Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 66 (3.9.1920)
- Date
- 1920-09-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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•ffttiat Jett« gceil*|. 0t|«a*> , prr» 1.50 M. maatl. Za kt|fc|ca karch fftartlUt» fiptetn «kn karch kea Bitmwlif ia Baak. VOM Jüdisches Yolksblatt >azrlirapr»i«: 1.50 02. (Sr kic »Ur. |tf|. Petltztil«. DK ,«»ze Gelt» a»faßt 3ÜO ZeUea. P,stsch»«»»a«, v«1ra»erl«g v»aa, SslaR» 74747. q-rauL-e-eben von Rabbiner Dr. gmtC Koyn. Bonn. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Bonn, vrüdergaffe 52. A»»«rr 66 Monn, 3. Seplembev 1SS0. — 20, (gfttC 6680 2. Iahrgmig. gaaiiaooaaaaaaaoaanaaaaaaaaaQooaaDaaaaaa ff a o a a WocheiavschniN -o aaaanaaaoaaoaDDaoiaDaaaaaaaaDaaaaDaBsoaa Wie man vom Vater spricht. Wenn du aber in das Land kommst, . . . so sollst du zum Priester gehen, der in diesen Tagen sein wird und z» ihm sprechen: „Heute will ick meiden vor dem Ewigen, deinem Gotte, daß ich in das Land gekommen bin, daS der 4 Ewige ■ unser» Vätern verheißen hat." Und sollst anhcbcn und vor dem Ewigen, deinem Gotte sprechen: „Ein herumlausender A r a m a e r war mein Vater und stieg nach Egypten bcrab und toeilte dort mit wyiiq Leuten »no ward dort zn großem, starkem uni> vielem Volk. Und es latem »ns dir Egyptcr Böses und knechteten unS und legten schwere» Dienst auf unS. .... Ta führte uns der Ewige aus Egypten..... und führte u»S an . diesen Ort und gab uns dieses Land . . . . ' Run aber, siehe, ich bringe den Erstling r>on > der Frucht deS Landes, das der Ewige mir gab. 5. Mose, 2(>. l—ti). Ob Her Herr Kommerzienrat Mayer, dessen Vater von Haus zu Haus lief und Kaninchenfelle kaufte, beim Festessen in seiner Villa gelegentlich seines demnächst stafffindenden Geschäftsjubiläums sich -wohl vom Sipe erh^ew, an sein Glas klingen und seinen Toast mit tmr Wortewheginne* wird: „Meine Herren I Mein Vater war ein herumlaufcnder Hausierer, der Kaninchenfelle kaufte!"-? Zweifelhaft, höchst zweifelhaft! Ja, wenn er selbst so angefangen hätte, der grosie Lederhändler, dann möchte es wohl sein, daß er im Vollgefühle des Selfmademan auf solche oder ähnliche Weise Zeugnis ablegte von dem, was er.war und was er wurde: „Seht her, Leute, so Hab' ich's gemacht!" Aber einen kleinen, schiefen Vater mit einem ganz offenen, deutlich und zweifelsfrei kennzeichnenden Worte als das Mt bezeichnen, »vas er war, also nicht den Hausierer mit schiefgelaufenen Hacken als „bescheidenen Mann" zu apostrophieren, sondern ihn ruhig als Hausierer laufen zu lasten, — na, das ist schon was! .Und das. gerade das und nichts anderes, erzählt uns heute die Thora. Eins ist kein Ziveifel: Nur ein freier Mann bringt jo etwas fertig. Dabei kommt es aber noch sehr auf die Art an, wie das vorgebracht wird. Man kann nämlich ebenso mit der Armut wie mit dem Reichtum protzen. Das Prachtvolle an dem oben geschilderten Vorgang vor dem Priester liegt in der naiven Selbstverständlichteit, die von dem sein Land betretenden Israeliten verlangt und erwartet wird-. Er soll an die Stätte des Heiligtums gehen und daselbst mit einem Körbchen erster Feldfrüchte in der Hand eine symbolische Handlung vollziehen und in vorgcschriebrner Weise von seinem Aufstieg zeugen: „Ein herumlaufender Aramäer war mein Vater!" Das ist Adel. Adel liebt iminer sinnbildlicl-e Formen. Adel fühlt sich immer als das Ende einer Entwicklung, und schon deshalb wird ihm das eigene Wesen ein Sinnbild, d.h. ein Bild mit einem besonderen,,höheren Sinck. da der adlige Standpunkt ja immer auch der höhere ist. Vor allem aber ist jene volle Natürlichkeit in der Schilderung seiner selbst, jene iu#nicue, restlose Bestätigung der eigenen Herkunft, jei sie, wie sie sei, ein Zeichen adliger Nalilrrn. Mag der Bürger, vom TtUgglanz seiner chürgerliclwn Welt geblendet, erschrecken über den Hausierer, der so gar leine bür ' gerlichv Romantik an sich hat. der nahte Aristokrat, der Freiherr im wwhren Sinne des Wortes ist ein Mann, der sich selbst bestätigt, weiter nichts: „Mein Vater war ein Hausierer!" Es war in jenen alten Tagen in der Tat ein adliges Tun, das man vom Volke verlangte. Sinnbildlich war es aber irichl nur damals, sondern blieb es auch bis aus den heutigen Tag. Denn was der Jude damals jeinein Priester erzählte, das hat sich millionenfach wiederholt im Wandel der Geschichte. Wir ka.m-m uns ir-ahrlich ein Volk der grostcn Ausstiege nenne» reine >triegsa»ssliege meine ich. Aber der polnische Judenjnnge, 45er mit einem Tater in der Tasche über die Grenze loinnrt. und durch Intelligenz, Energie, Fleis;, Nüchternheit und, nicht-zu vergessen, durch den Mur zu», Hungern in die Höhe kommt, ist etwas jo gewöhnlick-es, das; man es wirtlich schon als sinnbildlich bezeichnen kan». ES ist nickns anderes als die Wiedeiholung einer uralte» Geschichte, der Geschichte einer Lebenskraft, jener Gesck ichte mit dein ewigen Mdimim: „Ein herumlaufender' Aramäer trat mein Vater!" Freilich, das E^heininis jerier siegenden Lebenskraft unseres Stammes lag damals, liegt heute »nd wird immer als ein verborgener Talisman liegen bleiben ans dem Boden jenes Körbchens voll erster Feldfrüchie, das der Sohn des alten Israel zur Stätte seines Gaues brachte. Emil E o h ii. kSLSSK SSM'KSMKSK ftSBW!» fcftl* WI »ft l«KKE«EII 1 8 Ü (öocbcnTchau, g B » S Tatsachen und Ergebnisse. g , Deutschland. Halbcrstadt. Anläs;lich des Semester Abschlusses wird besonders daraus.hingeiviesen, das; nach schul bejchrMchcn Erlassen jüdische Schüler »nd Schülerinnen unter-keizren Umständen genötigt werden dürsen. amVÄchhat<und an jüdischen Feiertagen i» der Schule zn jchVegben. Ferner wird darauf avsmerksai» gemacht, das; die Schulleiter ans Antrag der Elter» oder ihrer Stellvertreter ge. halten sind, jüdische Uiiikr am Sabbat und an de» judisckwn Feiertagen v o in S cki » l b e j n ch z n befreie n. Zn näheren Anskünsten ist bereit der Grnppenverband der Agndas Jisroel i» Deniichland. Halberstadl. Berlin. Geheimer:>>'egier»ngsral Direktor I>r. Georg Minden, der E r st e V o r j i tz c n d e der kliepräjentaiiien- Versantinlung der Berliner jüdische» Gemeinde und Vorsitzende der Jüdischen Rejormgemeinde in Berlin, wurde am :tl. August siebzig Jahre alt. s Berlin. Eine merkwürdige Angele^» beit bc'jch.ljligl , in Form einer Beschwerde den Oberstaatsanwalt beim hie-