Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 57 (2.7.1920)
- Date
- 1920-07-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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'1 Erscheint jrt« Arritn,. preis 1.50 9t. »»»»il Z» triirhr» »,rch sii«lllche P,stii»trr «per pnrch de» V»lr»»»l»> i» v»»». VOM RHEIN >»Lti,,,preis: 1750 91 fiir sie »ier- >rsp. Petitzeilr. Dir >«»»» Beit«, »»seit 300 Zeile». Peftschesr,,» Jüdisches Yolksblatt «,t»»»crl„ «,»», <l»l, 9r. 71747. yeraurgegeben von Rabtmmr vr. gmtC Kohn. Bonn. Schriftleitung und G-schLftrstelle»Bonn, Brüdergaffe S2. \ A»m»er 57 Noyn, L Juki 1920. — 16 T^ammus S680 S. Iahr-iig. DaDaaaoaaaaaDODDflBnoDDOQDoaaDDODaoimgDQ a "3 a Wocheaaöschnttt pba g S o □ Q □aoaDoaDaaaaaDaaoioaaaaaaaoDaaacDDDaQCDa nicht gut und nicht schlecht. Da Hub Bileam seinen Spruch an und sprach: Bon Aram führt mich Balak her, von den Bergen deS Ostens Moabs König: „Komm, verfluche mir Jakob! Komm, verwünsche mir Israel!" — Wie kann ich verwünschen, wo Gott nicht verwünscht? Wie kann ich zürnen, da der Herr nicht zürnt? 4. Mose, 2», 7—8. Obgleich die jüdische Überlieferung in Bileam einen Frevler sah, der Frevlerlohn erlitt und erschlagen wurde, loeil er Israel zur Sünde verführt, muß ich das Schicksal dieses Mannes, ja, seine ganze Gestalt tief ««greifend nennen. Jedesmal »bieder, wenn ich seine Geschichte lese, überkommt mich mit tiefem Grauen die nie veraltende und schauerliche Erkenntnis von der Brüchigkeit des Menschenschicksals uhd dev Unergründkichkeit der Menschenseele. Was ist überhaupt Schicksal? Was Seele? Was Wiste, Flreihe-it, Absicht, >Ziel und Zweck? Dieser Bileam macht all diese Fragen zu ebenso vielen Rätseln. Zum Fluchen gerufen, kommt er, um zu fluchen. Gott ivürdigt ihn nächtlichen Zurufs, er fügt sich dem göttlichen Zaume, aber er kommt, mn zu fluchen. Er hott auf den König und er höirt auf Gott. Der Fluch wird zum Segen. Er sieht es, sagt, daß e^ nicht anders kann, und läuft dock» hinter dem Könige her, der ihn von.Hügel zu Hügel, post Opfer zu Opfer schleppt, mn dem Auge des Zauberers doch noch jenen Blick ins Tal abzugwingen, dem das Grauen vor Israel folge»» muß,wie,Lv meint, und mit dein Grauen der Fluch! Aber uinsonst! Der Fluch konrmt nicht, und Bileam kämpft. Kämpft gegen den Segen und kämpft gegen den Fluch. Geht auf Zauber aus, um den Segen zu ersticken, und steht schließlich allen Zaubers entkleidet mit klarem Blicke da, wie es heißt: „Da nun Bileam sah. daß es dem Ewigen gefalle, Israel zu segnen, ging er nicht mehr »nie das erste »md zlveite Mal auf Zaubevgrsichte aus, sondeim »vandte sein Auge gegen die Wüste und sah Israel, lote es gelagert war nach seinen Stänunen. Da kam über ihir der Geist Gottes, und er Hub seinen Spruch an und rief: Wie schön sind deine Zelte, Jakobi deine Wohnungen, Israel!". — Ist das noch ein Zauberer gegen, ist das nicht ein Pulset inJsrael? —- Dann aber geht «r seiner Wege, als seis auf Nimmerwiedersehen. Und kommt doch wieder, mn Israel zur Sünde zu vetteiten. Ta n»irb er mit Knüppeln erschlagen und endet kläglich, er, der große Zaubererprofet, der Unrein-Reine, der Frevler-Fromine. der Zwitter, den arn»e, elende, nicht gute und nicht schlechte Mensch! Aber gerade darum ein Mensch, der MensckMschicksal litt. Es gibt kein ergreifenderes Schicksal, ja, es ist schlecht-, ,hin das Schicksal dieser armen Menschenwelt, nie ganz gut und nie ganz schlecht zu sein, immeo den reinen Geist in umeinen Händen zu tragen, nicht schweben zu können, sondem immer am Staube und Kote zu haften, der den Leid zur Erde zieht und die Seele nicht zum Himmel läßt. — » Niemals hat ein Geschlecht bitterer dieses Bileamschicksal an sich erfahren, als das unsere. Kriegsjahue, Hungerjahre, Elendsjahre haben m»s dahin ge brock) t. Wild verstrickt in die wirtschaftlichen Mte der Zeit, wilder noch in ihre sittlichen Nöte, können wir den Gesehen der Zeit nicht enttinnen. -Wir sind alle verdorben,''aber wi« »vissen es. Gott spricht in uns »urd »vill uns zäumen, daß wir nichts trm, als >vas er sagt, nichts sprechen, als >vas er uns auf die Lippen legt. Al»er die Balaksrufe des Umechts, der Unredlichkeit und der Ungüte, die uns Berge von Gold versprechen, tönen und locken, und wir laufen von Hügel zu Hügel, um zu fluchen, wo wir segnen sollten, Stein zu sagen, wo wir Ja sagen sollteir, und selten blitzen erinneruitgsgleich uns Zeiten auf, wo wir besser hxmn als heut. Diese Zeiten aber liege»» im Tal »nie die schö»»en Zelte JakobS, erreichbar unsern Augen u»»d Wünschen, unsern» Wollen nicht erreichbar. Und" das alles »vissen >»»ir, wissen, »vir schlecht wir ge»vorden sind, wie tief gesrurken! Ist das nicht schrecklich? Aber ob schrecklich oder nicht, es ist ein Schicksal, drrrch das wir hindurchmüsien. Wenn es gelänge, die entfallenen Zügel wieder zu ergreifen? An einem Punkte nenigstens ganz und ungebrochen zu sein und so den» Fluch der Halbheit zu entrnmen? Weit ist das Leben und estg zugleich I- Groß die Welt ru»d ach, so klein! Jmnier »var es jüdisck>e Art. irn Äleiiren das Große zr» »»erwirklichen und in» Winkel eiire Welt zu bauen, — der tiefere Sinn unserer Auserivähltheit. Seien »vir erst einmal als Juden ganz, verwünschend. »vas zu »»erwünschen. segnend, was zr» segnen ist, vorn Borge hinabblickend ins Tal der Wüste, der. annrn, elenden, hungernden Wüste dieser!>seit, rnrd des ewigen - Geistes wartend, der unser Auge entschleiert zu besierem Schau». Dann »rerden »vir auch wieder anfangen, ganz als Mensck»en zu sein, in Klarheit. Wahrheit. Güte und Liebe — ganz. E m i l C o h n. ejekueu S Wochen schau. N g Tatsachen unk Ergebnlße. 8jsiaaain.asi0£sasfiaB)i»2QBrasinciiMies9Hanca Deutschland. Berlin. Der Vorstand des Zentralvereins deutscher Staatsbürgor jüdisck-ei»Glaubens erläßt folgende Erklärung: „Tie politischen Vereinbarungen in San Remo übor Palästina Haben an der Stellung der übettviegenden Mehrheit der deutschen Juden in» und zun» deutschen Valerlande nichts geändert. Sie fühlen sich staatsbürgerlich, kultuirell und national wie bisher als Glieder des deutschen Volkes. Diese Tatsack)« bindert nns nickt, aus Juden- und, Menschenpflicht ai» allen Besttebr»ngen mitzuarbeiten, die darastf abzielen, normale, menschenwürdige Daseinsbedingungen allerorten und insbesondkrc in Palästina für alle