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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-10-03 · 71 (3.10.1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
71 (3.10.1920)
Date
1920-10-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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flhtf4ciat j«k«« Keeita, Beja(t< Peel» 2.60 M. auaatl. Za Aeiietzea karit sämtlich« Pastä»trr akti karch k«a 8*t«aicr(«| ia Baaa. VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt Aazeigeatzreis: 1.50K(ltki«alet> gesp. fctitgtilc. Di« gaajt Cdti aaifa|l 360 Zeiiea. Pastfcheckkaata Bafcaknfag Baaa, «Ua «r 74747. Herausgegeben von Rabbiner Or. Amit @oßtt, Bonn. Schristleitung und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergasse 62. N»»«er 71 Aonn. Z. Oktober 1920. — 26 Mchri 8681 2. Jahrgang. | Die wiener Kinder „ 1 5 sind am M o n ta g. den 11. Oktober, biss 8 4 Uhr nachmittags, nach Bonn, Tempelstraße 12, zu 8 8 bringen, da sie vielleicht noch am selben Tage gegen 8 L 6 Uhr abends Bonn verlassen.werden. Wir bitten 8 8 den Kindern, die voraussichtlich zwei Tage unter- 8 8 wegs sein werden, genügend Proviant mitzugeben. 8 8 Der Jüdische Frauenverein-Bonn, der die- Per- 8 8 abschiedung der Kinder in die Hand genommen hat, 8 8 bittet die Bonner Familien für den Fall des Über- 8 8 nächtens der" Kinder, dieselben ev. wiederum eine 8 8 Nacht zu beherbergen. 8 8 Jüdischer Bote vom Rhein. 8 rvas zwiscyen w>cann uno Weio sicy oamais ocgav, ist wirtlich die ganze Welt und das ganze Leben. Alles Weitere ist nichts als Fortzeugung gewesen, eine ewige, iinsner neu gewandelte Variation zu dein einen unendlichen Thema: Mann und Weib. - Das Große an dieser Urgeschichte ist nun, daß sie neben ihrer stolzen, unentrinnbaren Allgemeingültigkcit die höchst amüsante Ausmalung eines entzückenden Einzelfalls vorzuweisen hat. Diese kleine Eva ist tatsächlich so, daß man sie vom Flecke weg heiraten möchte. .Wie nett versteht sie zu plaudern und plaudernd sich verführen zu lassen. Gewöhnlich bewundert man die Raffiniertheit der Schlange, die fragend aus dem Weibe ihre tiefsten Gedanken und Wünsche herauszuholen wußte. Großartiger in ihrer Einfalt aber ist die Schilderung des herausfordernden, ja, sich anbietenden weiblick)en Charakters, der für die Wiener Kinder. - Spendeneingang. Frankfurt o. M.: Bankdirektor Julius Jakob 200 M. Wiesbaden: B. K. 50 M. Insgesamt eingangen: 2070 M. ooooolnioeikniookianomooliiiniikilinponoooooolloo Wochrnadschnitt n'Lt->2 oaaanoaaaaoaaoiiaQiaiiaaaaaaaaaaaoiioaasaoa Mann ut\d Weib. Als nun das Weid sah, daß cs gut wärc, von dem Baume zu essen, »ud daß er eine Lust ffi für die Augcii und liedlich auzuschen, da nahm sie von seiner Frucht und ah, und aad auch ihrem Manne davon, »ud er aß. Nun gingen ihnen die Augen ans und sie merkten, daß , sie nackt tvaren. Ta flochten ^sie Feigenblätter und machte» sich Schürze. Sie hörten aber die Stimme Gottes, des Herrn, und der im Garte» wandelte beim Wehen -des Abendwindcs, da versteckten sic sich hinter die Bäume des Gartens vor Gott dem Herrn. / Aber Gott, der Herr, ries dem Adam und sprach: „Wo bist du?" Ta sprach er: „Ich hörte deine Climme im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich." ' Gott aber sprach: „Wer hat dir gesagt, daß d» »ackt bist? Hast du etwa von dem Baume gegessen, von welchem zu essen ich dir verboten habe?" — sprach Adam: „Tas Weib, das du mir zugcftllt, sie gab mir von dem Baume, und da aß ich." — Sprach Gott, der Herr, zum Weibe: „Was hast du da getan?" — Sprach das Weib: „Die Schlange hat mich verleitet, daß ich aß."- I. Mose, 3, 6—13. Unsere Bibel ist wirklich ein Menschheitsbuch. An seiner Pforte stehen nicht alle, ins Menschliche gewandelte Naturmythen dunklen Sinnes und geheimnisvollen Weben^. sondern eine fast alltägliche Geschichte, die Geschichte «on emem Manne und einem Weibe. Eine Geschichte von beinahe simpler Klarheit und doch in ihrer Einfalt ewig. ten beginnt und naschend endet, um sich zuletzt na^h geschehener Untat hinter ihrein lieben Manne zu terkriechen. Daneben der Mann, ein schweigender Träumer, der. einmal gefallen, auch die Verantwortungen trägt, die folgen. ohne viel Worte.-aber auch ohne Auswteick-en. . Erschüttert-Hon den Schauern der Erkenntnis übersieht er sofort seine Lage und antwortet auf das ernste: „Wo bist du?" Gottes die Wahrheit: „Deine Stimme horte ich im Garten, da fürchtete ich mich, denn ich bin nack^ und' verbarg mich!" So beginnt die Geschichte der Menschheit, so endet sie. Liest man sie aber bei unseren Geschichtsschreibern, den Professoren der Weltgeschichte, so sollte man meinen,- daß nur die Männer Geschichte machten, allenfalls noch die Aspasias, Berenies, Katcharinas und Elisabeths, jene seltsamen Mischcharaktere weiblicher und männlicher Art. In Wirklichkeit hat jede geschichtliche Tat, Wohltat wie Untat, unter einem Baume der Erkenntnis stattgefunden, und lei den allerheroischsten und allerübelsten Leistungen männlicher Kraft oder Schwäche hat irgend eine Eva mit dem angebissenen Apfel in der Hand Pate gestanden. Überhaupt hat noch niemals ein Mann im Laufe der Weltgeschichte, wofern er ein Mann war. einen unangebisieneit Apfel an den Vkund gebracht, und tat er es wirklich einmal, so hat er ihm nur sauer geschmeckt. Darum ist alle Geschichtsschreibung eigentlich nur lückenhaft, insofern als sie uns ihre Heldenmit schönen, roten, ganzen Erkenntnisäpfeln vorüberführt. Tie einzig rechte (Geschichtsschreibung ist die unserer Bibel, weil sic anekdotisch ist und in der Anekdote mit starkem (Gefühl für die Macht des Eivigweiblick>en immer von neuem den ersten Akt der Weltgeschichte--idas Drama Adam und Eva — wiederholt und gewandelt hat. Nur die Anekdote vermag so das Ewigmenschlicke zu geben, weil das scheinbar Unwesentliche in Wirklichkeit immer und überall der Wesenheiten tiefste» Kern enthält. Ist cs nicht seltsam, den greisen Erzvater Abraham zivischen den beiden Weilern Sara und Hagar schwanken zu sehen? Und Jsak, wie er mit Nclekka kämpft, wer den Segen erhalten soll? Und Jakob zwischen der Eifersucht seiner Frauen? Und Mose und Zippora. Simson und Delila, David und den drei Königinnen Michal, Abigail

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