393

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
71 (3.10.1920)
Date
1920-10-03
Page
Seite 393 (sequence 5)
Language
German
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P»» Der- »»> t4h Bonn. In seiner letzten, von Herrn Sanitätsrat Nr. Lichtenstein einberufenen Vorstandssitzung beschloß der Literaturverein folgendes Winterprogramm: 1. Samstag, den 23. Oktober, einleitender Vortrag des Herrn Rabbiner vr. Cohn: Rückblicke uüd Ausblicke. 2. Ein Zyklus yon 4 Vorträgen über das deutsche Judentum, und zwar a) Julius Bab-Berlin: Der Jude in der deutschen Kunst und Literatm; b) Der Jude in der deutschen Politik: c) Der Jude in Handel und Gewerbe; ck) Der Jude in der exakten Wissenschaft. Für. die letzten Vorträge ist über die Redner endgültig noch nichts entschieden. Ein künstlsrisch geselliger Abend,soll den Winter dann beschließen. Die Veranstaltungen sind' gleichzeitig solche des Jüdischen Jugrndbundes Bonn. Durch die systematische und folgerichtige Behandlung eines engeren Kreises von Problemen hoffen wir, nicht nur das Interesse eines jeden an allen Vorträgen zu erwecken. die eines in den anderen hinüberleiten, sondern auch lohnendere, weil bleibende Erfolge zu erzielen. Aachen. Herr Michael Geisel, seit Jahrzehnten stellvertretender Vorsitzender der Gemeinderepräsentenz. mehr als 30 Jahre erster Vorsitzender der Männercheimah, Handelsrichter. Vorstandsmitglied der Handelskammer und zahlreicher interkonfessioneller Vereine, beging hauschano rabbo die Feier seines 70jährigen Geburtstages, die sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für ihn gestaltete. Vorstand und Rabbiner sprachen ihm namens der Gemeinde ihre Anerkennung und ihr Glückwünsche aus. Die Koteni«sche. Zwei Geschichten vom Dubnoer Maggid. I. Der berühmte Rabbi Elijah, der Wilnacr Gaon, und der Dubnoer Maggid waren Zeitgenossen. Beide bekämpften, jeder in seiner Weise, den kurz vorher entstandenen und sich siegreich ausbreitenden Chasiidismus. Gleichtvohl brächlen es die Verhältnisse mit sich, daß sie sich einander nicht persönlich kannten.. Dabei war es der sehnlichste Wunsch des Gaon, den Maggid einmal zu sehen und seine Mosckwlcher aus seinem Munde zu hören. Lange Zeit wurde sein Wunsch nicht erfüllt. Eines Tages aber kam der Maggid doch ganz unerwartet in das Haus des Wilnaer Gaon. Und der Rabbi, der nach der Volksmeinung auch Unbekannte sofort erkannte, verstand infolge einer Intuition plötzlich und unvermittelt, daß der Eintretende der Dubnoer Maggid sei. So rief er dem Reisenden statt jedes Grußes entgegen : „Dubnoer Maggid, sogt mir a Moschel!" * Da antwortete der so sonderbar Begrüßte also: In einer kleinen Stadt lebten einmal zwei Batlonim (fromme Müßiggänger), die zusammen in Schul saßen und lernten. Ter Jüngere hatte ein« Frau, die ihm oft Vorwürfe machte, daß sie in so großer Not waren. Sie ließ ihm keine Ruhe. Er solle arbeiten rmd ettvas verdienen. Immer und immer wieder in dieser Weise gequält, bat er eines Tages den älteren Batlen-Kollegen, er möchte ihm doch einen Rat geben, wie er zu einem Etwerbc käme, den seiiw Frau zur Erhaltung der Familie ausüben könnte, während er in Schul säße und lerne. Der Altere riet ihm nach längerer Überlegung, er solle eine^milchende Kuh kaufen. Uyd die Frau solle mit der Milch einen Handel beginnen. Der Rat gfiel. Der Batldn geht heim, nimmt alles zusammen, was noch an Ringen und tvertvollerem Kochgeschirr, an Schabcheskleidern und an Schmuck, den die Frau mit der Aus-' steuer ins Haus gebracht hatte, vorhanden ist, und verkauft alles mit Einwilligung seiner Frau. Für den Erlös erwirbt er auf einem Dorfe in der Umgegend bei eincm'Bauern eine milchende Kuh. Hockierfreut, daß sie jetzt ein reiches Leben beginnen würden, treibt er die Kuh nach der Stadt und führt sie nach sei neig Hause. Hier tverden Mcutn und Kuh Von der Frau frerrdig begrüßt. Man führt die Kuh in die Stube, und Frau Rifk« setzt sich'sofort hin, um die Kuh zu melken. Aber, so sehr sic sicy bemüht, die Kuh, gibt keinen Tropfen Milch. Die Frau jaminert, der Mann habe sie ruiniert.' Und dieser läuft ebenso bestürzt wie verzweifelt in Schul, um den ältere» Bätlen zu fragen, woher das komme und tras man tun könnte. Dnn der, der den Rat erteilte, habe ihn in diese Not gebracht. Und nun solle er ihn auch mit seinem Rate vor der Verziveiflung retten. Der aber bleibt ganz ruhig und fragt: „Wann hast du die Kuh gekauft?" — „Gestern früh." — „Wann hast du sie »ach Hause gebracht?" — „Heute Nacht." — „Und ivas hast du ihr in dieser Zeit zip fressen gegeben?" — „Zu fressen? Nichts." — „Nun, wie soll die Kuh Milch geten. wenn sic vom Torfe herein in die Stadt gehen muß. einen jo weiten Weg. und du ihr seit gestern früh weder zu fresien gibst noch Ruhe gönnst. Gib ihr ein Bund Stroh, um sich zu ruhen, ein Bund Heu und eine warme Suppe zum Fresien, dann kann sie Milch geben." — Du. Gaon. siehst mich hungrig und Inüde von der Reise kommen, und statt mir Schilei» zu geben und micki in deine Stube zu führen, verlangst du ein Moschel. Vergönn mir erst eii^nal Ruhe, gib mir Speise und Trank. Und dann will ich dir ein Pi»- sckw'l erzählen. (Schluß folgt.! ch . Berliner Straßengespräch. A. : Sagen Sie, Herr Cohn, wo ist hier die B.^eidend.imer Brücke? B. : Woher wissen Sie denn, daß ich Cohn heiße? A. : Ich hab's geraten! B. : Dann raten Sie auch, wo die Wcidendarner Brücke ist! Musikalifck-e Frage. A. : Irr rvelcher Tonart bliesen die Juden vor Jericho -ihre Posaunen? B. : In D-moll. denn sie habe» alles demoliert. * „Was lügst du. Schmclke. und erzählst ülerall, daß ich auf dein Markt ei» paar Ohrfeiget« bekoinmen Hab'?" „Hast du keine bekommen?" „Jck> Hab bekoinincn, aber nur eine, nicht ei» paar." (Stblcrniel.) Rätsel. Mit a Provinz i» Mtimnin, \ Tri» flol,»’ Männer lrbti n': Mil i rin hochgiinnti'r Monn, Bor dem seine Henker bebte». Der Uereinbdolt. öerlln. Jüdischer RalionalsondS e. B. Postscheckkonto Berlin NW. 7 Nn 28 217. von den im Jahre lS20 auf,»bringenden 1 Millionen find bis zum I.Oki. t I1k,7«:i.b0 M. eingczahlt worden. Sonn. Jüdischer Jugendbund. I. Vorsitzender: 2iegi»»nd Lchmitz. Hätschicrgassc 4. Freitag, X. Ctlulu-i, H'/j Uhr ^Heimabend im Hotel Vf»l). Leitung: Herr Lehrer .Uoschland. v s — : i Kecktesdiensil. ( 3« o ii ». Freitag den x. CCi.: r'lbendgvitesdicnst .',.30 Uhr. I Tamsiag den!'. T li.:-Motgriigollrsdirusl und Predigt!> Uhr. ' Minchalj 4 Uhr. Labbatansgang ii.3.‘» Uhr. Werktagsgoilesdicnsl morgenS 7'/, Uhr, abends ü Uhr. * Jahrzeiten. v o n II. Freitag, den l-\ L ktober nebst Vorabend: LoniS Vollinanii.

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