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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-08-13 · 63 (13.8.1920) · p. Seite 327

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
63 (13.8.1920)
Date
1920-08-13
Page
Seite 327 (sequence 3)
Language
German
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durch seine juden feindliche Politik erleide. Der patriotisävn und anständigen Judenschaft sei schlveres Unrecht widerfahren. Man müsse mit ihr eine Verständigung suchen. Budapest. Die Nationalversammlung beschloß die Einführung des Numerus clausus auf den Hochschulen zwecks Eindämmung des jüdischen Elements. Wien. Von hier wird unter dem 28. Juli gemeldet: Gestern und vorgestern machten sich in den Straßen Budapests Trupps von je hundert Männ bemerkbar, die die Passanten anhielten und fragten? ob sie Juden seien. Später drangen in das Cafö „Club" auf dem Leopoldsring dreizehn bewaffnete Männer im Sportanzug ein und überfielen die antvesenden Gäste, nachdem sie zuvor die Telephondrähte ab^eschnittcn hatten. Ein Teil flüchtete auf die Straße, tvurde aber von den Angreifern verfolgt. Der Di-, rektor der Allgemeinen ungarischen Sparkasse, Artur Verholst. erhielt einen Stich und starb auf der Stelle. Der Advokat Geza Varsanst wurde durch einen Kopfschuß getötet, der Privatbeamte Julius Kramer ebenfalls durch Kopfschuß schiver verletzt. Tie Polizei hat eine energische Untersuchung eingcleitet. Ministerpräsident Graf Teleki erklärte einer Deputation des Verbandes der Sparkasienbeamten. daß er errergisch Ordnung werde schaffen lasten, bisher ist aber noch nichts erfolgt. Wien. Die antisemitische ungarisck-c Propaganda sieht jetzt einesihrer Ziele darin, die ungariskiM Juden zu „fremden" zu stempeln. Tic Behörden in Debrcczin und' Waitzen. haben -alle Juden, Ungarn und Nichtungarn, auch diejenigen, die seit Jahrzehnten in diesen Städten lebten, zu Fremden erklärt. Sie begründeten das damit, daß die Juden sich nur geduldet dort aufhielten. Auf diese Weise ^finb in den letzten Worten aus diesen Städten 800 Juden vertrieben worden. Die Negierung in Budapest getvährt den Flüchtlingen keinerlei Schutz. ^Polrn^ Warschau. 38 jüdisckw Organisationenxhaben sich zu einem Komitee für die Verteidigung ihres Vaterlandes zujaininengeschloffcn. Das Komitee irmhlle zu», Vorsitzenden den Präsidenten der Warschauer.israelitisclren Kultus-Gemeinde Rundstein. Der Ausschuß begab sich zum Staatsäwf Pilsudski, brachte ihm offiziell die Bildung des Komitees zur Kenntnis und stellte sich dem Staatschef zwecks Mitwirkung der jüdisck-cn Bevölkerrtng an der Verteidigung des Vaterlandes "zur Verfügung. Die Juden Lembepgs brachten in der ersten Sammlung die Summe von 4?.'> 000 Mark für die polnische Armee auf. Die Sammlungen irerdcn fortgesetzt. Zürich. Tje polnijclx »ntionaldenivkratische Presse hat zufolge der durch die Kriegsereignisse prekär gcrvvrdencn Lage Polens sich neuerdings noch stärker auf die antiseniilische Hetze gelvorfen. Alle möglicl)en „Gen>eise" tverden herangezogcn, uni das Volk von einengegen Polen gerichteten züdischen „Verschwörung" zu ül'erzeugcn. Selbst die in London stattgefundcne Zivnistiscl>e Jahrtskonferrznz wird »Is eine gegen Polen gerichtete gel-einie Beratung bezeichnet, llm das Artsland von der Einmütigkeit Polens zu überzeugen. berichten zwar die offiziellen O.uellen, daß diesmal auch die Juden vollauf ihre Pflicht erfüllen -r dem aufmerksamen Leser bleibt natürlich die in diesem Satze enthaltene Spitz« nicht verborgen —, aber die nationaldemokratiscl)cn Organe unterschieben bereit* jetzt dem Volke den Sündenbock — lper anders als die Juden könnte es sein — und bereiten das Terrhin für Pogrome vor. Vorderhand ist allerdings gegerr das Verhalte» der Negierung noch nichts einzruvenden. Es bleibt zu hoffen,-daß sich diese auch weiterhin fest zeigen nürd. I. P. Z. Warschau. Gegen die verschiedenen jüdischen Zeitungen Polens wird in letzter Zeit-auf Grund des herrschenden K'riegsrechtes mit zahlreichen Repressalien vorgcgangeu. Nicht nur die bundistiscl-en und poale-zionistisckieii Organe >läe „Der Arbeiter", „Die Zajt". „Unser Weg" u. a. wurden verboten, sondern auch der national-jüdische „NaSz Kurjer" wurde für acht Tage eingestellt., Posen. Infolge der politischen Verhältnisse sind urehrerc Schulen der jüdischen Clcineinden der ehenraligen Provinz Posen aufgelöst worden.' Die Lehrer haben zum Teil Berufungen nach Deutschland erhallen oder sind in den Nulwstand getreten. Es sind nur noch trenige jüdische Lehrer in den jetzt zu Pole» gehörigen Snnagogengerneiit-., de» vorhanden. Die Abwanderung der jüdisckwn Einwohner nach Deutschland nimmt ständig zu. Südrusrlalid Paris. Die „Tribüne Jüive" erhält ein Telegramm aus Konstantinopel, in dem folgende Erklärung des Clene» rals Wiangel wiedcrgegeben ist:, „Die Erregung der russischen Volksmasse» gegen die 'Juden erklärt sich durch die große Zahl der jüdischen Kommissare (gemeint sind die holschenistischen Volkskommissare. Die Red.).' Das rujsiiche'Völk versteht nidit de» Unterschied zwischen der jüdischen fviirmunistischen Minorität und den jüdiscl-en anribolschenistischen Massen. Ich werde niemals Pogrome zulasseu. Die Jndeufrage wird eni schieden werden, nenn die Ordnung herrschen wird, für die wir kämpfen." Die „Tribüne Juive" tveist mit Recht darauf hin. daß der letzte Satz der Erklärung eine sehr zweifelhafte Bedeutung hat. Die Judensroge in Rußland ist durch die Eluanzipation des jüdischen Volkes endgiliig und auch forrnell gelöst. Wenn der General eine neue Lösung in der Zeit der Herstellung der Ordnung wünscht, für-die er kämpft, so spricht diese Auffassung bricht gerade dafür, daß er bereit ist. die Emanzipation der Jude» anzuerseuueg. Odessa. Flüchtlinge aus Odessa, die in Konstaiili-. nopel angekommeii sind,-berichten über zahlreiche Erekuiioneu in der letzten Zeit. Urrrer den Erschossenen befinden sich viele heivorragende Angehörige der jüdischen Gemeinde. Die jüdischen Kullureinrichtunge». die in die Hände' der Bolschewisten übergegange» sind, sind vollständig ruiniert. Did Gewerbeschule ist eingegauge». Die Talmud-Thora, das Krankenhaus und ein Teil der Schulen sind elwnfalls geschlossen. Die Kasse der jüdischen Gemeinde ist von de» Boljck-ewistcn beschlagnahmt worden. Sowjet-Rußland. Londqn. (I. C. B.t Ei» Funkspruch aus Moskau meldet: Frnmki». Mereschin.rind Komi brachten im Kon giesse der b r i t > e n I » > e r n a l i o u a l e in Moslau eine Protestresolution gegen die Pogrome ein. die unter der Herrschaft her bourgoisen 3,'egierungeu verübt loorden sind. Der Proteft-trvudel sich besonders gegen Pitziudski. Mora czeirski. Peiljura, wie auch gegen die britische Miltiärver Wallung in Palästina. Estland. Reval. In der ve-.sasiuuggebeuden Ver.iauriuluug von ^Estland ist bej der Diskussion über die lürnndrechie folge»' der Antrag ängeuoiumeu norden: Tie Angehörige» der in Estland,lebenden naiivnalen Minderbeiie» liaben das Recht, autonome Jnftiluiioiien für die Verwirklichung ihrer io zialen und moralischen Interessen z» bilden in dem Ilm fange, wie diese nicht in Widerspruch mor den.Siadlsinleressen stehen. ' ('Senf. <J. CS. B> Der 'Bericht der sozialistische» Unierjllchungrkoiiiinijsion über die Judenpogrome in Po leu >r »rde dem Kongresse der >r e i i e »> I » i e r » a > i o » at e vorgelegi. Der Berichi. irelst er.von tltenandel. Kolm und Shaw ansgearbeilei wurde, betrachtet als die Haupt schuldigen in den Pogrome» in Polen DiNonski und seine antisemitischen Parteigänger. Der Bericht nnierflübt die Foidernngcn der Jude» ans vollständige nationale Auto norm» in Polen und die Rechte der nationalen Minder heiten unter dem Schutze des Völkerbundes, ir-ie auch die Ansprüllie der'Juden auf Palästina.

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