Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 53 (4.6.1920)
- Date
- 1920-06-04
- Page
- Seite 248 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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stehen. „sie hat ja ein Zeugnis davon hinterlassen in.. errötend brach'sic kurz ab. „In ihrem Sohn, wollten Sic sagen", vollendete Aron mit einem verlegenen Lächln; „aber Sie täuschen sich", fuhr er fort, Zillah von der Seite anschend, «ich bin kein Mustcrincnjch — ich bin voller Fehler und Unvollkommenheilen —Zillah erkannte ihre eigenen Worte, die sie am ersten Abend zu ihm gesprochen —, „so zum Beispiel dränge ich mich Leuten auf. denen meine Gegenwart widenvärtig ist. dieses haben unsere Weisen als eine schlvere Sünde bezeichnet, und doch habe ich sie begangen. Sodann . . ." Salka sprang auf. „Tie Mutier klopft", ries sie forteilcnd. Merkwürdig war cS, dag keiner der andern Anwesenden das Zeick-cn der M ranken vernommen. Tie - Zurückgebliebenen schwiegen; Aron hatte vergessen. den ziveite» Beiveis für seine Sclbstbeschuldigung anzuführcn. und starrte gedankenvoll in das helllodernde Maminfeuer. Zillah machte den Anfang, um die Unterhaltung wieder zu eröffnen; ihre Lippen bebten ztvar ein klein ivenig, doch ihre Stimme tvar fest. „Sie sind berechtigt, mir einen Vorwurf zu inachcn", sprach sie. „und ich habe ihn vollauf verdient — kann ich noch mehr sagen?" Er lwwegte ablr-ehrcnd seine Hand. „Und nun", fuhr sie fort, „nackchcm ich mein eigenes Uirrecht eingestanden» wollen Sie mir auch Gerechtigkeit widerfahren lassen?" Er blickte sie fragend, verständnislos an. „Hören Sit mich an. Warum sind Sie eigentlich hergckommen? Ich halw Sic doch nicht rufen laste». Mir können Sicdsrni» auch nicht vorlverfen, daß ich Ihr Vertrauen getäuscht; ich halw Ihnen keinerlei Versprechungen gemacht, die zu erfüllen ich verpflichtet wäre. Können Sie mir irgend ein Unrecht vorlverfen?" sJorlsetzung folgt.) Don Kery nnd Tal. Köln. Tas Momitoc der Rhcinlandlogc für Fericnkolvnicn macht darauf aufmcrksain, daß Anmeldungen für iiraelikischc Binder, welche im August Aufnahme im Erholnngehcini der Zionloge auf Norderney finden wollen, in den allernächsten Tagen schriftlich beim Sekretariat Hui»boldlstras;e 42 erfolgen müssen, da sonst alle Stellen besetzt sind. Köln. Ter jüdische Jugcndvcrcin Gabriel Ricster- Mülu. dessen Tätigkeit toährend des Krieges durch den starlen Verlust an aktiven Mitgliedern sehr eingeschränkt werden nnnstie, hat im Oktober vorigen Jahres seine alte, umsangreiche Tätigkeit wieder ausgenommen. Ter Verein ist bestrebt, getreu den Satzungen des Verbandes der Jüdischen. Juaeiidveieinc. seine Mitglieder ohne eine Beein- «lirsinng nach irgendeiner jüdisch-politisck-cn oder religiösen lllichltuig hin mit dem Wesen und Inhalte des Juden-' lums bekannt zu machen. Tas; seine Tätigkeit in wwiteslcn Kreisen unserer Mmeinde Anklang gefunden hat. beloeist die sehr erheblich gewordene und ständig luchsende Mitgliederzahl und vor allem seine in vollster Blüte stehende Jugcndgyippc. Tie vom Verein al»gchaltencn Minie (Jüdische Ethik, Sprüche der Väter, Erläuterungen der Gebete) ferner die jüdischen Geschichts- und Sprachkurse fanden regste Beteiligung. Vorträge bekannter Redner der verschiedensten jüdischen Richtungen, z. B. ülwr Berufsumschichtung der Juden, Wiederaufbau von Palästina. die Zukunftsaufgalien der jüdischen Jugend, die Ehrfurcht, ivechselten ab init Referaten allgemeiner Art. «''<egrnwartsfragei< und Vorträgen wistenjchaftlichen Inhalts. z. B. über Hypnose und Suggestion. Tie eigene Turn- und Wandergruppe, in der bei der jüdischen Jugend die Fieude am Sport und an der Natur geweckt werden soll, ohne sie bei Spiel und Sport nach irgendeiner politischen oder religiösen Richtung zu beeinflussen, ist im vollsten Aufblühen begriffen.' Es ist zu hoffen und im Jntereste der Heranwachsenden jüdisclien Jugend dringend zu wünschen, daß der Verein und seine Sportabteilung von weitesten Mieiscn der Mülner jüdischen Bevölkerung durch 'Teilnahme tan seinen Veranstaltungen unterstützt wird, zumqt grade hier Gelegenheit geboten ist. sich jüdisches Wissen zu schaffen und durch' gegenseitigen Meinungsauslausch sich eigene Urteile zu bilden. Krefeld. Zwei junge Burschen. Hilfsarbeiter von Beruf. tvaren an einem Abend im Januar in den israelitischen Friedhof cingestiegen und hatten dort Bronzeketten von der Einfriedigung einer Grabstätte gestohlen. Das ('Bericht hielt für diese Tat «ine exemplarische Strafe angebracht und erkannte gegen die Angeklagten auf je 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis. Einer der Täter, der noch auf' freiem Fuße war, ivurde tvegen der Höhe der Strafe sofort verhaftet. — Tas älteste Mitglied der hiesigen jüdischen Gemeinde. Gabriel Paßmann, vollendet jetzt sein 90. Lebensjahr. Ter alte Herr ist noch vollkommen rüstig und geht noch täglich seinen Berufsgeschäften nach. Könner Nachrichten. Bonn. Tie Zionistische Ortsgruppe Bonn hat zu Sonntag den 6. Juni Herrn Dr. Kurt Blumenseld. stellvertretenden Vorsitzenden der Zion. Vereinigung für Deutschland, für einen Vortrag über das Thema „San Rcmo und Jerusalem" gewonnen. Wir machen unsere Leser auf den Inseratenteil der Zeitung.aufmerksam. Bonn. Zu einer Aussprache zwischen Anhängern der Ideen des Zcntralvereins und denen des Zionismus kakn cs anläßlich eines Vortrages von Herrn Rechtsanwalt Tr. Blankenfeld am 14. d. M. im Jüdischen Jugendbund. Herr Dr. .Blankenfeld' sprach über politische Gegenwartsfragen. In kurzen, scharfen Umristen zeichnete der Redner ein Bild der heutigen jüdisch-politischen Lage, insbcsvndcrs die Bcschlüste von San Remo, streifte den Antiscmitismus, die falsche Form seiner Bekämpfung und wollte auch die jüdischen Gemeinden selbst mehr politisch tätig sehen. In der Aussprache betonte der Vertreter der Zionisten, daß im Gegensatz zu anderen Organisationen'nur ein Betonen des Judentums den Antisemitismus eindämmcn könne, während der Redner der Gegenpartei darauf hinwies, daß dies auch geschehe, wenn auch in anderer Form. Zum Cchluste fanden die Diskussionsredner doch wieder Berührungspunkte, und es ist zu wünschen, daß bei weiteren Veranstaltungen dieser Art statt der Gegensätze mehr das Verbindende betont wird. Bonn. In einer vom Jüdischen Frauenverein veranstalteten Versammlung sprach Herr Rechtsanwalt'' Meyer bl aus Bonn über die Reichstagswahl und 1>as Frauenwahlrecht. Redner legte eingangs den Frauen dringend ans Herz, die Rechte, die ihnen durch das Wahlgesetz vom 80. November 1918 zugestanden worden sind, voll auszunutzen und die ihnen auch hierdurch envachsenen Pflichten restlos zn erfüllen, um so zum Wohle des Vaterlandes, alwr auch insbesondere zum Wohle des Judentums beizutragen. Sodann setzte Rechtsamvalt Meyer die Art und die Vorteile des nun geltenden Wahlsystems gegenüber dem früheren auseinander und betonte vor allem, das; durch die Verhältniswahl, und zwar in der in dem jüngsten Gesetz vorgesehenen Ausführung, sowie durch die Listenverbindung derselben Partei in verschiedenen Wahlkreisen und nicht zuletzt durch die Reichsliste die Gewähr für eine gerechte Wahl gegeben sei. Reicher Beifall belohnte den Vortragenden für seine in so überaus Interessanter Weise gegebenen Ausführungen. Der Nereinsbole. Berlin. . Jüdischer Nationalfond» ». B. Postscheckkonto Berlin RW. 7 Nr. 28 247. Bon den im Jahre 1920 aufzubringenden 4 Millionen sind bi» zum 28. Mat 494 >79.96 M. eingezahkt worden. Bonn. . Irdischer Juae^berei» „Di» »ameradeu", vorsitzend»: grau Rechtranwalt Du Sohn. Die für Sonntag den 6. Juni festgesetzte Tour fällt wegen der Reichstagswahlen au». Tie Tour wird aus Tonn«r»tag den 13. Juni verlegt.