Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 49 (7.5.1920)
- Date
- 1920-05-07
- Page
- Seite 211 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Pplästtna. Einige Herren -ersuchten in der anschließenden i Diskussion die Ausführungen des Referenten zu widerlegen.! .Herr Landauer wteS in seinem Schlußwort all« Angriffe j — soweit es sich um wirklich^ Angriffs überhaupt hänbelte > — in glänzender» überlegener Weise ab. Sh blieb der (&« j famteindruck, trotz der versuchten -dlbschwächung, ein äußerst! günstiger. In unserer sehr indifferenten Gemeinde bildet , der Inhalt des Vortrages das Tagesgespräch, und mancher steht heute dem Zionismus shmpathischcr gegenüber als bisher. , ' K» F. Kormer Nachrichten. Bonn. Tie Jahresversammlung des Iüdisclien Frauenvcrcjns findet Mittwoch den 12. Mai» mittags 4 Uhr im Gemeindehaus statt. Es ist zu gleicher Zeit ein gemütliches Zusammensein bei einer Tasse Maffcc vorgesehen und werden die Mitglieder gebeten, ihre Zusame hierzu^bis Sonn- >ag den 9. Maijin Frau Emma Stern, Telefon 760. zu geben. Der Vorstand kreist noch besonders auf die Wichtigkeit der Tagesordyuug hin und bittet um recht zahlreiches Erscheinen. El gMitililMIltiliJB ■IllPkl gBmBgBBffiBiglBHB ITOl»«-»»» | Die Kolentasche. | Rabbinische Weisheit. Hänge dem Schwein Lorbeer um den Hals, es wälzt sich doch im DrSck- ' Zwei Stücke trockenes Holz und ein feuchtes — die trockenen entzünden das feuchte. * Erst halt deinen Geldsack hin. dann deinen Warensack. * Sechzig Etscndolche hangen am Stachel der Mücke. * Sechzigfachen Schmerz fühlt der 'sahE der seinen Rachbar essen hört und selbst nichts zu essen hat. Das Leben von dreien ist kein Leben: das der Barmherzigen, der Jähzornigen und der Trübsinnigen. > » Die Sonne geht immer von selber unter. « Da läuft er splitternackt und trägt Stiesel a» den Füßen. * V Drei liebt Gott: Wer sich nicht erzürnt. lver sich nicht lwsäuft und wer nicht starrsinnig auf seinem Eharaktcr beharrt. Alle unsere Leser \ini> Freunde werden hiermit sreundlichst eingeladen, an der lebendigen Ausgestaltung unserer Botcntasche mitzuwirken. Der Einsender der besten Sprichwörter, Anekdote oder eines Rätsels erhält einen Preis. Bei der. Thoraverlejung in einem kleinen Städtchen steht der Rabbiner neben dem Vorsteher und fragt ihn leise: ..Wer wird als Dritter aufgerufen?" Darauf der Vorsteher. Herr Bäckernieister Back, mit höflicher Verbeugung : „Ihre Wenigkeit, Herr Rabbiner!" ,, ♦ Jossel. der Schuster, rühmte sich geril seiner Beziehungen zu hohen Herren. „Wenn jch komm'' zuin Präsidenten". sagte er.- „läßt er alles stehn und liegen und schmeißt mich raus!" (Schlemicl.) . * Einer meiner Bekannte», aus gut jüdischer Familie, aber sehr lueit vom Judentum entfernt und in der Afsiinilation vorgeschritten, will auf Grund eines Inserats — privat — einen Ofenschirm billig ertvcrben. Er begibt sich zur aufgegebenen Adresse, lvartet auf daS Offnen der Korridortür und sicht sich endlich einer Ostjüdin gegenüber-. Diese blickt ihn rasch prüfend an. packt ihn am Arm. und mit den Worten: „Ihr seid doch a Jid" schiebt sie den Verdutzten in ein Ziininer, Ivo man gerade Mincha beten will und auf den zehnten Mann ivartet. Der' Hausherr hatte Jahrzeit. Mein Bekannter bleibt zu Minja». halb belustigt, halb in der Hoffnung auf einen nun noch günstigeren Einkauf. Rach dem Kaddisch erkundigt er sich nach dem Ofenschirm. Dieser ist bereits verkauft! . . .' Run wird er wütend und macht seinem Arger in-heftigen Worten Lust. „Was reden Sic?" fragt die Hausfrau ruhig, „ist die Miziva nicht mehr wert als der ganze Ofenschirm?" * v Bor Gericht. Jch verhandelte vor einem getauften Assessor. Es handelte sich um Mazzes. „Mazzcs? Was ist das?" fragte der Asiesior von oben herab. „Eine Sackw. die man am Pessach. gebraucht", antwortete ich gleichmütig. Daraus erfvlgte keine weitere Frage. Ktlcherfchoo. 2ch. Gorelik. Fünf Jahre im Lande R e » t r a I i e >,. Schweizer ttrieqscriebnisse eines jüdischen Lchrislslellers. Preis ged. 8 M. Indischer Bering. Berlin. Eine Reihe lebendig gezeichneter Type» läßt Gorelik in bnn- Icm Wechsel an uns vorüberziehe». Manchen allen Bekannten könne» wir linier seinen Gestalten begrüßen. Ta isl Menachem Mendel, Lcholem Akejchems Menachem Mendel, den der »lieg vom Lolteriekollektenr znm Pazisisle» gcinachl hal nnd der den Papst »nd Lnzatti mit Vorschlägen -für die rasche Beendigung des Krieges überschüllel. Ta isl ..Rachmii-Rachmn", der ewige Ltndenl, der seil dreißig Lcmcstcrn nicht dazu komml, sei» Ezamc» zu machen, »veil er andern Mensche» helfe» muß. der die-ganze jüdische Kolonie seiner Ltadt mit seinen „Anrcgnngen" in ständiger Bewegung hall und der nichts fertig bringt —' weil er stets seine Notizen verliert. Und dann der große »reis der russischen Inden, die ans den denlsche» Bädern geflohen sind, die Banmwollhändler »nd HandlungSreisenden, die amerikanische» Millionäre nnd die Tänzerinnen, die sranzösische» Literaten - und der Tchweizer Bürger, der über diese Invasion der Entwnrzellcn sehr ungchalte» ist nnd sich doch des Ber dieiistes srcut, de» sie bringe». TaS Ganze endet mit einem Eklat: Gorelik wird verhaftet unter dem Bcrdachl, sich au politischen Umtrieben zu beteiligen, an denen er ebenso »»schuldig ist wie eine ganze Reihe russischerFlüchtlinge. die mit ihm zusammen ins GesängniS wandern. Leine Hast währte einige Monate. biS es seinen einslnßreiche» Irciinden und vor allem seiner gute» Lache gelangr ihn zu befreie». Auch hier bleibt sich Gorelik lreit. mild, liebevoll, immer das Menschliche sin dend nnd stets von schalkhaftem Humor, der ihn die kleine» nnd qroßezi Widerwärtigkeiten dcS Lebens Überwinden hilft. Wie anschaulich seine Gesangnistypen, meist -jrllcnnachbar», die er nicht sieht, ans deren gelegentliche» Lcbensänßcrnngen er aber doch eine anschauliche Eharaklcristik zu enlwersen versteht. Wie reizend aitch se>ne Unlcrhaltnngen mit dem kleinen Töchterche» des GesängniS direktors, das öfters zu ihm getrippelt kommt. Jakob Ulatzkin, Hermann Eohcn. Preis kl M. Jüdischer Berlaq, Berlin. Ei» jünger Hermann Eohens - »nd wie sei» Buch „Probleme des moderne» Judentums" eriviese» hat: ein bedeniender — spricht zu »nS »der de» Meister. In ihm sieht er de» größten Lohn der tüdische» Auskläritngscpoche im Westen. Ten lichten unter de» lttroßen jener Epoche der -seit »ach -- den ersten seiner Bcdcntnng nach. Ter den schwankenden Gedankengang seiner Generation über das Indeninm, de» Gedanken der Assimilation im Rame» des IttdentitinS »nd für es zu einem Lystcm erhoben hat, daS von erstaunlicher »larheil nnd Iielsicherheit ist. Und der doch aiw seiner Polemik mit den Rationalisten seines Volkes nicht einmal mit einem dialektische» Lcheinsieg hervorzugehen vermochte. Hierin sieht »latzkin die Tragik dieses GcisteSriesen: daß er, der Verkünder der Lehre von der Einheit »nd Ganzheit, die verlorene ideelle Position eineg Geschlechtes z» verteidige» hatte, das ans -jweiheit »nd Halbheit basierte, dem die Lynthese von Tenischtnm »nd Inden Inm zit Ungnnste» des IndentumS n. nnd v. geistige LcbenSmöglichleit bedrnleik. Und »n» seht xlaßkins Arbeit mir. In glänzender, überaus fei» pointierter Tarstellnng leuchtet er in die Tiese» dieses tragische» »tampscS hinein.. Aber er gibt dem Meister, was des