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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-04-16 · 48 (30.2.1920) · p. Seite 198

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
48 (30.2.1920)
Date
1920-04-16
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
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Festrede, in dar er als Wesen und Ausgabe der Reformgemeinde die Vereinigung von Deutschtum und Judentum lvzeichncte. Dos Judentum, fuhrt« der Redner aus. ist für die (Glieder der Refotmgcmeinde kein völkisches und nationales. sondern'eine* Religion und eine Religionsgcmeinichast. Ter Sonntagsgottesdienst mit seiner einfachen Form ist allen Gemcindcmitgliedvrn verstand- 11 di und zugänglich allen jenen, die den Sabbat nicht mehr Hallen können, weil er ihnen unter dem Zwange der Verhälinistc zum Werktag geworden ist. Die Bestrebungen der Resormgemeinde haben zu allen Zeiten Anfeindungen erfahren: in 75 Jahren aber hat es sich gezeigt, daß der vielgeschmähie und verschmähte Stein zu einem Eckstein des modernen deutschen Judentums geworden ist. Berlin. Der „Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdiscl)en (Gemeinde" erklärt in sei ne ul für die bevorstehenden Rcpräsentantenwahlen veröffentlichten Wahl- Programm die jüdische Gemeinde für eine Religionsgkineindc und lehnt ihre Umwandlung in eine Volksgemeinde (politische Vertretung der Juden als einer nationalen Minderheit) ab. Der Verein bekämpft alle nationaljüdischen Bestrebungen innerhalb der Gemeinde und fordert auf religiösem Gebiet: I. Gleichmäßige Berücksichtigung aller religiösen Richtungen. 2. Für den Gottesdienst in den Shnagogen mit liberalem Ritus: a) erweiterte Anwendung der deutschen Gebetsprache, d) Ausbau des GcmeindegesangS, c) kein Sabbgt- und Festgottesdienstohne Predigt oder Schrifterklärung, d) Ausschaltung aller vermeidbaren Längen. 3. Einführung von religiösen Lehr- und Erbauutigsvorträgen in den Synagogen. Dresden. Folgendes Kulturdokument wurde in der hiesigen Technisdum Hochschule an das Schwarze Brett geschlagen: ..Beschluß vom 4. Februar 1920. 1. Die Staatsangehörigen fremder Staaten sind wie deutsche Staatsangehörige zu lvhandel». Sie haben jedoch vor der Jnnvatriknlation schriftlich auf Ehrenwort zu erklären, daß ihre Muttersprache die deutsche ist, und daß sie von Vater- und Muiterscite bis zu den Großeltern kein jüdisches Blut haben. Letzteres ist auf Verlangen nachzuwcisen. 2. Die Studentenschaft umritt den Grundsatz dcs-Selbstbestimmungsrechts der Völker und kann es niclst billigen, daß nationale Minderheiicn in Deutschland Rechte beanspruchen, di« ihnen ihrer Zahl »ach nicht zustehen. Sie verlangt daher, daß Juden deutscl)er Staatsangehörigkeit zum Studium nur so ux'it zugelassen norden, daß ihr Prozentsatz in der Studenlenschasl ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung des Deutschen Reicl>cs nicht übersteigt. Dieselben haben die Rechte der deutschen Studierenden, auch das aktive und passive Wahlrecht der A.-St.-V., doch dürfen Juden deutscher Staatsangehörigkeit nur so lveit in der A.-St.-V. vertreten sei». >vie cs ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. Diese Bestimmungen finden auf sonstige fremdsiänimige deutsclic Staatsangehörige, solveit solche vorhanden sind, sinngemäß Antvendung. Tie Studentcnschäft gibt der lwstimmtcn Erwartung Ausdruck, daß auch bei der Besetzung^von Dozenten- und Assistentenstellen nach den obigen Grundsätzen in Zukunft verfahren wird." i Koblenz. Die interalliierte Kommission hat eine Reihe antisemitischer Schriften 'für das besetzte Gebiet verboten, ». a. die Veröfseittlichungen des Deutsch-Völkischen Bundes, worunter sich auch die Hetzschriften „Von der Herrschaft d^r Hohenzollern zur Herrschaft des Judentums" und „Die Maäwr in Esten" befinden. Wien. Österreich. oii der vom Zion. Landeskomitee für Ostcrreich in das komödienhaus einberufenen Protestversammlung gegen, die ungarischen Pogrome führte Oberrabbiner Dr. ChaeS unter anderem folgendes aus: Es sei die P licht der Juden außerhalb Ungams, das Ckwissen der We t wachzurütteln, denn in Ungarn habe auch der mutigste Jude nicht die Möglichkeit, vor dem Forum seiner Öffentlichkeit und vor denVertretern der Entente in Budapest zu spreckien.. Jeder Jude, der mit einer Klage odersBeschtdsrde sich an irgendeine Stelle wendet, die auf Ungarn einen Einfluß haben kann, verschwindet den nächsten Tag. und kein Mensch weiß, woer gedlieben ist. (Bewegung.) Die Richtung, die. jetzt in Ungarn herrscht, nennt sich christlichnational. Es gibt Vertreter des Christentums, die die Nächstenliebe üben; cs gibt Vertreter des Christentums, die Vertreter der Inquisition, der Hexenprozesse und der Rache sind. Es gibt ein Christentum des Genfer Roten Kreuzes und ein Christentum des mittelalterlichen Herenaborglaubens. In den Verfassungen aller zivilisierten Völker ist ausgesprochen, daß das Glaubensbekenntnis frei ist, so lange die öffentliche Sittlichkeit nicht verletzt wird. Dw C h r i st c n t u m der Machthaber Ungarns ist ein solches, das die öffentliche Sittlichkeit zerstört und der Moral ins Gesicht schlägt. (Stürmischer Beifall.) In Budapest herrscht die geheime Feme der weißen Offiziere. Jedermann in Budapest kennte die neun Lagerdieser Offiziersgruppen. Wieviele Nicht» , juden und Juden verschwunden sind, wissen wir nicht. Wir wisten nur von 7 0 Q Juden, über deren Verbleib und Schicksal sich nichts ftststellen läßt. Diese 700Juden sind in Ungarn, die galizischen und russischen Juden sind überhaupt Freiwild. Aber es werden auch Juden anderer Staatsangehörigkeit in Ungarn mißhandelt. Ein belgischer Flüchtling, der durch Ungarn fahren mußte, wurde aus dem Zug geristen, mißhandelt, seiner Barschaft beraubt, und es wurde ihm auf die Stirn der Davidstern und das Wort „Schleichhändler" tätowiert. Ein tschechischer Jude sah in Komorn die Mißhandlung eines Juden; da er sich darüber empörte, wurde er verhaftet. Die tschechische Vertretung in Budapest forderte die sofortige Freilastung, und trotzdem erst 20 Stun-" den nach der Verhaftung verflossen waren, war der Mann bereitsirrsinnig ge worden. Wie es dem Mann in der Kaserne ergangen ist? Sein Körper war so schwarz, wie mein Rock. (Bewegung.) Die E n t e n t e muß wirklich eine Kommission schicken oder erklären, daß sie mit einer Regierung nicht verhandeln könne, die eine derartige Rechtsunsichcrheit duldet. Es ist nicht allein im Jntereste der Juden, sondern auch im Interesse Ungarns gelegen, daß endlich einmal diese Räuberhöhle im Herzen Europas zu existieren aufhö-rtI (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Polen. Warschau. Im Kriegsministerium fand eine Sitzung statt, in der über die Maßregeln beraten wurde, die bei antisemitischen Exzcsten zu ergreifen seien. Besondere Aufmerksamkeit tvündte man der Frage zu. wie die Wiederkehr solcher Ausschreitungen zu verhindern sei. Es wurde eine Abteilung gegründet, deren Aufgabe es ist, die von Pogromen bedrohten Juden zu schützen. Warschau. Auf der letzten Sitzung der reichstäglichen Kommission für Handel wurde über di« Entsendung einer - polnischen Delegation auf die in Brüssel stattfindende internationale parlamentarische Handelskonfrnnz beraten. Da sich auf der Liste der polnischen Delegierten keine Vertreter des Vereins der jüdischen Kauflcute in Warschau befanden, verlangte Abg. Farbstein die Einladung auch dieses Vereins. Es wurden verschiedene Ausflüchte gemacht und der Antrag auf Zuziehung Mischer Vertreter verworfen. Danach lehnte auch Abg. Farbstein in einem Schreiben jede Beteiligung an den Konferenzen ab, unter der Begründung, daß die parlamentarische Delegation Polens auf der internationalen Handelskonferenz nicht den ganzen Handelsstand Polens repräsentieren werde. Warschau. Auf Reklamation des Warschauer Joint Distribution Committee, daß die Postbeamten die Auuahme jüdischer Briefe verweigern, die von den dem Joint unterstellten Institutionen aufgegebett werden, erließ der Postminister Tolleczko neuerlich ein Zirkular, in dem er. darauf hinweist, daß infolge Nichtvorliegens irgendeiner'Zensur „

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