Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 50 (14.5.1920)
- Date
- 1920-05-14
- Page
- Seite 220 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3947615-6435930-6437108--0623-3948187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
■ iAAAtAi,A4.* ▲ H ik..*. kiiitliiiiy Wditdn C5d>tcr. Von Samuel Gordon. Bericht. Übertragung au« dem Tngl van Pt. Pulvermann. lF-rlsetzun,.) s_ « „Bille. l«ehalten Sie lieber Ihre ernste Miene bei", bat er dringend; „Ihr jetziges Lächeln hat eine frappante Ähnlichkeit mit einem totgeschlagenen Gedanken." „Warum ioll ich denn emst aussehen?" sprach sie, indem sie sich zwang, einen übermütigen Ton anzuschlagen; „ich versichere Sie. es ist sehr spaßhaft. Dieser Mann nämlich . ." Cie brach jäh ab. Das Bewußtsein der Tragweite von dem. was sie jetzt zu tun im Begriffe war, stürmte plötzlich auf sic ein und ließ sie sofort verstummen. Sie hatte diesem Fremden. dieser pilzartig aufgeschosienen Bekanntschaft t«erlrauliche Sachen Mitteilen wollen, die ihr ganzes Leben so nabe l>erührten: sie hatte beabsichtigt, den Gastfreund ihres Vaters dem Spotte preiszugeben, und, was beinahe noch schlimmer ivar, die Teilnahme dieses Unbekannten herauszufordern. Aber, Gott sei Dank — cs war noch nicht zu spät; sie konnte sich noch zurückziehen. Der Kommissar beobachtete sie mit scharfen, fuchsartigen Blicken. „Dieser Mann »änilich . . .", zwang er sie, ungeduldig nordend, fortzufahren. Sie trat einen'Schritt zurück und sah sich, wie ein gehetztes Wild, hilfesuchend nach allen Seiten um. „Hat durchaus nichts zu bedeuten, versichere ich Sie", keuchte sie kaum hörbar; „und nun bitte, entschuldigen Sie mich, ich muß sofort nach Hause." v Doch er verstand, ivas jetzt in ihr vorging. „Wollen Sie so freundlich sein und mir alle Einzelheiten, diesen Mann betreffend. Mitteilen?" sagte er fast barsch. Zillah erinnerte sich, daß ihr Vater diesen Mann als „eisenhart" bezeichnet; aber diese Bezeichnung traf nicht zu; er war > nicht eisenhart, sondem — geradezu grausam! Und doch,! wie gut auch die Grausamkeit ihm stand —! „Ich wiederhole es Ihnen", sprach sie jetzt, ein wenig mehr gefaßt, „es ist nichts — rein nichts — das wert wäre, erst lange erörtert zu v'erden." „Nun. Sie zwingen mich, mit noch größerem Nachdruck meine Frage zu wiederholen: Was ist es mit diesem Menschen? Merken Sie wohl, ich frage jetzt iw meiner amtlichen Eigenschaft." „Dann erwidere ich Ihnen, mit Ihrer amtlichen Eigenschaft hat dieser Mann absolut nichts zu tun", antwortete sie unüberlegt. ' „Mit meiner persönlichen also", bemerkte er schnell mit etwas Ksänftigter.Stimme. „Ich wußte cs, und Sie waren im Begriffe, mir zu sagen: Diesen Menschen will man mir als künftigen Gatten aufdrängen!, und mit Zorn und Abscheu wollten Sie noch hinzufügen: Aber ich sträube mich gegen dieses Projekt und fühle mich danim höchst unglücklich! Habe ich recht?" Starr vor Staunen sah sie ihn an. ohne ein Wort hervorbringen zu können. „Sie wundern sich, daß ich es verstehe, Ihre Gedanken zu lesen. Aber glauben Sie mir. nicht umsonst bin ich all diele Jahre den Spuren des schlauen und listigen Verbrechertums nachgegaugen. um nicht die unvollkommene Verstellungskunst der llnkchnld sofort zu erkennen, sobald sie mir begegnet." , «Sie haben aber gar keine Berechtigung, mir den Vor-! wurf der Verstellung zu machen." Er zuckte die Achseln. N „Ich will es ja auch gar nicht als bestimmte Behaup- I tnng aufstellen — ich wage nur eine Vermutung auszu-! sprechen, und Ihnen überlaste ich cs, zu bestätigen oder zu , leugnen." Einen Augenblick empörte sich ihr ganzer innerlicher Stolz. Wer Hot ihm das Recht gegeben, auch nur daran zu denken, daß sie. ihm zum Vertrauen verpflichtet sei? Der zwang sie denn, wie eine Angeklagte vor ihm zu stehen und eine Schuld zu bekennen? Dann aber empfand sie die Macht, die er. von'der ersten Minute ihres Zusammentreffens. über sie erlangt, als einen Balsam für ihr wundes Gemüt. Diese seine .Herrschaft war ja eine Form, in welche ihr Herz genau hineinpaßte, wo es geborgen war gegen all die rauhen Ecken, gegen all die scharfen Kanten des Lebens. Furchtlos erhob sie ihr Auge zu ihm und sprach: „Nein, ich leugne es nicht, weil — ich nicht kann." Schnell trat er wieder zu ihr hin. ..Ich wußte ganz bestimmt, daß ich porhin für Sie gesprochen habe; und wisten Sie, was jetzt für mich zu tun bleibt? Auch für Sie zu denken —", er sprachiges mit sanfter, berückender Stimme; „das für Sie zu denken, was Sie selbst auSzndcnken nicht den Mut haben; die Frage zu beantworten, die Sie sich forlwähiend selbst stellen, aber zu keiner Antivort sich entschließen können. Soll ich beginnen?" » Ihr Nicken gab ihm die Erlaubnis. „Darum. Madonna, haben sich unsere Wege gekreuzt? Warum haben unsere Hände sich berührt — und warum haben wir einander ins Auge geschaut? Warum habe ich die Stunden, die Minuten gezählt, bis ich wieder berühren, bis ich wieder blicken durfte — und warum haben Sie mir immer die Freudenbotschaft zukommen lastxn. ,zm die Länge und Dauer des Zählens zu bestimmen? Sehen Sie her, Madonna, warum stehen wir beide hier, durch die Einsamkeit abgeschloste». nur von der Gegenwart des andern umgeben. und dock, zu gleicher Zeit ahnend, fühlend, als würde die ganze Welt sckion mit uns allein voll sein? Was bedeutet dieses, alles? Wir. die bisher getrennt ,raren dirrch die Unterschiede und Gegensätze, die die Menschen geschaffen, um zlvei Wesen voneinander zu reißen, wir haben uns gefunden, ohne gesucht zw haben, wir sind „Eins" geworden. ob auch alles auf eine Zweiteilung hindeutet. Wieso ist dieses entstanden?" * iJortsetzung folgt.) I Von Kera und Tal. Köln. Am Montag den 3. Mai fand in Köln eine öffentliche Manifestationsversammluug zur Feier des Beschlusses von San.Remo, Palästina zur jüdisch-nationalen Heimstätte zu machen, statt. Prof. Dr. Heinrich Loewe- Berlin spxach vor einer tausendköpfigen Zuhörerschaft über „Die Verwi^lichung des Zionismus". Nach der hinreißenden Rede, die mit ungeheurem Beifall ausgenommen wurde, nahm die Versammlung folgende Resolution an: „Die im großen Saale der Rheinlandloge zu vielen Hunderten versammelten Kölner Zionisten sprechen der Politischen Leitung der Zionistischen Weltorganisation, deren rastlosem Bemühen der Erfolg von San Remo als Gnmdlage einer glücklichen Eristenz'des jüdischen Volkes zu verdanken ist. tiefgefühlten Dank aus. Sie geloben, mit allen ihren Kräften zum Wiederaufbau des jüdischen Palästinas beizutragen." Bonn. Vor Mitgliedern und Gästen sprach am Donnerstag den 29. April Herr Julius Walinski im Jüdischen Iugendbund über ...Konfession und Religion". Der Redner behandelte das Thema von seinem eigenen konfessionslosen Standpunkt aus. In der Diskussion wurde ihm daher auch nicht tbiderlprochen, doch war die Aussprache für die zahlreichen Zuhörer sehr belehrend. Düsieldorf. Wie wir erfahren, gedenkt der Verein ilrael. Lehrer in Rheinland und Westfalen, hier um die Pfingstzeit seine Hauptversammlung ahzuhaltcn. Eine Zusammenkunft der Mitglieder ^des Gesamtvereins hat seit, 6 Jahren nicht mehr stattgefunden. Auch jetzt wird man damit rechnen müssen. daß die Teilnahme durch die bekannten .Hemmnisse beeinträchtigt wird. Ernstliche Beratungsaeaenstände enieblicher. wirtschaftlicher und allgemeiner Mt bieten sich in Fülle, und mänches Zurückgestellte mag wohl i