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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-01-09 · 33 (9.1.1920) · p. Seite 31

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
33 (9.1.1920)
Date
1920-01-09
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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31 — r Sieb Moschr dankte dem Rabbiner und ging.' Er ver» suchte, nach seiner Anweisung zu handeln. Er machte über, menschliche Anstrengungen, um diese Nacht seine Frau nicht & beunruhigen. Aber Frau Blümele sah wohl, daß er nicht ief, daß er. beim ersten Uhrschlag um Mitternacht mit dem Kops unter da- Deckbett fuhr, heftig zitterte und nach wenigen Minuten in SHoeiß gebadet war. und fie selbst war es, die diesmal die Kerze anzündete, um sein Grauen zu zerstreuen. In den beiden folgenden Nächten ließ fie ein Nachtlicht auf dem Tisch brennen. Aber auch dahalf nicht-. Reb Mosche hatte am Freitag gefastet, er hatte Sam-tag, als er zum Lesen der Thora gerufen wurde. unter dem Ge. flüster der Gemeinde 10 Matt für di« Armen gestiftet, doch ttotz der Buße Erachte ihm di« Mitternacht in beiden Nachlenden gewüMen schrecken. Sonntag erklärte er seiner Frau, er müsse endlich wie« der seinen Geschäften nachgehen. Sie nahm diese Mittei. lung mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung auf. ES war hoffentlich der Beginn der Genesung. Reb Mosche spannte ftin Wägelchen an und fuhr weg. Aber nicht auf die Dörfer zu den Bauern, um Kühe und Kälber zu kauftn, sondem geradewegs nach G. Er stellte seinen Gaul in einer Schenke ein und ging entschlossen zum jüdischen Friedhof. Da- Tor des von einer niedrigen Mauer mit davon liegendem Graben umgebenen Friedhofwar geschlossen. Neben dem Haupteingang führte ein Pförtchen in die Wohnung des Totengräbers, der zugleich der Wächter de- „guten Ortes" war. Auf das zaghafte wiederholt« Schellen Reb MoscheS öffnete stch die Tür und der Toten, gröber erschien. * „Was wollen Sie?-" „Ich habe mit Ihnen zu reden." „Wer sind Sie r „Ich bin Mosche Rosenthal au-... Kennen Sie mich denn nicht? Ich war doch bei der Lewaie von Hirsch Guttmann hier." „Verzeihen Sie I Ich habe mit der Beerdigung zu tun gehabt und Hab« mich nicht umsehen können. Kommen Sie herein. Sind Sie wegen der Mozewc hier?" „Nein. Ich muß mit Ihnen unter vier Augen reden." Die Dstentaschr. nfHVS'FLfSHBMBSSy I «AEMAdLMW-1 Makkabäische Münzen. Unter den Numismatikern besteht eine Meinungsverschiedenheit darüber, ob die selten vorkommenden dicken Schekel- und Halbschekelmünzen dem Simon Makkabäus zuzuteilen sind, also im Jahre 139—134 vor der gcw. Zeitrechnung geprägt worden find oder erst zur Zeit des römischen Aufstandes 66—70 n. Zur Entscheidung dieser Frag« hat der Frankfurter Numismatiker Carl Nathan Mayer an Hand seiner reichen Sammlung gründliche Untersuchungen angestellt, die in einem hochinteressanten Hefte (erschienen hxi I. Kauffmann.Frankfurt a. M., Preis 5.50 M.) .vorliegen. Mayer kommt zu dem Ergebnis, daß cs sich ohne Zweifel um makkabäische Münzen handelt, di« von Simon auf Grund der ihm von Antiochus dem Siebenten im Jahre 138 erteilten Münzhoheit (1. Makkabäerbuch Kap. 15, JjLjO) geprägt Warden sind. Mayer^ieht zuseinerBeweisführung das gesamte jüdische Gewichts- und Münzsnstrm, wie «S in Pentateuch und Mischna in durchaus lückenloser Kontinuität sich darstellt, heran uyd liefert so, insbesondere durch die beigegebenen vergleichenden Münz-, Gewicht-- und Echriftzeichentabellen, ein Material, daS über den Kleider numismatischen Fachgelehtten hinaus jedem um ernste- Verständnis der talmudischrn Realien bemühten Lernbeflis. ftnen außerordentlich viel Anregung bieten wird. Das hebräische Theater in Moskau. Die hebräische Theatergeftllschaft .Habimah" in Moskau hat im Lause deletzten halben Jahrebedeutende Fort« schütte gemacht. Die künstlerische Ausbildung wurde erwei» irrt, seitdem die künstlerische Leitung in die Hände des Künstler- E. B. Wachtangow gelegt wurde. Herr Wach, tangow, ein hervorragender Künstler, Nichtjude, ist ein begeisterter Verfechter der hebräischen Theateridee. Gelegent, lich seineletzten Besuches in Petrograd macht« er einem zionistischen Vertreter folgende interessante Mitteilungen über di« .Habimah": Die öffentlichen Vorstellungen der .Habimah" in der Wintersaison find im April diese- Jich. res abgeschlossen worden. Wir können mit dem Verlauf der Saison zuftneden sein» Gegenwärtig ist die Gesellschaft mit der Sprach- und Ausdrucksverbesserung sowie der szenischen Technik nach dem System unftres berühmten russischen Künstler- Stanislawski beschäftigt. Leider wird unsere Arbeit durch äußere Umstände erschwert. Wtt setzen unsere Hoffnungen auf die nächste Saison, wo unsere Künstler» truppe, die zurzeit 25 Personen zählt, in die Provinz gehen wird, um sich dort der künstterischen Ausbildung völlig zu widmen. Wit gedenken, demnächst die Werke von An.ski „Dibuk" und „Menachem" zur Aufführung zu bringen. Di« Regie des letzten Wetteliegt in den Händen des Regisseurs de- Moskauer 5künstlertheaters, Hcrm Mtschedelow. Un. sere Truppe ist fest entschlossen, bei der ersten'Möglichkeit nach. Palästina zu überfiedeln. Die .Habimah" stellt sich hrr Aufgabe nicht anders vor. als in engster Fühlung mit >em jüdischen Volke in seiner historischen Heimat, in Palätina, zu arbeiten. Gleichzeitig will sie aber nicht den zeitigen Zusammenhang mit ihrem Schöpfer und Begründer, >em Moskauer Künstlertheater, verlieren, und deshalb Witt voraussichtlich auch in Zukunft eine Zweigabteilung der „Habimah" in Moskau bestehen bleiben." Wachtangow fügte hinzu: „Ich bin kin Jude und verstehe auch jetzt noch nicht hebräisch, obwohl die bisher von der .^Habimah" auf. geführten Stücke von mir geleitet wurden. Darin besteht aber das Wesen unserer Schule, der Schule Stanislawskis: Auf der Szene ist das wichtigste nicht das Wort, sondern das Erlebnis. Die Kenntnis des Hebräischen ist daher für mich nicht notwendig." Albert Einstein und seine Relativitätstheorie. Über Albert Einstein und seine Relativitätstheorie, welche in der ganzen Welt so gewaltiges Aufsehen gemacht hat. schreibt di« Vossische Zeitung: ' ' „So hcü die beispiellos« Gestaltungskraft eines Man. nes in fünfzehn Jahren die Physik aus eine neue Grundlage gestellt, so daß wir am Beginn einer ganz neuen Epoche der Naturbeschreibung stehen, geknüpft an den Namen Einstein, so wie frühere an die Namen Ptolcmnus, Kopernikus und Newton geknüpft werden. Er hat die Physik vor ganz uieue Probleme gestellt, die Mathen,atik vor die Aufgabe, di« neuen mathematischen Hilfsmittel auszubauen, dje benötigt werden, da seine Theorie die bisher üblichen Formeln der euklidischen Geometrie verläßt; die Philosophie vor die Notwendigkeit, unsere Anschauungen über Raum, Zeit, Materie einer gründlichen Revision zu unterziehen, und die Astronomie vor die, Ehrenpflicht, die Prüfung der letzten Konsequenzen der neuen Theorie an der Erfahrung durchzuführen." Professor Flam von der technischen Hochschule schreibt über ihn im Neuen Wiener Tageblatt: „Der geniale Schöpfer dieser Theorie, auf den abseits von allem Völkerhaß die Fachgelehrten aller Länder mit ungeteilter Bewunderung blicken,-strht^noch ru der Mtttr der vierziger Jahre. Er wirkte anfangs am Polytechnikum in Zürich und kurze Zeit auch an der UniveZität in Prag. In Berlin kann er sich nun ganz seinen wissenschaftlichen Arbeiten widmen und hat das Recht, an der dortigen Universität ganz nach Belieben Vorlesungen zu halten» ohne aber irgendwie dazu verpflichtet zu sein. Zum Naturfor. schertage im Jahre 1913 hörte man ihn hier in Wien über feine GravitatjonStheorie sprechen, die sich damals noch in

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