Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 62 (6.8.1920)
- Date
- 1920-08-06
- Page
- Seite 321 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Motze». Iß» 84; JE verstärk in Baden-Baden, wo er zur Km Weilt«, Herr Stadtrat a. D. Elbas Rostnthal. 35 Jahre lang als 1. Vorsteher an der Spitze der hiesigen Gemeinde siebend, hat er sich um ihr Wohl große Verdienste erworben, besonderauch durch seine erfolgreichen Bemühungen um die Übertragung der jüdischen Elementarschule auf städtischen Etat. Nach Überführung der Leiche nach Mayen fand die Bestattung hier am vorigen Mittwoch unter allgemeiner Teilnahme statt. Mülheim-Ruhr. Anläßlich der in diesen Tagen von der hiesigen Ortsgruppe der Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener veranstalteten Wiedersehensstier mit den heimgekehrten Kriegsgefangenen wmde auch auf dem allgemeinen Ehrenftiedhof in einer würdigen ernsten Feier der gefallenerr Heldensöhne gedacht. Nachdem die Pfarrer der evangelischen und katholischen Kirche der Weihe des Augenblicks Ausdruck gegeben hatten, bekundete auch Kantor G. Plachschinski als geistlicher Vertreter der Synagogen-Gemeinde in eindrucksvollen Worten, daß wir ebenfalls als Israeliten treu auf dem Boden des gemeinsamen Vaterlandes stehen, baß wir trotz allen Anfechtungen uns als gute Deutsche fühlen, daß in Deutschlands schwerer Schicksalsstunde erst recht ein inniges Band der Gemeinschaft alle stine Söhne ohne Unterschied des Bekenntnisses miteinander verbinde. Leider sei uns trotz aller Opstr an Gut und Blut der Sieg versagt geblieben, aber das Blut der gefallenen Helden sti nicht umsonst geflossen. Ein neues Deutschland werde mit Gottes Hilst aus der Saat von Blut und Tränen erstehen. Mit dem Appell, daß wir irn gegenwärtigen Unglück brüderlich Zusammenhalten, daß wir uns gegenseitig achten und schätzen lernen sollen, daß wir ohne Partrileidcnschaft, ohne konfessionelle Beeinträchtigung und Engherzigkeit in edler Eintracht zur Mehrung des Gemeinwohls unstre Kräfte entfalten, schloß er seine zu Herzen gehenden Ausführungen, die allgemein bei den durchweg christlichen Zuhörem dankbar ausgenommen wurden. Dllcherschiu. Hebe«» »btt bat jütische BtiB i» ihre» religiöse» Heros«. Eine Federzeichnung von Abraham Levi. Verlag Sänger u. Fricvbcrg, Frankfurt 1920. V In Form einer anmutigen Erzählung gibt der Verfasser einen Überblick über die religiösen Pflichten her jüdischen Frau. Wir möchten daü Buch der weiblichen Heranwachsenden Jugend, di« oft genug in Gefahr gerät, entjudet zu werden, dringend empfehlen. 8. Di« E»«»t«p«ti», der Vstjude» »nd ihr Eiasluß «ns die Westinde». Bon LazaruS Fricdeman. Verlag Sänger u. Jricdbcrg, Frankfurt 1917. Der Verfasser sucht bei den Westjuden ein wärmere- Empfinden für die östlichen Brüder wachzurusen. Da- Buch ist 1917 entstanden und geht daher von der falschen Voraussetzung au-, daß die bidahin unter russischem Joche schmachtenden Juden nunmehr befreit sein würden. Die Ansicht deS Verfassers, nach dem Kriege wurde die .Zuwanderung der Ostjuden Nachlassen, haben die Talachen alS falsch erwiesen. TaS Buch ist mit großer Wärme gc» chrieben, zeigt die Gründe der Schwächen unserer Volksgenosse» enseitS der schwarz-rot-goldenen Pfahle und berichtet andererseits von der erstaunlichen Intelligenz dieser Gedrückten. Wir möchten dem Buch« einen großen und verständigen Leserkreis wünschen. Jewish J»«r,al »s Commeree, ein zweisprachige- Organ für di« Interessen der Fabrikation, Ausfuhr, Einfuhr und Agentur. London W. C. 1; 3 Granville ChameerS, Bury St. Der interessante versuch, die internationale jüdische HandelSwelt durch ein gemeinsame» Organ in englischer und jiddischer Sprache zu Austausch und gegenseitiger Anregung zu bringen. AuSe von der britischen Welt, will vaS Blatt durch seine Inserate, l»te, Nachfragen, Informationen und Aufsätze direkte Geschäftsverbindungen über die ganz« Welt Herstellen und hofft, unentbehr- -lich für jeden jüdischen Kaufmann zu werden. Ein begrüßenswerter versuch, auch auf dem Wege de» Handelsverkehrdie gelockerten internationalen Band« de- Judentum» neu zu kräftigen. Wir wünschen der glänzend auSgestatleten Wochenschrift allen Erfolg. ' Dir Drtr»t«sche. Das Wort^.,Jude" in den'Schullefkbüchkrn. Folgendes kleine Erlebnis auS meiner Seminarzeit dürfte vielleicht die Leser dieses Blattes interessieren und ihnen einen Fingerzeig geben, wie sie die Sache behandeln können, wenn sie in eine ähnliche Situation kommen. Ich höbe vor 48 Jahren (1872—75) da» .FSniallche Seminar für Stadtschulen in Berlin" oils einzig« Jude unt« 80 Seminaristen besucht. In meinem letzten Seminarjahr gab ich den deutschen Unterricht in der Knabenklasse der Seminarübungsschule. Man hielt mich damals unter der Ara Falck für geeignet, in dem evangelischen Seminar den deutschen Unterricht zu geben, trotzdem ich nicht nur Jude, sondern sogar noch »Isländer war. Es hat dies aber dem Deutschtum keinen Schaden getan. Laut Lehrplan hatte ich nun das Uhlaicht. schc Gedicht „Votn Bäumlein, da» andere Mütter hat gewollt" mit den Schülern der 3. Klasse durchzunehrüen. Die Präparation hatte ich nach Vorschrift vorher dem Übungsschullehrer eingereicht und ohne wesentliche Änderung zurückbekonnncn. Ich las, wie üblich. daS Gedicht den Kindern vor. Bei dem Worte „Jude" ging natürlich ein Schmunzeln durch die Klasse. Als es nun zu der damals beliebten sthr ausführlichen, ja pedantischen Erklärung und Zergliederung deS Gedichtes kam und ich an daS Wort „Jude" kain, ftagte ich einen Schüler (es war der Sohn des Oberhofpredigers Kögel, ich hatte mit Absicht ihn gerade geivählt): „Sag nial, was hättest du getan, wenn du durch den Wald gegangen wärest und die goldenen Blätter auf dem Bäumchen gesehen hättest?" Sofort erfolgte die Antwort: „Ich hätte sie auch abgepflückt." — „Wer von euch Jungen hätte die Blätter nicht in den Sack gesteckt?" ftagte ich weiter. Keiner meldete sich. Als ich dann in der Erklärung des Gedichtes fortfahren wollte, meldet sich ein kleiner Knirps auf der letzten Dank. „Herr Lehrer, ich hätte das Bäumchen auSgegraben und meinem Vater nach Haust gebracht; der ist Gärtner, da hätten wir immerzu goldene Blätter gehabt." — „Nun seht ihr Jungen, ob Jude oder Christ, es hätte wohl jeder dasselbe getan", bemerkte ich kurz. Die Situation war nach jeder Richtung hin gerettet. Als ich durch das der 3. Klasse benachbarte Lehrerzimmer hindurchging, um nach der l. Seminarklasse zu gelangen, meinte der Seminarübungslehrer zu mir: „Ich habe ohne Ihr Wissen bei Ihnen hospitiert, um bei einer etwaigen unliebsanien Erörterung bei der Hand zu sein. Sie haben sich aber sehr gut auS der Affäre gezogen." (Blätter für Erziehung und Unterricht.) » Das Verhör. Ein jüdischer Kaufmann hatte eine christliche Frau geheiratet, hielt aber darüber seine in einem posenschen Städtchen wohnende 60jährige Mutter in Unkenntnis. Schließlich ließ sich aber ein Besuch seiner Frau bei der alten Dame nicht venneiden. Die junge Frau wurde von ihrem Mann bis in alle Einzelheiten insttuiert, um bei einem Verhör das Geheimnis nicht zu verraten. Die Mutter benutzte auch die erste Gelegenheit, als sic mit ihrer Schwiegertochter allein wm^um sich über die religiöse Haltung ihres Sohnes zu informieren. „Sag mal, liebes Kind", begann sie, „ich habe gehört, mein Sohn geht am Sabbat ins Geschäft." „Aber er arbeitet dann nicht", versicherte die Schwiegertochter instruktionsgemäß. „Ist es wahr, daß er auch treefe ißt?" „Höchstens auf Reisen. Bei uns zu Haust ist aber aller in Ordnung." „Legt er denn Tfillin?" Darauf war die junge Frau nicht vorbereitet. In einiger Verlegenheit gab sie zur Antwort: „Wie es gerade kommt — mal legt er. mal lege ich." \ (Schlemieü) Mit der Hand. Ein russischer Rabbiner blieb eimnal in einer kleinen rumänischen Stadt über Schabbos, um der Gemeinde zu predigen. Beim Schachrisgebet bemerkt« er zwei Dinge, di« ihn sehr wunderten. Die Beter küßten die Seder Thora mit der Hand, und die Aufgerufenen spendeten große Summen. Er fragte stinen Nachbar, ob denn die Spender alle