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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-09-17 · 68 (17.9.1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
68 (17.9.1920)
Date
1920-09-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BOTE Erschr«,t jekt« Kreit«,, vr,»,« prrt» f.50 M. »»„«. Z, ß^ziehe, k««ch stmtlichr P»stii»trr »tzrr »,rch kn 0«ttM(rf«, i» «,«». VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt «»j«i,r»prri<: 1.509R.f8rki(«Ur< ,rsp. PrtitirUe. Di« |n)c Seit« ■■foyt 360 griff«. Prslschrlfkrit» 0,tr»«rrf«, «»»», gif« Kr. 747-7. Herausgegeben von Rabbiner vr. Krnil Kohn. Bonn. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergast» 52. Kummer 68 Wonn, 17. September 1920. — 5 HliscHri 6680 [ 2. Jahrgang. für die jtkKfchtti Kinder gHcwel Spendeneingang. Barmen. Michel Kundel 20 M.' Bonn. S. 2lrensberg 100 M.; Walt. Cahn-Herstatt 20 M.; N. R. 20 M. Polch. Anläßlich der crlobung van Frl. Johanna Hirsch mit Herrn Siegmund Herz 50 M.: anläßlich der Hochzeit von- Frl. Bertha Herz mit Herm. Hugo Ma>tcr-Bonn 50 M. Schleiden, Frau D. Haas 30 M. Insgesamt eingegangen 2720 M. Jr V i s t Jom Kippur 5681. M •••••••«••••• •••«••••••* Zeitlos. Ein cinjincr Tag wird es srin.X dem Herr» ist er bekannt, da wird > nicht Tag »och Rächt sein. Am Abend aber wird es Licht werden. . Tacharja 14, 7. Bor ungefähr zehn Jahren erlebte Europa das Schauspiel einer ganz unvergleichlichen Sonnenfinsternis. Nicht nur, das; die wunderbare Erscheinung am hohen Mittageintrat, sondern der Hiinmcl strahlte auch in so wolkenloser Bläue, daß sich bei der Verfinsterung.ein ganz spukhaftes Farbenspiel entfaltete. Alle Farben wärmen da, aber alle in ein gesaustischcs Schivarz getaucht. Die Erde war mit einem Male ein Schattenreich geworden, alles lvar von Entrücktheit erfüllt, und jeder fühlte, daß er in ctloas Außerirdischem lebte. Die Hunde gingen auf offener Straße schlafen, das Geschrei der Vögel verstuinmte. Alle Welt spurte den Schauer einer nie erlebten Zeitlosigkeit. Es lvar ein Tag. da war „nicht Tag noch Nacht", so wie der.Proset cs sich vorgestcllt haben mochte, t— Einzigartig im Leben und in den Erscheinungen der Religionen steht Israeli höchsten Tag, der Jom »ippur, da: Ein ewiger Beweis für das Genie auch des nachbiblischen Judentums. Denn nicht das Volk der Wüste, auch nicht-die Llauern rind Hirten Ranaans lvußten um diese» Tag so, wie wir heule um ihn wißen. Aus tiefem GoluSleid gehetzter, verfolgter, rrcrlricbener und geschlagener Wanderer erwuchs seine aus Welientrückung. Zeitlosigkeit und (kistesbrauseu gewobene Stimmung. Eine ewige Faust greift aus unirdisclM Bezirken ins Getümmel des Alltags hinab und hebt den Juden aus seiner Welt, seiner Zeit, seinem Lieben, seinem Hasten, seiner Gier und seinem Welk heraus, mitten hinein in einen Tag. der nicht Tag und nicht Nacht ist, sondern unter verfinsterter Sonne seine eigene Luft, sein eigenes Leben, seine eigenen Flammen, sein eigenes Brausen, seinen eigenen Donner hat. Das menschlichste aller jüdischen Feste, und seltsam — doch wiekr auch das jüdischste. Denn das (Geheimnis ks Juden lvar doch immer eben diese rätselhafte Zeitlosigkeit, seine Unabhängigkeit vom Tag, von der Wockre, vom Jahr, vom Jahrhundert und Jahrtausend. Den anderen grauste vor diesem Wunder und sie ükrtvankn das nur, inkm sie sich die Sage vom Fluche des ewigen Juki» erfände», der. nicht sterben kann. Für den Jukn selbst, für uns alle lvar dieser Fluch der civige Segen und kr Glarthe an die überdauernde Macht deS (kistes, den >vir verkörperten. Und dieser Geist fand seinen machtvollsten Ausdruck im Jom Ziippur. . An diesem Tage isf der Jude.nicht aus Erkn. Er verläßt die Stätte seiner irdischen Bel)ausr»rg und steigt zur» Himmel, um Gottes Tore zu stürmen. Er, an dem die Woge kr Zeit immer vorükrrolltc, läßt sie an diesem einzigen Tage im Jahre gar unter sich^ verläßt die (ksctze des Lebens, des Essens, Trinkens, Atmens, Hanklns, Redens und entfacht eine Flainmengarbe in sich, die alle Schwere der Welt verdampfend eine Wolke schafft, auf kr er sich zum Himmel e-rl-ebt — rein, groß und frei im (kiste, im (ksetze, im heiligen „Du sollst!" Wahrlich, ein Wunder Gottes! x So wollen wir auch den. kommenden Versöhnungstag in diesem (kiste erleben und mit diesem Willen. Und sieht »ns der .'Uoluidrcabend noch mitten im Juknleid des verrauschten Jahres stehen, so sollen im Laufe ks Tages unserer Seele die Schwingen wachsen, die uns über die Welt und ükr die Zeit erhekn in eine neue Welt hinein, >vo wir den Pcnkljchlag kr Ewigkeit r»ernehmeu und in der verdorbenen Menschentrelt und Erdenzcit nichts ankres sehen, als was sie in Wahrheit ist: Eine Angewohnheit, die. Mim mau will, sich auch wieder abgewöhuen läßt. Dies zu tr iste», ist des Menschen höchste Macht, sei» letztes Wisse», im Leben und im Sterkn sein Trost, haß es „am Abend Licht tverdcn wird". E i» i l E o h n. r»;u a@a®s fflBflEssswiÄS'eMasasii» i «* ceksb es ® Z ' | Z (Soeben febau. S Ir: « W @j Tatsachen und Ergebniste. F §S L»S!S!LlSlWS»sr I rawiBwsff iwiw:«HiMiii Ka’WüB hjbm 8 Deutschland. Berlin. Alle Beainten der jüdische» Gemeink Berlins sind, mitsAusnahme der Lehrersichgft und kr .Oultuskanite», am 2<>. August in kn Streik getreten. Die beiden ausfttnomincncn .Kategorie» hakn ihre volle, Ukreinstiin mutig und Shuipalhie erklärt, wollten aber vorläufig im Interesse ks von ihnen versehenen Dienstes vom Streik ab sel>en. Die Beamten habe» die Einführung einer Lohnskala gemäß kr Besoldringsskala ks Berliner Magristrats gefordert, nach km sich bisher die Geineinde immer gerichtet lwt. Der lknieinkvorftand l>at nach Riftündigen Verhandlungen sich verpflichtet, bis Enk L-ktokr die neuen Gehaltsbestiminungen durchzuführen. Für di« Ztvischenzcit

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