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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-07-16 · 59 (16.7.1920) · p. Seite 294

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
59 (16.7.1920)
Date
1920-07-16
Page
Seite 294 (sequence 2)
Language
German
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beamte» bildet und nach 8 32 der vorläufigen Verfassung die Geschäfte der Gesamtorgantsation übernimmt. Erst nach einem Jahr sollen dann die Wahlen Aunt Reichsverbandstag stattfinden. Gegen dieses Vorgehen wendet sich der D..J. G. B. mit großer Erbitterung, und hält seinen eigenen demokratischen Plan dagegen. „Der D. I. G. B. habe zuerst die Gemeinden aufgesordert, sich zu dem Verfasiungsentwurf zu äußern, bzw. ihre Zustimmung zu «rtlärcn, und wolle dann durch den Gemeindetag seine Umtvandlung in die Gesamtorganisation bestätigen lasten. Im übrigen glaube wohl auch der Verband selbst nicht ernsthaft, daß es heute noch möglich wäre, eine Gesamtorganisation des deutschen Judentums in der Weise zustande zu bringen, daß wenige Großgemeinden über das Schicksal des deutschen Judentums entscheiden und diesem eine Verfastung aufoktroyieren. Eine Organisation, die auf solcher Grundläge ruhte und nicht von der Mitarbeit der Gesamtheit getragen und gestützt würde, würde in dem Zeitalter des demokratischen Denkens der unerläßlick-cn Autorität ent-, behren und den Keim des Unterganges von vornherein in sich tragen." Berlin. An der Spitze der Beschlüsse der vom 16. bis 19. Juni tagenden Landeskonferenz des Hapoel-Hazair stand folgende Erklärung: Die Konferenz stellt fest, daß das Prinzip des Pioniertums (Chaluziuth) das oberste Prinzip des Aufbaues und den tvesentlichen Bestandteil der Hapoel-Hazair-Jdee darstcllt. In der Erkenntnis, daß für die Erneuerung des Volkes eine starke und 'umfastende Wandlung seiner wirtsck)aftlichen, sozialen und geistigen Struktur notwendig ist, stellt dieses Prinzip die zentrale Rolle der Pioniergruppen für diesen Regeneration-Prozeß fest. Berlin. Der Lehranstalt für die Wistenschaft des Judentums in Berlin ist die behördliche Genehmigung erteilt worden, wieder ihren Namen Hochschule für die Wistenschaft des Judentums zu führen, den sie sich bei der Gründung 1872 gegeben hatte. München. Die hiesige Akademische Vereinigung im Schutz, und Trutzbund München hat der Studentenschaft der Technischen Hochschule Hannover folgende Resolution gesandt: „Mit einmütiger freudiger Zustimmung hat die deutscl)geborene Münchener Studentenschaft Kenntnis genommen von dem Beschluß vom 9. Juni, in dem sich die Hannoverschen Komilitonen durch ihr tatkräftiges Bekenntnis zum Deutschtum und zur Säuberung deutscher Hochschulen von jüdisck-em Einfluß an die Spitze der deutschen Studentenschaft im Kampfe gegen Alljudaan gestellt haben. Im Namen sämtlick)er völkisch denkenden Münchener Komilitonen sprechen-wir der Hannoverschen Studentenschaft unsere herzlichsten Glückwünsche zu der begonnenen Zurückdränguyg der Juden aus und versichern ihr, daß unsere eifrige Arbeit auch bald in München zu vollem Erfolg gereift sein wird. Möge doch die ganze deutsche Studentenschaft ihre hohe Aufgabe erkennen, damit wir in einiger Geschlossenheit gegen unsere jüdischen Blutsauger in die Schranken treten können." Bonn. Geheimrat Eduard König veröffentlicht in der „Jüdischen Preste" einen Aufsatz über Friedrich Delitzsch antisemitische Schrift „Die große Täuschung", in dem er ihm gewistenlose „Verstampfung der Geschichtsqucllen" vorwirft und "das Erscheinen einer Gegenschrift „Friedrich Delitzsch, die große Täuschung, kritisch beleuchtet" ankündigt. Hamburg. Ende Juni tagte hier ein Kongreß des Zentralverbandcs selbständiger jüdischer Handwerker Deutschlands unter Führung von Louis Holsf. Berlin. Er beschäftigte sich eingehend mit allen einschlägigen Fragen, besonders mit der Regelung der Lehrlings- und Gehilfenfragc. ^deutfchösterreich. Wien. Das jüdische Elend in Wien hat grausige Formen angenommen. 2501 Leichcnbegängnisten im Hhre 1913 stehen 4035 Beerdigungen 1918 gegenüber. Bruno Frei veröffentlicht darüber im Berlage Äwit ein Buch, in dem vor allem das Elend der Kinder als entsetzenerregend geschildert und mit Abbildungen belegt wird. Achtjährige sehen wie Fünfzigjährige aus. Ein siebenjährige- Kind loiegt 17 Pfund. „Ein zugrunde gegangenes Kind ist eine Leiche und ein« Leiche ist nichts Schreckliches. Eia zugrunde gehendes Kind ist aber etwas Schreckliches, etwas so.Schreckliches, daß es der, der es einmal gesehen, nie wieder aus seinem Bewußtsein löschen kann." Tschecho-Slowakei. Preßburg. Den „Vereinigten jüdischen Parteien" wurden entsprechend dem Ergebnis der jüngsten Parlamentswahlen in der, Stadtrepräsentanz 3 Vertreter und 1 Ersatzmann zugebilligt. Bukowina. Czernowitz. König Ferdinnad von Rumänien hatte eine lange Unterredung mit Dr. Ephrain Brenner, dem jüdischen Schulinspektor, über die nationalen hebräischen Schulen, in deren Verlauf er erklärte: „Es ist mir sehr willkommen, daß jede Nationalität ihre eigene Sprache Pflegt, ich garantiere ihnen, daß sie das stets frei und offen tunkönnen." Czernowitz. Die Parlamentswahlen vom 27. Mai waren den Juden nicht günstig. Nur einer, Dr. B. Straucher, wurde für Czernowitz in die Kammer gewählt. Dr. Ebner, der Führer der hiesigen Zionisten, der für den Senat in Czernowitz kandidierte, fiel gegen den Sozialdemokraten durch. Bundisten und Poale Zion hatten gegen ihn gestimmt. ^Pole»^ Lemberg. Endlich hat die Kültusgemeinde Neuwahlen für den Kahal ausgeschrieben. Der lange Widerstand soll durch den drohenden Bankerott der Gemeind« gebrochen worden sein. (I. P. C.) Warschau. Dem Warschauer „Tag" wird auS Kowel telegraphiert: Am 12. ds. Mts. drang während des Gebetes eine Gruppe Bewaffneter in das Köwelcr Beth- Hamidrasch, schleppte die Juden heraus, schor ihnen den Bart ab und schlug sie blutig. Zehn Juden wurden schwer verwundet. Dann riß die Bande einige Thorarollcn aus der Lade und zerfetzte sie vor den Augender entsetzten Beter. -Ter Bürgermeister von Kowel hat der jüdischen Gemeinde sein Bedauern über den traurigen Vorfall ausgedrückt. Frankreich. > Paris. Briand sprach in der Deputiertenkammer am 25. Juni über Palästina und erklärte den Verzicht Frankreichs darauf für den folgenschwersten Irrtum, den Frankreich dereinst bitter bereuen würde, wenn es sich erst zeigen würde, was England aus Palästina gemacht hat. Paris. Auf Intervention der Zionistischen Organisation haben die französischen Behörden die Ausweisung rusiischer und polnischer Einwanderer eingestellt. Amerika. Newyork. Louis Marshall hat festgestellt, daß biS jetzt nur 15 Prozent der hiesigen jüdischen Kinder eine hebräische Erziehung erhalten. England. , London. Am 7. Juli.wurde dir zionistische Jahrrskouferenz mit einer hebräischen Ansprache von Sokolow in der Memorial Hall eröffnet^ Anwesend find 250 Delegierte aus allen Ländern, darunter 86 aus englisch sprechenden, 40 allein aus Polen, andere aus Litauen, Kurland, Ukraine, Weißrußland, Tschechoslowakei usw. Aus Deutschland trafen u. a. Klee, Blumenfeld. Steinitz ein. Es zeigt sich stark« Fraktionsneigung. Fraktionssitzungen fanden bereits statt. Tine Gruppe der .Aktivisten" ist in

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