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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-07-16 · 59 (16.7.1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
59 (16.7.1920)
Date
1920-07-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Erschein ftd«, gfrtite|. B«,»,» yrris 1.50 M. »»»«ü. Z»triirh«, »»rch flaüfatc fajUtattr ,»«r d»rch kn 8*tntcrli| i, Dm. VOM RHEIN Va|ci|M)ncli: 1.50 M.ffttkl* Hin» |tfk f ctttitMc. Dir inj* Ccite «■fall 860 8(Un. P,ftsch-kk,,1» Jüdisches Yolksblatt v»tn»«rl»,»«>,«», «,.74747. Herausgegeben von Rabbiner vr. Arnrt Kohn. Sonn. Schristleitung und GeschLstrpell,! Bonn, Brüdergasse 52. A»««rr 59 ZSonn, 16. Juki 1920. — 1 Aw 5680, 2. Z«tzr-mi-. anaananaoaDDaonfli o a a a a o aaoaaDoaaaoaoaciDoiiao a a Msiht»adschnitt Vs» ni88 S □ a poonoDoopononDtMnBipanaoooDonooDaDaonaaD Pionierei Pionierei Die Söhne Rubens und die Söhne Gad» halten lehr viele und große Herden. Da sie nun da» Land Iaeser und daS Land Gileal sahen, deren Gegend ein Orr sür Herden war, kamen sie zu Mose . . . und sprachen: „Da» Land, welche» der Ewige geschlagen hot vor der Gemeind« Israel», ist ein Land für Sieh und wir haben Vieh. Wenn wir also Gnade gefunden haben in deinen Augen, so möge diele» Land deinen Knechten zum Eigentum gegeben werden: Führe un» nicht erst über den Jordan!" Da sprach Mose zu den Söhne» Gad» und den Söhnen Rüben»: „Wie? Eure Brüder sollen in den Krieg ziehen, und^ihr wollt hier bleiben? . . ." Eie traten aber zu ihm hin und sprachen: „Hürden wollen wir hier bauen sür unser Bieh und Städte sür unsere Kinder. Wir aber wollen un» strack» rüsten und v o r den Kindern Israel einherziehen, bi» wir sie an ihren Ort gebracht haben . . . Wir wollen nicht zurückkehren zu unfern Hausern, bis die Kinder esraet ihr Pebiet eingenommen, rin jegsiche» sein rbe. Denn wir wollen nicht mit ihnen erben, da unser Erb« dieSseit» de» Jordan liegt gen Osten!" 4. Mose 32, 1—19. „Pioniere! Pioniere!" Wer kennt nicht —?. vor allem unter der Jugend — den wundersamen Sang Walt WhitmanS von den gebräunten Jungen der neuen Welt, den Vorwärtsstürmern, den Urwaldrodern, den Städtegründern — „Pioniere! Pioniere!" Auch die alte Bibelgeschichte da oben ist. ein Sang von den Pionieren, ein Hoheslied von der Gemeinschaft. Am Anfang zwar find sie scheinbar —. nur scheinbar — erbärmlick und klein: „Hier ist Land für Vieh, und wir haben Vieh st' Die ganz gemeine erste und letzte Weisheit der Gemütsstumpfen, der Durchschnittlichen, der Satten. „Hier ist Land für Vieh und wir haben Vieh!" Also gehört es schon uns, wie überhaupt alles uns gehört: „Des Morgens steh' ich auf und trinke meinen Kaffee, lese meine Zeitung, öffne meine Post. Dann gehe ich in meinen Klub, spiele meinen Skat mit meinen Partnem und sehe schließlich zu, was ich mit meinem Tage weiter anfangen kann!" Halt, ihr Erbärmlichen! Wer sagt euch, daß ihr allein ein Anrecht habt auf gute Weide, ihr allein nicht im Schweiße eures Angesichts den Boden zu beackern, die Weide mühselig zu suchen braucht? Aber so schlimm meinen sie's gar nicht. Ein Wort von Mose und sie stürmen über den Jordan: „Eure Brüder sollen Krieg führen; und ihr wollt hier bleiben?" Es war der zündend« Ruf zur Gemeinschaft: Ha, wie leuchteten da die Augen der Wüstensöhne, wie strafften sich die Sehnen! Mit einem Male wollten sie nicht nur m i t, sondern sogar „v o r" ihren Brüdern herziehen: Pioniere! DaS sind die Leute, die v o r den andern ziehen und gleichzeitig f ü'r die andern. Sie wissen, daß sic mit ihrem Schweiße, ihrem Blute den Boden düngen für die Nachkommenden. Der Pionier tut nichts sür sich, alles für die Sache, die Gemeinschaft, die Idee. Ihn füllt die Lust, mit der Erde zu ringen wie Jakob mit dem Engel: „Ich lalle dich nicht, du segnest mich denn I" Mit Hacke, Spaten, Schaufel geht er gegen sie los, der rauhe Sohn der Natur, in Wetter und Sturm «in Kämpfer» /kn Abringer, ein Beißer! Pioniere! Und damals — wie seltsamer Art? Pioniere eines Landes, das sie selbst nicht erben wollen: „Unser Erbe liegt diesseits!" Ein schöner Beweis, daß es beim Pionicrtum nicht immer auf die tatsächliche, sondern oft auch nur auf die ideale Hilfe anzukommcn braucht. Was konnten Rüben und Gads schon Großes nützen? Aber wenn schon sie, di« gar nicht ins Land wollten, in die erste Reihe, ganz oben vorne auf die Barrikade sprangen, wie mußte das die andern entflammen! Auch der Beisprung mit der idealen Hilfe gibt die Weihe zum Pionier! — Nach tausend, tausend Jahren liegt heute das Land i-der Väter wieder den Jungen, den Stürmern, den Pionieren offen, die schdn unterwegs sind mit dem Spaten über der Schulter. Da ist es etwas ganz Wunderbares, daß' auch alle, die nicht unterwegs sind, sondern „ihr'Erbe diesseits haben", sich zum Pionier der neuen jüdischen Welt machen können durch den — Geist. Ihnen sei das Vaterland ruhig dort, wo es ihnen immer gut gegangen ist. aber im Geiste sollen sie unsichtbar „vor den Kindern Israel" über den. Jordan ziehen wie-dereinst Rüben und Gad und gleich ihnen nicht ruhen uno nicht rasten, bis auch jenseits jeglicher kam zu seinem Erbe. Diese ideale Hilfe sollte jeder Jude der allgemeinen Sache bringen, er wird es gern und froh in dem Augenblicke tun, wo er'erkannt hat. wie viel Versöhnung, wie viel Vergesien von Streit und Hader darin liegt, wenn jeder diesseits und jenseits svirken kann, diesseits für sich, Hürden bauend fürs Vieh und Städte für die Kinder, jenseits fiir die schaffenden Brüder, daß jeder komme zu seinen; Erbe. E m i l C o h n. (HocbenTcbau. XctfM^e* wl «tteWUe. Deutschland. Berlin. Wegen des geplanten Reichsi»erbandes jüdischer Gemeinden Deutschlands ist ein heftiger Gegensatz zwischen dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund und dem Vetband der deutschen Juden entstanden. Ter Mehrheitsbeschluß auf der Tagung vom 29. Februar, daß nämlich eine aus Vertretern aller Organisationen zusammengesetzte Kommisiion die Frage wciterberaten solle, ist von der auö dein Verband der deutsck>en Juden und den Vertretern der Großgemeinden bestehenden Minderheit sabotiert worden. Diese überraschen die jüdische Öffentlichkeit jetzt mit einem Plan, der darauf hinausläuft, daß die Berliner Gemeinde die Sache eigenmächtig in die Hand nimmt, die Vorstände einiger anderer Großgemeinden einberuft, de» battelos eine vorläufige Verfasiung annimmt und einen „großen Rat" bestehend aus etwa 30 Notabeln, 6 Rabbinern, 3 Lehrern oder Kantoren und 2 Verwaltungs-

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