Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 41 (12.3.1920)
- Date
- 1920-03-12
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Zillah streichelte sanft die zierliche Gestalt, die sich an ihren Stuhl herangeschlichen hatte. . Tchtneichelkähchen; du liebes,' kleines' Närkch-ir/ Welchen Nutzen yätt^ ich dabei? Welchen Zweck hat ein Titel ohne Mittel? Die Kröne. tzi< ich meine, bedeutet Herrschaft, Macht. Ruhm und HuldlgutrA über was aber sollte ich hier herrschen und regieren? Nicht einmal über das eigene Herz, das sich empört und vor Schmerz f<Mü aufschreit, wenn man es immer und immer wieder in Fesseln schlagen will. Und wie leicht kann solch ein armes schwaches Herz durch das fortwährende Drängen und Zwängen ganz und gar abstcrben- Salka, kannst du dir vorstcllen, was es heißt, mit einem toten Herzen ein lebendes Wesen bleiben zu müssen?" „Rein, ich kann es mir nicht ausmalen, und auch nicht einmal das. warum du dich mit solchen phantastischen Gedanken abquälst, die sich in deinem Leben nie verwirklichen können", sagte Salka, bemüht, ihre Erregung zu verbergen. „Wieso kommst du eigentlich auf solche Gedanken? Hast du eine Sünde begangen? Da ist es sicherlich eine recht große; denn deine Strafe ist ja die schtverstr, die einem Menschen aufcrlegt lverden könnte — anzukämpfen gegen seine Geschicke, gegen seine Bestimmung." lForlsetziing folgt.) r yon Kertz nnl Tai. \ Söln. Am Donnerslag den 26. Febr. sprach im Jüdischei« Jugendverein Gabriel Riesier Herr Dr. Veis-Anderni.ch über „Kulturbilder aus der Geschichte der deutschen Juden". Nach einer Einleitung über die Entwicklung der jüdischen Jugendbewegung sprach der Redner über die heutige Zeit, die vor allem die Aufgabe den Vereinen stellt, neben innerer Erziehung die Jugend im Kampf gegen den Antisemitismus zu stärken. Es genügt aber dabei nicht, nur die Gegenwartsfragen zu behandeln, sondem die Jugend muß angehalten lverden, sich in die jüdische Geschichte zu vertiefen, damit sie nicht mit Schlagwortcn, sondern mit wirklichen Kenntnissen den Kampf führen kann. Der Vortrag führte zunächst ins Mittelalter, in die Zeit der Kreuzzüge mit ihren furchtbaren Judenverfolgungen speziell am Rhein. Die traurigen Folgen dieser Zeit spiegeln sich in der Stellung wieder, die'' die Juden als Kammerknechte, servi canerae (120) des Kaisers einnahmen, und besonders in der Beschuldigung der Brunnenvergiftung gelegentlich des schwarzen Todes 1348. An Hand der Quellen des Chronisten Jakob von Königshofen aus Straßburg (1360 —1429) gibt der Redner einen Bericht über die Straßburger Verfolgung und die Absolvierung der Bürgerschaft und des Rates dieser Stadt durch Karl den Vierten wegen dieser Verfolgung. Als Lichtblick während dieser Zeit wurde besonders das Blich „Sefer Chasiidim" (Buch der Frommen) des Rabbi Jehuda-Na-Chasiid aus Regcnsburg erwähnt und Stellen aus demselben vorgelesen, die zeigen, daß dieser fromme Gelehrte — trotz des Hasses der Umwelt.gegen die Juden — strengste Gerechtigkeit im Verkehr der Juden mit ihrer Umwelt und Redlichkeit in Handel und Wandel verlangte. Nach dieser Schilderung einiger Kulturzustände im Mittelalter ging der Redner zu den beiden großen Emanzipatoren der deutschen Juden über. Er schilderte an Hand von Quellen die große Bedeutung Moses Mendesssohns für das deutsche Judentum, den er den religiösen Emanzipator vor allem durch die Bibelübersetzung nannte, dann entwarf er zum Schluß ein kurzes Bild von Gabriel Riesier. desien Bedeutung als politischer Befreier der deutschen Juden gerade in unserer Zeit vor allem wähnt zu lverden verdient. Redner schloß mit einem kurzen überblick über die Gegenwart und ermahnte die Jugend, sich stets der Geschichte ihrer Vorfahren würdig zu zeigen „als tüchtige deutsche Juden". Biebrich a. Rh. Am 18. Febr. (Jom Kipur Koton Eref Rosch Chodesch Ador) feierte der Israelitische Männer-Krankcnverein Biebrich-Schierstein-Frauenstein seinen alljährlichen Stiftungstvg mit ordentlicher Geneval-Verfdtrmlana und Sottesötenst, während das fett altusher übliche Festesten, daseit Kriegsdeatnn nicht mehr stattfand, auch diesmal ausfiel. Der Vorsitzende, Herr Isaak Kahn, gab der Fvttkde des Vereins Ausdruck für die glückliche Rückkehr dreier Söhne von Vereinsbrüdem aus Gefangenschaft »nd gedachte der im abgelaufenen Vereinsjahr leider verstorbenes Mitglieder Joses Sender und Samaelc Marx, wovon der erste« 20 Jahre laug Schriftführer des Vereins war. Eine Spettdensammlung für die jüdischen Wiens ergab 350.75 M. Krefeld. Am Purimtage wmde hier ei« „Zentrale für Jugendpflege" geschaffen. Diese Vereinigung umfaßt die Gliederung aller Äohlfahrtsbestrrbungen in unser» Gemeinde. Sie Will ihr Augenmerk in erster Linie der gefährdeten Jugend aller Stufen zuwenden. Darüber hinaus will sie auch zur Unterstützung ihres Hauptzweckes Elternfürsorge betreiben. Auch «i« Vermittlungsstelle, zur Unterbringung schulentlasiener Kinder soll eingerichtet werden. Die Zentrale will keinen neuen Verein darstellen, sie stützt sich auf die vorhandenen Eimichtungen. Sie tritt mit einem ansehnlichen Kapital ins Leben. Der Vorstand setzt sich zusammen aus Vertretern aller beteiligten Vereine: aus dem jeweiligen Rabbiner, dem Leiter der jüdijchrn Volksschule und einem Arzt. Den Vorsitz übemimmt Herr Fabrikant Josef Gompertz, der Urheber des Gedankens. Krefeld. Am 7. März beging der Fabrikbesitzer Moritz Herzog, Inhaber der Firma Wilmsen u. Herzog, seinen 70. Geburtstag. Herr Herzog ist in seiner tätigen und doch so bescheidenen Lebensführung das würdige Glied einer der ältesten und bekanntesten Familien unserer Gemeinde. Ate Koleulasche. Genug vom Krieg. Folgende nette Anekdote erzählt Ernst Goth in der Nationalzeitung: Es war in der Zeit der schwersten Kämpfe gegen Italien, und Erzherzog Joseph, der die Honvedtruppen kommandierte, war von diesen geliebt und verehrt, wie kein zweiter Heerführer im ganzen Kriege. Einen Teil dieser Volkstümlichkeit hatte er freilich schon mitgebracht: Er war eben der einzige ungarische Erzherzog — seine Wiener Verwandten, König Karl nicht ausgenommen, machten sich stets lächerlich, wenn sie ungarisch zu sprechen versuchten — und er Pflegte diese familiären, gemütlichen Beziehungen zur Mannschaft sehr sorgfästig, indem er häufig in die Schützengräben stieg und die Leute der Reihe nach um ihre Wünsche und Beschwerden beftagte. Die meisten dieser Wünsche waren mit einer Zehnkronennotc zu befriedigen, und der Erzherzog hat, das sei wahrheitsgemäß verzeichnet, weit mehr als seine Marschallsgage auf diese Weise verteilt. Einmal nun ging er wieder so durch einen Graben, wobei die Honveds längst nicht mehr warteten, bis er sie anspräche, sondem ihn unter Eljenmfen umringten und sofort loslegten. Der eine bat um Urlaub, der andere um Geld, der dritte um Tabak, der vierte hatte seine Pfeife verloren, der fünfte brauchte neue Stiefel — der Erzherzog zog unermüdlich die Brieftasche, notierte sich die Namen, versprach überall Abhilfe und dabei fiel ihm ein kleiner jüdischer Soldat auf, der offenbar aus der Gegend stammte, wo Ungarn schon in Galizien übergeht, und der bescheiden abseits stand. Der Erzherzog sprach ihn fteundlich an: „Nun, und du, mein Sohn, du hast gar keinen Wunsch?" Der Kleine grinste verlegen und meinte endlich: „Ich hält' schon einen, königliche Hoheit, aber ich trau mich nicht/ „Nur immer heraus mit der Sprache!" ermunterte ihn der Erzherzog. „Wenn ich ihn erfüllen kann . . ." „Königliche Hoheit", faßte sich der andere ein Herz, „ich möcht' haben die Erlaubnis, zu verkaufen ein neues Mützenabzeichcn." „Ein neues Mützenabzeichen?" meinte der Erzherzog, „nun darüber läßt sich ja reden. Was soll denn das für ein Abzeichensein?'" Nun verlor der Mann alle Schüchternheit. Er sah sich bereits am Ziele seines SehnenS.; Und er antwortete: „ÄS*