Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 48 (30.2.1920)
- Date
- 1920-04-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint jede» Freit«,, vez»,«- »rei, 75 ff. «,««tl. Z» »,ziehe» »,rch stmiltchr Pssttmter »»er tzirch de« V»te»»«rl»i i» v»»». VOdI RHEIN Jüdisches Yolksblatt ' A»zri«e»pr»i«: 1.- M siirdie »itr« •eff. Petitzrile. Dir ,««ze Seit« >»s«tt 3ÜO Zeile». P»stsch»ckl»«t» v»tr»»«rl«, -»«», CE Km Nr 74747. Herausgegeben von Rabbiner Or. Krnik KoHn, Bonn. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergasse 52. Kummer 48 Wonn, 80. Aprit 1920. — 12 Ijcrr 5680 2. Jahrgang. für die jüdifdxti Kinder CCKenal Spendenausweis.! Bonn. N. 9k. 50 M. Trier. Jacob Schümann 50 M. Zinten. (Ostpr.). L. Scheftelowitz 10 M. ' Insgesamt eingegangen: 20 708.60 M., 1776 Kr. u. 1000 Kr. österr. Kriegsanleihe. ' Der „Jüdische Bote vom Rhein", Bonn, Brüdergasse 52. . □DoaaiuiaaaiiaaaanimaiaDDaaoaiiiiDDaaDoiiaaoa o □ □ a g Mocheuabschnitt v'L-ij? -nn«. g a a aaaaaaaaaoDaaDoiaaiaiaaDaaDaaaaoaaoDDaaaoa Verleumdung. Geh' nicht als Verleumder umher in deinem Volke. 3. Mose 19, 16. Wer Geheimnisse verrät, geht alS Berlciimder umher, drum gib dich nicht ab mit einem Schwäher. Sprüche Salomos 20, 19. Nicht nur ein ernstes, sondern ein »veises Wort, besonders weise durch die Kraft seines Ausdrucks, die sich eigentlich im Deutschen gar nicht wiedergcben läßt. In unserer alten Sprache find nämlich Verleumder und Hausierer ein und dasselbe Wort, der Verleumder ist der Runilaufer von Tür zu Tür, der mit dem nichtstvürdigen Schwatz der Treppen, Höfe, KückM und Schlafkanimern handelt wie der Krämer mit seinein Kram: „Geh nicht als Verleumder umher in deinem Volke." Was hier nur angedeutet ist, bestätigt das Wort des weisen Salomo: Der Schwätzer, der Geheimnisse verrät, ist schon ein Verleumder. Die meisten Verleumdungen haben in Schwätzereien ihren Ursprung. Darum warnt die Thora nicht etwa nur vor dem böswilligen Ausstreuen von Lügen, sondern packt das Übel an der Wurzel, indem sie vor dem einfachen Herumlaufen warnt: Geh nicht umher! Man wird so leicht zum Verleumder, auch lvenn man's gar nicht will. Mit der Schwatzhaftigkeit beginnt es, wer aber viel schwatzt und ausschwatzt, übertreibt leicht, wer übertreibt, ist «in Lügner, und da ist schon der Verleumder fertig. Das wäre die innere Gefahr der Sache. > Mindestens ebenso groß ist die Gefahr, wenn man sie vom Standpunkt des Hörenden betrachtet. Ja, das lange Ohr ist noch viel gefährlicher als der weite Mund. Nicht nur der Schwätzer, auch tver Schwätzereien anhört, übertreibt. Alles vergrößert und vergröbert sich im Ohr. Müller erzählt Schulze, daß der Prokurist Schmidt seine Firma verläßt: Was da wohl vorgekommen sein mag? Schulze erzählt an Hinz weiter, Schmidt sei von seiner Firma rausgeschmissrn worden, und 'sofort läuft Hinz zu Kunz: „Hast du schonrwn Schmidts Unterschlagungen gehört? TreimalhundertfüNfundzwanziatausend Mark!" So geht es, genau so geht est „Geht nicht das Ganze hinein, tut's doch die Hälfte", lagt der Midrasch, oder, min der Lateiner sich ausdrückt: „Immer bleibt etwas hängen!" Und nun rechne man zu diesen (Gefahren, die so unser» Mund und unser Ohr und vor allem den Leumund, den guten Namen unseres Nachbarn umlauern, der sein höchster Besitz ist, — nun rechstc man dazu noch einen bösen niederträchtigenWillen, der zerstören, hcrunterrcißen, beschmutzen, ins Unglück, Elend, Schande. Tod bringen will, so haben wir das harte, ungerechte Gesetz, unter das uns Juden heute der verlorene Krieg zu stellen versucht. An allem, aber auch an allem sollen wir Schuld sein: Wir hätten den Krieg angezcttelt, wir den Sieg gel>emint. Unser Kapitalismus sei das Unglück der Welt, wir hätten das Unglück des Sozialismus und Bolschewismus über-die Welt gebracht. Mit unerhörten Geldmitteln tverden Zeitungen, Flugblätter. Zettel unters Publikuni geworfen und finden Glauben. Ja. je offenkundiger die Lüge, je deutlicher das Gift, je widersinniger, wahnwitziger und blödsinniger die Behauptung ist. sie wird geglaubt; wird geglaubt, iveil jeden Tag mit demselben böswilligen Hammer auf denselben Nagel geschlagen und derselbe Nagel jeden Tag auf dieselbe Stirn, ach. die Stirn eines armen Volkes gehämmert wird. Weh denen, die diesen Hammor schwingen! Weh dem Volke, das sich so »»ehrlos hämmern läßt! Und wir? Wir Juden? Sollen wir lamentieren? Uns verkriechen? Alles gehen lasien, wie cs gebt? In solchen Zeiten gibt es nur ein Programm für Juden, das heißt: Verantwortung! Ganz Israel ist Bürge einer für den andern! Verantwortung, d. h. zu cinanderstehen in Not und Tod! Verantwortung, d. h. ein würdi ger, unerschrockener Kampf für die Verteidigung jüdischer Ehre! Verantwortung, d. h. Selbstzucht und rücksichtsloser Kampf im eigenen Lager, jä. mehr noch, im eigenen Herzen gegen alles,, wogegen drüben im anderen Lager nicht gekämpft Ivird, denn drüben sind das alles nur jüdische Laster: Geldgier, Pöllerei, Putzlvut, Wucher. Schicberei, Unzucht! Nein, sie sind nicht bester als wir, vielleicht könnten wir das Gegenteil bclvdisen. In einem aber wollen wir uns bestreben, besser zu sein als sie: S i e schelten uns und hinken selber. W i r wollen bestrebt sein, nicht zu hinken. Nicht weil sie schelten, »ein, weil wir selbst es wollen! Weil wir nicht unter dem Oksetz ihres .Haste» und ihrer Verleumdung stehen — das, tiiit nur die Memmen unter uns — sondern unter dem Öiesetz der eivige» Lssenbarung, die zu uns sprach: .Heilig sollt ihr sein, denn beilig bin ich, der Ewige, euer Gott! Emil E o h n. ilWBMaBmMWIiMMHl | {floebenfebau. I Tatsachen uni Ergebnisse. Deutschland. Berlin. Am Sonntag ben 18. d. M. beging die Berliner Jüdisckw Rkformgemcinde den 75. Jahrestag ihres Bestehens durch einen Festgottesdienst in ihrem Gviicshauje in bei' Johannisstraße. Prediger Tr. Jeljki hielk die NLSLlSISSM