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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-07-09 · 58 (9.7.1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
58 (9.7.1920)
Date
1920-07-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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jüdischer boti Erscheint j'kca Kreit»,. 0<,»,*• Ml 1.60 «. »,«lll. Z, »eileh«, h»rch sämtlich« P»ftii«trr »»er d»rch In ia 0««». VOM RHEIN liltlintRU: 1.60K.ffakk»Ur> gefp. Pettt^Ue. Di«H«»z« E«itr , - ,, __ »>f.»tSÜO Zelle». P.stsch«kk»t. Juaiscnes VolKSblatt 0*u«kti«, 0.« 74747. q«rau.g.g«b.n von Rabbiner vr. Kmit Kohn. Bonn. Schriftleitung und G.schLft»st«ll.r Sonn, Vrüd«gaff. S2. Nlnm»ers8. — 23 Farrrrnris 5680 2. IMriog. oaaaaaaaaoaaaaaaanoaaaaaaaaaaoaaaaDQaaD 1 - g a , W-chenadschkilt snrc § 8 3 □□aaoaoaaaaaaaaaaRiaaaaaaaaDDaa nooaa s aoa Sdimutz. Da sprach der Ewige zu Mose wie folgt: Geht lol gegen bie Midjaniter und schlagt sie nieder! Denn sie sind loSgegangen gegen euch mit ihren Ränken, die sie gegen euch spannen in der Sache de, Peor und in der Sach« KosbiS, der Tochter d«S Midtaniterfiirsten, ihrer Schwester, die erschlagen wurde am Tage der Pest wegen d«S Peor. 4. Mose, 25. 16—18. „Nicht durch Macht und nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr." Widerspricht das nicht jenem Gcwaltbesrhl gegen Midjan? So scheint es; und doch sollte man nicht vergessen, daß es einen gefährlichen Punkt gibt, wö"alde_Macht des Geistes nichts auszurichten vermag. Das ist derHunkt, wo jene seltsame Wehrlosigkeit eintritt, die den Geist befällt, wenn er die dunklen Mächte am Werke sieht, die das Tier im Menschen wecken, um zum Ziel zm kommen. Die lange midjanitischeHure, von der oben die Rede ist, hatte ihre Brunst ins Lager Israels getragen und mit ihrer Brunst den Götzen Peor, dem die widerlichste Paarung heilige Minne war. Zum ersten Male warf da die kanaanitische Entartung ihrf Schatten in die Wüste und aufstand, was sich später ist Richter- und Königzeiten oft wiederholte, die dunkle Macht unten gegen die klare Macht oben, die Gier gegen den Geist! Diese Gier ließ sich nicht wegdeuten, sie war da, unheimlich und unentrinnbar, ihr den Geist entgegenzustellen in dem Augenblick, wo sie schon ausgebrochen war, war lächerlich und nutzlos. Für die Schweinerei — man vergebe das Wort! — gibt es für einfältige, schlichte, klare, reine Geister nur ein einziges Gegenargument : — hen Zorn I Los gegen die Midjaniter und schlagt sie nieder! So rief in der Wüste die bebende Wehrlosigkeit eines schamhaften Volkes, das auf die Ränke erotischer Triebe nicht mit dem Geiste, sondern instinktiv mit dem Knüppel reagierte, und im Priester Pinehas den Mann fand, der den Bauch mit dem Sperre durchrannte, der jene Ränke gezeugt. Auch wir erleben in unserer Zeit eine sittliche Entartung ohnegleichen. Der Baal Peor ist wieder am Werke. Nicht so deutlich, nicht so qufzeigbar wie damals, wmPinehas nur einen Zeltvorhang zurückzuschlagen brauchte, um den Schmutz zu zeigen. Aber gerade dadurch gefährlicher denn je. Was heute alles unter dem Mantel der Aufklärung oder gar der Kunst an Widerlichem uns zu.nahen wagt, ist unbeschreiblich. Am schlimmsten aber, daß alle die, die „gegen den Schmutz in Wort und Bild" als gegen Schweinereien wettern, von den Gebildeten, die' die Entarteten sind, als rückständige Mucker und frömmelnde Heuchler, Sittlichkeitsvereinler, die cs im stillen Stübchen noch schlimmer treiben, verachtet und verschrieen werden. CS muß einmal offen gesagt werden, und cs ist ganz gut, daß es von einem Manne gesagt wird, der selbst als Künstler zu gelten dxn Anspruch erhebt, wie erbärmlich leicht, wie .bürgerlich" es ist, mit der Freiheit der Borwürfe erotischer Entartung zu entschuldigen. Wo bleibt der Pjnehas, der den Mut — ach. daß heute Mut dazu gehört! — der den Mut hat, Dreck Dreck und Schweinerei Schweinerei zu nennen? Das Wort von dem Reinen, dem alles rein ist, ist einO der verführerischsten und gefährlichsten Wort«. Der wahrhaft Reine, dem dreist und frech der Schmutz an die Kehle springt, steht vielmehr mit verwirrten Sinnen da, aufs Haupt geschlagen und betäubt, umgittert und gefesselt von der eigenen Scham. Von dieser momentanen Ohnmacht hilft ihm kein Geist und nur wenigen ist es gegeben, sich zu retten in das reinigende Gewitter eines echten Männerzorns, wie Pinehas es gelang. Damit reden wir nicht etwa sittlichen EntrüstungStmnmeln, Beschlüssen und Protesten das Wort — obgleich nichts gegen öffentliche Einsprüche solcher Art einzuwenden wäre — aber im Hause, im jüdischen Hmste sollte in diesem Punkte das Gesetz des Zornes geltem Alles darf geduldet werden, Schmutz nimmermehr. Mit eiserner Rute muß er auS der Tür gepeitscht und ausgerottet werden. Kein Besen ist eisern, kein Knüppel dick genug dafiir. Denn überall, wo die Gier am Werke ist, da sind — wie di« Thora richtig bemerkt — „Ränke"", nämlich Lug. Trug und' Heuchelei, die nicht durch Bitten und nicht durch Überzeugungen aus ihren Schlupfwinkeln ' gejagt lverden können, sondern nur durch den treffenden Schlag, den allein der volle Zorn gerechter Empörung zu versetzen vermag. Emil Cohn.- Mocdenkeda». Tatsache« und CrteMRc. Deutschland. Karlsruhe. Die Konflikte an der technischen Hochschule dauern sott. .Nachdem die Studentenschaft gegen die Berufung des Prof. Malier protestiert hat. hat nun der Minister Hummel den gleichfalls jüdischen Pros. Aschkenazy berufeu, der aus Karlsruhe selber stanunt, und die Studentenschaft streikt aufs Neue. Im Landtag gab cs erregte Auseinandersetzungen, bei denen das Zenttum starke antisemitische Ausfälle machte. Man will Hummel, der ein Gymnasiallehrer ist und deshalb von den Universitätskrcisen verächtlich behandelt wird, und dazu noch eine jüdische Frau hat (I), mit allen Mitteln unmöglich machen. Heidelberg. Die km Waffenring vereinigten schlagenden Verbindungen haben nach ihrem ersten Beschluß, der Juden für Rasse- und Religionsbeschimpfung die Satisfaktion verlveigerte, nunmehr generell alle Juden für satisfattionsunfähig erklärt. Da der Beschluß vorauszusehen war, hatte man von jüdischer Seite versucht, die K. C. Verbindung zur Abschaffung der Satisfaktion, die die K.. I. V. Verbindungen längst" vollzogen hatten, zu bewegen. um sli dem Beschluß zuvürzukommen, jedoch vergeblich. Die Lage der Verbindung ist auf diese Weise sehr schwierig geworden.

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