Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 32 (9.1.1920)
- Date
- 1920-01-09
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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freudiger Genugtuung. Alle, die uns dabei geholfen Hab«, insbesondere unsere Vertrauensleute, wissen, daß e» keine leichte Mühe gewesen ist. diese Summe einzuoekommen. Aber mit Freude können wir feststellen, daß die Größe der Verantwortung, die gerade in dieser Zeit jeder Einzelne für da- Gelingen des NationalfondSwerke» trägt, in unseren Freunden lebendig ist. Die überwiegende Mehrzahl hat nach Kräften da- Ihre getan, weil sie sich bewußt war. daß die Gegenwart von jedem da- Äußerste verlangt; nur wenn alle sich nach bestem Können daran beteiligen, wird da» große Werk de- N. F.. di« Grundbedingung für den Aufbau Palästina-, gelingen. Di« deutsche Zentrale spricht auch an dieser Stelle allen Spendern und allen Vertrauensleuten für ihre hingebende Mitarbeit bei der Erreichung devorlähriaen Zieleihren herzlichsten Dank au-. Dies« überaus erfreuliche Leistung läßt unS bestimmt erwarten, daß auch die Forderung des laufenden Jahres, nämlich die Aufbringung von mindestens 4 Millionen Mk.. verwirklicht werden wird. Das abgelaufene. Jahr hat gezeigt, wie sehr dir Erfolg« noch gesteigert werden können, wenn jeder einzelne von der außerordentlichen Bedeutung des Nationalfonds für die praktische Palästinaarbeit durchdrungen ist. Das Jahr 1918 brachte nur 270 000 Matt, «inen Betrag, den wir jetzt uw das Vierfache überholt haben. Für uns besteht kein Zweifel daran, daß sich auch 1920 das Vierfache des vergangenen Jahres aufbringen lasten wird. Sm Jahre 1919 hat der N. F. in Deutschland zum ersten Male sich in großem Stile an die breite Öffentlichkeit gewandt. Allein Die Palästinawoche vom April vor. Js. ergab 250 000 M. Unsere Erfahrungen in der Propaganda find durch diese Aktion sehr bereichert worden, und wir baben das feste Vertrauen, daß auf Grund einer immer veroesterten Organisation und eines immer größeren Ausbaues unserer Propaganda auch das neue Ziel im Jahre 1920 erreicht werden wird. Jüdischer Nationalfonds, Zentrale für Deutschland. Der Friede in uniereu Gebete». von Rabbiner Dr. E. Samuel lEssenj. > >■ In der Leidenszeit des Krieges konnte man oft die Klage hören: ach, daß wir den Frieden nicht zu schätzen wußten; erst jetzt, da er uns so grausam entristen ist, be- 8reifen wir, was wir an ihm hatten. Aus jüdischem Munde langen solche Worte befremdlich. Wir Juden hätten auch nur einen Augenblick das kostbare Gut des Friedens mißachtet? Nein, vir haben ihn immer mit vollem. klaren Bewußtsein heiß und innig geliebt; wir waren seine treuesten Fürsprecher und Lobredner, wir haben — und dawollen wir gleich näher zeigen — für ihn, wie keine andere Gemeinschaft, zu beten verstanden. Er war uns Lebensbedürfnis, ja die Lebenslust, ohne die wir nicht atmen zu können meinten. Längst sind die Tage entschwunden, da wir für unser eigenes Land, unsern Staat, unsere Gesetze und Selbstyndigkeit die Waffen führten; so tapfer, wie nur irgendein Voll der Welt. Aber später sind wir nach der Ansicht der andern der Handelsmann unter den Nationen geworden. als solcher den übrigen überlegen,, und nach Ansicht gewister Halbgelehrter wären wir dies nach unserer ganzen Anlage und Sinnesart immer gewesen. Der Kaufmann aber hat das größte Interesse am Frieden; im Kriege fehlt es an Sicherheit; die Kaufkraft nimmt ab, Handel und Wandel stocken, Armut, Elend, Verrohung der Sitten nehmen überhand. Da können hie Geschäfte (wenn'S nicht grade Krirgsgeschäfte sind> nimmer gedeihen ^^mdMfi gehen doch dem Juden „über alles". Er schätzt ja wie kein Volk die Güter dieser Welt, und klebt am Mammon; — MammonSgeist aber und kriegerischer Mur sind deükbar schroffste Gegensätze. Selbst di« leiblichen und seelischen Fähigkeiten zum Krieg« hätten stch beim Juden, wenn sie wirklich früher vorhanden waren, zurückgebildet und verloren — ein Grund mehr, ihn in bürgerlichen Rechten zurückzusetzen. . Ganz ander» stellen sich die Dinge dem tieferen Micke dar. Wohl war ede- Juden Los, in seiner zweit« Daseinsform, d« vielhundertjährigen Golu» nicht mit, sende« neben den ander«, und zumeist al» ihr Paria, ohne diejenig« zu leben, die den ander« aldie höchste galt. Aber er verlernte niemals, jeden Einsatz de- Leben» für wirklich edle Ziele zu bewundem; nur hatte er bei den mittelallerlichen Schlachten und Kriegen nicht allzuost Gelegenheit dazu. Desto tiefer fitzte sich in ihm, dem Sohne einer älteren Kultur, der Abscheu vor unnützem oder gar verbrecherischem Blutvergießen fest. Und erst, al» die Dritte Daseinswandlung mit ihm vorging, al» er allenthalben Bürger wurde, und ihm di« Waffi in di« Hand gegeben ward, um dem neu gewonnen« Vaterland« auch als Soldat zu dienen, erinnerte er sich fiiner tapferen Makkabäer. Nur Tattn. wie diefi sie geübt, für Heimat. Volk und Glauben, konnten ihm fine Waffen weih«; ob fii» Land ihm immer solche in die Hand gab, stand nicht mehr in fiiner Wahl. Hat er da«m den Frieden weniger geliebt? Wir wollen die Antwott aus dm jüdischen Gebet« geben. Denn wo der Mensch fiin Anliegen vor Gott bringt, muß «» sich zeigen, wohin fiin« Sehnsucht weist, was ihm tiefinnerlich das Herz bewegt. Wir können verschiedene Stufen der Friedensbitte in unfirn Gebeten wahrnehmen. und zwar ist der breite, tragende Untergrund der Frieden in unserem persönlichen Leben, dem Leben de» Einzelnen; eine höhere Gemeinschaft führt ihn zusamm« mit seinen Brüdern im Glauben und durch sie mit Gott; die höchste Stufe erreicht der Frieden, wo er alle Völker und Zungen verbindet, eine einzige, einige Menschheit auf Erden schafft, die nur noch den Einen Gott, den Herrn aller Welten anbetet. » ' Den Friede im persönlichen Leben, im eigenen Herzen haben wir am dringendsten nöttg, um ihn beten wir ^daher in unsern alltäglichen Gebeten, sowohl morgens al» (^abends. Die Frühgebete bis zum „SBordfjir sind bekanntlich Privatgebete, und da haben wir Gott kaum dafür gedankt, daß er den Schlaf von unsern Augen gehoben und den Schlummer von unsern Lidem, — und alsbald bitten wir ihn um ein einig reines Herz, voll Kraft und Mut im Guten, km Überwinden jeder Versuchung und Sünde. Wa» heißt das anders, als daß er uns im Kampf um den Frieden mit uns filber beistehe, der unheilbar gestört ist, so lange die Sünde über uns Gewalt hat! Wir wünschen uns den lauten Richter in unserer Brust, der über un» so lange zümen soll, bis wir ihm Genüge getan haben. Den Starrsinn aber, den Trotz oder die Leidenschaft, die uns im Böfin verharren lasten, bitten wir Gott, in uns zu »eugen und zu brechen, und den unheimlichen Einfluß chlechtrr Freundschaft und unsittlicher Umgebung auszuchalten oder unwirksam zu machen. Warum dies alles? Im des Friedens in unfirm Jnnem willen. Mit diesem ollen wir dann an u'nfir Tagewerk gehen, also unter die oft >ar nicht ftiedebereiten Menschen, auf den Markt des Le- »ens, direkt unter feindliche Einflüsse, freche Gegner, hän- »elsüchtige Nachbam, Konkurrenten in unfirm Erwerb und n unfirer Ehre. „ES kann der Frömmste nicht in Frie- >en leben, wenn eS dem böfin Nachbarn nicht gefällt." Ganz recht; aber er kann auch mit ihm zu einem Ausgleich zu gelangen suchen; er darf ihn durch Nachgiebigkeit und Mild« beschämen, ihn nicht rechthaberisch reizen, Zank und Streit mehren. Eine gar schöne Sitte ist'S, mit dem Beten eist Stücklein »Lernen" zu verbinden; die Auswahl au» den sechs Ordnungen T>er Mischna, die unser Gebetbuch zu andern Gelegenheiten trifft, ist nicht fihr glücklich; kam e» doch nur auf das Lemen um seiner filbst willen an; der Stoff war gleichgültig. Der Alltag schneidet am best« ab: für ihn sind jene herrlichen Sätze aus dem Traktat Pea bestimmt, die vnter den heiligsten Pflichten des Juden das Friedenstiften zwischen einem Menschen und keinem Genosten betonen. Eine Lichtgestalt taucht vor unsern Aug« auf: Aron, der Hohepriester, der Perkünder der Friedens-