Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 39 (27.2.1920)
- Date
- 1920-02-27
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Kirn mi Interesse des Gemeinwohles neutral bleiben und die am besten nicht in einem Wahlkampf mit seinen nie ausbleibenden persönlichen Angriffen eintreten. Eine der schwierigsten Fragen ist die, ob Verhältniswahl zu empfehlen ist oder nicht. Die Verhältnistvahl soll die Minderheiten schützen, aber auch diese sehr wichtige Aufgabe wird nur sehr unvollkommen gelöst. Sie ist überhaupt nur da möglich, wo größere Wählermassen in Frage kommen, scheidet also bei den Mittel- und Kleingemeinden vollständig aus. Ihr größter Nachteil liegt darin, daß sie zur Bildung von Parteien zwingt. In jeder Gemeinde gibt es Persönlichkeiten, die das Vertrauen aller Wähler genießen, und dieses Vertrauensverhältnis, das gerade für das Gedeihen einer Synagogen-Gemeinde «in gar nicht zu überschätzender Faktor ist, wird zerstört, da nur in Listen gewählt werden kann, die von den Parteien aufgestellt werden. Solche Persönlichkeiten, die über den Parteien stehen, werden ausgcschaltet odsr in Parteien gezwungen. Bei der Verhältniswahl müssen natürlich auch mit Ablauf der Wahlperiode alle Gewählten ausscheiden, was nach dem * Judengesetz von 1847 nicht der Fall sein soll, was auch nicht wünschenswert ist. Doch glaube ich nicht, daß deshalb einem Statut, das Verhältniswahl und Ausscheiden aller Gewählten nach Ablauf der Wahlperiode vorsieht, die Genehmigung durch die Regierung versagt würde. Auch die Einteilung in Repräsentanten und Stellvertreter, die das Gesetz versieht, ist sehr schwierig. Endlich ist die Verhältniswahl zu kompliziert und für die Feststellung des Wahlergebnisses werden besondere Beamte beschäftigt werden müsien, da wohl keine einzige Gemeinde dafür ausgebildete. Beamte besitzt. Aus allen diesen Gründen ist Referent gegen die Einführung des Verhältniswahlrechtes. In der anschließenden Diskussion , werden die Fragen des Wahlalters, Ausländer und Beamtenwahlrecht besprochen. Herr Abraham, Essen, spricht insbesondere für das volle Wahlrecht der Beamten, den Beamten das Wahlrecht beschränken, bedeute den überlebten Parneßstandpunkt einnehmen. Er ist für Herabsetzung des Wahlalters; Ausländer sollest aktives und passives Wahlrecht haben, aber er schlägt eine längere Karenzzeit vor. Herr Rabb. Dr. Rosenthal spricht für das Beamtenwahlrecht. Herr Siegfried Simon tritt für gleiche Rechte der Ausländer ein. Die Praxis habe gezeigt, daß keinerlei Schwierigkeit dadurch entstehen. Auch die Beamten dürfen in ihren Rechten nicht geschmälert werden. Gumpertz, Elberfeld teilt mit, daß in seiner Gemeinde nach dem Statut Rabbiner und Lehrer der Kultur Schulkommission angehöven. über Punkt 3 der Tagesordnung. ' „die Lehrerfrage im Hinblick auf die Zukunft der kleineren ' und mittleren Gemeinden", | referierte Herr Siegfried Simon Köln. Der Referent legte dar, daß es sich um eine Lebensfrage der Gemeinden han-s s delt, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Lehrer den Zeitverhältnisscn entsprechend zu besolden. In einer Lehrerbildungsanstalt konnten von 14 Lehrern, die die Prüfung abgelegt hatten, nicht ein einziger eine Stelle antreten, obwohl zirka 30 Angebote Vorlagen, weil das Gehalt, daß die betreffende Gemeinde aufbringen kann, nicht ausreicht. Die Gemeinden sind ohne Lehre'k, und es wird bald kein Vater mehr seinen Sohn dem Lehrerberufe widmen. Was es bedeutet, wenn unsere Gemeinden keine Lehrer mshr erhalten, wenn Religionsunterricht und Gottesdienst aufhören, das braucht nicht im einzelnen ausgeführt zu werden. Mit kleinen Mitteln, wie sie einem Provinzialverband zur Verfügung stehen, ist dieser Not gar nicht beizukommen. Der Provinzialverband muß auf die Gemeinden einwirken, daß die Gemeinden nicht leistungsfähig sind, müssen die Großgemeinden einspringen. In der Diskussion teilt Herr Lehrer Abraham mit, daß sich di« Lehrer aller Richtungen zu einer Gewerkschaft vereinigen, deren erste Forderung sein wird: Gleichstellung in Gehalt mit den aleichaltrrigen staatlichen Lehrern, und es wird nicht mehr lange dauern, dann wird über die Gemeinden, di« diesen Forderungen nicht Nachkommen, der Boykott verhängt. Sicherlich gibt es Gemeinden, die diesen Forderungen auch beim besten Willen nicht entsprechen können, und da muß die Gesamtheit eintreten. Für Abwehraufgaben „zum Schutze von Fensterscheiben und Auslagen" sind in diesen Monaten gewaltig« Summen aufgebracht worden. Er verkenne durchaus nicht den Ernst dieser Aufgabe und habe an ihr mitgearbeitet. , Hi- .-ondelt rs sich um eine positive Aufgabe, um die Zukür' der deutschen Judenheit, um ihr idealstes Gut, um t v Judentum selbst, und da muß die Opferwilligkeit der einzelnen, nicht der Großgemeinden, die heute, kaum in der Lage find, ihre eigenen Ausgaben zu bestreiten, einspringen. Eine großzügige Aktion muß eingeleitet werden. Ein Ausgleichfonds von 2 bis 3 Mill. Mark ist aufzubringen, um den Gemeinden, die nicht leistungsfähig sind, beizustehen. Der Vorsitzende erkennt die Forderung der Lehrer als berechtigt an. Was getan wird, geschieht nicht wegen der Lehrer, es ist für die Genieinden, für uns selbst, denn es handelt sich um unsere Zukunft. Der P. V. und er persönlich sind gerne bereit, alles zu tun. was ejne Besserung verspricht. In dem Rahmen des Bisherigen kann es nicht weitergehen, die Mittel, die dem P. V. zur Verfügung stehen, sind noch weniger, als jener Tropfen auf dem heißen Stein. Er ist bereit, die von Herrn Abraham gewünschte Aktion in die Wege zu leiten und er bittet um Zustimmung und eifrigste Mitarbeit. Es wurden noch geschäftliche Angelegenheiten erledigt. Die Festsetzung des Ortes und des Termines des nächsten Gemcindetages wurde dem Vorsitzenden überlassen, worauf die Sitzung geschlossen wurde. □aaaanoDaoBOdaoDaa □ □ □□oDoaDaaaoooiiaoDoa a a a □ Der Uereinsbote. a a a d a □ n aaaooDDaaaaaaaDQDaaa a a r aaoaaaaooaDanooa Wir stellen diesen Platz allen jüdischen Vereinen frei zur Verfügung, um hier ihre wöchentlichen Veranstaltungen kurz anzukündigen. verlln. Jüdischer Nationalfond» e. V. Postscheckkonto Berlin NW. 7 Nr. 28 247. Bon den im Jahr« 1S20 auszubringeiiden 4 Millionen sind bis zum 17 Februar 135 'J52.35 M. eingezahlt worden. vonn. »er Jgaendverein „Die Kameraden", Vorsitzende: Frau t Dr. Sohn. Sonntag, den 29. Febr.: Halbtagswanderung. Rhetnhöhenweg Bonn—Mehlem, über KaffelSruhe-BodeSberg—Heiderhof-Ließen,. Treffpunkt kt>/, Uhr Argelanderstraßr, Aufgang zum BenuSberg — Alle Kameraden, Kinder und Freunde, sind herzlich etngeladen. Mittwoch, den S. März, 3 Uhr, lm Düsseldorfer Hof, Ecke HundSgaffe und RathauSgaffe: Pnrlmsrier Jüdischer Jngenddnnd. Vorsitzender: Ltegm. Schmttz, Hatschlergaffe 4. Freitag, den 27. Febr., Im Hotel Levy: Heimabend. — Donnerätag, den 4. März: Vortrag TSplitz lfiehe Anzeige). Jüdischer Wanderdnnd vlan-Weij. Führerschaftgleilcr: cand. iur. Karl Levh. 1 Dienstag 5 Uhr: Heimabend, 1. Zug tWcbersir 8t) — kamätag */,5Ubr: Einweihung de» »euch, Heim» (Webcrstr. 31). — Sonntag t/,4 Uhr: Eltrrnnochmittag anläßlich der Einweihung unsere» neuen Heim». ' Zio>.;Ort»grntzp«. Vorsitzender: Maz Eoldreich, Beuel, Friedrichstr. 15. Jeden Dien»tag Abend 8 Uhr Weberstraß« 31: Zionistischer Stammtisch. todlenr. Juno-Jüdisch« Vereinigung. Jeden Montag I Ubr Vortragsabend in o«n Raumen der Eintracht-Loge, Florintzmark».