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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-02-06 · 36 (6.2.1920) · p. Seite 67

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
36 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
Seite 67 (sequence 7)
Language
German
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67 Repräsentant der Synagogengemeinde und viele Jahre aktives Mitglied des Synagogenchors. Die hiesige Klempner- Innung, deren Ehrenmeister er war, widmete ihm ehrende Worte der Anerkennung und des Gedenkens. Münster in Wests. Ter bisherige Prediger der hiesigen Synagogengemeinde, Herr S. Keßler, wurde in Anerkennung seiner Verdienste um die Garnison-, Lazarett- und Kriegsgefangenenseelsorge durch die Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasie am weiß-schwarzen Bande ausgezeichnet. Aachen. Ter Israelitische Asylverein e. V. versendet an die Mitglieder der Gemeinde ein Zirkular folgenden Inhalts: „Tank der Opferwilligkeit unserer Gemeindemitglieder konnte im Mai 1913 unser Altenheim auf Siegelhöhe errichtet werden. Als allgemein bekannt darf angenommen werden, daß diese Anstalt unsrer Glaubensgemeinde und unserer Stadt zum Segen und zur Zierde gereicht. 26 Pfleglinge haben bisher in ihren alten Tagen darin ein von Mangel und Sorge befreites Dasein führen können; 16 Pfleglinge verleben gegenwärtig darin ein ruhiges und behagliches Älter. Kurz nach Ausbruch des Krieges errichteten wir in unserem Altenheim ein Lazarett von 20 Betten und stellten es kostenfrei den Behörden zur Verfügung. Vom 28. Nov. 1914 bis znm 25. Nov. 1918 wurden 1455 verwundete und kranke Soldaten in 22 720 Tagen verpflegt. Die ärztliche Behandlung übernahm in selbstloser und aufopfernder Weise unser Vorstandsmitglied Herr Sanitätsrat Dr. Ben Israel. Mit so großer Befriedigung aber auch auf die bisherigen Erfolge unseres Vereins zurückgeblickt werden dass, so stehen ihm doch noch für die nächste Zeit weitere Aufgaben und damit erheblichere Ausgaben, wozu die vorhandenen Mittel bei weitem nicht ausrcichen, bevor. Es müssen im Altenheim umfangreiche Reparaturen und sanitäre bauliche Veränderungen vorgenommen, sowie die Einrichtung zur Aufnahme einer größeren Anzahl von Pfleglingen getroffen werden. Auch ist zu berücksichtigen, daß infolge der zunehmenden Teuerung die Verpflegungskosten immer mehr steigen. Damit nun das Altenheim auch fernerhin ebenso segensreich und noch segensreicher als bisher sich erweise, gestatten wir uns. die verehrlichen Gemeindemitglieder herzlichst und dringend zu bitten, in ähnlicher Weise wie vor zehn Jahren durch einmalige oder auf zehn Jahre sich verteilende Spenden unsere Anstalt zu unterstützen. Tie Unterzeichneten werden in den nächsten Tagen, mit Zeichnungslisten versehen, sämtliche Gemeindemitglieder besuchen und sind überzeugt, daß sie an das gute jüdische Herz nicht vergeblich appellieren werden." Auch wir zweifeln nicht, daß die Herren des Vereinsvorstandes und des für diesen Zweck besonders gebildeten Propagandakomitees, bestehend aus den Herren Adolf Berg. Siegmund Berg, Michael Geisel, Josef Holländer, Julius tolländer, Oberkantor Sally Meyer, Leopold Rosenberg, urt Schiff. Emil Stern und Sally Weisbecker, bei dem bekannten Wohltätigkeitssinn der Aachener Gemeindemitglieder einen vollen klingenden Erfolg werden verzeichnen können. Aachen. Am letzten Vereinsabend der jüdischen Jugend am Dienstag den 27. Januar hielt Frau Mathilde Wertheim von hier einen in jedweder Hinsicht ausgezeichneten Portrag über „Zukunftsaufgaben für unsere Jugend". Mülheim-Ruhr. Vor kurzem fand hier eine Versammlung von Gemeindemitgliedern statt, um eine Aussprache über die künftige Gestaltung der Verhältnisie unserer Synagogengemeinde hevbeizuführen. Tie Frage eines demokratischen Gemeindewahlrechts, ferner der Ausbau des Religionsunterrichts und die damit zusammenhängende, aber weit darüber hinaus bedeutungsvolle Frage der Anstellung eines Rabbiners sollte besprochen werden. Während über die heute nahezu selbstverständlich gewordene Lösung der Wahlrechtsfrage Übereinstimmung erzielt werden konnte, blieb die Erledigung der beiden übrigen Fragen leider noch offen. Daß sie in einer Gemeinde, die 600 bis 700 Seelen, darunter etwa 100 schulpflichtige Kinder zählt, in angemesfettet Weise ihre Erledigung finden muß, erscheint fraglos. Deshalb müssen auch die Widerstände, die ihrer Lösung bedauerlicherweise aus finanziellen Gründen noch entgegengesetzt werden, überwunden werden. Wohl die meisten Gemeindemitgliedcr haben dies« schon seit Jahren in wiederholten Eingaben an den Vorstand behandelte Frage der Anstellung eines Rabbiners zum ersten Male ditzkutieren hören. Das macht es erklärlich, daß sie sich mit Rücksicht auf das große Steuerbukett des Staates noch zu keiner befriedigenden Lösung haben entschließen können, obwohl jetzt besonders für spendefreudige Seelen noch eine recht günstige Gelegenheit hierzu gewesen wäre. Wird die Nottvcndigkeit des Bedürfnisses bejaht, wie es allenthalben geschehen ist. jo kann auch die Lösung der finanziellen Seite keine unüberwindlichen Schwierigkeiten mackM. Die Erledigung dicsrrhalb abzulehnen, wäre einer so bedeutungsvollen Sache nicht würdig. Tie Sackw muß und wird uns deshalb weiter beschäftigen. Könner Nachrichten. Bonn. Wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich ist, findet am kommenden Sonntag den 8. Februar, nachmittags 5'/, Uhr pünktlich, im großen Saale der Fortbildungsschule. Bornheimerstraßc 9, ein Portrag des Herrn llr. Bruno Lange aus Esten statt. Ter Vortrag ist öffentlich, Gäste sind willkommen. Thema: „Juden und Antisemiten". Die großen Erfolge des Redners mit seinen Rede» gegen den Antisemitismus lasten einen zahlreichen Besuch der Versammlung erwarten. Bonn. Tic Generalversammlung der Ehevroh G'millus Ehassodim, verbunden mit einem Fischesten. findet am Mittwoch den II. Felnuar, alwnds 6 Uhr, im Gemeindehauie statt. Bei dieser Gelegenheit wird die Neuwahl des Vorstandes vorgenommen. Bonn. Am Samstag den 31. Jan. fand der zionistische Einfülirnngskursus, der bisher in der engen Gemeindestube abgehalten worden war, zum ersten Mal in den weitaus wohnlicheien Räumen des Hotel Levi statt. Wieder halte sich eine ansehnliche Anzahl von Hörern eingefunden. Herr Eand. jiir. Siegfried Markus sprach über seine Palästinarcije im Jahre 1913. Er zeichnete ein überaus lebensvolles Bild von dem, was er im Lande unserer Zukunft gesehen, und gab eine packende Schilderung seiner persönlichen Erlebnisse. Ein reiches Bildmaterial vermochte die interessanten Ausführungen des Redners anschaulich zu illustrieren. So dürfte der Abend wesentlich dazu beigetragen haben, dem Hörcrkrcis eine lebhafte Vorstellung von Palästina zu vermitteln und das Verständnis für die aktuelle Palästinasrage zu vertiefen. i! iHWi sin rasai Die Holentasche. Iü.:!ü»-ijüiy jrutiJ-iJ-njjiL).;T.|: mj, u/; j^; ,k i. '.IlciuJTJUj Kl i i.M i, : ji ,u^M-)LJOQ:ra»:i-L)üun llu::. ta.ji-lilüJlji hj.;u 1 Hamburger Judenstatistik. Tora Weigert veröffentlicht in der Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden einen interessanten statistischen Aufsatz über die jüdische Bevölkerung in Hamburg. Tie Lektüre kann jedem empfohlen werden, der die Entwicklung des deutschen Judentums in den letzten Jahrzehnten am Beispiel einer Großgemeinde erläutert sehen mochte. Es ist interessant, daß in der Zeit von 1871 bis 1910 zwar die Zahl der Hamburger Juden von 13 796 auf 18 932 gestiegen ist, daß aber der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung in dieser Zeit ständig abgcnommen hat. nämlich von 4.1 Prozent im Jahre 1871 auf 1.9 Prozent im Jahre 1910. In der gesamten Hamburger Bevölkerung ist die Zahl der Frauen stets größer gewesen, als die der Männer. Bei den Juden war dieses Überwiegen des weiblichen Elementes anfangs so gut wie gar nicht vorhanden (1871 kamen auf 100 Subeit 101 Jüdinnen), im Laufe der Jahre hat sich dieses Verhältnis bei den Juden stärker entwickelt.

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